Final Fantasy XV bei uns im Test

Es war im Mai 2006: Final Fantasy Versus 13 wurde für die damalige Konsolengeneration Playstation 3 und Xbox 360 angekündigt. Bis zu dem Release vom heutigen Final Fantasy 15 vergingen zehn Jahre, und das Spiel durchlief zahlreiche Änderungen. Aus dem geplanten Prequel zum 13. Teil des Final Fantasy – Franchise wurde nun ein eigenständiges Game in einem neuen Universum, was wir heute als Final Fantasy XV kennen. Hat sich das Warten wirklich gelohnt?

Riesiges Universum

Die Welt Eos befindet sich im Krieg. Die Nation Lucis besitzt als letzte von ursprünglich vier Nationen einen Kristall, mit dem sie ihre Hauptstadt Insomnia vor dem Imperium Niflheim verteidigen können. Der Protagonist Noctis Lucis Caelum wuchs als Sohn des Königs behütet und vor dem Krieg beschützt in der Hauptstadt auf. Eines Tages begibt sich der junge Prinz Noctis auf eine Reise mit seinen Freunden quer durch das Land, um die Prinzessin und Freundin aus Jugendtagen Lunafreya zu heiraten. Die anfangs noch relativ idyllisch anmutende Handlung nimmt schnell eine Wendung, als die Hauptstadt und eure Heimatstadt Insomnia von dem Imperium eingenommen wird. Ihr lauscht geschockt dem Radio, in dem vom Tod eures Vaters, König Regis, berichtet wird, als ihr gerade an einem sonnigen Morgen im Hotelzimmer des Hafens auf eure Fähre wartet.

Nun seid ihr nicht nur auf der Suche nach Prinzessin Lunafreya, sondern steht auch plötzlich mitten im Krieg gegen das Imperium Niflheim und versucht, als Prinz die letzte Hoffnung aufrechtzuerhalten und euch gegen den Feind zu verteidigen. Das Storytelling wechselt anfangs von einer ruhigen Stimmung, in der ihr die große, offene Spielwelt erkundet, sehr schnell zu einer hektischen und gefährlichen Atmosphäre. Die Story zieht euch dadurch schnell in ihren Bann. Da hat auch das riesige Universum von Final Fantasy XV seinen Anteil daran.

Während ihr im Spiel als Prinz Noctis wenig von der Invasion der Hauptstadt mitbekommt, wird im Film „Kingsglaive“ genau dieser Handlungsstrang näher verdeutlicht. Außerdem erfahrt ihr im Anime „Brotherhood“ ebenfalls mehr von Noctis Geschichte. Final Fantasy XV erschafft so ein ganzes Universum, welches es schafft, die Welt, in der ihr euch im Spiel bewegt, wirklich glaubhaft und lebendig darzustellen. Wer also gefallen an der Welt aus Final Fantasy XV findet, kann durch Filme und Serien noch mehr Informationen dazu bekommen. Zum Durchspielen des Games sind diese aber nicht zwingend notwendig.

Magie und Freundschaft

Um euch durch das Land zu bewegen, nutzt ihr hauptsächlich euren „Regalia“, ein schwarzes Cabrio, welches ihr von eurem Vater erhalten habt. Bei eurem Roadtrip begleiten euch eure Freunde Gladio, Ignis und Prompto. Diese sind alle zunächst relativ stereotypisch aufgebaut und haben besondere Fähigkeiten, die sie auszeichnen: Während Ignis der strategische Kopf der Truppe ist, und sich auch um die Verpflegung kümmert, schießt Prompto gerne Fotos mit seiner Kamera, und hält den Roadtrip in einem Album fest. Gladio ist dabei auf das Überleben in der Wildnis spezialisiert und ist die ideale Leibwache. Obwohl die Charaktere zunächst keine wirklich tiefe Entwicklung andeuten, wachsen sie euch doch ungewöhnlich schnell ans Herz. Viele Interaktionen zwischen den Gruppenmitgliedern lassen es wie eine wirkliche Freundschaft aussehen, die auch in der schweren Zeit zusammenhält und den Prinzen Noctis um jeden Preis beschützt.

Denn der Prinz wird als letzte Hoffnung für Lucis angesehen, da er die Kraft seiner Vorfahren und des Kristalls für sich nutzen kann. Trotz alledem ist Noctis zu keiner Zeit der Befehlshaber der Gruppe, seine Freunde holen ihn oft auf den Boden zurück, sodass zu jeder Zeit das Gefühl der engen Freundschaft zwischen den Protagonisten aufkommt. Dabei schafft das Spiel den Spagat zwischen einer greifbaren und politisch zerrüttelten sowie einer von Monstern und Magie beheimateten Welt. Die meiste Zeit wirkt die Umgebung sehr authentisch, nur um im nächsten Moment im klassischen Fantasy-Stil riesige Kreaturen erscheinen zu lassen. Die Magie des Kristalls spielt im Laufe der Handlung eine immer entscheidendere Rolle, außerdem werdet ihr immer mehr in die Handlungsstränge von Göttern und anderen höheren Mächten involviert. Dabei sind viele klassische Themen der Final Fantasy – Spiele, wie z.B. Politik, Liebe und Macht, auch hier wieder vorzufinden.

Dynamisches Kampfsystem

Nicht so klassisch wie die Story und die Spielwelt ist das Kampfsystem von Final Fantasy XV. Man hat sich endgültig vom rundenbasierten Kampf verabschiedet und ein Echtzeit-Action-Kampfsystem, ähnlich bei bei Final Fantasy Type 0, integriert. Die Kämpfe finden nun vollständig in der Umgebung statt, ohne zu einem zusätzlichen und separaten Kampfbildschirm zu wechseln, Dies fördert die Dynamik und den Spielfluss, da das Spiel somit die meiste Zeit ohne Ladebildschirme auskommt, die das Spiel unterbrechen würden. Lediglich zu Beginn des Spiels und beim optionalen Nutzen der Schnellreisefunktion bekommt ihr den Ladebildschirm zu sehen, der dann auch mal relativ lange auf dem Bildschirm verbleibt, was aber in jedem Fall zu verschmerzen ist. da ihr ansonsten ohne Laden oder Cuts durch die riesigen Weiten von Eos streifen könnt.

Die Kämpfe an sich fallen zunächst relativ simpel und ziemlich hektisch aus, nach einiger Zeit beherrscht jeder Anfänger die Grundmechaniken des Spiels und hat Spaß am einfachen Jagen von Monstern. Waffe gewählt, ab und zu gegnerischen Angriffen ausweichen und dann ordentlich austeilen. Mit zunehmender Spieldauer eröffnen sich euch immer mehr taktische Möglichkeiten, die den Kampf interessanter machen: Ihr könnt jedem eurer Teammitglieder eine Spezialfähigkeit zuweisen, die ihr dann im Kampf per Befehl ausführen lasst. Denn eure Mitstreiter kämpfen ansonsten eigenständig, ohne dass Ihr sie steuern müsst. Des Weiteren gibt es ein umfangreiches Magie-Crafting-System, bei dem Ihr aus den Grundelementen Feuer, Eis und Blitz und der Zugabe von verschiedensten Items und Katalysatoren neue Zauber selbst herstellst, die in Stärke und Funktion variieren.

So bleiben die Kämpfe auch nach langer Zeit interessant, ohne zu überladen zu wirken. Je nach eurem Stil habt ihr mehrere Möglichkeiten, euer Ziel zur Strecke zur bringen. Um euren Spielstil weiter zu personalisieren, gibt es viele verschiedene Fähigkeitenbäume, in denen ihr nach Belieben Skills freischalten könnt, die zu euch passen. Ihr besitzt eine Affinität zur Magie? Gut, dann verstärkt diesen Aspekt. Ihr überwältigt eure Gegner gerne mit unzähligen Luftkombos? Ihr legt Wert auf neue Fähigkeiten und eine verbesserte Heilung? Die Wahl liegt bei euch.

Viel zu tun

Durch die lange Wartezeit ist natürlich eine enorme Erwartungshaltung gewachsen. Jedoch kann Final Fantasy XV da voll überzeugen. Die Spielwelt Eos ist unglaublich groß und bestückt mit allerlei Städten und anderen Sehenswürdigkeiten. Neben den klassischen und rollenspieltypischen Sidequest gibt es unzählige Aktivitäten, mit denen ihr euch die Zeit vertreiben könnt, wenn ihr gerade nicht dem Handlungsstrang der Story folgen wollt. In jeder Stadt gibt es Restaurants oder Tavernen, in denen ihr Jagdaufträge annehmen könnt. Diese sind alle relativ simpel gestaltet und sind nützlich um Gil, die Währung in der Final Fantasy – Welt, aufzutreiben. Außerdem gibt es einige Personen, denen ihr öfter begegnet und die ganze Questlinien zu bieten haben, die dann schon deutlich innovativer gestaltet sind. Zum Beispiel schickt die Mechanikerin Cidney euch auf die Suche nach seltenen Lacken und Materialien, um euer Auto zu verbessern. Oder ihr befreit ein Gebiet von einem riesigen Ungeheuer, damit der Farmer der Chocobo-Farm wieder seine Arbeit aufnehmen kann, und euch mit dem kultigen Reittier vertraut macht. Oder ihr geht einfach angeln oder schießt ein paar Fotos von Sehenswürdigkeiten mit euren Freunden, die offene Spielwelt ist wirklich riesig und authentisch, sodass man sich schnell in ihr verliert. Genau so sollte eine Spielwelt in einem Rollenspiel sein!

Fazit

Zehn Jahre sind seit der ersten Ankündigung vergangen, und das Warten hat sich eindeutig gelohnt: Final Fantasy XV ist ein zugleich episches und riesiges Rollenspiel, welches sowohl alteingesessene Fans als auch Neueinsteiger ein unvergessliches Erlebnis liefern wird. Umfang und Präsentation sind großartig gestaltet, sodass man sich schnell in der Welt Eos verliert. Dabei ist der Verlauf der Story stets präsent und zugleich immer spannend gehalten. Die Charaktere durchlaufen während ihrer Geschichte eine eindrucksvolle Entwicklung, bei der der Aspekt der Freundschaft stets im Vordergrund steht. Durch die gewohnt sehr passende und wirklich schöne musikalische Untermalung wird eine atmosphärische und zugleich geheimnisvolle Welt erschaffen, die es in einem Roadtrip mit euren besten Freunden zu Erkunden gilt!

Unsere Wertung
95%
Dansho

Dansho

Fifa-Profi, Dark Souls-Champion, Pokemonmeister
Dansho

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