Watch Dogs bei uns im TestWatch Dogs bei uns im Test
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Watch Dogs bei uns im Test

Schöne neue Welt

Chicago könnte so eine schöne Stadt sein. Sonnendurchflutete Straßenschluchten, eindrucksvolle Wolkenkratzer, Museen, Theater und Parks, die zum Erholen einladen. Aber wo Sonne ist, ist auch Schatten. Chicago ist eine Stadt totaler Überwachung. Ein Großkonzern kontrolliert mit seiner Software ctOS das gesamte Leben der Metropole. Jeder Schritt, jede Unterhaltung und jedes Verbrechen wird aufgezeichnet, analysiert und sogar schon im Voraus erkannt. Alles natürlich zum Wohle des Volkes.

Ein Hacker sinnt nach Rache

Dieses System macht sich unser Hauptcharakter, Aiden Pearce, zu seinem Vorteil. Auf seinem Vandetta-Feldzug auf der Suche nach den Mördern seiner Nichte, zapft er das System des Unternehmens an und macht somit die Stadt zu seiner Waffe. So übernimmt er die Kontrolle über Überwachungskameras, schaltet Ampeln, lässt Stromkästen explodieren oder fährt Brücken hoch. Nicht das Sturmgewehr, sondern ein Smartphone ist die größte Waffe von Aiden Pearce. Hiermit kann er über jede Person, die ihm begegnet, allerhand Informationen herausfinden: Umfang des Bankkontos, Beruf, Hobbys und die schmutzigen Geheimnisse, die uns doch am brennendsten interessieren.

Hacker, Gangs und ein Großkonzern

Die Geschichte rund um unseren Helden braucht ein wenig um in Fahrt zu kommen. Aiden Pearce, Mitglied einer polizeilich gesuchten Hackergruppe, zog nach einem missglückten Auftrag die Aufmerksamkeit einer unbekannten Gruppe auf sich. Bei dem Versuch Aiden auszuschalten, wird seine Nichte Lena getötet. Seitdem verfolgt verfolgt Aiden nur noch ein Ziel: Die Mörder zur Strecke zu bringen. Obwohl Aiden Pearce ein von der Polizei gesuchter Ganove ist, schafft es Ubisoft doch, dass wir ein wenig mit ihm leiden und seinen Rachefeldzug verstehen.

Über fünf Akte mit zahlreichen Missionen erstreckt sich die Kampagne, in der Aiden immer tiefer in einen Sumpf voller Korruption, Daten-Sammelwut, Überwachung, Mafia, rivalisierenden Gangs und konkurrierenden Hackergruppen gelangt. Alle Fraktionen sind ihrem eigenen Wohl und Profit bedacht, stecken aber irgendwie auch alle unter einer Decke. Gerade in den ersten Missionen sind die Zusammenhänge der Geschichte noch recht undurchsichtig. Immer wieder tauchen neue Personen auf, die eine wichtige Rolle in Aidens Vergangenheit und Zukunft spielen. Nach und nach verschmelzen die einzelnen Teile zu einem Gesamtbild und ein leicht roter Faden ist zu erkennen.

Kampagne und Multiplayer in einem Guss

Eine nette Idee ist die Verschmelzung des Solospiels mit Onlinefeatures. Aiden ist nicht der einzige Superhacker in Chicago. Auf seinen Streifzügen durch die Stadt kann es passieren, dass sein Smartphone von einem anderen Hacker angegriffen wird, der seine Informationen stehlen will. Sind wir mit Watch Dogs online, sind diese gegnerischen Hacker andere Watch Dogs-Spieler, die sich quasi in unsere Solokampagne eingeschlichen haben. Nun heißt es in einer bestimmten Zeit den Gegner zu lokalisieren und auszuschalten, damit er nicht an unsere Informationen herankommt.

Neben einer umfangreichen Kampagne enthält Watch Dogs zahlreiche Nebenmissionen und Mini-Spiele, in denen Gangverstecke hochgenommen, Waffenlieferungen abgefangen, Verbrechen vereitelt und Kurierdienste ausgeführt werden. Nach dem Beenden der ersten Mission bleibt es dem Spieler überlassen, alle fünf Bezirke der Großstadt frei zu erkunden. Für jede erfolgreich abgeschlossene Mission erhalten wir Fähigkeitspunkte, die wir in einem Skillbaum auf Kampf, Hacken, Hergestelltes und Fahren verteilen können.

Mit viel Liebe zum Detail

Die Entwickler haben sich wirklich sehr viel Mühe gegeben, ein geschäftiges und detailreiches Chicago mit seinen unterschiedlichen Bezirken zu kreieren. NPCs flanieren durch enge Straßenschluchten, halten einen Plausch miteinander oder warten mit einem Blick auf ihre Smartphones auf die Bahn. Zur Rushhour sind die dichten Straßen mit zahllosen Fahrzeugen verstopft, wo es auf einer Kreuzung auch mal zu einem Auffahrunfall kommen kann. Die virtuellen Passanten agieren aber nicht nur mit ihresgleichen. Brettert man mit dem Auto oder Motorrad über einen Bürgersteig, kann es passieren, dass man unverständliches Kopfschütteln erntet und einem nachgerufen wird, dass man hier auch Straßen habe, die man doch gefälligst benutzen soll. Fuchtelt Aiden mit einer Waffe in der Menge rum, gehen Passanten in Deckung und alarmieren die Polizei mittels Handy.

Grafisch zeigt Watch Dogs was so alles in den neuen Konsolen steckt. Tag- und Nachwechsel, der Chicago am Morgen mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang aus dem Schlaf weckt. Prasselnder Regen auf dem Asphalt, in dem sich die Umgebung spiegelt. Wind, der durch die Straßenschluchten weht und Aiden Umhang zum flattern bringt. Gläserne Wolkenkratzer, die die nächtliche Neonbeleuchtung auffangen und in alle Richtungen reflektieren.

Abgerundet wird der hervorragende Detailreichtum durch eine starke Soundkulisse. Die Umgebungsgeräusche, untermalt mit instrumentaler Musikbegleitung, erwecken das virtuelle Chicago  Das obligatorische Autoradio darf natürlich bei Watch Dogs nicht fehlen. Hier zappen wir aber im Gegensatz zu GTA nicht durch Radiosender, sondern durch eine gelungene Mischung unterschiedlicher Songs.

Träge Steuerung

Leider ist die Steuerung in Watch Dogs ein wenig träge und schwammig. Gerade in actionreichen Shoot-Outs macht das Waffenrad nicht immer das, was der Spieler will und so kann es passieren, dass Aiden nicht mit dem gewünschten Granatwerfer, sondern mit der Handfeuerwaffe ins Gefecht prescht. Auch das Zielen stellt sich manchmal als sehr kniffeliges Unterfangen heraus. Mit Hilfe einer Zeitlupenfunktion, die im Laufe des Spiels ausgebaut werden kann, bügelt man einige groben Schnitzer aus und kann in Ruhe zielen. Anders sieht dies leider im Straßenverkehr aus. In den ersten Stunden des Spiels, ist es eher Glückssache das Auto nicht direkt zu übersteuern und in den Leitplanken zu landen. Kommt es dann noch zu einer Verfolgung durch die Polizei ist das Chaos im Straßenverkehr vorprogrammiert.

Marc

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Mitglied der Chefredaktion, Ansprechpartner Publisher
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Unsere Wertung
89%


Fazit
Obwohl Watch Dogs mit einer dünnen und voraussehbaren Story ausgestattet wurde, macht das Spiel insgesamt einen hervorragenden Eindruck und vermag den Spieler an den Bildschirm zu fesseln. Leider wurde sehr viel Potential im Erzählen der Geschichte verschenkt. Aiden wirkt eher wie eine leere Hülle, die stets austauschbar zu sein scheint. Nebencharaktere werden in aufwendigen Cut-Scenes vorgestellt, um dann für Stunden wieder in der Versenkung zu verschwinden. Grafisch zeigt Watch Dogs, was so alles in den neuen Konsolen steckt. Chicago-Downtown wurde aufwendig mit viel Liebe zum Detail modelliert, was man an jeder Ecke bewundern kann. Beim Umland allerdings scheinen die Entwickler keine allzu große Liebe mehr übrig gehabt zu haben. Die Vegetation wirkt verwaschen und der Detailgrad nimmt rapide ab. Musik und Soundkulisse sind stimmig und hauchen der Stadt noch mehr Atmosphäre ein. Die deutsche Übersetzung klingt gelungen, obwohl wir unserem Held mit seinem eher zarten Stimmchen nicht immer den harten Rächer abnehmen können. Hier und da quasseln NPCs in Englisch, was den Spielspaß aber in kleinster Weise negativ beeinflusst.