Gurumin 3D: A Monstrous Adventure bei uns im Test

Boing! Mit nahezu naiver Niedlichkeit, versucht dieses Action-RPG sich sprichwörtlich in unsere Herzen zu bohren. Von Monstern und kleinen Mädchen: Unser Test zu Gurumin 3D: A Monstrous Adventure auf dem Nintendo 3DS.

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Monströser Plot

Nicht jeder Umzug endet so glücklich wie der im Trailer zu Pokémon Sonne und Mond. Denn zu Beginn von Gurumin 3D verschlägt es Titelheldin Parin, ein kleines Mädchen mit runden Kulleraugen, in die Minenarbeiterstadt Tiese Town. Inmitten von schwer arbeitenden Erwachsenen und ohne den Kontakt zu anderen Kindern, wird unserem neugierigen Alter-Ego allerdings schnell langweilig.

Bevor sich jedoch Krokodilstränen in den enttäuschten Äuglein der süßen Parin bemerkbar machen könnten, begegnen wir schon wenig später friedvollen Monstern und stellen fest, auch eine eher ungewöhnliche Freundschaft ist schnell geschlossen. Die niedlichen Kreaturen laden uns sogar in ihre Heimat, das nahegelegene Monster Village, ein. Neben einem netten Kaffeeplausch mit den fantastischen Bewohnern, erwartet uns hier allerdings auch das Aufeinandertreffen mit Prince. Der kleine Bösewicht bringt zwar keinen lila Regen, legt die monströse Behausung aber in Schutt und Asche und hüllt große Teile der Spielwelt in einen dunklen Nebel.

Was liegt da also näher, als die Rettung der Welt in die Hände eines kleinen Mädchens zu legen? Genau, nichts. Zumal die Monster ohnehin nur von Kindern gesehen werden und am liebsten ihren Hobbys nachgehen. Also ziehen wir noch eben einen mysteriösen Bohrer aus der Erde und machen uns damit auf, Monster Village wieder Lebensfreude einzuhauchen und den dunklen Nebel zu vertreiben.

Monster Mois

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Der Plot von Gurumin 3D mag zwar äußerst generisch erscheinen und sollte uns in ähnlicher Form nur allzu bekannt vorkommen, doch sind es vor allem die niedlichen Charaktere, die den Handheld-Titel zu einer unvergesslichen Erfahrung machen. Jede Kreatur verfügt über eine einzigartige Persönlichkeit, was uns immer wieder das ein oder andere Lächeln abringt. Da versteckt sich zum Beispiel das schüchterne Monster Motoro (erinnert stark an Mein Nachbar Totoro) andauernd hinter Baumstämmen, um von Parin nicht gesehen zu werden, wobei das aufgrund seiner enormen Größe eher selten gelingt. Oder eine Tintenfisch-ähnliche Kreatur bittet unsere heitere Protagonistin um Hilfe. Nur leider auf französisch, was letztlich für allerlei Missverständnisse sorgt.

Anstatt uns das Fürchten zu lehren, wecken die Monster mit ihrer hilflosen Art eher den Beschützerinstinkt in uns.

Allen voran natürlich Parin. Mit ihrer naiv kindlichen Art, aber den jederzeit flotten Sprüchen und ihrer unbescholtenen Entschlossenheit, ist sie buchstäblich so etwas wie das Sahnehäubchen auf dieser zuckersüßen Torte. Doch all der Süßkram hat auch seine Nachteile und wird nicht jedem schmecken.

Löcher im Gameplay

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Die Präsentation von Gurumin 3D: A Monstrous Adventure ist derart liebevoll und süß, dass sie doch irgendwo Löcher verursachen muss. Und die finden wir zuerst einmal im Gameplay, wobei dann auch kein Bohrer mehr hilft. Gurumin 3D tischt uns hier eine Mischung aus Zelda und Super Mario auf. Auf der Suche nach den vermissten Bewohnern von Monster Town und deren Habseligkeiten, durchstreifen wir etliche, in ihrer Größe eher überschaubare Dungeons.

Und obwohl die grundsätzlich linear gehalten sind, gibt es hin und wieder ein paar Abzweigungen oder versteckte Wege, auf denen wir unseren Entdeckerdrang stillen dürfen. Unser Weiterkommen wird dabei nicht selten von kleinen Rätseln, Platformer-Einlagen, fiesen Fallen oder gar Gegnern behindert. Letztere bearbeiten wir in Echtzeit mit der einzigen Waffe im Spiel, dem Bohrer. Damit der Titel dabei nicht zu einem Button-Masher verkommt, gibt es einige Alternativen zum normalen Angriff mit der A-Taste. Denn im Laufe des Abenteuers erhalten wir so manche Spezial-Attacke, die uns z.B. einen Wirbelangriff ausführen lässt.

Auch das Aufladen des Bohrers ist ein wichtiger Aspekt des Spiels. So zerstören wir allerlei Objekte in der Umgebung, um an wertvolle Münzen zu kommen oder rücken gepanzerten Feinden zu Leibe. Dabei orientiert sich die Stärke unserer aufgeladenen Angriffe an einem temporären Levelsystem. Ist der dazugehörige Balken ausgefüllt, vollführen wir mächtige Attacken. Werden wir dagegen von einem feindlichen Monster getroffen, sinkt dieser Balken und somit auch unsere Kraft. Abhilfe schaffen dann nur Konterangriffe, Tränke oder besondere Löcher im Boden. Manchmal ist auch der Einsatz von elementaren Effekten nötig. Hier kommen die Parts, also die Teile, zum Einsatz. Einmal gefunden, landen sie in unserem Inventar und können bei Bedarf mit dem Bohrer verbunden werden. Nun müssen wir kräftig experimentieren. Denn herauszufinden, welcher Gegner denn nun auf unsere Elektro-Attacken besonders anfällig reagiert, wird erstmal nicht angezeigt.

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Klingt solide, ist solide. Doch wirkliche Freude kam beim Durchqueren der zahlreichen Dungeons selten auf. Selbst Kämpfe gegen größere Bosse fühlten sich lasch an, was wohl der merkwürdigen Kollisionsabfrage geschuldet ist. Auch die fummelige Kamera, merkwürdiges Anvisieren von Gegnern und der oft viel zu kleine Bildausschnitt kamen uns dabei nicht sonderlich entgegen. Nur gut, dass der Titel vollen New Nintendo 3DS-Support unterstützt und jederzeit mit dem C-Stick nachjustiert werden darf. Funktioniert übrigens auch mit den L- und R-Tasten.

Ebenso zieht der Schwierigkeitsgrad nach einem eher seichten Einsteig enorm an. Parin muss schnell ordentlich einstecken, das Bewegungsmuster der Gegner ist oft nicht nachvollziehbar. Wenigstens darf jederzeit, auf bis zu acht Speicherplätzen, ein rettender Spielstand gesetzt werden.

Da es Gurumin 3D aber an einem tatsächlichen Levelsystem fehlt und sich Parins Stärke vorwiegend an dem eigenen Können bemisst, sammeln wir lediglich Münzen und Schrott in den Dungeons ein.

Münzen benötigen wir für den Kauf neuer Ausrüstung oder Heil-Items. Besiegte Gegner mit Rüstung hingegen, lassen Müll fallen, mit dem wir unsere Ausrüstung aufwerten und uns so beispielsweise immun gegen Schaden durch Wasser machen.

Als äußerst belohnend oder motivierend, können wir Gurumin 3D dabei aber nur wenig beschreiben. Kein tatsächliches Levelsystem, lediglich ein paar Outfits, Masken und Mützen dienen dazu, uns vor den gegnerischen Angriffen zu schützen. Zumal Parin nur eines zur gleichen Zeit tragen kann. Dass wir dann noch wie Link tonnenweise Krüge zerstören müssen, um letztlich doch nur Münzen und Heil-Items vorzufinden, nervt irgendwann ebenso sehr, wie die Tatsache, dass wir punktgenau über die Taler laufen sollen, um sie auch aufzusammeln.

Erschreckende Technik

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Ok, Gurumin 3D: A Monstrous Adventure ist zwar „nur“ das Remake eines über zehn Jahre alten Titels für die PSP und den PC, eine richtige Entschuldigung für die technischen Aussetzer auf dem Nintendo 3DS sollte das aber nicht darstellen. Jeder auf dem Bildschirm aufploppende Gegner bricht die Framerate auf ein Minimum herunter, es ruckelt was das Zeug hält. Ständig. Animationen wirken zudem etwas steif und der allgemeine grafische Stil ist, inklusive matschiger Texturen, eher schlicht gehalten. Der 3D-Effekt kommt hingegen annehmbar daher, geizt jedoch mit erwähnenswerten Highlights.

Zumindest kann der Sound überzeugen. Der energiegeladene Soundtrack fügt sich perfekt in das zuckersüße Lollipop-Abenteuer ein. Für die Synchronisation der oft vertonten Dialoge, hat sich Entwickler Nihon Falcom sogar richtig ins Zeug gelegt. Hier erwartet uns unter anderem die Stimmen von Robert Atkin Downes, der mit seinem unverkennbar russischen Akzent bereits Auftritte in berühmten Spielen wie Metal Gear Solid: Peace Walker, Skyrim und Tomb Raider (Reboot) verzeichnen kann. Insgesamt wirken die Gespräche dadurch sehr lebendig. Jedoch sollten wir wieder einmal ausreichende Englisch-Kenntnisse mitbringen. Gurumin 3D wurde nicht lokalisiert, weshalb uns ausschließlich eine Englische Sprachausgabe und ebensolche Bildschirmtexte erwarten.

Die Geräusche unserer Aktionen bilden da übrigens keine Ausnahme. Wenn Parin mit einem beherzten Boing in die Lüfte springt, ist das einfach verdammt niedlich.

Kein Ende in Sicht

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Als dann nach ca. 10 Stunden der Abspann über den Bildschirm des Nintendo 3DS flimmerte, hatten wir einige Bosse besiegt, Fallen überwunden, abwechslungsreiche Mini-Spiele gemeistert, über 30 Dungeons durchquert und dabei viele Items erworben. Schluss sollte damit aber noch lange nicht sein, denn Gurumin 3D bietet tatsächlich einen recht hohen Wiederspielwert. Mit einem New Game+ und weiteren Schwierigkeitsgraden werden wir erneut in das monströse Abenteuer gesogen, sogar Alternative Enden erwarten uns.

Fazit und Wertung erwarten euch weiter unten!


Auch mal mit dem Bohrer durch Dungeons ziehen? Gurumin 3D: A Monstrous Adventure erscheint am 27. Oktober 2016 exklusiv im eShop des Nintendo 3DS zum kleinen Preis von 14,99 €.

Der Test basiert auf einem Download-Code für Gurumin 3D: A Monstrous Adventure, der uns freundlicherweise von Publisher Mastiff zur Verfügung gestellt wurde. Screenshots und Bild stammen diesmal ebenfalls vom Publisher.


Fazit

Nicht perfekt, aber liebenswert genug. Denn trotz meiner Kritik am eher eintönigen, strikt linearen Gameplay, ist Gurumin 3D: A Monstrous Adventure auf jeden Fall einen Blick wert. Die technischen Schwächen nerven, klar, aber die einzigartige Präsentation lässt das niedliche Abenteuer der kleinen Parin zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Parin ist einfach so ein unverwechselbarer Charakter und die friedvollen Monster versprühen fast schon Ghibli-Atmosphäre. Fans von Action-RPGs mit viel Humor und buntem Japano-Flair sollten hier unbedingt zugreifen. Zumal das Preis-/Leistungsverhältnis mehr als fair ausfällt. Boing!

Unsere Wertung
70%
Dennis

Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren.
Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.
Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.