Goat Simulator The Bundle bei uns im TestGoat Simulator The Bundle bei uns im Test
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Goat Simulator The Bundle bei uns im Test

Fliegt ’ne Ziege per Jetpack in ’nen Laden und kauft sich einen Hut. Entgegen jeglicher physikalischer Gesetze und geltender Normen, will der Goat Simulator auch im Dreierpack hoch hinaus, landet aber schnell wieder auf seinen vier Hufen. Ich will nicht määähr! Unser Test zum Goat Simulator The Bundle auf der Xbox One.

Goat Simulator The Bundle Thumb

Ich hasse Ziegen. Auf einem Schulausflug wurde ich mal von einem dieser unsäglichen Biester regelrecht verfolgt und meines Pausenbrots beklaut. Das ist zwar schon ziemlich lange her, dass ich die letzten 5 Stunden mit dem Goat Simulator verbringen musste, lässt allerdings nicht nur alte Wunden aufreißen. Ich habe das merkwürdige Gefühl mittlerweile auch seelischen Schaden davongetragen zu haben.

Die Collection kommt übrigens als Download und in einer Retail-Version für knappe 20 Euro mit dem Hauptspiel, sowie den beiden Erweiterungen Goat-MMO-Simulator und GoatZ, die immerhin ein wenig Abwechslung versprechen, vom eigentlichen Spielprinzip aber nie ganz abweichen.

Goat Simulator The Bundle (5)

Jedenfalls schlüpfen wir in die Haut einer Ziege und betreten im Original den selbsternannten Physik-Spielplatz, der uns entweder einen ruhigen Vorort oder ein Städtchen am Meer präsentiert. Schnell wird klar, dass die dort herrschende Gravitation nicht ganz der Realität entspricht und auch sonst alles ein wenig abgedreht wirkt. Schließlich rennen wir mit unserer Ziege jegliche Objekte um, die ihr dabei im Weg stehen und machen selbst vor NPCs und Artgenossen nicht Halt. Denn auch lebende Objekte fliegen dank der Rammbock-Aktionen gerne mal meterweit durch die Luft. Das tun wir selbstverständlich genauso, indem wir die im Level zahlreich verstreuten Trampoline oder Matratzen benutzen und wie auf einem Snowboard mit Flips und Spins über das kleine Örtchen, bzw. von Gebäude zu Gebäude sausen.

Nach Lust und Laune betreten wir außerdem Häuser, richten darin ein unergründliches Chaos an und lecken mit der extrem langen Zunge des Wiederkäuers Objekte ab, um uns mit ihnen zu verknoten. Warum auch immer. Denn der Goat Simulator bietet keine konkreten Ziele. Lediglich ein paar Collectibles und Herausforderungen nehmen sich der spielerischen Motivation an. Zudem sorgen leicht erspielbare Achievements für zusätzlichen Anreiz. Reihen wir verschieden Sprünge aneinander, sorgen dabei für wildes Chaos und hysterisch flüchtende Menschen auf den Straßen, treibt das einen Kombozähler und letztendlich die Gesamtpunktzahl in ungeahnte Höhen, wovon aber lediglich unser Platz in der weltweiten Punkte-Bestenliste profitiert. Nein, dieses verrückte Spielchen will uns gewiss nicht vor komplexe Aufgaben stellen, wir sollen schlicht erleben was es heißt, eine Ziege mit zerstörerischem Verhaltensmuster zu sein, die sich nur bedingt steuern lässt.

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Ihr merkt sicher schon, das kleine Wörtchen Simulation im Titel sollte nicht zu ernst genommen werden, der Goat Simulator tut es ohnehin nicht. Mit völlig abgedrehtem Gameplay und skurrilen Situationen, verlangt uns das zu zweifelhaftem Ruhm erlangte Indie-Spiel schon das ein oder andere Schmunzeln ab. Denn das größte Feature im Spiel sind wohl die vorprogrammierten Bugs, die immer wieder entstehen, wenn wir chaotisch durch den Level rasen, Objekte rammen und dabei auch mal in hübscher Ragdoll-Manier meilenweit zurückgestoßen werden.

Lösen wir bestimmte Aufgaben, hat das auch schon mal ein alternatives Aussehen, später sogar mehrere Modifikationen zur Folge. Als muskelbepackte Kampf-Ziege lassen sich schwere LKW von der Straße schubsen und mit einem weiteren verdienten Extra führen wir beispielsweise Doppelsprünge aus. Aussehen und Mods können jederzeit über das Startmenü geändert werden, was dem Spielfluss in der Tat zugute kommt. Wird jedoch der aktuelle Level verlassen, müssen wir ihn wieder von vorne starten. Speicherpunkte gibt es schlicht nicht.

Goat Simulator The Bundle (4)

Lustig ist die Erkundung unter trabenden Hufen aber höchstens eine gute halbe Stunde. Der eigentliche Spaß an Bugs und fehlerhaftem Verhalten in Videospielen besteht ja eigentlich darin, dass sie ungewollt geschehen und in nicht vorhersehbaren Momenten für laute Lacher sorgen. Der Goat Simulator macht daraus aber ein ständiges Feature, ein Prinzip an dem man sich schnell sattgesehen hat. Irgendwas fliegt immer umher, bleibt in Wänden stecken und soll komisch aussehen. Darüber können auch leider nicht die vielen, lustigen Anspielungen und Geheimnisse hinwegtäuschen, die sich in den Gebieten verstecken und sogar filmische Werke auf die Schippe nehmen. Immerhin finden wir ab und zu ein paar Gadgets wie das Jetpack, das uns noch höher, aber genauso unkontrolliert durch die Lüfte segeln lässt.

Übrigens mit einer ordentlichen Einbuße im Freiheits- und Erkundungsgefühl, denn gerade wegen der ausgehebelten Physik stoßen wir schnell an die unsichtbaren Grenzen der Gebiete. Mit einer unsanften Landung auf den Boden der Spielwelt, bzw. Tatsachen wird dann klar, dass es hier irgendwann nicht mehr viel zu sehen oder zu erleben gibt.

Goat Simulator The Bundle (8)

Für ein klein wenig Abwechslung sorgen immerhin die beiden Erweiterungen. In Goat-MMO-Simulator erwarten uns dutzende Quests und ein waschechtes Erfahrungspunkte-System in mittelalterlichem Setting. Die eher satirische Annäherung an das Genre der Rollenspiele bietet sogar eine feine Auswahl zwischen mehreren Charakterklassen und entsprechenden Attributen. Trotz sich wiederholender Elemente und wenig spielerischer Tiefe, wirkt diese Reise in wohlbekannte Gefilde schon recht gelungen, zumal selbst die NPCs hier über eine sichtbare Energieleiste über ihren Köpfen verfügen. Eine nette Persiflage.

Goat Simulator The Bundle (2)

Vermeintlich gruselig wird es dann in GoatZ, das sich bereits im Titel an Filmen wie Day Z oder meinetwegen auch JeruZalem bedient. In dieser Zombie-Apokalypse werden wir zur untoten Ziege und sind dabei nicht ganz unverantwortlich für den Untergang klar denkender, menschlicher Gehirne. Neben etlichen Plakaten, bietet auch das Gameplay selbst einige Anleihen an moderne Survival-Spiele. Bekommt das liebe Vieh hier nämlich nichts zwischen die Zähne, ist es um den Paarhufer endgültig geschehen. Ziel sollte es dagegen sein, möglichst lange zu überleben und sich nicht von der eigens heraufbeschworenen Plage unterkriegen zu lassen. Ebenfalls ganz witzig und eine gelungene Dreingabe zum Gesamtpaket.

Optisch darf man allerdings nicht zu viel erwarten. Der graphische Stil ist nach wie vor eher zweckmäßig und die Umgebungen dienen trotz einiger Details vorwiegend zum Ausprobieren der abgedrehten Physik und nicht zum Bestaunen einer lebendigen Welt.

Goat Simulator The Bundle (3)

Der Goat Simulator und seine beiden DLCs machen tatsächlich ein wenig Spaß. Der ist aber leider viel zu schnell vorbei, denn nach nur kurzer Spieldauer hat man sich an das lustig anmutende Ragdoll- und Physik-System gewöhnt, was dem Spiel schlussendlich seinen eigentlichen Antrieb raubt. Wer auch später noch über die gewollten Bugs lacht, ist wohl schon selbst zur Ziege mutiert. Muss man das trotzdem mal gesehen haben? Nein, nicht unbedingt. Denn auch für seine kleinen Preis bietet The Bundle jetzt nicht wirklich etwas, was man sich von einem richtigen Spiel erwarten würde und lässt zudem Abwechslung und eine konkrete Aufgabenstellung vermissen.

Einzig und allein die vielen humorvollen Anspielungen verdienen noch eine kleine Erwähnung zum Schluss. Da gibt es angesichts der Zombie-Apokalypse gerne mal einen Seitenhieb in Richtung The Legend of Zelda: Majora’s Mask und sogar DJ-Ikone Deadmau5 ist mit von der Party / Partie (hihi). Das verleiht dem Titel immerhin ein wenig Originalität und Feingespür für die moderne Videospiellandschaft.

Selbsternannte Ziegenfans (ja, sie existieren und ich habe sie in diversen Foren wie außerirdische Wesen voller Misstrauen beobachtet) wird das aber wenig stören, denn irgendwie hat sich bereits ein gewisser Kult um den Goat Simulator gebildet, der nüchtern gesehen nur schwer nachvollziehbar ist. Danke übrigens auch für die zwei äh…hübschen Anstecker, die mich nun offiziell in den Ziegen-Fan-Club erheben und mein Gegenüber fragen, ob er Zickig? sei. Kommt bestimmt gut an…beim nächsten Ziegen-Züchter-Treffen oder so?


Der Test, sowie alle Screenshots basieren auf unserer Testversion von Goat Simulator The Bundle auf der Xbox One.

Dennis

Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren.
Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.
Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.


 
Unsere Wertung
60%


Fazit
Ich dachte ja immer, dass solche Spiele nur existieren, damit Minecraft-Spieler auch mal Freude vor der Konsole haben dürfen. Und damit liege ich wohl gar nicht so falsch. Der Goat Simulator macht kurzweilig Spaß und bleibt auch am Ende eine witzige Idee, in spielerischer Hinsicht funktioniert der Titel aber nur bedingt. Was völlig abgedreht und zwanglos erscheinen soll, wirkt schnell konzipiert und aufgezwungen. Die Idee dahinter fährt sich leider irgendwann selbst über den Haufen. Fast schon wie ein Tier am Straßenrand. Ich bleibe wohl weiterhin bei meiner Abneigung gegenüber Ziegen, die wollen doch eh nur mein Pausenbrot.