Pokémon Super Mystery Dungeon bei uns im TestPokémon Super Mystery Dungeon bei uns im Test
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Pokémon Super Mystery Dungeon bei uns im Test

Ich bin ein Pokémon. Und das ist auch gut so. Ist trotz merkwürdiger Metamorphose und anderen Knakrack…äh…Knackpunkten, alles Super in Pokémon Super Mystery Dungeon? Unser Test zum Rollenspiel auf dem Nintendo 3DS.

Pokémon Super Mystery Dungeon Thumb

Pokémon Super Mystery Dungeon beginnt erneut mit einem Fragebogen, der uns mit den unterschiedlichsten Situationen konfrontiert. Wie würdest Du reagieren, wenn ein Mitschüler in Bedrängnis gerät? Und was ist überhaupt deine Lieblingsfarbe? Nein, diese Umfrage ist nicht Gegenstand einer empirischen Erhebung mit zweifelhaftem Datenschutz, sie soll euch die Wahl des Taschenmonsters, in dessen Haut ihr fortan schlüpfen werdet, lediglich erleichtern.

Je nachdem für welche Antworten ihr euch entschieden habt, schlägt das Spiel automatisch ein knuffiges Alter-Ego nebst Partner aus. Der Persönlichkeitstest dient jedoch nur zur Orientierung für Unentschlossene, denn selbstverständlich dürft ihr auch frei aus ALLEN bisherigen Startern der Serie und zusätzlich noch Pikachu oder Riolu wählen.

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Haben wir uns dann endlich festlegen können, geht es auch sofort los. In meinem Fall war das übrigens ein Feurigel, mit einem Schiggy als weibliche Partnerin. Als Kind im Körper eines Pokémon verschlägt es uns, aus noch unbekannten Gründen, in eben diese Welt, in der man uns nicht nur freundlich gesinnt scheint. Von mehreren Megalons mit merklich schlechten Absichten verfolgt, bleibt nicht viel Zeit für die Verwunderung des eigenen Anblicks. Doch zum Glück taucht ein Blanas auf, das uns kurzerhand in sein Dorf, den zukünftigen Ausgangspunkt aller Erkundungstouren, mitnimmt.

Hier beginnt das Abenteuer mit kleinen, recht langsamen Schritten. Das Spiel lässt sich wirklich viel Zeit, um euch auf alle Gegebenheiten vorzubereiten und fühlt sich dadurch noch einen Tick einsteigerfreundlicher an, als seine Vorgänger. Bis auf spätere Nebenaufgaben, ist jegliches Geschehen in Super Mystery Dungeon mit der Story verstrickt. So lernen wir in den ersten Stunden nicht nur ganz gemütlich alle Grundlagen des Spiels, sondern auch die Bewohner des kleinen Orts kennen. Die plötzlichen sprechenden Pokémon verfügen alle über eine eigene Persönlichkeit, was sich für Neulinge vielleicht etwas merkwürdig anfühlen mag, dem Titel aber tatsächlich eine ganze Menge Charme verleiht. Jegliche Dialoge sind interessant oder gar witzig geschrieben, bleiben jedoch stets sehr kindgerecht. Außerhalb der stimmigen Präsentation, tut das vor allem dem erzählerischen Stil ein wenig weh.

Pokémon Super Mystery Dungeon

Kinder könnten dabei tatsächlich noch was lernen, mit Anfang 30 rockt die Geschichte jetzt nicht mehr so. Alles ist sehr liebevoll umgesetzt und selbst ich kann dieser Friedfertigkeit und ihren kleinen Disputen etwas abgewinnen, aber irgendwie wirkt doch alles recht realitätsfremd und auf die Probleme von Heranwachsenden heruntergebrochen. Der Konflikt mit Klassen-Rowdy Pam-Pam und Schnuthelm, an dem wohl unser tollpatschiger Partner Schiggy nicht ganz unschuldig ist und diese ständigen Ethik-Fragen, die in dieser Formulierung nur aus einem Sprössling heraussprudeln können, nerven den gereiften Spieler sicher schnell. Mit seiner friedlichen, aber gelungenen Atmosphäre, ist Pokémon Super Mystery Dungeon in erzählerischer Hinsicht ein zweischneidiges Gramokles…pardon, Schwert. Auf der einen Seite lockt das gewaltfreie Setting zum Abschalten und Vergessen realer Gräueltaten, auf der anderen Seite wird alles so sehr ins Niedliche gezogen, dass wir nach nur wenigen Dialogen zwischen den Taschenmonstern bunte Regenbögen speien.

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Spielerisch wird es dann aber wesentlich komplexer. Wie so ein Mystery Dungeon funktioniert, haben wir ja bereits weitestgehend erklärt, doch natürlich fühlt sich das im Universum der Pokémon nochmal deutlich anders, wenn nicht sogar besser an. Jedenfalls sind wir auch hier mit bis zu fünf folgsamen Mitstreitern in zufällig generierten Dungeons unterwegs und müssen es über mehrere Ebenen bis zum Ende des Labyrinths schaffen. Was uns gerne mal daran hindert, sind vorwiegend feindlich gesinnte Pokémon und der eigene Hunger. Generell kann man den Spielablauf als rundenbasiert bezeichnen, denn Gegner bewegen sich auf den gerasterten Feldern nur, solange wir es auch tun. Ebenso nimmt dabei unser Hungergefühl zu, was schon mal den vorzeitigen Bildschirmtod bedeuten kann, sofern wir dem nicht rechtzeitig mit einem Apfel entgegenkommen. Besonders zu beachten ist nach wie vor die eigene Ausrichtung und die der Team-Kameraden, wenn wir auf Feinde treffen. Ein vorzeitiger Angriff aus der Ferne oder das Locken durch einen Täuschungsangriff kann ebenso gewinnbringend, wie ein Rückzug sein. Der knackige Schwierigkeitsgrad verzeiht nicht viel, lässt uns beim Scheitern in den verwinkelten Höhlen und Wäldern sogar das komplette Inventar verlieren, das wir zuvor besser in entsprechender Item-Box verstauen.

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Das Spielprinzip ist dabei relativ schwer zu erklären und sieht auf (bewegten) Bildern gerne mal langweilig und nicht sonderbar motivierend aus. Aber mal abgesehen von der durchaus repetitiven Struktur des Titels, macht das Erkunden im Selbstversuch eine Menge Spaß, was wir vor allem dem schnell geweckten Entdeckergeist und den zahlreichen Pokémon zu verdanken haben, denen wir auf unseren Streifzügen im Akkord begegnen. Denn auch wenn sich alles sehr ähnelt, hat man jedes Mal aufs Neue das Gefühl, ein völlig unbekanntes Terrain zu betreten, dass es zu entdecken gilt.

Selbstredend rüsten wir unsere niedlichen Begleiter auch nicht mit Schwertern oder ähnlichem aus. Viel mehr sind serientypisch die Attacken und deren korrekter Einsatz der Schlüssel zum Erfolg. Stehen wir nämlich einem Gegner gegenüber, wählen wir aus bis zu vier verschiedenen Attacken, dessen Elemente es zu berücksichtigen gilt. Pokémon-Veteranen wissen sicher, dass sie einem Glumanda am besten mit einer Aquaknarre entgegenwirken und die Flügel eines Panzaeron stilvoll mit einer Glut-Attacke stutzen. Für alle nicht so thematisch versierten Spieler, bietet Pokémon Super Mystery Dungeon jederzeit eine Tabelle der Elemente und all ihren Wechselwirkungen auf dem unteren Bildschirm. Attacken, die den eigenen Status verändern sind auch wieder mit von der Partie. Damit wir Gift, Verwirrung und einen gesenkten Angriffswert wieder loswerden, laufen wir in den Dungeons einfach über Felder, die besagte Buffs aufheben.

Um konkurrenzfähig zu bleiben, sollten die ständigen Auseinandersetzungen aber zu keiner Zeit gemieden werden. Durch erfolgreiche Kämpfe erhält das gesamte Team wertvolle Erfahrungspunkte und steigt im Level auf. Neben den verbesserten Attributen in Angriff, Verteidigung und weiteren Werten, kann das auch eine neue Attacke, später sogar die Weiterentwicklung zur Folge haben. Damit die befreundeten, vom Computer gesteuerten Pokémon erfolgreich an den Kämpfen teilnehmen und nicht willkürlich irgendwelche Attacken ausführen, geben wir ihnen vorgefertigte Verhaltensmuster, die unter anderem bestimmen, ob sie angreifen oder sich eher passiv verhalten sollen.

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Für noch mehr taktische Finesse sorgen die Ringel, die einem Gürtel ähneln und sich mit Spiralen, also Edelsteinen, bestücken lassen. Im entsprechenden Slot des Ringels angelegt, verleihen die seltenen Kristalle temporäre Boosts auf die Statuswerte des Entdeckerteams. Jedoch immer nur im jeweiligen Dungeon, denn sobald wir die aktuelle Örtlichkeit verlassen, verschwinden auch die Spirale. Außerdem sind die Fundorte in den Labyrinthen mit Timern versehen, weshalb wir geschickt zu ihnen navigieren sollten, um sie nicht einfach zerplatzen zu lassen. Für eine geschickte Koordination der Schritte, greifen wir auf ein ebenfalls integriertes, diagonales Bewegungsmuster zurück.

Ein ganz besonderes Schmankerl ist dann aber noch das neue Beziehungs-System, mit dem die Pokémon auch außerhalb der Story eine Verbindung zueinander aufbauen können. Erfüllen wir bestimmte Aufgaben, verbessert das unseren Draht zu den kleinen Wesen. Die als Nebenmissionen getarnten Freundschaftsdienste dienen also nicht nur zum Verbessern der eigenen Kampfkünste, hin und wieder schließt sich somit auch ein weiteres Taschenmonster unserem Team an.

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Ob nun mit Pokémon oder gar Etrian Odyssey, das Erkunden der Verliese hat in Mystery Dungeon Tradition und weicht nur selten einer anderen Aufgabe. Da kann schon mal die Abwechslung verloren gehen, wenn wir erneut eines der thematisch unterschiedlichen, aber recht identisch aufgebauten Labyrinthe betreten und wieder nur die obligatorischen Herausforderungen abarbeiten. In den meisten Fällen sieht das wie folgt aus. Wir betreten das Dungeon, wandern dabei durch Korridore und größere Räume, in denen vorwiegend Gegner und Items aufwarten und suchen dabei eine Treppe, die uns eine Ebene weiter bringt. Das geht dann so lange, bis wir die Zielebene erreichen oder irgendein Item einsacken, das Bestandteil dieser Mission ist. Wer das schon in den Vorgängern doof fand, wird auch keine Freude an Super Mystery Dungeon haben. Denn auch wenn man so den wohl besten Ableger der Reihe verpasst, schmeckt der waschechte Dungeon-Crawler aus dem Hause Nintendo eben immer noch nicht jedem.

Die Steuerung kann dabei genauso zum Ärgernis werden, wie der stetig steigende Schwierigkeitsgrad in den immer gleichen Labyrinthen. Wenn wir zum Beispiel wieder einmal arge Probleme damit haben, einfach mit den Pokémon durch die langen Gänge der Dungeons zu rennen und dabei ständig das Item-Menü öffnen, da im Grunde beide Aktionen über die B-Taste ablaufen, endet das schon mal in unnötigem Frust. Ansonsten ist die Belegung der Tasten aber recht vorbildlich und auch der untere Screen macht sich durch das Anzeigen der Karte und weiteren hilfreichen Aktionen sehr nützlich. Auf dem oberen Bildschirm darf das Geschehen jederzeit mit angenehmen 3D-Effekt bestaunt werden.

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Auf ein Online-Feature müssen wir ebenfalls nicht verzichten. Auf der Pelipper-Insel entsenden wir per StreetPass Pokémon, die anderen Spielern bei ihren Abenteuern zur Seite stehen oder empfangen selbst welche und nehmen die fremde Hilfe in Anspruch. Bei den Rettungsmissionen hingegen, retten wir die zuvor in einem Dungeon besiegten Pokémon anderer Spieler.

Pokémon Super Mystery Dungeon lebt vor allem durch die zahlreichen Auftritte seiner beliebten Monster im Hosentaschenformat. Man wird es Verächtern der kleinen Wesen schlecht erklären können, aber selbst wenn man die Pokémon nicht fangen kann, so üben sie und vorwiegend ihre legendären Vertreter, die hier wunderbar passend in das Spielgeschehen integriert wurden, stets eine starke Faszination aus, der man sich nur schwer entziehen kann. Ich will damit nicht sagen, dass man Pokémon in jedes Format pressen kann und das dann auch funktioniert. Aber im Fall von Super Mystery Dungeon gelingt das Abenteuer trotz kleiner Einbußen selbst im zweiten Ableger für den Nintendo 3DS noch mehr als gut. Das Spiel bietet vom Aufleveln, bis hin zur vollständigen Entwicklung der Taschenmonster alles, was auch an den Hauptablegern so viel Freude bereitet und vergisst dabei nicht den mittlerweile riesigen Kader oder gar die neuen Mega-Entwicklungen.


Der Test, sowie alle Screenshots basieren auf unserer Testversion von Pokémon Super Mystery Dungeon auf dem Nintendo 3DS. Artworks stammen vom Nintendo Europe-Presseserver.


 
Unsere Wertung
85%


Fazit
Kann man Pokémon überhaupt kritisieren? Selbst im großen Jubiläumsjahr und ganze 20 Jahre nach ihrer Entstehung, erhaschen die kleinen Taschenmonster noch so einige Bonus-Punkte bei mir, obwohl sie eigentlich gar nichts dafür tun. Die Präsentation der Story ist zwar dermaßen zuckersüß, dass ich schon beim bloßen Anblick Diabetes bekomme, doch irgendwie passt das ja auch. Darüber hinaus, nämlich in spielerischer Hinsicht, ist Pokémon Super Mystery Dungeon ein gelungener Dungeon-Crawler, der Einflüsse der Hauptreihe gekonnt integriert und zu stundenlangem grinding einlädt. Fans der Vorgänger lieben dieses Prinzip sowieso, aber auch Neulinge sollten mal einen Blick riskieren und zum Pokémon werden. Nicht ganz so Super wie es der Titel vermuten lässt, aber eine sehr solide Erfahrung, die vorwiegend durch ihre Protagonisten und bekannte Mechaniken glänzen kann.