Metal Gear Solid V: The Phantom Pain bei uns im TestMetal Gear Solid V: The Phantom Pain bei uns im Test
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Metal Gear Solid V: The Phantom Pain bei uns im Test

„Snake is back“ oder besser – The Boss packt wieder selber mit an. Wir sind zusammen mit der Ein-Mann-Armee in den Krieg gezogen und zeigen Euch, ob Snake es immer noch drauf hat.

The Man who sold the World
Da stehen wir nun. Einsam und verlassen irgendwo in der steinigen Einöde von Afghanistan. Vor uns erstrecken sich schroffe Gebirgskämme und hinter uns ist nichts weiter als sandige Wüste. Wir sind hier, da um einen Auftrag zu erledigen. Über unsere portable Kommunikationseinheit iDroid erhalten wir lediglich rudimentäre Informationen über den bevorstehenden Einsatz. Wir packen nochmals die Kassette mit der Einsatzbesprechung in unseren Walkman und verinnerlichen das Ziel. Wir müssen einen Gefangen aus einem sowjetischen Aussenposten befreien. Wie wir den Auftrag ausführen und wo sich unser Ziel genau befindet wissen wir nicht. Es liegt in unseren Händen. Wir sind auf uns alleine gestellt.

Unterwegs in Afghanistan

Wir schreiben das Jahr 1984, wo sich alte Feinde zu neuen Verbündeten formierten und der kalte Krieg seinen Zenit erreichte. Wie in allen Metal Gear Teilen verschmelzen reale Geschichtsteile mit fiktiven Elementen und formen so eine nicht immer übersichtliche und nachvollziehbare Parallelwelt. Wer sich mit The Phantom Pain das erste mal in das Metal Gear Solid Universum vorwagt, sollte sich vorher unbedingt in ein wenig in die Materie einlesen. Um das Spiel zu meistern ist dies zwar nicht zwingend erforderlich, jedoch … Wer ist nochmal dieser Emmerich? Und warum sind alle nicht so gut auf ihn zu sprechen?

Von brennenden Walen, Teufelshörnern und Gesichtsoperationen 
Bevor wir es in Afghanistan und später in Afrika mit allerlei Feinden aufnehmen, beginnt Metal Gear Solid V mit einem fulminanten Prolog.

Was will der brennende Reiter von uns?

Nach neun Jahren im Koma wacht Snake in einem Krankenhaus irgendwo auf Zypern auf. Über 100 Fragmente aus Knochen, Zähnen und Metall wurden in Snakes Körper gefunden. Ein riesiges Schrapnell durchbohrte seine Stirn und steckt tief in seinem Frontallappen. Eine Operation wäre tödlich. So prangt fortan ein Teufelshorn auf seiner Stirn, welchen seinen Gemütszustand noch besser unterstreicht – Snake ist in seiner persönlichen Hölle angelangt. Wäre das nicht schon alles schlimm genug, fehlt ihm noch sein linker Unterarm. Beim Anblick des Stumpfes schießt sein Herzschlag in die Höhe. Wo jetzt jeder andere Soldat eine dreijährige Reha beantragen oder den  direkt in Rente gehen würde, bleibt Snake keine Schonzeit. Die halbe Welt will seinen Tod. Es hat sich scheinbar rumgesprochen, dass der alte Boss aus seinem langen Nickerchen erwacht ist und prompt wurde eine ganze Armee losgeschickt ihn zu eliminieren. Halbtod und vollgepumpt mit allerlei Drogen schleppen wir uns an der Seite des Mitpatienten Ahab durch enge Krankenhausgänge vorbei an vermummten Soldaten, einem mysteriösem Feuerwesen und einem schwebendem Wesen mit Gasmaske. Immer wieder starren wir auf den Fernseher und fragen uns, „was ist hier eigentlich los???“.

Wer will alles Snakes Tod?

Alles aus Rache
In letzter Sekunde wird Snake von seinem alten Weggefährten Ocelot gerettet und auf einen neuen Unterschlupf irgendwo vor den Seychellen gebracht. Seine alte Basis wurde vor neun Jahren von einer Geheimorganisation namens Cipher unter der Führung des Bösewichts Skull Face angegriffen und zerstört. Genau diese Organisation, die nun Snake auf Zypern töten wollte. Für Snake gibt es nun nur noch eins – Rache. Um jedoch diese zu erreichen, gilt es eine neue Söldnertruppe namens Diamond Dogs auf die Beine zu stellen. Nur einer könnte diese Truppe aus dem Nichts aufbauen, Kazuhira Miller, Snakes alter Kampfgefährte und Ausbilder der Foxhound-Mitglieder. Das Problem – er wird irgendwo in Afghanistan von den russischen Besatzern gefangen gehalten.

Über das iDroid setzen wir die Route zu unserem Ziel

Die vier glorreichen Begleiter
Metal Gear Solid V bietet neben 50 Hauptmissionen noch über 150 Nebenmissionen, die es zu bewältigen gilt.
Vor jeder Mission geht es  zunächst in die Missionsvorbereitung. Hier wählen wir unsere Ausrüstung, Begleiter und Fahrzeuge aus. Snake ist zwar eine Ein-Mann-Armee und führt seine Aufträge in der Regel alleine aus, zur Unterstützung stehen im im Laufe des Spiels vier Begleiter zur Auswahl. Jeder dieser Unterstützer hat seine Vor- und Nachteile in den unterschiedlichen Missionen. Mit D-Horse überbrücken wir schnell lange Distanzen. D-Dog erschnüffelt Minen, markiert feindliche Soldaten und kann diese von uns ablenken. D-Walker, quasi ein mobiler Ein-Mann-Metal Gear, mit Gatling Gun und Schutzpanzer. Und dann wäre da noch Quiet. Eine leichtbegleidete, tödliche Scharfschützin mit übernatürlichen Fähigkeiten, die uns aus weiter Entfernung den Rücken freihält.

Die wortkarge Quiet als Begleiter

Auf leisen Sohlen
Die meiste Zeit bewegen wir uns schleichend im hohen Gras oder in felsigen Gebiet, immer auf der Hut nicht vom Feind entdeckt zu werden. Über eine Anhöhe spähen wir mit dem Fernglas das feindliche Lager aus. Auf diese Weise markieren wir unsere Gegner und können so deren Wege und Blickrichtung sogar durch Wände beobachten. Um weitere Informationen, wie zum Beispiel den Aufenthaltsort Gefangener oder besonderer Waffen zu erhalten, finden wir kleine Notizen oder verhören Soldaten, indem wir uns von hinten anschleichen und sie in den Schwitzkasten nehmen. Hierzu benötigen wir allerdings einen Dolmetscher, denn wer selber kein Russisch spricht wird auch nicht verstehen, was uns gerade unser Opfer mitteilen möchte oder was über den mitgehörten Funk besprochen wird.
Obwohl wir die meisten Missionen aus dem Hinterhalt ausüben und jeder Feindkontakt unser baldiges Ende oder das Scheitern der Aufgabe bedeutet, gibt es einige Episoden in denen wir den Schaldämpfer beruhigt zu Hause lassen können. Ausgerüstet mit Raketenwerfer und jeder Menge C4 müssen wir zum Beispiel feindliche Panzer und Raketenstationen in Schutt und Asche legen. In einer anderen Episoden treffen wir auf die sogenannten Skulls, eine übernatürliche Elite-Einheit, der man nur mit schwerem Gerät gegenüber treten sollte.

Die Skulls-Einheit

Nach jeder absolvierten Mission erhalten wir eine Auflistung unserer Taten und ein Endergebnis. Wer das beste Ergebnis, den S-Rank erreichen möchte, darf unter anderem nicht entdeckt werden, keine feindlichen Alarme auslösen und nur nicht-tödliche Waffen einsetzen. Weiterhin spielt die Zeit eine entscheide Rolle. Apropos Zeit. Starten wir eine neue Mission können wir auswählen, ob wir uns zur aktuellen Zeit, am Morgen oder Nachts in das feindliche Gebiet per Helikopter absetzen möchten. Während tagsüber feindliche Gebiete gut besetzt sind und Wachen uns schneller entdecken können, kehrt nachts etwas Ruhe ein. Werden wir trotzdem entdeckt, schaltet das Spiel in den Reflex-Modus, eine Art Zeitlupe, in der wir ein paar Sekunden Zeit haben, unseren Gegner noch auszuschalten, bevor er Alarm schlägt.

Erzähl mir was

Hohe Motivation und Wiederspielwert
Obwohl viele Missionen der immer selben Struktur folgen: Ausspähen, Anschleichen, Gefangene retten oder Kommandanten töten, weitere Informationen einholen, bleibt das eigentliche Spielgefühl nicht auf der Strecke. Wir zucken jedesmal zusammen, wenn plötzlich ein Gegner auftaucht und unsere Deckung zu platzen droht. Nach jedem Ausspähen legen wir uns einen Plan zurecht, wie man am besten sein Ziel erreicht. Die KI in Metal Gear Solid V ist perfekt abgestimmt. Hören unsere Feinde ein verdächtiges Geräusch wird diesem sofort nachgegangen und eventuell ein weiterer Suchtrupp angefordert. Werden wir entdeckt, dauert es nicht lange bis die Verstärkung eintrifft. Sniper-Positionen werden korrekt ermittelt und unter Sperrfeuer gelegt. Im späteren Verlauf treffen wir auf Gegnergruppen mit starker Panzerung oder Schilden. Hier sind neue und besondere Taktiken erforderlich. Gerade die Motivation jede Mission mit dem besten Rang abzuschliessen, stärkt den Wiederspielwert. Aber auch Tatsache, dass wir nicht von Anfang an mit den besten Waffen in unseren privaten Krieg ziehen, motiviert zu späterer Zeit, unsere neuen Entwicklungen oder weitere Fähigkeiten unserer Begleiter mit einer anderen Taktik auszutesten.

Unsere mobile Kommandozentrale

Alles für die Mother Base
Um Snake überhaupt auf Missionen schicken können, benötigen wir eine funktionierende Mother Base. Sie ist das Herzstück unseres Rachefeldzuges. Hier werden neue Waffen und Ausrüstung entwickelt und Soldaten für unsere Privatarmee trainiert. Da auch das Heranwachsen einer Armee nicht umsonst ist, benötigen wir Materialen und monetäre Mittel. Diese heißen in Metal Gear Solid V GMP (Gross Military Product). Sie zeichnen den wirtschaftlichen Zustand unserer Basis aus. GMP wird für das Entwickeln und Verwenden von Waffen und Ausrüstungsgegenständen benötigt. GMP erhalten wir nicht nur für absolvierte Missionen, sondern auch für die Extraktion von Tieren via Fulton-Ballon oder durch Rohdiamanten, die im gesamten Gebiet entdeckt werden können. Der Fulton-Ballon ist eine weitere nette Entwicklung unserer Forschungseinrichtung. Mit ihm können betäubte Gegner, gerettete Gefangene und später sogar Fahrzeuge aus dem Missionsgebiet direkt in die Mother Base extrahiert werden. Anderes herum geht dies selbstverständlich. Haben wir bei den Missionsvorbereitungen die falsche Waffe ausgewählt oder benötigen im Kampf weitere Munition, können wir über unser iDroid eine Nachschublieferung an einen ausgewählten Ort ordern.

Begrüßung für den Boss

Aufblasbare Soldaten, Pferdeäpfel und der obligatorische Karton
Unentdeckt feindliche Lager zu infiltrieren ist Snakes Metier. Damit uns unsere Feinde nicht sofort entdecken und in null Komma nichts die Hölle losbricht, haben wir jede Menge, teilweise sehr skurrile, Hilfsmittel zur Hand. Da wären zum Beispiel die aufblasbaren Soldaten, mit denen wir unseren Aufenthaltsort verschleiern können. Oder wir lassen D-Horse auf Kommando sein Geschäft auf einer Straße verrichten, was sich als fieser Schmierfilm für ankommende Fahrzeuge herausstellt. Und last but not least, der obligatorische Karton, in den wir uns nicht nur verstecken, sondern auch bäuchlings einen Abgang herunterrutschen können.
Neben all der Action und humorvollen Einlagen, will uns Metal Gear Solid V auch ein wenig zum Nachdenken bringen. Wie gehen wir zum Beispiel mit einem Überläufer um, der uns erstens vor ein paar Minuten noch töten wollte und zweitens recht speziell ist? Oder wie ändert sich unser Eingreifen, wenn wir plötzlich auf eine Gruppe Kindersoldaten treffen? Bei weiteren Themen wie Folter und einigen heftigen Szenen, mussten nicht nur wir schlucken, sondern auch Big Boss. In machen Passagen zeigt uns der einsame Killer seinen weichen Kern.

Immer müssen wir alles entscheiden

Fulminantes Meisterwerk
Optisch und akustisch hat uns die vorliegende PS4-Version fast komplett überzeugt. Dank der benutzen FOX-Engine ist die Spielwelt sehr groß und detailliert. Allerdings wirken mache Areale fast wie ausgestorben. In Afrika treffen wir nur sporadisch auf eine größere Gruppe Wildtiere. Auch die Kantenglättung lässt an manchen Stellen leider zu Wünschen übrig. Viele Pflanzen und Bäume flimmert sichtbar. Weiterhin passiert es ab und an, dass in weiten Arealen erst nach und nach Objekte aufpoppen. Dagegen sind die Wettereffekte perfekt in das Spielgeschehen integriert. Plötzlich aufkommende Sandstürme in Afghanistan trüben nicht nur unsere eigene Sicht, sondern auch die unserer Gegner. In Afrika erleben wir Gewitter, die perfekt für Scharfschützeneinsätze geeignet sind. Die Cut-Scenes sind absolut bombastisch und meisterhaft inszeniert. Positiv sind auch die Licht- und Schatteneffekte in Nachtmissionen zu erwähnen. Während wir leise durch einen Sumpf schleichen und der Lichtstrahl eines Suchscheinwerfers über unseren Kopf rauscht, zucken wir kurz auf dem Sofa zusammen und ducken uns instinktiv mit. Soundtechnisch gibt es nichts auszusetzen. Eine perfekte englische Vertonung (mit deutschen Untertiteln) und eine erstklassige Musikuntermalung runden die perfekte Atmosphäre ab.

Auch der Boss muss mal duschen

Mitglied der Chefredaktion, Ansprechpartner Publisher


 
Unsere Wertung
94%


Fazit
Metal Gear Solid V - The Phantom Pain ist ein fulminanter Abschluss der Metal Gear Solid Reihe. Eine riesige Sandbox-Umgebung mit allerlei Freiheiten und Möglichkeiten, die für monatelangen Spielspass sorgt. Obwohl das Spiel riesig ist und viele Missionen dem selben Muster folgen, wird es nie langweilig. Und obwohl das Spiel so riesig ist, merkt man an jeder Ecke eine aussergewöhnliche Liebe zum Detail. Fans der Metal Gear Reihe müssen wir an dieser Stelle keine Kaufempfehlung aussprechen - ihr müsst dieses Spiel einfach kaufen. Aber auch jeder, der nur ein wenig mit der Geschichte von Metal Gear Solid anfangen kann, muss hier zuschlagen.