Steep – Das war die Beta

Wir haben für euch ein Wochenende lang die geschlossene Beta von Steep auf der Xbox One gespielt und verraten, warum Ubisofts Wintersport-Spektakel das Genre ordentlich auf den Kopf stellen wird. Unsere Vorschau zum schneeweißen Sandkasten-Spiel.

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Zur aktuellen Lage

Ich war ja wieder mal sehr skeptisch. Ubisoft und Wintersport? No way! Und dann auch noch als MMO? Also quasi ein The Crew ohne Autos, dafür mit Snowboard und Skiern? Äußerst zweifelhaft. Vor allem in solch schwierigen Zeiten. Ok, Skate 3 ist mittlerweile Abwärtskompatibel und auf der Xbox One spielbar, ein neuer Ableger lässt aber genauso auf sich warten, wie weitere Titel der Marken Amped, Stoked oder gar SSX. Das kürzlich veröffentlichte Mark McMorris Infinite Air konnte mich als leidenschaftlichen Funsport-Gamer ebenfalls wenig überzeugen.

Umso mehr überraschte mich dann die offene Beta von Steep, die vom 11. bis zum 14. November lief und bereits dort zeigte, dass Ubisoft das Zeug dazu hat, das Genre von Grund auf zu revolutionieren. Die ganzen MMO-Elemente interessierten mich dabei eher weniger, viel mehr war es das ganze Drumherum, das mir fast die Tränen in die Augen trieb. Denn mit Steep erwartet uns Anfang Dezember tatsächlich eines der besten Extremsportspiele überhaupt. Aber lest selbst.

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Wie du willst

Steep entführt uns in eine offene Spielwelt, die unterschiedlichen Gebirgsabschnitten in Österreich, Frankreich oder der Schweiz nachempfunden ist. Während der geschlossenen Beta war nur ein winziger Teil davon spielbar, was aber bereits ausreichte, um einen ersten Eindruck von der riesigen Umgebung zu erhalten. Unmittelbar nach dem Release am 2. Dezember, soll dem Spiel per Update sogar noch ein Teil von Alaskas wilder Natur hinzugefügt werden.

Jedenfalls ist die komplette Karte bereits zu Beginn mit einigen Drop-Points, also Punkten von denen aus wir einen Run starten, und Herausforderungen übersät, die wir entweder alleine oder ganz im MMO-Stil mit anderen Spielern bewältigen dürfen. Die Aufgabenstellung reicht von Highscore-Challenges, über Rennen auf Zeit, bis hin zu Checkpoint-Veranstaltungen.

Während das ja noch eher klassisch klingt und ein wenig an SSX erinnert, überzeugt Steep vor allem durch die Art, wie wir uns diesen Herausforderungen stellen. Ubisoft zückt hier das komplette alpine Extremsport-Inventar und lässt uns die Weltranglisten per Snowboard, Ski, Wingsuit oder Paraglider erklimmen.

Jedes Fortbewegungsmittel hat dabei so seine Eigenheiten, wobei ich persönlich am liebsten mit dem Snowboard unterwegs war und die Checkpoint-Flüge mit dem Paraglider als etwas zu eintönig empfand. Ähnlich erging es mir mit dem Wingsuit. Obwohl es schon äußerst beeindruckend war, als ich mich mit dem Flattermann-Anzug aus einem in luftiger Höhe schwebenden Heißluftballon stürzte und rasend schnell dem Erdboden näherte, um dann wenige Sekunden vor dem Aufprall die Reißleine zu ziehen, worauf mich der Paraglider sicher zu Boden brachte.

Der verschneite Abhang, vor dem ich direkt gelandet war, sah mit seinen schneebedeckten Felsen und dem märchenhaft weißen Tannenwald dann auch nicht schlecht aus, weshalb ich per Druck auf RB sofort das Sportarten-Rad öffnete und ohne Unterbrechung mein Snowboard auswählte.

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Freih-Heit!

Und genau hier setzt Steep punktgenau an. Die monströsen Bergwelten präsentieren sich als riesiger Spielplatz, den wir abseits der Herausforderungen frei erkunden dürfen. Wie, wann und wo, das entscheidet alles der Spieler vor dem Bildschirm. Grenzen gibt es kaum. Und wenn dann doch mal ein gefährliches Felsmassiv unseren Weg blockiert, zücken wir einfach den Wingsuit, fliegen knapp über das schroffe Gebilde aus Stein hinweg und hüpfen wenig später wieder auf unsere flotten Bretter. Die Strecke, die wir dabei zurückgelegt haben, kann sogar als eigener Run gespeichert und anderen Spielern weltweit zur Verfügung gestellt werden.

Es ist wirklich nur schwer in Worte zu fassen und ihr solltet euch die Chance auf die offene Beta auch nicht entgehen lassen, um selbst ein wenig von dieser frischen Luft zu schnuppern, aber zum ersten Mal in einem Open World-Spiel hatte ich tatsächlich das Gefühl von grenzenloser Freiheit.

Was sicherlich daran liegt, dass wir uns in Steep auch all der Sportutensilien entledigen und die Welt zu Fuß erkunden können. Das klingt jetzt so beiläufig, aber es fühlt sich großartig an und jeder echte Snowboarder wird mir da zustimmen, dass Wandern einfach ein fester Bestandteil vom autarken Fahren im Backcountry ist. Bringt spielerisch natürlich nicht viel, wer den Titel aber als das sieht, was er eigentlich sein will, also eine authentische Replikation von Extremsport in den Bergen – mit all seinen Facetten – , wird auch an den Fußmärschen im tiefen Schnee Freude finden.

So entdecken wir dann übrigens auch neue Drop-Punkte oder andere interessante Örtlichkeiten. Per pedes holen wir das Fernglas aus unserem Rucksack und suchen entfernte Berge mit den eigenen Augen ab. Ist ein neuer Punkt einmal ausgemacht, wird er automatisch der Karte hinzugefügt und wir können ihn jederzeit über die Schnellreise erreichen. Mit den Herausforderungen läuft das ein wenig anders ab. Hier verlässt sich Steep auf ein durchaus motivierendes Levelsystem. Je nach erreichter Leistung in den Challenges, erhalten wir Erfahrungspunkte. Sind genügend davon angesammelt, steigen wir ein Level auf und machen damit neue Veranstalter auf uns aufmerksam, die praktischerweise gleich zum nächsten Event einladen.

Anders als etwa bei Infinite Air, gibt man uns hier wesentlich mehr Freiraum. Spieler, die zum Beispiel überhaupt nicht auf die Wingsuit-Steuerung klarkommen, müssen in den selbigen Events nicht unbedingt über sich hinauswachsen, um weitere Herausforderungen mit anderen Sportarten freizuschalten.

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Flick-Verbot

Ein wichtiger Bestandteil von Extremsport-Spielen ist ja immer die Steuerung. Während sich Wingsuit und Paraglider vorwiegend auf Richtungsangaben nach links, rechts oder die Höhe beschränken, was aufgrund der tollen Kollisionsabfrage auch gut funktioniert, kommen beim Snowboard und den Skiern natürlich noch einige Tricks hinzu.

Hier verzichtet Steep leider auf die Flick It-Moves aus Skate oder Stoked und bringt stattdessen die Trigger ins Spiel. Mit RT oder LT vollführen wir einen Olli, halten eine der Tasten auch in der Luft für einen Grab oder bewegen den linken Stick für Spins, bzw. Flips. Recht simpel und leider etwas oberflächlich. Wer hier etwas Übung mitbringt, landet schnell 1080-Spins oder saubere Double Corks und vermisst kreativere Trickvarianten.

Mehr lässt die Physik im Spiel auch gar nicht zu, was aber durchaus positiv gemeint ist. Im Gegensatz zu Infinite Air, sind wir hier nie zu schnell oder zu langsam unterwegs und müssen uns auch keine Gedanken darüber machen, ob wir nun aus Versehen einen total unrealistischen 2200-Grad-Spin hinlegen. Irgendwie erstaunlich, dass ein MMO das schafft, eine Simulation aber nicht.

Allerdings fehlen Slides. Und zwar komplett, denn sie scheinen nicht mal ansatzweise im Programmcode des Spiels enthalten zu sein. Wenn wir eine Kante oder sonstige Objekte zum Grinden Anfahren, hat das nur merkwürdige Animationen zur Folge. Und das ist angesichts der Tatsache, dass wir es in Steep nicht nur mit üppigem Backcountry, sondern auch mit Veranstaltungen in gebauten Parks zu tun haben, schon ein herber Schnitzer seitens Ubisoft und klingt weniger nach bewusster Entscheidung, als nach Faulheit, für das Sliden zusätzliche Animationen basteln zu müssen. Schade ist das allemal, zumal es ein wenig die Immersion der großen Freiheit raubt.

Generell gehen die Animationen aber durchaus in Ordnung. Vor allem wenn wir zu Fuß unterwegs sind, überraschen doch ein paar herzhafte Details. So erkennt das Spiel zum Beispiel, dass wir uns auf einer Steigung befinden und lässt den Charakter die Hände, wie auf einer Leiter, mitbenutzen. Sogar die Ragdoll-Animationen, während wir dann doch mal den Abhang herunterpurzeln, sehen alles andere als albern aus.

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Ein bisschen Mathe

Steep will ganz sicher keine Simulation sein, aber damit wir während der tollkühnen Abfahrten nicht völlig freidrehen und einen Trick nach dem anderen auf den Bildschirm zaubern, hat Ubisoft die g-Kräfte ins Spiel integriert. Das sind die physikalischen Belastungen, die auf unseren Körper einwirken, wenn wir auch im echten Leben irgendwo herunterspringen oder schlimmstenfalls stürzen. Im Spiel funktioniert das ähnlich. Hier stellt uns der Titel eine Art Lebensbalken zur Seite, der uns nur gewisse Belastungen aushalten lässt, bevor wir eine Pause machen und uns regenerieren müssen. Denn sonst sinkt die Leiste auf Null und bringt uns bei der nächsten Landung automatisch zu Fall, was sich natürlich negativ auf den Multiplikator und somit auch die Punktzahl auswirkt.

Das Spiel reagiert hier aber jederzeit nachvollziehbar und ziemlich realistisch. Ein weiter Sprung von einem hohen Kicker oder einer verschneiten Felskante braucht selbstverständlich einen ebenso schrägen Landepunkt, damit wir die dabei einwirkenden Kräfte ganz einfach „ausfahren“ können. Ein unkontrollierter Flug in flaches Terrain, bringt dagegen nur Schmerzen mit sich. Aber selbst, wenn all diese Umstände gegeben sind, setzen wir unseren Körper durch die tollkühnen Sprünge unglaublichen Belastungen aus, weshalb es dann auch in Steep ratsam ist, so manche Abfahrt langsam anzugehen.

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Postkarten-Panorama

Die Bergwelt von Steep bietet ein unglaubliches Postkarten-Panorama mit grandioser Weitsicht. Ubisoft ist es hier wirklich gelungen, eine authentische Bergwelt zu erschaffen, die durch den klugen Einsatz von Lichteffekten und einem dynamischen Tag- und Nachtwechsel noch realistischer aussieht. Aber auch im Detail, verliert der Titel nichts von seiner liebevoll designten Schönheit.

Denn, oh mein Gott, der Schnee ist einfach der beste Schnee, den ihr bislang in einem Videospiel zu Gesicht bekommt habt. Strahlend weiß, glitzernd und keinesfalls eine bloße Textur. Nein, die weiße Masse formt sich, zeigt unsere Fußspuren auf den Millimeter genau und lässt bei jedem Schritt ein dumpfes Knarzen ertönen. Und das sind genau die Feinheiten, die es braucht, um eine Welt zu erschaffen, in die Spieler gerne eintauchen.

Zudem findet sich der Schnee auf allen Oberflächen. Hüttendächer sind damit bedeckt, Wälder werden dadurch in magische Orte verwandelt und während der Abfahrten auf dem Snowboard oder den Skiern profitieren wir von mit Schnee bedeckten Felsen, die wir kurzerhand als Kicker missbrauchen.

Der generelle Look von Steep, macht daher auch den Großteil der Atmosphäre aus. Das Spiel sieht einfach wunderschön aus, glänzt durch etliche Details und diesen großartigen, dynamischen Schnee. Aber das war ja noch nicht alles.

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Let’s GoPro

Um es eher faktisch auszudrücken, hat Steep einen gut funktionierenden GoPro-Kamera-Support, der uns das Geschehen jederzeit aus der Ego-Perspektive erleben lässt. Und wenn ich das jetzt mal emotional ausdrücken darf, dann ist dieser Support das VERDAMMT GEILSTE FEATURE EVER! Es hat ja schon GTA V zu mehr Atmosphäre verholfen, aber in der First-Person-Ansicht über die verschneiten Abhänge einer Gebirgskette zu rasen und dabei Spins und Flips auszuführen, ist schon ein bisschen wie das erste Mal. Kein Plan was da überhaupt abgeht, aber es fühlt sich einfach großartig an. Und in Steep müssen wir dafür nicht mal Dr. Sommer um Rat fragen.

Nein, ganz ehrlich. Jeder, der die digitalen Abfahrten in der Ego-Perspektive bisher nur als Gameplay-Video gesehen hat, darf zurecht skeptisch sein, ob das denn wirklich funktioniert – ich war es ja auch. Hier hilft, mal abgesehen von meinem Rat, dass es durchaus glatt läuft und keineswegs zu Kontrollverlust führt, nur eigenes Anspielen. Ich bin von diesem Feature mehr als begeistert und fühle mich mittendrin im Geschehen, der ein oder andere könnte die Perspektive aber schon wieder als zu unübersichtlich empfinden und vielleicht ja auch an Motion / Gaming Sickness erkranken.

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The Art of Flight

Einen letzten Beitrag zur konkurrenzlosen Atmosphäre, leistet dann noch der Soundtrack, der in verschiedene Genre-Playlists unterteilt ist. Hier dürfen wir nach Belieben zwischen Hip Hop, Electro, Chill und anderen Stilen wechseln und dabei sogar urheberrechtlich geschützte Stücke ausblenden lassen, falls wir Aufnahmen vom Spiel einmal auf Youtube und Co. hochladen wollen.

So ganz detailliert kann ich jetzt leider nicht von Künstlern und Songs berichten, denn eine Tracklist ließ sich nicht einblenden. Wer aber mit dem Soundtrack von The Art of Flight und Acts wie The Naked and Famous, M83 und Sigur Rós etwas anfangen kann, wird auch in Steep akustisch gut bedient.

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Fazit

Tja, mein Schlusswort über die geschlossene Beta von Steep ist eindeutig: Ich will ganz einfach mehr und freue mich riesig auf den Release der Vollversion. Mit seinem Detailreichtum und der edlen Optik hat mich das Spiel durchaus positiv überrascht. Darüber hinaus bin ich sogar der Meinung, dass Steep allein auf dem Snowboard ein realitätsnäheres Gefühl vom adrenalingeladenen Wintersport vermittelt, als Infinite Air, das ja nun tatsächlich eine Simulation sein will. Die MMO-Aspekte sind mir relativ gleichgültig. Andere Fahrer live auf dem Berg zu treffen ist schon eine coole Sache, ich bin dann aber mehr darauf aus, deren Punktzahl zu schlagen, anstatt mit ihnen gemeinsam den Abhang runterzudüsen.

Aber ohnehin wird jeder seine ganz eigenen Erfahrungen mit dem Titel sammeln. Dafür sorgt die umwerfend große Spielwelt und letztlich auch die Möglichkeit, alles individuell anzugehen. Fest steht jedenfalls, dass Steep das Genre von Grund auf revolutioniert und die Messlatte für Nachzügler enorm hoch ansetzt.


Überzeugt euch einfach selbst davon. Die offene Beta von Steep startet auf Xbox One, Playstation 4 und dem PC am 18. November 2016 und endet erst am 21. November 2016. Viel Spaß. Und vielleicht sehen wir uns ja.

Die Bilder stammen diesmal von der offiziellen Seite des Spiels, eigene Aufnahmen über die Game-DVR der Xbox One, waren während der geschlossenen Beta noch nicht möglich.

Dennis

Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren.
Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.
Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.