Project X Zone 2 bei uns im TestProject X Zone 2 bei uns im Test
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Project X Zone 2 bei uns im Test

Solltet ihr einmal Stress mit einem Spiele-Publisher aus Fernost bekommen, sucht ihr besser sofort das Weite. Die rufen nämlich schnell ihre Kollegen zur Verstärkung und treten als Capcom X Bandai Namco Entertainment X Sega dem Bösen gehörig in den digitalen Hintern. Herrlich verrückt und ganz schön übertrieben. Unser Test zu Project X Zone 2.

Project X Zone 2 Thumb

Nein, der große Star in Project X Zone 2 ist sicher nicht der generische, leicht konfuse Plot um einen erneuten Katastrophenausbruch in Japan, in dem sich Spieler des Vorgängers ein wenig besser zurechtfinden als Neueinsteiger. Viel verständlicher wird es auch mit Raum-Zeit-Verzerrung, obligatorischen Geheimorganisationen, Viren und daraus resultierenden Monstern nicht. Denn was das Crossover am Firmament wirklich blendend hell erstrahlen lässt, ist der überdurchschnittlich große Kader an spielbaren Kämpfern in diesem wunderbar inszenierten Taktik-RPG für den Nintendo 3DS.

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Weit mehr als 50 Charaktere aus berühmten, aber genauso weniger bekannten Serien entspringen hier den großen japanischen Publishern Capcom, Bandai Namco und Sega. Ganz so freiwillig geschieht die zweckmäßige Zusammenkunft allerdings nicht, was des Öfteren zu recht skurrilen, aber verdammt lustigen Dialogen zwischen den hübsch gezeichneten 2D-Modellen der Charaktere führen kann. Wahlweise auch mit schickem 3D-Effekt.

Wenn wir auf Ace Attorney Phoenix Wright und Maya Fey treffen, die in einem bevorstehenden Strafverfahren Tekken-Opa Heihachi Michima verteidigen sollen, aber durch das plötzliche Auftauchen diverser Zombies vorerst davon abgehalten werden, kann ihnen anscheinend nur noch Jill Valentine nebst Chris Redfield helfen. Zusammen mit der Yakuza aus den gleichnamigen Software-Ablegern, bilden BSAA und mafiöser Klan eine starke Einheit, um dem Strafverteidiger-Duo schützend beiseite zu stehen. Wobei wir wenig später noch lernen werden, dass so ein kräftiges „Einspruch“ auch in kämpferischer Hinsicht nicht zu unterschätzen ist.

Oder wir finden uns plötzlich in der Welt von Fire Emblem wieder, dessen Manaketen-Oberhaupt es mit Chrom, Lucina und den Protagonisten aus Tales of Vesperia zu beschützen gilt. Zu toppen vermag das nur noch Großmaul Dante, der sogar seinen Bruder Vergil mitgebracht hat und sich daher etwas verständnisvoller gegenüber der komplexen Familienfehde zwischen Jin Kazama und seinem Vater Kazuya zeigt, die immer wieder in den toll geschriebenen Unterhaltungen aufflammt.

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Ihr merkt sicher bereits, Project X Zone 2 ist auf erzählerischer Ebene ganz großes Popcorn-Kino mit fast schon dekadentem Fan-Service. Der Zusammenstoß unterschiedlicher Videospielkulturen endet gerne in allerlei Missverständnissen und sorgt neben nach oben wandernden Mundwinkeln, auch schon mal zum Beinahe-Stillstand wild schlagender Herzen vernarrter Fans.

Man muss sicher nicht jeden einzelnen Titel kennen, der sich hier im gelungenen Crossover der drei Publisher und Entwickler versteckt. Zum ausreichenden Verständnis, ist ein gewisses Fachwissen aber mehr als nur von Vorteil. Project X Zone 2 lebt in den teilweise sogar vertonten Dialogen mit japanischer Sprachausgabe vorwiegend vom Wiedererkennungswert seiner zahlreichen Darsteller und dessen individueller Charakteristik. Ein eher simples Beispiel: Nur wer wirklich weiß, dass Chrom und Lucina eigentlich Vater und Tochter sind, wird auch die häufig vorkommenden, familiären Konflikte, die Verwechslung der beiden als Paar und den daraus entstehenden Slap-Stick-Humor richtig deuten.

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Das war dann auch der Grund, warum ich zum Beispiel das Prolog-Kapitel über God Eater 2 und .hack nicht richtig genießen konnte. Beide Serien sagen mir bis heute nichts, was mir offensichtlich den Zugang zu kleineren Anspielungen verwehrte. Aber keine Sorge, die Geschichte nimmt sich selbst nie zu ernst und bietet somit genügend Albernheiten, über die jeder schmunzeln darf.

In Sachen Gameplay ist Project X Zone 2 dann aber ein waschechtes Taktik-Rollenspiel, weshalb die Zusammenkunft der kultigen Köpfe nicht nur zu merkwürdigen Begegnungen untereinander, sondern auch zu mächtigen Partnerschaften führt. Grundsätzlich lässt sich das Spielprinzip mit jener beliebter Mechanik aus Fire Emblem vergleichen. Auf einer gerasterten Karte, die wir aus der isometrischen Draufsicht begutachten dürfen, stehen sich Freund und Feind in Miniatur-Optik gegenüber. Jede Einheit darf pro Zug eine gewisse Anzahl an Schritten zurücklegen, um den Gegner auf die Pelle zu rücken. Ähnlich wie in Final Fantasy Tactics, ist auch die Ausrichtung bei einem Angriff von entscheidender Bedeutung. Greifen wir frontal an, verursacht das nur durchschnittlichen Schaden beim Feind. Wesentlich wirkungsvoller ist da die seitliche Positionierung, besser noch eine sprichwörtliche Attacke aus dem Hinterhalt.

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Richtig interessant wird es aber erst in den direkten Auseinandersetzungen. Entscheiden wir uns für den Angriff auf einen Gegner, wechselt das Geschehen in entsprechenden Modus und lässt uns aktiv mächtige Kombos ausführen. Bis zu drei Mal dürfen wir zuschlagen, treten, schießen, Feuerzauber wirken und sollten dies auch zeitlich aufeinander abstimmen. Nur mit dem richtigen Timing teilen wir den maximalen Schaden gegen Standard-Gegner und Bosse aus und bringen ihre TP in einem einzigen Zug auf Null.

Project X Zone 2 lässt uns dabei permanent als thematisch korrektes Duo antreten, das ihre Attacken automatisch miteinander verknüpft. Steht eine weitere Einheit in der Nähe unseres Zweier-Teams, lässt diese sich sogar als zusätzliche Unterstützung im Kampf herbeirufen. Die Verstärkung wird, wie alle anderen Kombos auch, durch simples Drücken auf entsprechende Taste eingeleitet und dabei von einer netten Sequenz begleitet. Zeigen wir hier ebenfalls ein Gespür für korrektes Timing und dreschen nun als Trio simultan auf den Gegner ein, gilt das als besonders starker X-Treffer.

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Doch keine Angst vor Zweisamkeit, mit zig weiteren Angriffen zeigen wir uns schon als herkömmliches Paar recht wehrhaft und profitieren von Spezialattacken und kreativen Finisher-Moves, die in ihrer Darstellung den jeweiligen Protagonisten angepasst wurden (Signature-Move). So mancher Angriff lässt sich durch das vorige Aussetzen in einem Zug sogar aufladen und bietet in der nächsten Runde noch größere Durchschlagskraft.

Haben wir dann all unsere Einheiten bewegt, bläst der Gegner in seiner Phase zum Gegenangriff und stellt uns vor die Wahl. Mit der vollen Abwehr neutralisieren wir jeglichen Schaden durch einen feindlichen Angriff, mit der normalen Abwehr halbieren wir ihn lediglich. Lohnenswerter erscheint da ein Konter, was unserer Einheit zwar Schaden zufügt, ihr aber immerhin die Chance zum Gegenschlag gibt. Doch aufgepasst: Jede Aktion geht auf Kosten von FP oder XP, die wir genauso für eigene Spezialangriffe oder besagte Konter benötigen. Ein bisschen haushalten muss man also schon, durch Items und Aktionen, die diese Werte schnell wieder auffüllen, kommt aber nie so etwas wie echte Bedrängnis auf.

Und das ist tatsächlich der größte Knackpunkt am irrwitzigen Crossover. Die Auseinandersetzungen fühlen sich flott und dynamisch an, da wir ja nicht zu passiven Zuschauern degradiert werden, eine wirklich tiefgehende taktische Komponente lassen die Scharmützel jedoch zum größten Teil vermissen. Project X Zone 2 wirkt deutlich simpler als seine Genre-Kollegen und spielt sich durch den niedrigen Schwierigkeitsgrad fast schon anspruchslos. Daran können auch negative Buffs, mit denen uns der Gegner gerne mal belegt und nervige Fallen auf den vermeintlich taktischen Karten nicht viel ändern. Wer sich einigermaßen geschickt anstellt, Charakter-Paare sinnvoll positioniert und im Level aufsteigen lässt, das gesamte Team mit passender Ausrüstung und weiteren erlernbaren Fähigkeiten, sowie Boost-Fertigkeiten bestückt, der wird wohl keine allzu große Herausforderung erleben.

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Schade eigentlich, denn so nutzen sich die durchaus rasant inszenierten Kämpfe schnell ab, was zwecks geringem Taktik-Anteil letztlich dazu führt, dass ihr den Titel vorwiegend wegen seines bizarr zusammengewürfelten Kaders spielen werdet. Was allerdings nicht bedeuten soll, dass die spielerische Seite von Project X Zone 2 ein Totalausfall wäre. Man sollte schlicht kein gerissenes Taktik-RPG im Stil von Fire Emblem mit hohen Ansprüchen an die grauen Zellen des Spielers erwarten. Auf ein allzu abwechslungsreiches Abenteuer könnt ihr besser genauso verzichten, denn irgendwann habt ihr euch auch an der schicken Optik und den individuellen Charakter-Moves einfach sattgesehen. Früher oder später stechen also nur noch die mit typischem Japano-Humor gespickten Dialoge als einzigartig und motivierend aus den sich stetig wiederholenden Sequenzen und immer gleichen Kämpfen heraus. Spaß macht es trotzdem, auch wenn man schnell bemerkt, dass hier anscheinend Quantität vor Qualität gesetzt wurde.

Dafür werden Neueinsteiger sanft empfangen und der charmante Mix aus etlichen Titeln von Capcom, Bandai Namco Entertainment und Sega birgt genügend Potential, die ein oder andere Wissenslücke über etliche Serien der vergangenen Videospiel-Jahre stilvoll zu schließen. Eine komplette Liste der Kämpfer-Riege findet ihr übrigens genau hier.


Der Test, sowie alle Screenshots basieren auf unserer Test-Version von Project X Zone 2 auf dem Nintendo 3DS.

Dennis

Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren.
Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.
Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.


 
Unsere Wertung
75%


Fazit
Project X Zone 2 lässt mich schnell zwischen den Welten springen und präsentiert mir dabei eine mit anderen Titeln kaum vergleichbare Anzahl bekannter Videospielhelden aus namhaften Häusern, dessen Wege sich bizarr aber stilvoll kreuzen. Das Mash-Up kann vor allem mit seiner Dynamik, dem völlig abgedrehten Humor und einem großartigen Fan-Service austeilen, muss aber aufgrund von mangelnder Komplexität und sich ewig wiederholender Elemente auch einstecken können. Qualitative Elemente bleiben dem Titel sicher nicht fern, verstecken sich aber nur zu gerne vor der Fäuste schwingenden, kaum mehr überschaubaren Masse.