This War of Mine: The Little Ones bei uns im TestThis War of Mine: The Little Ones bei uns im Test
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This War of Mine: The Little Ones bei uns im Test

„Im Krieg ist nicht jeder Soldat“, so empfangen uns die 11 Bit Studios im finsteren Surivial-Titel The War of Mine: The Little Ones. Nach dem PC-Release im letzten Jahr, erscheint das Spiel nun auch als inhaltlich ergänzte Version auf den Current-Gen-Konsolen. Wir haben uns die PS4-Version genauer angeschaut und berichten von der Spiel gewordenen Grausamkeit des Krieges.

Es gibt nur wenige Spiele, die wirklich zum Nachdenken anregen. Oft sind dies Story-Adventures wie The Walking Dead oder Life is Strange. The War of Mine tritt aus emotionaler Sicht in die Fußstapfen dieser Spiele, ist vom Spielprinzip und der Geschichte aber deutlich von anderen Spielen abzugrenzen. Eine umfangreiche Einführung gibt es nicht. Wir wissen bloß, dass ein erbitterter Krieg herrscht und wir in die Rolle von spärlich ausgestatteten Zivilisten schlüpfen. Es wird also eine neue Perspektive inmitten eines tobenden Kriegsschauplatzes gezeigt: die der fast wehrlosen Außenstehenden, der Bevölkerung und nicht die der „starken“ Soldaten. Folglich besteht das Spielziel auch nicht daraus, feindliche Truppen über den Haufen zu schießen, sondern daraus, überhaupt zu überleben. Tag für Tag, Nacht für Nacht. Möglichst lange, im besten Falle bis zum Kriegsende. Das klingt einfacher als es ist, denn die steuerbaren Charaktere haben ihre ganz eigenen Bedürfnisse und reagieren oftmals unvorhergesehen auf bestimmte Situationen.

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Basisarbeit

Wir fangen in The War of Mine: The Little Ones ganz klein an: mit dem Sammeln von Ressourcen und dem Aufbauen von ersten überlebenswichtigen Objekten. Unsere wild zusammengewürfelte Gruppe (individuell einstellbar vor Spielbeginn) benötigt beispielsweise Betten zum Schlafen, Kochstationen zur Zubereitung von warmen Mahlzeiten aus roher Nahrung oder Werkbänke zum Herstellen von Schaufeln, Dietrichen oder Brechstangen. Die letzten drei Gegenstände sind nämlich imminent wichtig für die nächtlich anstehenden Plünderungen in der Nachbarschaft, in der es allerhand neue Ressourcen für das Überleben zu sammeln gilt. Schuttberge schaufeln wir so deutlich schneller mit der Schaufel beiseite, Türen öffnen wir laut mittels Brechstange oder leise mit den limitierten Dietrichen. Jede Ressource ist dabei überlebenswichtig, wenn nicht am Anfang, dann im fortschreitenden Spielverlauf. Denn nach einiger Zeit werden die Ansprüche höher, die Charaktere fordern Zigaretten und Selbstgebranntes oder aber wollen sich mit einem Buch in einen Sessel fläzen und sich vom Chaos draußen ablenken.

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Während wir tagsüber in unserer Basis mit dem Stillen der Bedürfnisse unserer Gruppe beschäftigt sind, plündern wir nachts so in instanzierten Gebieten die Nachbarschaft. Dort treffen wir allerdings nicht nur auf wertvolle Objekte und Ressourcen, auch andere NPC´s haben sich dort breit gemacht. Wehrlose Familien können wir ausrauben, aber haben dann nachträglich mit einem schlechten Gewissen des Charakters zutun. Auch feindliche Einheiten oder Plünderer sind nachts unterwegs und lassen sich bestmöglich umgehen, da wir relativ wehrlos gegen mehrere Soldaten sind. Immerhin können wir uns gegen weniger gefährliche Feinde mit Schaufel, Messer oder später Pistole wehren.

Nachdenklich

The War of Mine: The Little Ones entwickelt schnell einen unnachahmlichen Flow. „Nur noch diesen einen Tag überleben!“, bläuen wir uns schnell ein, wenn wir erstmal die Grundprinzipien verstanden haben. Das Spiel erklärt nicht viel, trotzdem kommen wir durch logisches Denken, Ausprobieren und dank der Sprechblasen über den Köpfen der Charaktere auf die richtige Vorgehensweise. Einfach ist der Survival-Titel beileibe nicht, und das ist auch gut so. Passen wir nicht auf, dann begeht auch schonmal ein Teammitglied Selbstmord, weil er zu deprimiert ist oder verstirbt infolge schwerer, nicht behandelter Verletzungen. Unsere Gruppe muss stets unterhalten, verpflegt und bei Trapp gehalten werden, was gar nicht so einfach ist. Wen schicken wir auf nächtliche Erkundungstour, wenn gerade alle Charaktere verletzt oder demoralisiert sind? Wer hält Wache und schreckt die Plünderer in der Umgebung ab? Schaffen wir es noch ein paar Tage ohne Nahrung?

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Viele Fragen haben wir uns im Test gestellt, oftmals hat uns das Spiel nachdenklich zurückgelassen, weil es mit einer dichten, düsteren Atmosphäre aufwartet. Wenn dann auch noch Kinder im Alltag vorhanden sind, die wiederum mit ganz eigenen Wünschen daher kommen (sie wollen bei Laune gehalten werden), dann müssen wir uns vor der Konsole häufig den Kopf darüber zerbrechen, was wir als nächstes tun. Abzuwägen gilt es stets, was den Charakteren noch zumutbar ist und wann die Grenze zum Tod überschritten wird.

Route A oder B?

An die Steuerung mussten wir uns erstmal gewöhnen. Da wir unsere Charaktere wie in einem Jump-and-Run von links nach rechts oder andersherum bewegen, fiel es teilweise schwer, dem ausgewählten Charakter klar zu machen, dass wir nicht an der Treppe vorbei, sondern diese benutzen wollen. Bis auf diesen kleinen Komfortmangel lässt sich der Titel intuitiv steuern und nutzt das gesamte Gamepad im Hinblick auf die Belegung klug aus. Die Personen im Spiel kommunizieren leider nicht über eine Sprachausgabe mit uns, jedoch dürfen wir Gedanken und Gespräche in einer Sprechblase ablesen. Der Hintergrundsound ist wie das restliche Spiel schlicht gehalten, wirkt aber gerade deshalb stimmig. Es liegt nunmal Trübsal in der Luft, weshalb die triste Kulisse sowie der minimale Soundtrack einfach passt.

Freier Redakteur/in


 
Unsere Wertung
86%


Fazit
Unsere Gruppe nagt am Hungertuch und bewegt sich nur noch im Schleichgang fort. Die Ressourcen sind komplett aufgebraucht und der Winter naht. Diese besagten Momente in The War of Mine gehen einem sehr nahe, fordern uns gleichzeitig aber zum aktiven Handeln auf. Mit den richtigen Entscheidungen bringen wir vielleicht endlich die gesamte Gruppe lebendig durch die harten Zeiten. Durch kluge Mechaniken sorgen die Entwickler der 11 Bit Studios für ein (nein, "spaßiges Vergnügen" wäre anhand der ernsten Thematik falsch ausgedrückt) super Spielgefühl und haben ein nachdenkliches und fast einwandfrei funktionierendes Werk erschaffen, das sich klar von anderen Spielen unterscheidet.