The Witcher 3: Wild Hunt bei uns im TestThe Witcher 3: Wild Hunt bei uns im Test
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The Witcher 3: Wild Hunt bei uns im Test

Wir sind relativ spät dran mit unserem Test zu The Witcher 3 aber dieses epochale Meisterwerk benötigt einfach seine Zeit. Ihr wisst natürlich alles über The Witcher 3 und zockt es höchstwahrscheinlich selbst deshalb gehen wir diesen Test dieses Mal etwas anders an als üblich. Wir erklären euch was an The Witcher 3 so fantastisch ist und welche Baustellen es (noch) gibt. So könnt ihr dann perfekt einschätzen ob das Dark-Fantasy-Rollenspiel für euch in Frage kommt.

Kurze Infoladung zum Beginn

Wie in den Vorgängern steuern wir den Hexer Geralt, dieser befindet sich auf der Suche nach seiner Zieh-Tochter Ciri. Nebenbei sucht er noch seinen besten Kumpel Rittersporn und seine große Liebe Yennefer (Ich favorisiere Triss und das kann selbst der Liebe Geralt nicht abstreiten, dieses Mädel hat was). Hier gibt es schon eine erste Neuerung immer wieder dürfen wir in die Haut von Ciri schlüpfen und sie selbst steuern. Das spielt sich komplett anders und genau dadurch fiebern wir umso mehr mit wenn sich die Story zum Finale hinbewegt. Doch genug davon das habt ihr schon überall gelesen jetzt starten wir richtig durch.

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Am Rande möchten wir noch erwähnen dass ihr The Witcher 3 mit Maus und Tastatur oder Controller zocken könnt. Selbst ein fließender Wechsel während des Zockens ist möglich. Einfach den Stick des Controllers bewegen und schon ist dieser aktiv, Maustaste drücken und das Eingabeschema ändert sich vollkommen automatisch.

Von A nach B = Schlicht unmöglich

The Witcher 3 treibt uns behutsam von einer Hauptquest zur nächsten. Wer hier strikt von A nach B geht verpasst so viel Außergewöhnliches das er das Spielprinzip von einem Open-World-Rollenspiel nicht verstanden hat. Neben den Hauptquests gibt es dutzende Nebenquests, Hexeraufträge, verborgene Schätze und Monsternester die nach Aufmerksamkeit lechzen.

Man kann The Witcher 3 in 20 bis 25 Stunden beenden wenn man strikt der Story folgt und die großartigen Dialoge, Geschichten und Cutscenes einfach wegklickt. Falls ihr du dieser Spielergattung gehört schämt euch jetzt heftig und setzt euch in die Ecke, den dass hat dieses Meisterwerk nicht verdient. Ich sage es euch ganz ehrlich The Witcher 3 braucht Zeit, viel Zeit, eine Spielsession unter zwei Stunden ist fast unmöglich, beziehungsweise zahlt sich das nicht aus. Kommissar Zufall ist euer bester Freund, wir empfehlen euch die Spielwelt zu erkunden und die Atmosphäre einzusaugen. Rechnet mit einer Spielzeit von circa 60 Stunden, wer alles erkundet, ist weit über 100 Stunden mit dem Rollenspiel-Epos beschäftigt.

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Euer Quest-Log wird vor Aufträgen überlaufen. Gut das es in The Witcher 3 kein Burnout-Syndrom gibt den sonst wäre Geralt ganz sicher Patient Nummer 1. Wie gut das sich jetzt Geralt bei einem kleinen Bad entspannen kann, der Hexer kann nämlich ab sofort auch schwimmen.

Liebe zum Detail

Was alle Quests in The Witcher 3 vereint ist die unglaubliche Liebe zum Detail seitens der Entwickler. (Fast) jede Quest fährt eine tolle Geschichte auf. Manchmal gibt es kleinere Nebenquests die sich in wenigen Minuten erledigen lassen aber selbst hier gibt es eine nette Geschichte und großartig vertonte Dialoge, selbst auf Deutsch. Die Haupt- und viele Nebenquests sind sehr umfangreich und dauern gerne mal ein paar Stunden.

Die Quests decken die gesamte Bandbreite ab es gibt böse Quests, gute Quests, lustige Quests, wahnsinnige Quests und so weiter. Zum Beispiel taucht immer wieder ein Lump auf der uns zum Kampf herausfordert weil wir seine Angebetete beleidigt haben sollen. Dabei kennen wir sie nicht mal, also zerbeulen wir ihm immer wieder seine Kauleiste. Oder als wir volltrunken in Frauenkleidern so richtig einen abfeiern. Oder die unfassbar schwere Entscheidung was wir mit einer Fehlgeburt machen sollen. Es gibt so viel denkwürdige Augenblicke in The Witcher 3, das würde glatt für drei Spiele reichen.

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Das The Witcher 3 zu Dark-Fantasy zählt merkt man an jeder Ecke. Meist gibt es kein gut oder böse die Entscheidungen sind oft in Graustufen unterteilt. Man muss sich Entscheiden welches Übel wir gewähren lassen. Auf den ersten Blick gute Entscheidungen führen oftmals in bestialische Gegenreaktionen. Wer gut und böse möglichst getrennt erleben möchte muss einen großen Bogen um The Witcher 3 machen, hier ist nichts so wie es scheint. Die Menschen sind hin und wieder abartig böse, dagegen wirken abscheulich aussehende Monster wie Hello Kitty höchstpersönlich.

Um die Liebe zum Detail abzurunden wurde ein Spiel im Spiel integriert. Wir sprechen vom Sammelkartenspiel Gwint. Wir finden es gut, dass es Teil der Spielwelt ist aber finden es noch besser das dass Kartenspiel Gwint vollkommen optional ist, denn zumindest bei uns zündet hier der Funke nicht richtig. Und das muss ich als leidenschaftlicher Zocker von Hearthstone und Nightbanes leider feststellen.

Atmosphäre zum Verlieben

Wir reden ja oft von Immersion und Atmosphäre und das dass eine der wichtigsten Baustellen eines jeden Games ist. The Witcher 3 blutet Atmosphäre, was die Entwickler hier Liebe reingepackt haben ist geradezu unfassbar. Stellt euch folgendes vor: Ihr reitet mit Plötze (Pferd) in den letzten Winkel der Welt und dort dann nochmal 3 Kilometer weiter. Findet ein verlassenes Haus. Selbst diese ranzige Hütte ist mit Details übersäht als würde sie mitten in Novigrad stehen. Dort liegt ein Apfel, in der anderen Ecke steht eine Kiste die wir plündern können, Bäume und Gras wehen im Wind – schlicht großartig.

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Wenn wir in ein Dorf reiten und von Plötze absteigen sucht sich dieser eigenständig eine Futterstelle und wartet dort auf uns. Oder wenn wir zu einer Quest reiten und dann die Zwischensequenz mit dem Abstieg von Plötze beginnt und wir nicht aus heiterem Himmel am Boden stehen. Das nette Gimmick mit dem Bartwuchs von Geralt. Feste Tagesabläufe der NPC`s und Händler (kreuzt ihr in der Nacht auf ist niemand da), herumhuschende Kinder, selbst die Huren gehen irgendwann schlafen.

Schreibt ihr da echt Huren? Ja so ist es denn The Witcher 3 ist eindeutig an ein erwachsenes Publikum gerichtet. Das fängt bei den nicht zimperlichen und vor Sarkasmus strotzenden Texten an, geht weiter über die heftige Gewaltdarstellung in den Kämpfen bis hin zum Sex mit so ziemlich allem weiblichen das bei drei noch nicht auf dem Baum ist.

Um das leidige Thema Downgrade haben wir einen kurzen Extra-Artikel angefertigt den ihr hier findet. Nichts desto trotz sieht The Witcher 3 grandios aus, mehr ist dazu nicht mehr zu sagen. Viel nerviger ist das Problem mit NVIDIA-Hairworks. Wir empfehlen allen AMD und älteren GeForce-Grafikkarten-Besitzern dieses „wichtige“ Feature einfach zu deaktivieren. Außer das es viel Leistung kostet bringt es im Grunde nichts und allein dadurch verbessert ihr eure Framerate um eine ganze Ecke. Nach jedem Patch den ihr installiert muss es aber neuerlich in den Optionen deaktiviert werden.

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Das Problem mit den Skills

Mit jedem Level-Aufstieg erhaltet ihr einen Fähigkeitspunkt den ihr frei in eurem Skilltree verteilen könnt. Zusätzliche Fähigkeitspunkte könnt ihr an Schreinen der Macht erhalten. Diese sind oft schwer erreichbar oder gut von Monstern bewacht aber das hält einen Hexer natürlich nicht davon ab genau diese Plätze zu besuchen.

Das Skillsystem wirkt allerdings etwas oberflächlich und bringt dem Hexer nur sehr wenige neue Möglichkeiten mal abgesehen von diversen Boni. Darunter fallen zum Beispiel mehr Vitalität und eine bessere Heilung, mehr Angriffskraft oder höhere Verteidigungswerte. Insgesamt stehen euch 12 Slots zur Verfügung in die ihr die Fertigkeiten packen könnt. Diese Slots sind in 3er-Gruppen unterteilt. Um die Effekte einen 3er-Slots zu verstärken könnt ihr zusätzlich sogenannte Mutagene einsetzen, diese schrauben die Boni ordentlich nach oben.

Um etwas Tiefe zu gewinnen verwendet der Hexer zusätzlich noch fünf Hexer-Zeichen, dahinter verbergen sich verschiedene Zaubereien die ihr ausführen könnt. Namentlich sind das Aard, Yrden, Igni, Quen und Axii. In der folgenden Slideshow erklären wir euch mit welchen Zeichen ihr was anstellen könnt:

Eine harte Nuss

Wer The Witcher 3 wie ein Hack N Slay zocken möchte wählt den niedrigsten Schwierigkeitsgrad. Dort ist keinerlei Taktik oder Denken notwendig. Seid euch aber im Klaren das ihr dadurch das Spiel entwertet und euch selbst Spieltiefe wegnehmt. Für den ersten Anlauf empfehlen wir den 2ten von vier Schwierigkeitsgraden. Ab dem dritten wird The Witcher 3 nämlich bockschwer und ihr solltet das Kampfsystem sowie die Tränke und verwendbaren Öle aus dem Effeff beherrschen. Nebenbei könnt ihr noch diverse Bomben verwenden die zum Beispiel Feuerschaden anrichten oder Gegner blenden.

Angriffe von menschlichen Gegnern könnt ihr blocken, bei Angriffen von Monstern gilt es auszuweichen, da hilft ein Block rein gar nichts. Ihr seid also ständig in Bewegung und schlagt mit langsamen mächtigen oder etwas schwächeren dafür aber schnelleren Angriffen zu. Zudem habt ihr ein Stahl- (normale Gegner) sowie ein Eisenschwert (Monster, Geister) eingepackt. Außerdem dürft ihr erstmals eine Armbrust euer eigen nennen. Diese verursacht geradezu lächerlich wenig Schaden aber ihr könnt sie als „Verlangsamer“ nutzen sowie fliegendes „Federvieh“ vom Himmel holen und so zur Landung zwingen.

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Gut so oder unmöglich?

Bei den Queststufen gibt es allerdings ein paar Balance-Probleme. Hier werden sich definitiv die Geister scheiden. Es ist unmöglich alle Quest mit dem dazugehörigen Charakterlevel zu erledigen. Meist werdet ihr dann zu mächtig diese Quests angehen. Auf der einen Seite ist es ein gutes Gefühl zu merken dass unser Hexer mächtiger geworden ist, das ist unheimlich befriedigend. Auf der anderen Seite geht so der Anspruch verloren, wir stellen uns einfach hin und klopfen den Gegner Windelweich. Etwas Abhilfe verschafft der jederzeit umstellbare Schwierigkeitsgrad so könnt ihr das ganze etwas knackiger Gestalten. Der Loot (Beute) ist dann dementsprechend sinnlos da dieser natürlich das Level der Quest hat. Ihr erhaltet aber EP (Erfahrungspunkte) und bis ins letzte Detail geile Geschichten.

Fazit:

The Witcher 3 befindet sich nahe an der Perfektion. Es ist definitiv das beste Rollenspiel der letzten Jahre. Der Wiederspielwert ist enorm. Unterhaltet euch einfach mit einem Kumpel über The Witcher 3, jeder hat andere Quests erlebt, anders gehandelt und so seine eigene Geschichte geschrieben. Warum dann keine 90%-Wertung? Es poliert das Open-World-Rollenspiel-Genre auf Perfektion, einzigartige Quests, eine lebhafte Geschichte aber es hat auch Schwächen wie das Skillsystem und die Balance bei den Quests selbst. Trotz allem kann es nur eine Empfehlung geben und die heißt kaufen! Genießt den Trip in eine andere Welt und lasst euch Zeit dieses Epos hat das verdient.

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