Let’s Sing 2017 bei uns im Test

Und wenn ein Lied diese Lippen verläähääst, dann nur für diesen besonderen Täähääst. Partyarlarm in der Redaktion. Let’s Sing 2017 verspricht auch in diesem Jahr gewohnten Karaoke-Spaß für die heimischen vier Wände. Mit neuen Songs und alten Problemen, konnte uns der Ohrwurm-streichelnde Titel allerdings nicht ganz überzeugen. Hier der Test zur Xbox One-Version.

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Bereits im letzten Jahr hatte Let’s Sing mit einigen Problemen und folglich schlechten Bewertungen zu kämpfen. Eine stark zielgruppenorientierte Playlist, merkwürdige Zubehör-Politik und minimale Präsentation. Hat sich Entwickler Ravenscourt die Kritik zu Herzen genommen und mehr aus der klassischen Party-Software geholt? Nunja…

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Überall Ohrwürmer! Iiiih!

Zugegeben, mit einer Auswahl von 35 Songs und mehreren Modi, macht Let’s Sing 2017 auf den ersten Blick weiterhin eine gute, bei genauerem Hinsehen allerdings wieder sehr einseitige Figur. Unter den lizenzierten Tracks befinden sich ausschließlich poppige Chart-Hits, wegen denen wir in den vergangenen Jahren gerne mal den Radiosender gewechselt haben.

Wer mit dem Pop- und Dance-Genre aber regelmäßig seinen akustischen Höhepunkt findet, wird auch in Let’s Sing 2017 vergnügt zum Mikro greifen und etliche, aktuelle Lieder von Künstlern wie Calvin Harris, Jess Glynne oder Years & Years euphorisch nachträllern. Klassiker aus den vergangenen Jahrzehnten, wie noch im Vorgänger, suchen wir diesmal leider vergeblich. Dafür hat es eine Handvoll deutscher Künstler in den Titel geschafft, darunter auch die WM-Hymne Auf uns von Andreas Bourani. Die insgesamt fünf landesspezifischen Songs sind allerdings kein exklusiver Service für unsere hiesigen Gefilde. Frankreich und Spanien z.B. haben ebenfalls eine kleine Auswahl an Liedern erhalten, dessen Bekanntheitsgrad, aufgrund der Textsprache, wohl nicht über die jeweiligen Landesgrenzen hinausgeht.

Mit den dazu passenden Musikvideos in HD kommt zwar schnell Stimmung auf, durch die einspurige Selektion schleicht sich aber auch das ein oder andere Gähnen in unsere gesungenen Zeilen. Hier soll eine stetig wachsende Bibliothek an herunterladbaren, kostenpflichtigen Songs Abhilfe schaffen. Welche Lieder uns dabei genau erwarten und ob der DLC endlich frischen Wind in die monotone Playlist des Hauptspiels bringen kann, ist momentan ebenso wenig abzuschätzen wie die Gestaltung der Preispolitik. Bislang ist der Store noch nicht verfügbar.

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Routinierter Auftritt

Spielerisch erwartet uns erneut genau die Kost, die wir von einem Karaoke-Spiel erwarten. Ist die Wahl auf einen Song gefallen, geht es, zumindest im klassischen Modus, sofort los und wir müssen anhand eingeblendeter Textzeilen unsere Stimmbänder auf die Probe stellen. Angenehm, wenn auch nicht besonders außergewöhnlich, fällt dabei die Darstellung der Songtexte auf.

Die werden statisch eingeblendet, scrollen also nicht und heben sich durch den schwarzen, leicht transparenten Hintergrund und ihre Größe gut vom restlichen Geschehen ab. Für Solo-Spieler übrigens am unteren Bildschirmrand. Die Passagen eines Mitstreiters machen es sich im oberen Drittel bequem, während die klar voneinander getrennten Noten ihren Platz in der Mitte finden. Mit den Noten werden einzelne Wörter, bzw. Silben und deren Länge sichtbar gemacht, woran wir uns dann letztlich auch orientieren.

Denn nach wie vor geht es darum, Tonlage und -länge möglichst genau zu treffen, um Punkte einzuheimsen, an denen wir unser Können ehrgeizig bemessen. Allzu tiefe Stimmen dort draußen müssen aber nicht fürchten, bei Stressed Out von Twenty One Pilots oder anderen hohen Songs nicht mithalten zu können. Let’s Sing 2017 berücksichtigt das und lässt auch echte Holzfäller-Stimmen punktreich zu Wort kommen.

In der Auswertung scheint der Titel ohnehin wieder recht versöhnlich zu sein. Vollkommen falsches Singen wird natürlich bemerkt und ohne Umschweife bestraft, den ein oder anderen Patzer dürfen wir uns aber, ohne große Einbußen in der Wertung, erlauben. Daran stören wir uns aber selten, denn alllgemein läuft das Geschehen einwandfrei ab. Unsere Stimme wird korrekt erkannt und synchron in das Spiel portiert. Lags oder sonstige technische Probleme, die unsere Spielerfahrung beeinträchtigen könnten, sind uns während der Testphase nicht aufgefallen.

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Gekürzte Gästeliste

Online gibt sich Let’s Sing 2017 weiterhin still. Lediglich Online-, sowie Offline-Bestenlisten für die Top 3 haben es ins Spiel geschafft. Warum wir keine vollständigen Leaderboards einsehen dürfen, bleibt fraglich. Im heimischen Wohnzimmer erleben wir dafür die gewohnte Mischung aus kooperativen und kompetitiven Modi, wenn wir uns mit bis zu 8 Spielern buchstäblich die Nächte um die Ohren schlagen.

Ob nun beim gemeinsamen Duett, wo wir das Mikro ständig weiterreichen oder im klassischen Modus um die höchste Punktzahl, der Spaß bleibt nicht aus. Natürlich sorgen auch wieder Modi wie Aus dem Kopf und Experte für jede Menge Verwirrung und Gelächter, wenn Textpassagen plötzlich teilweise oder sogar vollständig verschwinden. Hier sind echte Gesangsveteranen gefragt.

Umso verwunderlicher, dass im diesjährigen Update einige Modi fehlen. 20.000 und K.O.-Runde wurden anscheinend komplett gestrichen. Einen Ersatz suchen wir ebenfalls vergeblich. Dabei hatten Fans und Kritiker doch bereits bei Let’s Sing 2016 nach weiteren Modi, sogar Turnieren, gefordert. Anstelle dessen, können wir jetzt immerhin gegen Computer-Gegner antreten.

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Welches Zubehör braucht mein Gehör?

Einfach ein beliebiges Mikrofon an die Konsole stöpseln und loslegen, das dürfte sich auch in Let’s Sing 2017 wieder äußerst schwierig gestalten. Mit zwei uns vorliegenden Mikros hat es nur bedingt funktioniert. Eines war schlicht zu leise, das andere wurde gar nicht erst erkannt. Originale, zum Spiel kompatible Gesangsinstrumente haben wir leider nicht erhalten, weshalb wir dann zwangsweise zur Smartphone-App greifen mussten.

Die Let’s Sing Microphone App verwandelt unser Smartphone nämlich in ein voll funktionsfähiges Mikro, was im Test auch völlig störungsfrei und recht komfortabel klappte. Doch Achtung, falls ihr vorhabt, die Anwendung als Ersatz für ein richtiges Mikro zu verwenden, solltet ihr vorher das Betriebssystem eures Smartphones unter die Lupe nehmen. Unter Android läuft die App ab Version 4.0, für das iPhone braucht es mindestens iOS 7. Wer auch damit nicht dienen kann, greift zur vielleicht günstigsten Variante, dem Standard-Headset der Xbox One.

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Der Test basiert auf unserer Xbox One-Version von Let’s Sing 2017, die uns freundlicherweise von Publisher Koch Media zur Verfügung gestellt wurde. Screenshots stammen diesmal ebenfalls von der offiziellen Seite des Publishers.

Ihr wollt auch mal einen Song zum Besten geben und euch wie ein Star fühlen? Kein Problem. Let’s Sing 2017 ist seit dem 14. Oktober 2016 für Playstation 4, Xbox One und die Wii erhältlich. Für ca. 40 Euro könnt ihr das Spiel derzeit kaufen, allerdings ohne Zubehör. Wer dagegen 60 Euro investiert, bekommt zwei Mikrophone obendrauf.

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Fazit

Let’s Sing 2017 kommt auch in diesem Jahr als eher klassische, recht magere Karaoke-Erfahrung daher. Innovationen und experimentelle Modi, die sich von der Konkurrenz abheben, suchen wir weiterhin vergebens. Im Gegenteil, für das aktuelle Update wurden sogar einst sehr spaßige Spielvarianten gestrichen. Zusammen mit der ohnehin stark zielgruppenorientierten, einseitigen Playlist aus modernem Pop, wirkt Let’s Sing 2017 wenig attraktiv und nicht gerade abwechslungsreich. Spaß macht es zwar trotzdem, aber da draußen gibt es doch schon so viele, weitaus gelungenere Möglichkeiten, ein virtuelles Ständchen zu singen. Zumindest auf den meisten Konsolen. Dass die Xbox One derzeit (noch) mit wenigen Alternativen im Karaoke-Genre auskommen muss, sollte hier allerdings keinen Grund für eine bessere Wertung darstellen. Deshalb: Liebes Let’s Sing 2017, I really like you, aber Herz über Kopf konnte ich mich jetzt auch nicht in dich verlieben. NO, ganz sicher nicht. Sorry dafür. Du bist kein Sugar, kein Glitterball und auch nicht Something I Need. Es klappt einfach nicht zwischen dir, Me, Myself & I. Ich wünsche dir trotzdem noch ein Geiles Leben.

Unsere Wertung
65%
Dennis

Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren.
Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.
Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.