Tearaway Unfolded bei uns im TestTearaway Unfolded bei uns im Test
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Tearaway Unfolded bei uns im Test

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Tearaway wird erneut entfaltet und wagt sich nun auf die große Konsole. Was hinter der Neuauflage des ursprünglichen PS Vita Titels steckt und ob die PlayStation 4-Version mit dem großen Erfolg des ersten Teils auf ihrem Handheldgeschwisterlein Schritt halten kann, haben wir uns mal genauer angeschaut.

Hilfe! Ruft bitte jemand meinen cholerischen Vorgesetzen an! Ich brauche eine Flut an verbalen Erniedrigungen und vielleicht auch den einen oder anderen Schlag in den Nacken um wieder auf dem ernsten Boden unserer realen Welt einzuschlagen, denn der Entwickler Media Molecule hat es schon wieder geschafft. Ich schwebe auf meiner flauschigen rosa Wolke, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, in der knuffeligen Hemisphäre von Tearaway. Um diesen Punkt an bunter Extase zu erreichen, konnte ich dieses Mal meine PS Vita getrost aus lassen, denn mit Tearaway Unfolded, schafft es das kleine kreative Machwerk dieses Mal auf die PlayStation 4.

Tearaway Unfolded bringt euch altbekannte Charaktere wieder zurück auf den Bildschirm. Die Protagonisten Atoi und Iota, sind wieder als Boten unterwegs um eine Nachricht in die andere Welt zu überbringen. Die „geupdatete“ Version von Tearaway ist eine Nacherzählung des 2013 erschienenen Vorgängers, nutzt aber dieses Mal eine, durch den PlayStation 4 Controller, modifizierte Steuerung. Auf der PS Vita war es den Entwicklern gelungen, das Touchscreen, sowie die touchsensitive Rückseite und die Kamera der Vita wunderbar zu nutzen. Das funktionierte wie aus einem Guss und verband uns, bis dato einzigartig, mit unseren liebgewonnenen Papierboten. Wie sieht es nun also mit der PlayStation 4-Version und ihrer Controllersteuerung aus? So viel sei schon mal verraten: Es sieht sehr gut aus! Nein, es sieht sogar „Villa mit Strandlage an einem tropischen Abend mit violettem Sonnenuntergang“-gut aus!

Es werde Licht!

Durch Drücken der L2 beziehungsweiße R2-Taste auf dem Controller, setzen wir nun ganz auf die erhellenden Momente der PS 4. Damit aktiviert ihr nämlich die Lightbar am Controller, die dann als Lichtkegel auf dem Bildschirm erscheint. Durch die Gyroskopeingabe bewegt ihr diesen kreuz und quer über den Bildschirm und blendet damit fiese Papierschnipsel, die versuchen in der Welt von Tearaway Unfolded erneut Chaos anzurichten. Das „Wegschnipsen“ der fiesen Papierwesen, entfällt dieses Mal gänzlich. Stattdessen könnt ihr sie mit dem Lichtbogen blenden, auf das sie ab diesem Moment dem hellen Scheinen auf Schritt und Tritt folgen. Damit ermöglichen sich ganz neue Wege, die Feinde der kunterbunten Welt zu erledigen, indem ihr sie zum Beispiel in einen tiefen Abgrund steuert. Im PS Vita-Abenteuer konntet ihr noch mit Hilfe des rückseitigen Touchpads euren virtuellen Finger durch den dünnen Papierboden der Welt stecken und somit in das Geschehen eingreifen. Das gefiel uns einen Tick besser als die neue Lightbarvariante, aber auch diese macht durchaus Spaß und ist ein guter Kompromiss zum fehlenden Finger. Aber ganz Tearawaylike gibt es natürlich noch andere Möglichkeiten, eure Präsenz im Spiel zu zeigen. So könnt ihr zum Beispiel durch ein leichtes Streichen über das Touchpad des Controllers eine frische Brise über das Land fegen lassen, die euch ebenfalls helfen kann die Papierschnippsel einfach von der Bildfläche zu fegen oder gegebenenfalls einen weiteren Levelabschnitt freizulegen.

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Na wer funzelt dich da an? Richtig! Wir und unsere Lightbar!

 

Die vierte Wand und was von ihr übrig blieb

Ebenso nützlich wie auch spaßig, ist die Möglichkeit euch von eurem Boten etwas zuwerfen zu lassen. Findet dieser zum Beispiel einen putzigen kleinen Biber und ist der Meinung der könnte euch auch gefallen, kann er euch diesen zuwerfen. Und zwar direkt in den Controller. Ja richtig gehört! Dessen Ankunft, wird dann auch mit einem entsprechenden Geräusch eures Controllers signalisiert. Schüttelt ihr diesen nun, wird der kleine Biber mal ordentlich durchgerüttelt. Aber Vorsicht! Solltet ihr es übertreiben, wird der kleine Racker sichtlich wütend sein, wenn ihr in wieder zu Iota oder Atoi zurückwerft. Witzig ist auch die Möglichkeit den kleinen Tierfreund über das Touchpad zu streicheln wenn ihr diesen noch im Controller habt. Bei Eichhörnchen wird diese Zuwendung ab und an mit einem zufriedenen Schnurren belohnt. Nun hat Tearaway auch den letzten Rest der vierten Wand die da noch bröckelnd in der Landschaft stand, durchbrochen. Klasse! Da wäre es doch schade, wenn uns das Spiel aus der Immersion herauswirft. Doch genau das passiert oftmals, wenn die zeitweise schlechte Kameraführung uns mal wieder mit einer dicken Wand, die komplette Sicht auf das Geschehen blockiert. Ebenso sollte man erwähnen, dass Tearaway Unfolded, so schön, detailliert und liebevoll es auch gestaltet ist, beispielweise durch seine grobflächigen Texturen nicht ganz up-to-date ist, was die Technologie heutzutage angeht. Da wäre sicherlich noch Einiges mehr rauszuholen gewesen. Trotz Allem sieht der PlayStation 4-Ableger auf einem Full-HD Fernseher und mit sechzig Bildern pro Sekunde, etwas stimmiger aus, als die PS Vita-Variante.

Jetzt noch süßrer! Atoi in Full-HD und blitzschnell in 60Fps unterwegs!

Jetzt noch süßer! Atoi in Full-HD und blitzschnell mit 60Fps unterwegs!

Ein weiterer wunder Punkt sind die „Sprachausgaben“ der anderen Lebewesen in der Spielwelt, die mit uns kommunizieren. Sind die Erzähler, ja sogar die Biber, super vertont und erstere toll synchronisiert, ist das Kauderwelsch der Figuren die mit uns interagieren nach kurzer Zeit schon sehr nervig. Da tröstet auch der durchaus tolle und stimmige Soundtrack nur schwer drüber hinweg.

Ein Mal bewegte Bildaufnahmen und komische Gesichter am Himmel an Tisch 7, danke!

Aber kommen wir wieder zu etwas Erfreulicherem. Tearaway Unfolded spendiert uns nämlich ein neues Gadget. Die gif-Linse! Damit könnt ihr direkt aus der Spielwelt, eure Lieblingsmomente in einem bewegten Foto aufnehmen. Wow! Alle anderen Spielentwickler, bitte merken! Ich wünsche mir das ab sofort für jedes Spiel! Danke vielmals!

Auch neu, ist die Möglichkeit per Companion- App wie zum Beispiel der PlayStation-App oder der per PS Vita mitzumischen. Dort könnt ihr euer digitales Zeichnen auf einer größeren Fläche perfektionieren und sogar Oberflächen ins Spiel einbauen. Dazu zeichnet ihr was Schönes oder macht einfach ein Foto von zum Beispiel eurer Tapete und baut dieses als neue Textur direkt ins Spiel mit ein. Aber auch die im Spiel freischaltbaren Bastelvorlagen könnt ihr per App, bei euch Zuhause ausdrucken und zusammenbasteln. Das volle Potential (Achtung, wiederholter Wortwitz approaching) „entfaltet“ Tearaway Unfolded aber erst mit der separat erhältlichen PlayStation Kamera, mit der jedes Mal, anstelle des grellen leeren Lichtpunkts am Himmel, euer Gesicht live in die Spielwelt gezaubert wird. Klasse! Wer hat da vorhin von der vierten Wand gefaselt? Der glaubt auch sicher an Big-Foot und Marsmännchen!

Ih dürft euren kleinen Boten öfters mal persönlich Hallo sagen. Die PS Kamera machts möglich!

Ihr dürft eurem kleinen Boten öfters mal persönlich Hallo sagen. Die PS Kamera machts möglich!

Das Ende vom Lied

Durch die Story sind wir in knapp 7 Stunden durch, was leider etwas kurz geraten ist. Auch der Schwierigkeitsgrad des Platform-Adventures ist eher auf Casualgamer ausgelegt und gut zu meistern. Gerne hätten wir noch mehr gesehen von unserem knuffigen Begleiter der immer so schön verdutzt guckt, die dünnen Papierärmchen durch die Luft schleudert und auch mal verängstigt hinter einer Papierblume kauert, so dass unser Beschützerinstinkt geweckt wird und wir uns noch mehr mit unserem kleinen Boten verbunden fühlen. Am Ende bleibt unser Eindruck: Tearaway macht vieles richtig und nur wenig falsch. Wir waren froh, dass uns Media Molecule die Möglichkeit gegeben hat, auf eine solch faszinierende Reise zu gehen. Eine Reise die sich bewusst abgrenzt, vom in Massen vorhandenen Einheitsbrei in der Spielelandschaft.

 

Chefredakteur, Inhaber MB Verlag, erster Ansprechpartner und Gründer von Games-Mag


 
Unsere Wertung
81%


Fazit
Tearaway Unfolded besticht durch eine gewohnt liebevolle und knuddelige Spielwelt. Ist aber vom Schwierigkeitsgrad und der kindlichen Erzählweise nicht für Core-Gamer gedacht, die auf Action und eine explosionsartige Darstellung Wert legen. Auch Spieler die schon bei der PS Vita-Fassung zugegriffen haben, werden dank Anpassung der Spielwelt und Erweiterung der Areale auch mit Tearaway Unfolded wieder ihren Spaß haben. Die teils schlechten Kamerawinkel die automatisch angefahren werden und die recht kurze Spieldauer trüben das Gesamtbild aber etwas. Dennoch ist das eher Meckern auf hohem Niveau und wir finden: Tearaway Unfolded hat durchaus seine Daseinsberechtigung und sollte man wenigstens mal gesehen haben!