Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 bei uns im TestNaruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 bei uns im Test
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Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 bei uns im Test

Lizenzspiele sind echte Gurken und ein Beat `em up darf keine tiefgründige, emotionale Story erzählen? Dann habt ihr wahrscheinlich noch nie von Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 gehört. Optisch eine Wucht, kann der Titel auch spielerisch voll überzeugen, zumal die Grenzen ohnehin fließend sind. Ultimate Ninja Storm 4 ist ganz großes Kino zum Anfassen. Hier unser Test zum Anime-Prügler.

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Als wäre es gestern gewesen, kann ich mich noch gut an meine anfängliche Obsession zu japanischen Manga vor gut zwölf Jahren erinnern. Die Welle des fernöstlichen Zeichenstils in Form von „spiegelverkehrten“ Büchern oder ersten DVDs schwappte Anfang der 2000er langsam zu uns herüber und zog mich sofort in ihren Bann. Irgendwann war die Sammlung dann auf über 500 Exemplare gestiegen, darunter natürlich auch Naruto. Die Geschichte des jungen Ninja, der Hokage (Anführer) des Dorfes Konoha-Gakure werden wollte, darüber hinaus jedoch nicht vergessen durfte, dass er das zerstörerische neunschwänzige Fuchsungeheuer in sich trägt, war neben Dragon Ball und One Piece eine der ersten massentauglichen Formate, die es als Anime sogar ins deutsche Fernsehen schafften.

Inzwischen misst die Reihe stolze 700 Kapitel auf Papier und mehr als 660 Episoden. Die Frage nach dem Erfolg von Naruto Uzumaki und dem mittlerweile riesigen Universum der Ninja, ist da selbstredend völlig überflüssig. Kein Wunder also, dass es auch so einige Ableger der Videospielreihe in unsere hiesigen Gefilde geschafft haben. Doch trotz hoher Affinität zu Manga und Anime, ist Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 mein erster digitaler Ausflug mit dem Schattenkämpfer in orangenem Outfit, von dem ich übrigens schon lange nichts mehr gelesen oder gesehen habe.

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Und wieder einmal wurde ich positiv überrascht. Bereits in den ersten Minuten der Story haut mir der Titel ein Effekt-Feuerwerk um die Ohren, bei dem man als Fan fernöstlicher Zeichenstile nur in Ohnmacht fallen kann. Der eigentliche Star in Bandai Namco’s Beat `em up ist eindeutig die Inszenierung der Kämpfe, die, ähnlich wie in Asura’s Wrath, schnell zwischen direkter Auseinandersetzung und interaktiver Cutscene mit Quick-Time-Events wechselt. Eben noch mit einer mächtigen Kombo auf den Gegner eingedroschen, schon startet die Sequenz und lässt uns aktiv am Geschehen teilhaben, indem wir im richtigen Moment die passenden Knöpfe drücken und somit zum Ausgang des Gefechts und manchmal auch einer geheimen Passage beitragen. Doch obwohl uns noch die Augen von den rasanten Schnitten brennen und der Sehnerv bereits nach einer Pause schreit, geht es sofort weiter. Wir haben uns in das haushohe neunschwänzige Fuchsungeheuer verwandelt, das gegen ebenfalls nicht gerade kleinen Widersacher kämpft und von noch stärkeren Attacken profitiert mit denen es die Szenerie stilvoll in seine Einzelteile zerlegt. Riesiger Spielspaß.

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Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 dreht in der Story richtig auf, vermag es allerdings genauso, eher ruhige oder gar melancholische Momente einzufangen und diese passend zu inszenieren. Neben dem namensgebenden Blondschopf mit Stirnband spielen wir nämlich auch die Handlung anderer Ninja, die wir chronologisch immer wieder kreuzen. Zwar werden uns die einzelnen Schicksale meist nur als gezeichnete Standbilder mit Sprachausgabe und Untertiteln präsentiert, verstecken muss sich diese Art der Darstellung aber keinesfalls. Obwohl die Screenshot-artigen Sequenzen zugegebenermaßen nicht ganz so hübsch wie die eher seltenen computergenerierten Filmchen aussehen und sich eigens für das Spiel an Szenen aus dem Anime bedienen. Hier wurden anscheinend Lizenzen gespart und originale Ausschnitte mit alternativen Texten unterlegt, um die Handlung zu erzählen. Hat ja ein bisschen was von Fan-Fiction.

Das machen dann allerdings Soundtrack und Sprachausgabe schnell wieder wett. Hier hören wir originale Sounds und Stimmen aus der Welt von Naruto, wahlweise auch im japanischen O-Ton, was der Atmosphäre nochmal ordentlich zugute kommt. Selbst die Töne, die während unserer Eingaben im Hauptmenü des Spiels erklingen, vermitteln ein stimmungsvolles, akustisches Bild.

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Der Story-Modus erstreckt sich dabei über mehrere, aufeinander aufbauende Kapitel, die wiederum in einzelne Missionen unterteilt sind. Jede Mission bietet neben seinen Sequenzen meist auch eine Vielzahl an Kämpfen. Hier erwarten uns entweder normale Auseinandersetzung, ein heftiger Boss oder Mobs. Dynasty Warriors lässt bei Letzterem grüßen und schickt uns in den Kampf gegen hunderte von Gegnern, die wir alle wie Ungeziefer plätten. Möglich macht das eine großzügige, aber überschaubare Auswahl an Kombos mit denen gebührend ausgeteilt werden darf. Sollten wir genügend Chakra gesammelt und entsprechenden Balken gefüllt haben, verwandeln wir uns per Knopfdruck in eine alternative Form und lassen noch kräftigere Kombinationsangriffe vom Stapel.

Verfügen wir in einer der Partien über den Rückhalt eines uns an die Seite gestellten Partners oder gleich zwei Helfern, wächst die Anzahl der physischen Möglichkeiten nochmal gewaltig, was unter anderem Team-Angriffe zur Folge haben kann. Ebenso können Mitglieder im Kampf jederzeit eingetauscht werden, teilen sich aber die Gesundheits-Leiste mit dem Hauptcharakter. Das gilt übrigens auch für die Team-Leiste. Hat jeder Ninja seinen Teil zum Kampf beigetragen und den Balken gefüllt, entfesseln wir Geheim-Techniken mit dem gesamten Trio und lösen sogar das Erwachen im Bund aus. In Anbetracht der mächtigen Riege von über 100 Kämpfern, sind die Kombinationsmöglichkeiten untereinander hier schier unendlich, was ein wenig über die geringe Anzahl an Kombos der einzelnen Protagonisten hinwegtröstet. Aber auch ohne viel Chakra ist die Gemeinschaft eine extrem nützliche Komponente. Die Unterstützung lässt sich nicht nur jederzeit austauschen, sondern auch in einer Kombo verketten, wofür wir nach dem Beginn eines Schlags einfach immer wieder den rechten Stick zur Seite bewegen und so abwechselnd die Fäuste fliegen lassen.

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Finisher, Spezial-Attacken und Team-Angriffe werden hübsch mit einer actionreichen Sequenz veranschaulicht, die sich ebenfalls nicht vor Effekten retten kann. Im aktiven Kampf geht es jedoch nicht minder spannend zu. Die dreidimensionalen Areale warten gerne mal mit einem Abgrund oder Wänden auf, an denen sich entgegen jeglicher physikalischer Gesetze, genauso gekloppt werden darf wie auf dem Boden oder in der Luft. In Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 ist es euch sogar erstmals gestattet, an einer Wand zu haften, während der Gegner noch auf dem Boden steht. Der Kampf geht dann seinen gewohnten Gang und erfordert durch den positionellen Unterschied besonderes taktisches Geschick.

Sowieso fallen die wuseligen Auseinandersetzungen nicht gerade einfach aus, weshalb wir regelmäßig blocken oder ausweichen sollten. Hilfsmittel, die auf Tastendruck beispielsweise die Angriffskraft steigern, wollen möglichst sparsam verwendet werden. Aber auch den eigenen Chakra-Haushalt dürfen wir nie aus den Augen verlieren, um den Einsatz von Jutsus, die Fähigkeit des Erwachens und noch schnelleres Ausweichen im richtigen Moment zu gewährleisten.

Jede Mission vergibt nach Abschluss Rang und Punktzahl, aus der sich unter anderem die finanzielle Belohnung zusammensetzt, für die wir uns neue Fähigkeiten, Kostüme und Titel für die individuell anpassbaren Charaktere kaufen.

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Wem das nicht ausreicht, der bedient sich an den zahlreichen weiteren Spielmodi, denn Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 hat nicht bloß eine verdammt episch inszenierte Story zu bieten. Nach der Geschichte begeben wir uns in den Abenteuer-Modus, in dem wir mit Naruto vorwiegend Botengänge erledigen und erneut Kämpfe austragen. Aufgrund meist simpler Textboxen und weniger Bombast, leider nicht ganz so spannend wie die Story. Trotzdem noch sehenswert, zumal wir hier freie Wahl bei der Anpassung des Hokage in spe haben.

Kompetitive Naturen stürzen sich natürlich sofort in den Online-Modus, der uns gegen menschliche Spieler aus der ganzen Welt antreten lässt. Verbindung und Matchmaking sind fast schon Genre-üblich leider etwas zu bemängeln. Sowohl regelmäßige Verbindungsabbrüche, als auch die nicht besonders große Spielerschaft, trüben den Spaß gerne mal. Aber dafür könnt ihr euch ja mit Freunden verabreden und in Ranglisten-Spielen oder normalen Events, die sogar Liga-Wettbewerbe beinhalten, gegenseitig die Rübe einhauen.

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Wollt ihr dagegen lieber alleine spielen, ist das natürlich auch kein Thema. Haben wir uns aus dem Kader von über 100 spielbaren Charakteren bedient und einen Ninja (alternativ auch zwei zusätzliche Team-Kameraden) gewählt, können wir noch über die Arena, sowie einige Einstellungen entscheiden, die genügend Freiraum bieten, um für jeden das passende Match zu finden. Wahlweise gegen die K.I. oder Freunde auf dem selben Sofa. Ein Tutorial darf an dieser Stelle auf keinen Fall fehlen. Lehrmeister Kakashi bringt uns alle wichtigen Kampftechniken bei und bereitet so perfekt auf die folgenden Feindseligkeiten vor.

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Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 ist ein wahr gewordener Traum für alle Cineasten und Anhänger moderner Anime-Kultur. Über den Fan-Service, den Entwickler CyberConnect 2 hier abliefert und somit jeden Freund von Naruto zufriedenstellen sollte, bedarf es wirklich keiner weiteren Diskussion. Aber auch Neulinge und Spieler, die sonst nicht viel mit dem Franchise anfangen können, werden einsteigerfreundlich begrüßt und dürften ob der genialen Inszenierung schlicht begeistert sein. Für eine langfristige Motivation sorgen zahlreiche Modi, Sammelobjekte und das Rang-System. Neuerungen gegenüber dem Vorgänger wurden sinnvoll eingesetzt und stimmen Veteranen nun noch glücklicher. Bis auf die in Einzelbilder zerstückelte und dadurch leicht undynamische Darstellung vieler Handlungsdialoge, das teils hektische Geschehen während der Kämpfe und natürlich eine starke Themenorientierung, fällt mir eigentlich kein Grund ein, warum ich den Titel nicht sofort weiterempfehlen würde. Wer also etwas mit Beat `em ups anfangen kann und dazu noch ein wenig aufgeschlossen gegenüber Manga und Anime ist, wird mit Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 für lange Zeit eine Menge Freude haben. Fans von Naruto, die mit diesem Ableger übrigens das vorzeitige Ende der Reihe erleben, fackeln ohnehin nicht lange und lassen sicher bereits die Tasten auf ihren Controllern glühen.

Ich hoffe, dass in diesem Fall die Screenshots ihre eigene Sprache sprechen und ein wenig das Gefühl der optisch knackig scharfen Inszenierung vermitteln. Nie zuvor hatte ich den betrübenden Gedanken, ein Spiel und seine Atmosphäre nicht detailliert genug in Worte fassen zu können, um das auch deutlich zu vermitteln. In Ultimate Ninja Storm 4 ist das aber zum ersten Mal wirklich so, was den tatsächlichen Umständen nicht gerecht werden würde. Ob nun im Text oder durch die Screenshots, seid euch sicher, dass der Titel vor allem durch die hervorragend inszenierten Kämpfe, die blassen Grenzen zwischen Kampf und Cutscene und dem dabei verwendeten, jederzeit überragenden Artwork glänzt und das gewiss keine subjektive Übertreibung meinerseits ist.

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Der Test, sowie die Screenshots basieren auf unserer Test-Version von Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 für die Xbox One.

Dennis

Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren.
Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.
Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.


 
Unsere Wertung
88%


Fazit
Wahnsinn. Nach meinen ersten Minuten in der Story und seinen bombastisch inszenierten Kämpfen, fühlte ich mich sofort in die gute alte Zeit zurückversetzt, in der Naruto für mein noch junges Ich nur auf farblosem Papier existierte, aber nicht weniger spannend war. Dass man das U in Sasuke beim Aussprechen verschluckt, wusste ich noch. Dass Naruto Shippuden Ultimate Ninja Storm 4 ein solch genialer Titel ist, bislang leider nicht. In Sachen Beat `em up bin ich sonst keine Kompromisse eingegangen und hielt Dead or Alive stets die alleinige Treue. Das könnte sich nun ändern, denn so schnell werden mich die tollen Auseinandersetzungen im Anime-Prügler nicht loslassen. Eine mächtige Nin-Jutsu direkt in mein Herz. Ich glaube, wir haben einen Gewinner.