Resident Evil Origins Collection bei uns im TestResident Evil Origins Collection bei uns im Test
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Resident Evil Origins Collection bei uns im Test

Mit der Gastfreundschaft nimmt man es im alten Spencer-Anwesen auch 20 Jahre nach dem ersten Betreten der verlassen anmutenden Hallen nicht ganz so ernst. Warum ich mich trotz merkwürdiger Gesellschaft und ständiger Orientierungslosigkeit pudelwohl gefühlt habe, lest ihr in unserem Test zu Resident Evil HD in der Resident Evil Origins Collection.

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Es gibt Spiele, die man gespielt haben muss. Dazu zählt ganz klar Resident Evil. Schreibe ich und muss mir dabei selbst eingestehen, dass mit dem HD Remaster des Klassikers mein erster Ausflug in die Spencer-Villa anstand. Ja, ich habe den Titel zu seiner Zeit irgendwie verpasst. Ich war mehr so Dino Crisis und Silent Hill. Immerhin. Mein richtiger Einstieg begann dann tatsächlich erst mit dem vierten Teil, der ja schon gar kein richtiges Resident Evil mehr war und sich wegweisend immer weiter in Richtung Shooter-Genre schlich. Ein Wow, das ist ja wie damals, werdet ihr hier also nicht direkt finden.

Trotzdem bin ich nicht unbedingt ein Kind kunterbunter Action und schätze subtilen Horror, gerne auch mit komplexen Spielmechaniken der alten Schule. Was ich also dachte, bereits in Resident Evil Zero HD gefunden zu haben, entlud sich im Erstwerk der Survival-Horror-Serie in blanker Hysterie über desorientiertes Umherlaufen, Objekt-Management und eine Gruselatmosphäre, die mich auch unter der nächtlichen Bettdecke nicht loslassen wollte. Bloß nicht die Füße über den Bettrand gucken lassen.

Call me a Weichei, aber ich hatte in Resident Evil HD wirklich Angst vor allem, was sich auch nur im Ansatz bewegen konnte oder Geräusche von sich gab, die ich so nur während meiner Zeit als Zivi zu hören bekam. Und das hätte ich von einem gut zwei Jahrzehnte altem Spiel nicht erwartet. Lediglich Rahmenhandlung und natürlich das alte Intro, das leider aus dieser Neuauflage entfernt wurde, obwohl es immer noch die coolste Trash-Sequenz der Videospielgeschichte ist, waren mir bisher bekannt.

Jedenfalls kann ich keinen Vergleich zur damaligen Version ziehen, worüber ich aber einigermaßen froh bin. Denn nur so konnte ich das bisher hübscheste und spielerisch beste Resident Evil in vollen, bislang unbekannten Zügen genießen, musste mir den Kopf selbst über die Rätsel zermartern und konnte dafür nicht auf Erinnerungen zurückgreifen. Soll soviel heißen wie, dass das Spiel nicht nur vom Nostalgie-Faktor lebt und sich Neueinsteiger unbedarft in den Horror stürzen dürfen, alte Hasen aber zusätzlich von diesem Throwback-Feeling profitieren.

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An der Story hat sich selbstredend nichts verändert. Wahlweise werden wir immer noch während eines Einsatzes der S.T.A.R.S-Sondereinheit als Jill Valentine oder Chris Redfield in die alte Villa getrieben und müssen uns dort angesichts der untoten Bedrohung durch menschliche Zombies in allen Varianten, riesige Schlangen, Spinnen, Hunde und anderem mutierten Getier ernsthafte Gedanken über unser weiteres Überleben machen. Serienüblich wird keine große Geschichte erzählt, es bleibt grundsätzlich bei einer Rahmenhandlung über den T-Virus, dessen gefährliche Resultate mit Appetit auf menschliches Fleisch und der Aufklärung der Frage, wie wir aus diesem Schlamassel wieder herauskommen. Die restlichen Team-Mitglieder sind dabei keine allzu große Hilfe und meist einfache Beute für unsere gefräßigen Widersacher.

Die Spencer-Villa und ihre Nebenschauplätze präsentieren sich dabei hübscher als je zuvor. Vorgerenderte Hintergründe treffen auf komplett neugestaltete 3D-Modelle von Protagonisten und Gegnern und verwandeln das Setting mit gelungenem Einsatz von Licht und Schatten in eine schaurig-schöne Umgebung, die uns das Blut in den Adern gefrieren lässt. Das spärliche Licht des Mondes, das den Schatten eines vorbeischlendernden Untoten an die gegenüberliegende Wand wirft, bedrohlicher Gewitterdonner aus der Ferne oder das Stöhnen und leise Schlurfen von toten Gestalten über die Gänge der Villa. Technisch dreht Resident Evil HD gut auf und überzeugt vor allem wegen seiner dichten Atmosphäre, was für Grafik, als auch den Sound gleichermaßen gilt.

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Selbstverständlich mit von der Partie sind auch wieder die klassischen Animationen beim Betreten eines Raums, die uns aus der Ego-Perspektive die Tür öffnen lässt und feste Kameraperspektiven in jeder Situation. Mag nach wie vor altbacken wirken, ist sicherlich auch Geschmackssache, passt aber hervorragend zum Rest des Titels. Auch heute noch.

Gerade zu Beginn von Resident Evil HD wird diese Mechanik gekonnt genutzt, um euch stilvoll auf den Horrortrip vorzubereiten. So passiert es etwa in einem gescripteten Event, dass ihr Jill (oder eben Chris) um eine Ecke navigiert und für kurze Zeit nicht der erhoffte Wechsel der Perspektive geschieht. Wenig später wissen wir warum. Unser Protagonist geht mit langsamen Schritten rückwärts wieder aus der Ecke hervor in unser Sichtfeld und hat erstmal einen Zombie an den Fersen. Der ist zwar noch sehr langsam und gut einzuschätzen, was wir ja eigentlich auch wissen, für den Aufbau der grandiosen Atmosphäre sind diese Szenen aber ziemlich wertvoll. Mir haben sie jedenfalls eine ordentliche Gänsehaut verpasst, obwohl ich ja wusste, dass dieser Gegner mir wahrscheinlich noch nicht viel anhaben kann.

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Munitionsknappheit und regelmäßig ungestillter Bedarf nach Heilmitteln sind ebenso an der Tagesordnung, wie die Frage nach der nächsten Objektbox. Wie üblich ist unser Inventar begrenzt. Zu allem Überfluss können wir, anders als in Resident Evil Zero, Gegenstände nicht einfach fallen lassen und später wieder aufheben. Für das Ablegen, bzw. Austauschen von Items benötigen wir die Objektbox, die sich an den dafür vorgesehenen Orten befindet. Wenigstens immer in der Nähe einer Schreibmaschine zum Speichern, das ebenfalls wieder nur limitiert und durch den Einsatz von Farbbändern möglich ist. Da die begehrte Kiste schon nach kurzer Spielzeit nicht nur mit Munition, neuen Waffen und Kräutern, sondern auch storyrelevanten Gegenständen, mit denen wir die knackigen Rätsel lösen müssen, gefüllt ist, mutieren wir regelmäßig zum Wanderer.

Das wohl nervigste und überholteste Spielelement in Resident Evil HD zwingt uns förmlich dazu, ständig durch die Villa und ihre Umgebung zu laufen und die wichtigen Items hin- und herzutauschen. Wer sich auf der sicheren Seite wiegen will, hat meist gut die Hälfte der insgesamt neun Inventarfelder mit Waffen, Munition, Farbbändern und Heilmitteln belegt. Da bleibt nicht mehr viel für Artefakte. Ab und zu kommt es auch vor, dass wir neue Gegenstände entdecken und nicht aufsammeln können, weil wir einfach überladen sind. Der sich ständige wiederholende Gang zum Speicherraum mit Objektbox ist also absolute Pflicht. Leute mit Phobie vor dem noch nie sonderlich beliebten backtracking sollten einen weiten Bogen um den Titel machen.

Dafür ist aber die Karte ziemlich hilfreich. Hier wird es jedem anders ergehen, aber ich für meinen Teil habe absolut kein Orientierungsvermögen, weshalb ich die Karte im Spiel öfter gezückt habe, als meine Waffen. Erstere erweist sich als recht praktisch, werden doch bereits besuchte Räume stets entsprechend angezeigt. Sind diese rot gefüllt, bedeutet das, dass wir das Zimmer zwar schon besucht, aber dort noch nicht alles eingesammelt oder gelöst haben. Das wird uns erst mit einem grünen Hintergrund verraten. So entfällt nerviges Abklappern der Räume nach Objekten, die vielleicht noch fehlen könnten, denn die Rätsel sind an sich schon eine echte Wucht und fordern neben euren grauen Zellen eben auch eine gute Orientierung im Haus und nahezu perfektes Management der Objekte.

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Doch Rätsel und verwirrender Aufbau der Villa sind nicht das einzige Problem, das uns auf den schummrig beleuchteten Gängen begegnet. Vielmehr machen uns hier die Gegner zu schaffen. Anfangs noch behäbig und überschaubar, werden die nach uns geifernden Zombies immer aggressiver und schneller. Der Crimson Head beispielsweise ist das flinke Äquivalent zum Standard-Untoten und verfolgt uns, bis wir die nächste Tür betreten. Oder wir zücken die Waffen und bedienen uns am reichhaltigen Arsenal, das von Pistolen, über Schrotflinten, bis hin zum Granatwerfer reicht. Ausweichen können wir serientypisch nicht, weshalb die offensive Methode in vielen Fällen sinnvoll erscheint. Denn auch wenn Weglaufen munitionssparender klingt, unser Problem in Form von verwesendem Fleisch löst es nicht und in den meisten Fällen müssen wir uns früher oder später eh mit besagtem Gegner konfrontieren. Das funktioniert in der Regel recht gut, denn auch die Steuerung wurde, wie bereits in Resident Evil Zero, einigen Neuerungen unterzogen.

Ziemlich steif fühlt sich das dann trotzdem noch an, es soll ja ein Resident Evil bleiben, weshalb auch das Zielen gelernt sein will. Kopfschüsse sind noch etwas komplexer als in Zero und gehen nicht so leicht von der Hand und selbst auf dem mildesten der drei Schwierigkeitsgrade halten die wandelnden Experimente ganz schön viel aus. Zu allem Überfluss gesellt sich alle paar Abschnitte ein neuer, noch widerstandsfähigerer Gegner-Typ dazu. Darunter auch Zwischenbosse, die meist einer besonderen Behandlung bedürfen.

Der Schwierigkeitsgrad steigt stetig. Die Rätsel werden immer fordernder, Munition und genesende Objekte immer rarer, die Feinde immer ausgetrickster. Nerven behalten gehört wohl zum größten Leitsatz, den ihr euch aneignen solltet, um es bis zum Abspann von Resident Evil HD durchzustehen. Denn wie bereits erwähnt, Angsthasen werden es im Remake des Klassikers alles andere als einfach haben und hinter jeder Ecke das Schlimmste vermuten, das ihnen dann auch tatsächlich gerne mal kreischend ins Gesicht springt. Besonders interessant war für mich dabei zu sehen, dass der Titel es anscheinend wirklich schafft mich in sich aufzusaugen und mir ganz unverhohlen das Gefühl zu geben, einen klaren Kopf in all dieser Panik bewahren zu müssen, um im Hirn ein wenig Platz für die anspruchsvollen, toll durchdachten Rätsel zu haben und es nicht dem nächstbesten Zombie auf dem Silbertablett zu servieren.

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Einen intensiveren Titel mit dem Prädikat Survival-Horror kann ich auf dem heutigen Markt nicht entdecken, denn fernab von neumodischen Jumpscares und bloßem Ekel, vermag es Resident Evil HD eben auch in den leisen Momenten euch einen Schauer über den Rücken zu jagen. Selbst wenn hinter der nächsten Ecke gar nichts in Angriffsstellung wartet, in eurem Kopf spielen sich garantiert schon die schlimmsten Szenarien ab.

Aber auch technisch muss sich die zweite Vollversion auf dem Origins Collection-Silberling nicht vor heutigen Veröffentlichungen verstecken. Klar, richtig neu gemacht wäre der Titel garantiert noch ein bisschen hübscher, ein mehr als würdevolles Remaster bleibt diese Version aber allemal.

Gewisse Gameplay-Elemente muten ein wenig gestrig an, gehören aber genauso zur ursprünglichen Serie, wie die flache Story mit der ich tatsächlich die meisten Probleme habe. So richtig vergleichen kann man die beiden Titel zwar nicht, aber trotzdem musste ich in den kargen Zwischensequenzen, die mich oft genug nur mit einer kleinen Unterhaltung über Funk abspeisten, immer mal wieder an Konkurrent im Geiste Silent Hill denken, das diesen Aspekt so viel besser handhabt. Silent Hill ist ja mehr so eine Metapher für all die Abgründe in unserer Welt und lässt echtes Grauen mit seiner abgedrehten Fiktion verschmelzen. Da passiert einfach wahnsinnig viel auf der Meta-Ebene. Resident Evil ist dagegen sehr direkt, in sich eher geschlossen und hat halt diesen simplen Plot über das T-Virus und ein paar Intrigen innerhalb von Umbrella Corp., der Firma, die für die gewagten Experimente verantwortlich ist. Wenigstens faszinieren kleine Details, die vorwiegend in kleinen Texten erscheinen und über die dunklen Machenschaften und Gegebenheiten in dem ethisch fragwürdigen Konzern berichten.

Die Spannung geschieht hier eher im Spiel, als in der Story. Aber das war ja schon immer so und soll dem Remaster auch keinen Abbruch tun. Die Neuauflage kann nämlich in Punkto Präsentation und Spielspaß, die nun endlich von einer zeitgemäßen Mechanik profitieren, ordentlich punkten und schafft somit den Spagat zwischen Nostalgie und Moderne mit Bravour.

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Ich habe mich schon lange nicht mehr so gefürchtet und das meine ich verdammt ernst. Ich weiß nicht, ob ich nicht doch eventuell schwanger bin und meine Hormone durchdrehen, aber ich denke mal, dass es eher an dem hervorragenden Job liegt, den Entwickler Capcom hier mit Resident Evil HD abliefert, bzw. abgeliefert hat, denn das Teil war natürlich schon damals so gruselig. Aber ob nun heute oder gestern, wenn ich mal wieder ohne Plan und mindestens genauso viel Munition durch das Labyrinth der Spencer-Villa streune und mich im schummrig-kargen Licht eines Kronleuchters plötzlich von hinten ein Zombie packt, lasse ich die Nacht darauf garantiert wieder ein Licht mehr im Schlafzimmer brennen. Und das ist auf eine merkwürdige Art und Weise positiv gemeint.

Punktabzug gibt es lediglich für die dröge Story. Außerdem sind die klassischen Gameplay-Elemente sicher nicht Jedermanns Sache. Betrachtet man die Origins Collection aber als das, was sie ist, nämlich eine Ansammlung von zwei gelungen aufgehübschten Klassikern, bekommt ihr für ein löbliches Preis-/Leistungsverhältnis zwei Perlen der Videospielgeschichte in modernem Antlitz, die eine ordentliche Spielzeit aufweisen können und darüber hinaus einige nette Extras mit an Bord haben.


Unseren Test zu Resident Evil Zero HD lest ihr hier. Beide Titel haben die gleiche Wertung erhalten, da jeder Ableger zwar seine eigenen, wirklich minimalen Fehler hat, aber genauso für sich überzeugen kann. Die Wertung gilt somit auch für die komplette Resident Evil Origins-Collection, die beide Spiele enthält.

Resident Evil HD (2)Kleine Info am Rande: Solltet ihr schon über einen der beiden Titel als Download verfügen, lohnt sich die Collection in physischer Ausführung nur noch bedingt. Die Disk fungiert mehr oder weniger als Launcher, die nur das Spiel auf eurer Festplatte installiert, das ihr noch nicht besitzt. In meinem Fall war es so, dass bereits vorher Resident Evil Zero HD als digitaler Download auf meiner HDD installiert war, beim Einlegen der Origins Collection wurde also nur Resident Evil HD installiert. Zudem lässt sich nicht direkt die Disk starten, sondern nur das jeweilige Spiel unter Meine Spiele&Apps (auf der Xbox One). Den Silberling benötigt es dann aber trotzdem. Ein bisschen merkwürdig halt.

Unser Test zu Resident Evil HD in der Resident Evil Origins Collection basiert auf unserer Test-Version für die Xbox One. Screenshots stammen vom Capcom Europe Presse-Server. 

Dennis

Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren.
Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.
Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.


 
Unsere Wertung
85%


Fazit
Wer sich wieder einmal so richtig gruseln möchte, darf bei der Resident Evil Origins Collection ohne Bedenken zugreifen. Der Horror war nie hübscher und besser in Szene gesetzt, spielerisch machen sich auch nach ganzen zwei Dekaden keine Abnutzungserscheinungen bemerkbar. So und nicht anders muss Resident Evil. Aktueller Survival-Horror darf gerne mal rüberschielen und sich bei Bedarf eine Scheibe abschneiden, aber bitte eine, die nicht bereits verwest ist. Gänsehaut-Garantie. Kaufen!