Need for Speed (PC) bei uns im TestNeed for Speed (PC) bei uns im Test
0100

Need for Speed (PC) bei uns im Test

Need for Speed besinnt sich wieder auf die alten Tugenden. Wie in den Underground-Teilen fahren wir ausschließlich bei Nacht durch die fiktive Stadt Ventura Bay. Eingebettet ist der geradlinige Rennalltag des gesichtslosen Protagonisten in eine klischeebehaftete Story mit Echtfilm-Sequenzen. Die sind zwar dank HD-Auflösung nett anzusehen, fallen aber eher in die Kategorie „gut gemeint“ und sind eher als schmückendes Beiwerk zu betrachten. Das einzige schicke Gimmick daran ist, dass unsere individuellen Vehikel regelmäßig in die geschauspielerten Episoden eingefügt sind und sich dank schmucker In-Game-Grafikmodelle nicht sonderlich von den Zwischenfilmen unterscheiden.

Virtual Reality in Reinform. Via Handyanruf schalten sich unsere virtuellen Buddies sehr häufig in das Renngeschehen ein und sollen so ein Mittendrin-Gefühl auslösen. Leider rufen die meistens nervenden Kollegen selbst in Rennen an und sorgen für reichlich Ablenkung. Ebenfalls verloren wir die Orientierung, wenn plötzlich Einblendungen auftauchten, die den halben Bildschirm verdeckten – mitten im Rennen. Naja, wer braucht auch schon eine Rahmenhandlung in einem Rennspiel?

Brennender Asphalt

Weitaus wichtiger: der Gameplay-Aspekt. Und in diesem Bereich kann das neue Need for Speed durchaus punkten. Das Fahrgefühl lässt sich nämlich ziemlich genau auf die eigenen Bedürfnisse und Wünsche anpassen. Wollen wir lieber kontrolliert durch die Stadt fahren oder soll sich unser Wagen dank weniger Bodenhaftung agiler steuern? Mit einigen Schiebereglern dürfen wir die Fahrweise von „sehr driftlastig“ bis „sehr kontrolliert“ einstellen. Da bei kontrollierter Einstellung die Fahrzeuge aber kaum durch Kurven kommen, fuhren wir im Test meist mit Drift-affinen Lenkeinstellungen. Need for Speed bleibt dabei mehr arcadelastig , hebt sich aber von den Vorgängern erheblich ab und spielt sich deutlich anspruchsvoller. Haben wir den sprichwörtlichen Dreh raus, lenken wir unseren Wagen auch bei hohen Geschwindigkeiten jenseits der 300er-Marke gekonnt durch den nächtlichen Straßenverkehr.

need3

Letzterer besteht allerdings nur aus vereinzelt auftauchenden NPC-Fahrzeugen, es wird schließlich nur nächtens oder (gescriptet) bei Sonnenaufgang gefahren. So wirkt Ventura Bay ziemlich ausgestorben. Wir hätten uns ein wenig mehr Verkehrsaufkommen gewünscht. Daran ändert sich auch durch die aufgesetzte Onlinekomponente des Teils nichts. Zwar bevölkern auch andere menschliche Spieler die Stadt, doch das macht das Erlebnis auch nicht viel atmosphärischer, zumal wir immer online sein müssen, um überhaupt ein paar Runden zu fahren. Macht die Leitung gerade schlapp, dann bleibt der Motor aus.

Magere Auswahl

In den über die ganze Stadt verteilten Rennen treffen wir auf erstaunlich einfallslose Standard-Events: Driftrennen, Zeitrennen und Rundenrennen. Je nach Fahrerlevel werden neue Events freigeschaltet, die fast immer die selben Abläufe abverlangen. Highlights sucht man vergebens. Nur manchmal variieren die Rennen. Selten dürfen wir an Gymkhana-Rennen teilnehmen, bei denen es um Geschwindigkeit, Style und Drifts gleichzeitig geht. „Drift Train“ ist eines der weiteren Drift-Events. Hier müssen wir in der Gruppe bleiben, damit wir überhaupt Punkte sammeln. Je besser unsere Position in der Gruppe, desto mehr Punkte gibt es.

need2

Trotz der spärlichen Variation der Renn-Modi machen die Rennen an sich eine Menge Laune, da das Geschwindigkeitsgefühl stimmig ausfällt und es endlich keine akut wahrnehmbare Gummiband-KI mehr gibt. Das haben sich viele Fans gewünscht, nun wurde das Versprechen in der PC-Version und in der Konsolenfassung mittels Patch weitgehend gelöst. So tauchen gegnerische Fahrer nach einem kleinen Fahrfehler nicht mehr direkt hinter uns auf und zeichnen sich durch eine menschlichere Fahrweise denn durch gescriptete Ideallinienfahrten aus. Ab und zu teleportierten sich Gegner komischerweise direkt vor uns, was aber meist nichts mit der Gummiband-KI zutun hatte, sondern an der stockenden Engine lag.

Warum wir bei einigen Driftrennen, bei denen es rein um die höchste Punktzahl geht, mit anderen Mitstreitern in einem Pulk umherdriften müssen, verstehen wir indes nicht. So kommt es in schwierigen Story-Events oft dazu, dass wir gefrustet etliche Versuche ertragen müssen, weil uns mal wieder ein anderes Auto an einem akkurat ausgeführtem Drift hindert oder sogar Gegenverkehr von anderen Rennwagen betrieben wird. Außerdem bekommen wir, was die Eventauswahl im jüngsten Serienteil anbelangt, viel Masse statt Klasse geboten. Schnell kennen wir sämtliche Streckenabschnitte in Ventura Bay und lechzen nach Abwechslung. Stattdessen befahren wir häufig die selben Areale, welche verschiedene Stadtteile beinhalten, darüber hinaus jedoch keine sonderlich spannenden Strecken bieten. Wir sehnen uns nach den berüchtigten Drag-Rennen aus den Underground-Teilen zurück. Dort ging es auch mal außerhalb der immer gleichen offiziellen Straßen zur Sache. Schleichwege, Abkürzungen oder Sprungeinlagen sind sehr spärlich gesät.

Sammeln, Aufmotzen, Panorama genießen

Nichtsdestotrotz motivieren die Rennen, weil wir selbst in der freien Fahrt Respekt-Punkte sammeln. Durch waghalsige Manöver, spektakuläre Drifts oder erfolgreiche Rennen steigern wir so im Level auf und schalten neue Tuning-Teile sowie Rennen frei. Das Tuning fällt deutlich umfangreicher als in den Vorgängern aus. Wir haben die Möglichkeit unseren Wagen nicht nur mit zahlreichen Decals, Farbpalletten und neuen Karosserieteilen individuell anzupassen, sondern können auch leistungsfördernde Teile wie Motorblöcke, Einspritzanlagen oder Bremssysteme einbauen. Sehr leistungsstarke Teile sind (erst) durch Missionen oder Levelaufstiege freischaltbar, sodass wir unseren Wagen langsam in eine wahre Bestie verwandeln. Enttäuschend: neue Scheinwerfer, Stoßstangen oder Motorhauben dürfen wir bei einigen Autos nur sehr rudimentär oder schlichtweg gar nicht verändert. Der Hersteller gab hier wohl die Marschroute vor.

need1

Frostbite-Engine sei dank sieht Need for Speed durchgehend fantastisch aus. Die Fahrzeugmodelle sind knackscharf, die Umgebungen detailliert und die Licht- und Schatteneffekte machen viel her. Auch wenn wir nur bei Dunkelheit unterwegs sind, bekommen Grafik-Fetischisten hier sehr viel geboten. Dasselbe gilt für den Soundtrack, der sich auf treibende Drum-and-Bass-Tracks spezialisiert, jedoch auch Indie-Songs und Hip Hop bietet und die Underground-Stimmung wunderbar untermalt. Mäkeln müssen wir an der Technik leider doch. Denn manchmal kommt die Engine bei sehr hohem Tempo nicht mehr mit dem Laden hinterher und wir fuhren ins Nichts.

Freier Redakteur/in


 
Unsere Wertung
75%


Fazit
Ich hatte meinen Spaß mit dem neuen Need for Speed. Die Rennen bringen mächtig Laune, da man sich seinen eigenen Fahrstil mit allerlei Feinabstimmungen selber zurechtbiegen kann und die Stadt anfangs sehr viel Underground-Flair versprüht. Doch schon bald kenne ich alle Areale, Spielmodi und Kniffe und wünsche mir nichts sehnlicher als ein bisschen Abwechslung in puncto Strecken oder auch bei der Eventauswahl. Trotzdem habe ich einige Spielstunden auf dem Buckel, weil sich die Fahrmechanik nach etwas Eingewöhnung sehr rund anfühlt und das Geschwindigkeitsgefühl gut rüberkommt. Langfristig motiviert Need for Speed aber nicht. Verschenktes Potenzial sehe ich hier an allen Ecken und Enden. Traurig, aber wahr.