Quantum Break bei uns in der VorschauQuantum Break bei uns in der Vorschau
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Quantum Break bei uns in der Vorschau

Wir waren wieder mal ganz mutig und haben eine Zeitreise gewagt. Mit den ersten Erlebnissen aus Quantum Break kehren wir noch etwas benommen in die Gegenwart zurück, blicken der Zukunft aber voller Vorfreude entgegen. Quantum Break auf der Xbox One bei uns in der Vorschau.

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Achtung: Alle geschilderten Ereignisse und die daraus resultierende Meinung basieren ausschließlich auf dem ersten Akt von Quantum Break, repräsentieren somit nicht das gesamte Spiel. Ebenso wenig werde ich bereits jetzt auf Details in der Handlung eingehen oder bestehende Zusammenhänge erläutern. Dieser Artikel soll lediglich einen kleinen Einblick gewähren; einen vollständigen Test findet ihr zu gegebener Zeit hier auf games-mag.de. Dann auch mit entsprechender Wertung.

Wissenschaftliche Experimente sind ja immer so eine Sache für sich. Wenn alles gelingt, kommt sofort eine millionenschwere Organisation um die Ecke und will das mächtige Ergebnis für ihre Machenschaften beanspruchen. Geht dagegen etwas schief, muss es die ganze Menschheit ausbaden. Im Fall von Schrödingers Katze und der Theorie, dass ein Lebewesen erst dann wirklich tot ist, sobald es jemand sichtbar als nicht lebendig erklärt, mögen die Konsequenzen noch weitaus verschmerzbarer sein, als der Super GAU in Quantum Break. Zeitreisen sind eben keine süßen Kätzchen.

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US-Rapper Flavor Flav darf also schon mal den albernen Halsschmuck abnehmen, denn nach dem vermeintlich missglückten Test einer funktionsfähigen Zeitmaschine auf dem Campus einer amerikanischen Universität, erleben wir in der Haut von Titelheld Jack Joyce was es heißt, wenn die Uhren dieser Welt nicht mehr richtig ticken. Eine Anomalie nach der anderen macht sich bemerkbar, friert die Geschehnisse um uns herum willkürlich ein und lässt die einst von Menschenhand geschaffene zeitliche Struktur vom Hier und Jetzt völlig aus den Fugen geraten, wenn nicht sogar komplett wertlos erscheinen.

Kommt uns aber ganz gelegen, denn zur Sekunde aus dem versehrten Forschungslabor entkommen, hängen uns auch schon Elite-Kampfeinheiten der geheimnisvollen Monarch Corporation im Nacken, die wir im eingefrorenen Zustand seelenruhig entwaffnen. Unser Alter-Ego in Quantum Break scheint nämlich nicht von den Auswirkungen dieser Katastrophe betroffen zu sein, viel mehr profitiert er nun von übernatürlichen Kräften. Denn als sich die Lage vorerst wieder entspannt und die Zeit ihren normalen Gang geht, gilt es, im surrenden Kugelhagel vom Gelände der Uni zu flüchten. Wäre da nicht unser Bruder Will, der auf noch mysteriöse Weise mit den Vorfällen in Verbindung steht und zu allem Überfluss von Monarch festgenommen wurde.

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Also ran an die Waffen und das eigene Blut befreien. Völlig unerprobt in militärischen Kampfsituationen, muss sich Jack aber schnell eingestehen, dass er hier wohl den Kürzeren ziehen wird. Der unmittelbare Kontakt mit der fehlerhaften Zeitmaschine war allerdings nicht nur Fluch, sondern auch gleichzeitiger Segen. Noch etwas unbeholfen stellen wir fest, dass der Held nun über Zeit-Kräfte verfügt, die ihm einen gehörigen Vorteil in den Auseinandersetzungen mit den paramilitärischen Einheiten verschaffen. So lassen wir zum Beispiel eine gewaltige Raum- und Zeitexplosion in der Nähe unserer Gegner detonieren, wooshen sprichwörtlich durch die Umgebung um jeglichen Geschossen auszuweichen und generieren auf Knopfdruck einen Schutzschild. Das bringt ordentlich frischen Wind in das mittlerweile recht angestaubte Uhrwerk der Third-Person-Deckungs-Shooter, denen Quantum Break folglich angehört.

Dementsprechend war ich auch etwas skeptisch, da ich diesem Genre schon in seinen goldenen Zeiten von Gears of War und Co. gelangweilt den Rücken gekehrt hatte. Von Deckung zu Deckung hechten, dabei immer wieder vorsichtig hervorlugen und gegnerische Einheiten aus sicherer Distanz aufs Korn nehmen. Gähn. Quantum Break macht durch den Gebrauch der Zeit-Kräfte aber vieles besser und fühlt sich erstaunlich frisch an. Statt fast schon statisch in einer sicheren Ecke zu hocken und das Magazin zu leeren, können wir durch die zeitlich basierten Fähigkeiten auch schon mal unbeschadet vorstürmen. Das sich darauf entladende Effekt-Feuerwerk aus Explosionen, vorbeifliegenden Kugeln und schreienden Gegnern spielt sich entgegen aller Erwartungen sehr dynamisch.

Tatsächlich beschleicht mich aber bereits jetzt das selbe Gefühl, das ich auch beim Spielen von Alan Wake nie so ganz losgeworden bin. In Sachen Gameplay macht Quantum Break nicht viel verkehrt, wirkt solide und durch die einzigartigen Elemente recht unverbraucht, kommt spielerisch aber nie an die Qualität der erzählten Geschichte heran. Somit hangel ich mich irgendwie von Sequenz zu Sequenz, stoße beim x-ten Feuergefecht ein lautes Seufzen aus und hoffe auf den nächsten Story-Schnipsel. Aber fangen wir von Vorne an.

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Spielst du noch oder guckst du schon? Klingt nach schwedischem Möbelhaus, ist in Wirklichkeit aber gar nicht so weit hergeholt. Wer gerne mal über den cineastischen Tellerrand schaut, wird bereits gemerkt haben, dass der nördliche Teil der Weltkarte voll mit Redakteuren, Autoren und anderen schaffenden Künstlern ist, die sich eindeutig Meister des Krimis / Thrillers nennen dürfen und dabei der amerikanischen Filmindustrie in nichts nachstehen, qualitativ sogar viel überzeugender sind, als so manch deutsches Werk, dessen selbsternannte Schauspieler nur nuschelnde Warnungen geben, bevor sie den Rest des Films wild drauflos ballern und den eigentlichen Plot schon im Opening erschossen haben, während sich der Zuschauer noch fragt, wer zum Teufel sein Kind eigentlich Til nennt…

Nein, Quantum Break setzt die Messlatte für das Erzählen der eigenen Geschichte verdammt hoch, nimmt Anlauf und springt selbst nochmal gekonnt darüber. Nach einer guten Stunde mit Jack Joyce, in der wir uns langsam mit den neuen Kräften vertraut gemacht haben und einigen Soldaten ein wohlverdientes Päuschen verschaffen konnten, landen wir direkt in der Haut des vermeintlichen Gegenspielers Paul Serene. Der führt die geheime Monarch Organisation an und muss sich nun mit den Folgen des Campus-Vorfalls auseinandersetzen, dessen Einzelheiten bereits langsam an die sensationsgierige Presse gelangen. Um den Ruf der Firma nicht zu gefährden, gilt es nun eine schwerwiegende Entscheidung zu treffen. Töten wir die zuvor entführte Augenzeugin, eine Studentin, und lassen somit jegliche Beweise und Verbindungen zwischen Monarch und dem Vorfall verschwinden oder benutzen wir die junge Dame, um eine öffentlichkeitswirksame Hetzkampagne gegen Jack Joyce zu starten, die ihn für all die Geschehnisse verantwortlich machen wird und das Unternehmen aus der Schlinge zieht?

Ganz gleich wie wir uns entscheiden, einfach fällt die Wahl nie, endet aber stets in einer Sequenz der Live-Action-Serie. Hier drückt uns Quantum Break für eine gute halbe Stunde in den heimischen Sessel und erzählt den weiteren Verlauf der Story als Realfilm. Mit echten Schauspielern und tatsächlichen, bzw. inszenierten Orten. Und ich spreche hier nicht von dem Niveau einer Need for Speed-Seifenoper, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Auffangbecken für umherirrende Hipster mit Vollbärten, Tattoos und Kindergarten-Rhetorik zu sein. Angefangen bei der schauspielerischen Leistung, über die Wahl der Darsteller, bis hin zu den intelligenten Dialogen, alles scheint im Story-Telling von Quantum Break perfekt aufeinander abgestimmt zu sein.

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Ich wusste überhaupt nicht, was mich da erwartet, als die erste Episode der Live-Action-Serie anfing und mir, im Gegensatz zum eigentlichen Spielverlauf, nun die bösen Jungs und ihre Beweggründe näher brachte. Umso erstaunter war ich, als ich merkte, wie schnell die letzten 30 Minuten vergangen waren. Und die fühlten sich besser als der obligatorische Tatort, der Schweden-Krimi von Freitagnacht und die komplette DVD-Sammlung aus über 20 Jahren James Bond zusammen an. Völlig paralysiert saß ich vorm Bildschirm. Der einzig ärgerliche Moment war, als sich mein Controller wegen der längeren Inaktivität automatisch abmeldete und meine Kopfhörer kurz in Stille verfielen, mich fast einen Dialog hätten verpassen lassen.

Jedes Wort und jede Aktion der Schauspieler wirkt so glaubwürdig und zu keiner Zeit übertrieben, dass ich mich ernsthaft gefragt habe, ob der hier betriebene Aufwand für ein Videospiel nicht schon wieder viel zu groß ist und man diesen Streifen nicht gleich auf die große Leinwand hätte bringen sollen. In den actionreichen Sequenzen nervenzerreißend wie ein Thriller, in den stillen Momenten so einfühlsam und emotional, aber dennoch deutlich wie ein Arthouse-Film. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

Das Tolle daran: Trotz Edel-Optik während der Gameplay-Abschnitte, merkt man natürlich noch den harten Schnitt zum Realfilm. Fühlen lässt uns Quantum Break das aber nur bedingt, nämlich eher auf optischer Ebene. Während sich echte Filmausschnitte in anderen Spielen gerne mal wie ein Fremdkörper anfühlen, sind die Grenzen in Remedy Entertainment’s Werk fließend. Was unter anderem auch daran liegen könnte, dass echte Schauspieler Teil des Casts sind. Niemand geringeres als Shawn Ashmore, bekannt aus X-Men und Serien wie Smallville und Fringe, spielt unser Alter Ego Jack Joyce, der seinem wahrhaftigen Abbild zum Verwechseln ähnlich sieht.

Apropos. Hatte ich schon erwähnt, was für eine gute optische Figur Quantum Break macht? Leider dürfen und können noch keine Screenshots verwendet werden, weshalb wir hier auf bestehende Assets zurückgreifen mussten. Seid euch jedoch sicher, die graphische Präsentation des Titels ist schlicht umwerfend. Grandiose, lebendige Charaktermodelle, dessen Gesichter wie abfotografiert aussehen und dynamisch auf das aktuelle Geschehen reagieren, detaillierte Umgebungen und ein ansehnlicher Einsatz von Licht und Schatten, verwandeln das Geschehen jederzeit in ein Fest für die Sinne. Besonders cool wirken dann die manifestierten Anomalien der Zeit, die sich in Rissen oder abstrakten, visuell wahrnehmbaren Veränderungen der Umgebung zeigen und auch optisch nochmal verdeutlichen, dass mit der Funktion von Raum und Zeit grad einiges schiefläuft.

Gleiches gilt übrigens auch für den Sound. Unbedingt die Soundbar anschmeißen oder die Kopfhörer aufsetzen, denn der Titel schaut nicht nur grandios aus, er hört sich genauso an. Die Sprecher machen einen tollen Job, Waffengeräusche klingen realistisch und nie überzogen und wenn sich wieder mal ein Riss in der Zeit auftut oder eine andere Anomalie vorherrscht, hallen die Stimmen der Protagonisten sogar wie durch eine leere Lagerhalle. So muss Technik auf der aktuellen Konsolen-Generation.

Quantum Break (1700 x 956)

Es scheint ganz so, als würden die Finnen von Remedy Entertainment nach Alan Wake und Max Payne erneut einen ganz großen Hit landen, der vor allem mit der revolutionären Art des Story-Tellings und einem intelligenten, erwachsenen Plot überzeugen wird. Einzige Sorge, die mich grad noch etwas plagt, ist die Frage nach der Abwechslung in den Gameplay-Abschnitten. Im Fall von Alan Wake war es häufig der Fall, dass sich trotz netter, einzigartiger Elemente schnell die Routine einschlich, auf die ich irgendwann keine richtige Lust mehr hatte. Am Ende quälte ich mich durch das Spiel, nur um die eigentlich wertvolle Geschichte zu erleben.

Einen großen Teil des Frusts machten damals auch etliche, in den Leveln versteckte Collectibles aus. Ein Kumpel hat das beim Zuschauen mal mit folgenden, weisen Worten unterlegt: Man, jetzt hör auf in jede Ecke zu gucken und spiel einfach das verdammte Spiel, das bringt einen ja total aus dem Konzept! Recht hatte er, nur leider waren diese Sammelgegenstände zum Teil sehr wichtig für die Verständlichkeit der komplexen Story. Und ein Perfektionist wie ich kann daran nicht einfach so vorbeilaufen. Quantum Break geht in dieser Hinsicht leider den exakt gleichen Weg. Überall sind kleine Gegenstände, Notizen oder E-Mails versteckt, die neben lustigen Anspielungen auf etliche kulturelle Werke eben auch unverzichtbare Informationen über die Handlung beinhalten. Also renne ich wieder in jede noch so dunkle Ecke und suche nach eigentlich optionalem Kram. Hm.


Das ist aber nur mein völlig subjektiver Eindruck der ersten zwei Stunden von Quantum Break, der sich zudem lediglich auf den ersten Akt (beinhaltet erstes Gameplay, Knotenpunkt für die schwerwiegende Entscheidung und knapp 30-minütige Live-Action-Serie) beschränkt. Vom wahrscheinlich bahnbrechenden Story-Telling bin ich mehr als begeistert. Die Geschichte kommt sehr schnell in Fahrt, weshalb man auch sofort in ihren Bann gezogen wird und unbedingt wissen möchte, wie es nun weitergeht und ob wir die Menschheit vor der bedrohenden Gefahr durch Zeit und Raum retten können. Spielerisch bin ich mir nach wie vor etwas unsicher, ob der Titel auch nach mehreren Stunden noch genügend motiviert und nicht zum Spießroutenlauf zwischen den einzelnen Sequenzen wird. Wenn Quantum Break es allerdings schafft, das anfänglich hohe Tempo nicht nur in der Story, sondern auch im Gameplay weiterhin zu halten, dann steht einer Wertung im 90er Bereich garantiert nichts im Wege. Freut euch schon mal!

Quantum Break erscheint am 5. April 2016 exklusiv für die Xbox One und Windows 10. Vorbesteller der Xbox One-Version erhalten zusätzlich noch das mittlerweile abwärtskompatible Alan Wake, die beiden Erweiterungen The Writer und The Signal und den Arcade-Titel Alan Wake’s American Nightmare gratis obendrauf. Digitale Vorbesteller auf Microsofts Konsole freuen sich zudem über die kostenlose Version von Quantum Break für Windows 10. 

Dennis

Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren.
Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.
Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.


 
Unsere Wertung
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Fazit
Könnte ich tatsächlich in die Zukunft blicken, würde ich eventuell schon jetzt Quantum Break als Game of the Year 2016 auf einem goldenen Thron sitzen sehen. Nein, im Ernst. Remedy Entertainment hat sich in Sachen Story-Telling wieder einmal selbst übertroffen, revolutioniert das Erzählen einer Geschichte sogar, indem die Entwickler aus Finnland einen spannenden Thriller mit optionalen Elementen erschaffen, der parallel als Spiel und Realfilm präsentiert wird. Das hat eigentlich noch nichts zu bedeuten, aber wer ein klein wenig Ahnung von Filmen hat und bereits die erste Episode der Live-Action-Serie anschauen durfte, wird mir zustimmen, dass hier auf dramaturgischer Ebene etwas wirklich Großes entstanden ist und so in Form eines Videospiels noch nicht zu sehen war. Natürlich muss man weiterhin schauen, wie sich die Geschichte entwickelt und ob sie dabei glaubhaft bleibt. Auch das durchaus unterhaltsame Gameplay kann nur langfristig beurteilt werden. Trotzdem bin ich sehr guter Dinge.