Final Fantasy Explorers bei uns im TestFinal Fantasy Explorers bei uns im Test
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Final Fantasy Explorers bei uns im Test

Final Fantasy oder Monster Hunter? Irgendwie beides. Wieviel von diesem und jenem Titel im neuen Final Fantasy Explorers steckt und warum neben vielen sinnvollen Mechaniken dann eben doch die Seele fehlt, lest ihr in unserem Test zu Square Enix‘ aktuellem Rollenspiel für den Nintendo 3DS.

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Die Parallelen sind wirklich mehr als offensichtlich. Wer Final Fantasy Explorers zum ersten Mal startet, wird sich vermutlich fragen, ob er nicht zufällig zwei Nintendo 3DS-Cartridges übereinander auf der eingeschalteten Heizung liegen und diese aus Versehen zu einem Spiel hat verschmelzen lassen. Die untere Kopie: Irgendwas mit Final Fantasy. Darauf: Definitiv Monster Hunter 4 Ultimate.

Denn was sich hier wie ein Crossover anfühlt, ist eher so etwas wie dreister Ideenklau oder, freundlicher ausgedrückt, sehr cleveres Übernehmen von beliebten Spielelementen bei einer nicht minder bekannten Serie. Wobei das auch den Look, das Layout und die Mechanik betrifft. Wäre da nicht Ifrit statt Rathalos unterwegs, würden wir uns statt Elixieren ganz normale Tränke kaufen und gäbe es keine Kristalle, die uns mit neuen Fähigkeiten versorgen, es wäre sicher mehr Monster Hunter und weniger Final Fantasy. Aber besser gut geklaut, als schlecht selbst gemacht. Denn ein bisschen komfortabler spielt sich Final Fantasy Explorers dann doch und macht jetzt auch nicht unbedingt weniger Spaß.

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Das Spielprinzip: Ein Teufelskreis

Eine richtige Story fehlt dem Spiel. Lediglich eine Rahmenhandlung hat es in den Handheld-Titel von Square Enix geschafft und die ist eigentlich kaum der Rede wert. Wir werden in die Rolle eines Entdeckers (Explorer) versetzt und müssen darauf die Welt von Amostra nach wertvollen Kristallen abklappern. Die hübschen Edelsteine werden nur leider von Eidolons (oder wahlweise Espern, Bestia, wie auch immer sie grad in einem Final Fantasy heißen) bewacht. Unsere Aufgabe ist also klar und wir machen uns auf, die Welt zu entdecken, allerlei Items einzusacken, dabei den umherstreifenden Monstern ordentlich einzuheizen und Quest für Quest abzuschließen.

Das Spielprinzip von Final Fantasy Explorers ist ein Teufelskreis. Wie es sich für ein echtes Action-Rollenspiel im Stil von Monster Hunter gehört, müssen wir große Monster jagen und erlegen, um an seltene Materialien zu kommen. Für die erhalten wir im Austausch wiederum bessere Ausrüstung, um noch stärkere Monster bezwingen zu können, um so noch wertvollere Ausrüstung zu bekommen…und immer so weiter. Ein klassisches Levelsystem fehlt völlig. Unser Können bemisst sich unter anderem in den Werten der Ausrüstung, die sich aus allerlei Bekleidung und Waffen zusammensetzt. Equipment besteht allerdings nicht nur aus bloßen Zahlen, sondern ist auch jederzeit an uns sichtbar und bestimmt unser digitales Erscheinungsbild. Optische Individualität wird bei Final Fantasy Explorers ohnehin relativ groß geschrieben. Schon zu Anfang des Abenteuers können wir aus verschiedenen Hautfarben, vordefinierten Gesichtern, Haarstil und anderen Anpassungsmöglichkeiten wählen und so unseren eigenen Look definieren.

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Für die richtige Portion an Andersartigkeit sorgt dann aber zusätzlich noch das serientypische Job-System. Über 20 davon sind im Spiel vertreten und wir können zu jeder Zeit wählen und wechseln, ob wir lieber Knight (Ritter) mit hohen Angriffswerten ein Magier der unterschiedlichsten Künste (Weiß-, Schwarz-, Rot-, Blaumagie), Bogenschütze oder einer der anderen, zahlreichen Berufsgruppen angehören möchten. Die Auswahl ist wirklich gelungen, hier findet wohl jeder Spieler die passende Spielweise. Vor allem das einfache Wechseln des Berufs lädt zum regelmäßigen Experimentieren ein. Der Job bestimmt nämlich nicht nur, welche Waffen wir tragen können, sondern auch die Art der Fähigkeiten, die wir im Kampf einsetzen. Denn anders als bei Konkurrent im Geiste Monster Hunter, schlagen wir in Final Fantasy Explorers nicht nur mit einfachen oder schweren Angriffen unserer Waffen auf die Biester ein.

Viel sinnvoller und kräftiger ist hier der Einsatz von Fähigkeiten, den sogenannten Abilities, die gegen einen kleinen Obolus in Form von Kristallpunkten beim großen Kristall im Ausgangsdorf erworben und für den Kampf praktisch auf Shortcuts über die L– und R-Taste gelegt werden können. Ritter hauen mit schlagkräftigen, physischen Attacken drauf, Weißmagier erlernen heilende und wiederbelebende Fähigkeiten und Schwarzmagier hantieren logischerweise mit Blitz, Feuer und Co. ganz gut.

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It’s dangerous to go alone

Auch wenn wir uns jetzt im Dorf, dem Ausgangspunkt aller Entdecker im Spiel, ordentlich mit Tränken eingedeckt haben, seltene Materialien gegen nützliche Ausrüstung tauschen konnten und wir uns noch schnell einen kleinen Buff für die anstehende Quest bei der Ortsansässigen Wahrsagerin (der Felyne-Koch lässt grüßen) abgeholt haben, sollten wir nicht unbedingt alleine in die große, weite Welt stolpern. Unterstützung erhalten wir im Solo-Spiel von kleinen und großen Monstern, die wir zuvor besiegen konnten. Mit ein wenig Glück lassen die nämlich ein bestimmtes Item fallen, das uns in der Monster-Schmiede dazu befugt, ein Ebenbild von den Wesen zu erschaffen. Was also einmal unser Feind war, ist nun unser Verbündeter und wir ziehen mit bis zu zwei befreundeten Monstern in die nächste Schlacht. Die steigen mit gesammelter Erfahrung im Level und werden so immer stärker. Wem das nicht ausreicht, der fusioniert einfach zwei Kameraden zu einem noch mächtigeren Monster. Der Kreativität und Individualität sind auch hier kaum Grenzen gesetzt.

Noch empfehlenswerter ist allerdings der Online-Modus, bzw. CO-OP-Modus. Hier versammeln wir uns mit drei anderen, menschlichen Mitstreitern aus aller Welt im Dorf und gehen die immer anspruchsvoller werdenden Quests gemeinsam an, was den Spielspaß nochmal ordentlich in die Höhe treibt. Die Monster sind dann selbstredend stärker, als im Alleingang und fordern die Aufmerksamkeit der ganzen Truppe. Wem das aber immer noch nicht ausreicht, der kann über mehrere Modifikationen abstimmen, die beispielsweise das Zeitlimit der Aufgabe verkürzen, das Ziel-Monster noch widerstandsfähiger machen und andere Hindernisse bieten, welche uns gerne ein paar Steine zwischen die schnellen Entdecker-Beine schmeißen. Online macht Final Fantasy Explorers wirklich eine gute Figur. Auf Wunsch werden wir jederzeit mit Spielern gleicher Erfahrungsstufe zusammengewürfelt, die Kommunikation mit anderen Helden erfolgt über mehrere vorgegebene Sätze, die wir schnell auswählen und die Verbindung ist stets stabil, bricht nur in ganz seltenen Fällen mal ab. In der Lobby können wir eine Quest wählen und selbst hosten oder eben einer bereits vorgeschlagenen beitreten. Trotz fehlendem Sprachchat klappt die Verständigung darüber, welche Quest denn nun gemacht werden soll, recht vorbildlich.

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Auf in den Kampf

Jetzt aber auf in die Spielwelt, wo es den Monstern an den Kragen gehen soll. Auch hier gilt: Wenn ihr Monster Hunter kennt, werdet ihr euch in der Welt von Final Fantasy Explorers schnell zurecht finden. Am Schalter im Dorf nehmen wir eine Quest an, die anfänglich recht gemütlich mit dem Erlegen mehrerer kleiner Monster beginnen, sich aber schon bald mit den großen Brocken beschäftigen. Darüber hinaus können wir jederzeit mehrere Nebenquests wählen, die nicht sonderlich schwer sind, dafür aber mit weiteren Kristallpunkten als Belohnung locken. Haben wir zum Beispiel die Aufgabe die Esper Ifrit zu besiegen, dürfen wir nach Start der Quest das Vieh erst einmal ausfindig machen.

Anders als bei Monster Hunter müssen wir dafür nicht die weitläufigen Areale absuchen, unser Ziel wird uns hier direkt auf der Oberweltkarte angezeigt, was die Jagd ungemein vereinfacht. Später kommt sogar ein Luftschiff hinzu, über das wir die einzelnen Abschnitte direkt anwählen können, womit ein aufgezwungener Startpunkt entfällt und uns so einige Laufwege erspart bleiben. Die schwachen Monster, die die thematisch unterschiedlichen Gebiete bewohnen, interessieren uns eh kaum, wir haben ja größeres im Kopf.

Bei Ifrit angekommen, knüppeln wir nach einer kleinen Sequenz sofort drauf los, sollten dabei aber das Angriffsmuster der Esper immer im Auge behalten. Eine Aktionen für geschicktes Ausweichen oder Wegrollen hat es nicht in den Titel geschafft. Wir müssen stattdessen rechtzeitig eine Attacke des Gegners erkennen und das Weite suchen. Monster Hunter-Affine Spieler fürchten im neuen Final Fantasy-Ableger übrigens auch keine Kämpfe über mehrere Ebenen oder ein Entwischen der Gestalt in andere Abschnitte der Karte.

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Hier kommen allerdings nochmal zwei recht einzigartige Mechaniken ins Spiel. Zum einen ist da die Trance, in die wir nach einer gewissen Anzahl von Fähigkeiten-Angriffen geraten, was ein Zähler am oberen Bildschirmrand verrät. Dieser Zustand lässt uns dann aus einer zufälligen Auswahl an statusverändernden Effekten wählen. Manch einer lässt uns direkt 1000 Schaden pro Schlag austeilen, andere gewähren eine erhöhte Chance auf Volltreffer, verbesserte Affinität gegenüber allen erdenklichen Element-Schäden und und und.

Aber Achtung. Das Einsetzen der Fähigkeiten verbraucht Punkte, die übrigens auch für Aktionen wie Laufen draufgehen. Um die wieder aufzufüllen, braucht es normale, nicht ganz so ertragreich Angriffe auf Gegner.

Im späteren Verlauf des Spiel erlangen wir dann sogar die hilfreichen Magicite. Die verwandeln uns, je nach Wahl, entweder in einen bekannten Protagonisten der Final Fantasy-Ableger wie Cloud oder eine mächtige Esper. Um an das begehrte Item und somit die Möglichkeit der Transformation zu gelangen, müssen wir entsprechendes Biest zwar bekämpfen, aber dürfen es nicht vollständig besiegen. Ähnlich dem Fangen der Kreaturen aus Monster Hunter, kann hier kurz vor dem finalen Schlag entsprechende nicht-tödliche Fähigkeit eingesetzt werden. So oder so, die Kämpfe dauern ganz schön lange und selbst in gut ausgestatteter Vierer-Gruppe kann so eine Auseinandersetzung gerne mal eine halbe Stunde in Anspruch nehmen.

Ist Ifrit dann endlich zu Boden gegangen, hinterlässt es ein seltenes Item, das wir höchstwahrscheinlich für das Aufrüsten unseres Equipments benötigen. Die Quest ist damit erledigt, wir werden noch entsprechend mit Gil, der klassischen Ingame-Währung belohnt und kehren ins Dorf zurück…wo der Spaß dann eigentlich auch schon wieder von vorne beginnen kann.

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Die technische Seite der Medaille

Optisch schlägt sich Final Fantasy Explorers recht wacker. Der graphische Stil der Umgebungen erinnert tatsächlich stark an Monster Hunter, kann aber nicht ganz so glänzen. Über allem liegt ein teils nerviger Weichzeichner-Filter und die Weitsicht ist nicht unbedingt die größte Stärke des Titels. Im Großen und Ganzen schaut das Rollenspiel aber alles andere als schlecht aus. Das Monsterdesign orientiert sich natürlich stark an der Final Fantasy-Reihe, was in punkto Esper und größerer Gegner nicht schlimm ist, bei kleineren Gegnern aber recht schnell lieblos wirkt. Ebenso sind die Bewegungen der monströsen Gestalten steif und scheinen etwas grob umgesetzt worden zu sein.

Monster Hunter geht hier definitiv in Führung. Spielwelt, Monster-Design und der Aufbau einer fiktiven, aber glaubwürdigen Welt funktionieren im Spiel von Capcom eindeutig besser. Außerdem bricht die Bildrate in Explorers gerne mal ein und sorgt für unangenehme Ruckler. Einen 3D-Effekt gibt es schlicht nicht, der wurde wohl aus technischen Gründen gestrichen.

Der Sound bietet die üblichen Geräusche und Töne aus dem Universum von Final Fantasy, wenn diese auch etwas spärlich eingesetzt werden und eine passende akustische Untermalung der Geschehnisse in den meisten Fällen ausbleibt. Das ist wirklich schade, denn ein bisschen mehr orchestrale Begleitung hätte dem Titel in seinen spannenden Kämpfen sicher gut getan.

Dafür gibt es bei der Steuerung wenig zu meckern. Trotz weniger Tasten, hat man die zahlreichen Aktionen in Final Fantasy Explorers relativ gut untergebracht. Shortcuts über L und R für die Abilities und vereinfachtes Anvisieren von Feinden funktionieren selbst in hektischen Situationen und auch die Führung der Kamera ist kein Problem. Sofern ihr denn einen New Nintendo 3DS euer Eigen nennt und vom C-Stick profitiert. Ansonsten müsst ihr auf das Steuerkreuz für die Justierung der Blickwinkel ausweichen. Und das gestaltet sich nicht gerade handlich.

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Fazit

Final Fantasy Explorers ist Monster Hunter, nur eben im Final Fantasy-Gewand. Wer Capcom’s Monsterhatz liebt, wird auch auch an Square Enix‘ Streich seinen Spaß haben. Dafür sorgen neben der gewohnt motivierenden Spielmechanik, ausreichend Items zum Sammeln und Verwenden und ein nahtloser Übergang zum Online-Modus. Im Gegensatz zum Konkurrenten gibt es sogar einige Elemente, die uns das Leben leichter machen. Ob nun die Schnellreise oder Widersacher mit sichtbarem Lebensbalken, spielerisch erscheint Explorers in einem einsteigerfreundlicherem Licht.

Die Auswahl der Esper, gegen die wir die meiste Zeit kämpfen, geht ebenfalls in Ordnung. Hier haben es, neben Shiva, Bahamut und Fenrir sogar einige exklusive Neuzugänge in den Titel geschafft.

Trotzdem stört mich irgendwas und ich kann nicht ganz in diese Welt abtauchen und darüber hinaus vergessen, dass Monster Hunter das bessere Action-Rollenspiel ist; zumindest im direkten Vergleich. Das mag am ausgefalleneren Design der Monster liegen, an der deutlich reiferen Präsentation, aber auch an meinem eigenen Geschmack und der Tatsache, dass sich beide Titel vom Erlebnis so sehr ähneln. In ihrer Komplexität, der motivierenden Spielmechanik und dadurch entstehenden, fast endlosen Spieldauer nehmen sie sich nämlich fast nichts.

Übrigens! Das Spiel erscheint, wie so oft bei europäischen Veröffentlichungen für den Nintendo 3DS, auch hierzulande nur mit englischen Texten. Ihr solltet der Sprache also weitestgehend mächtig sein, müsst aber keine besonderen Kenntnisse mitbringen. Viele Dinge beschränken sich ohnehin auf Fantasie-Wörter, die der Welt von Final Fantasy innewohnen und keiner Übersetzung bedürfen.


Der Test basiert auf unserer Test-Version von Final Fantasy Explorers für den Nintendo 3DS. Die Screenshots stammen von Square Enix‘ offizieller Internetpräsenz. 

Dennis

Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren.
Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.
Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.


 
Unsere Wertung
80%


Fazit
Viel Falsch macht Final Fantasy Explorers in der Tat nicht. Dafür bedient sich der Titel ja schon reichhaltig an bereits existierenden, gut funktionierenden Mechaniken. Der Vergleich zu Monster Hunter kommt nicht von ungefähr und das ist eigentlich auch die größte Schwäche von Explorers. Ständig fühlt man sich an das Action-Rollenspiel aus dem Hause Capcom erinnert und bemerkt, wieviel besser sich das an vielen Stellen anfühlt. Einfach imposanter, herausfordernder, tiefgehender als das Abenteuer um die Esper. Wer allerdings schon immer mal Monster Hunter im Final Fantasy-Universum spielen wollte, letzteres sogar lieber mag, darf ganz unbedacht zugreifen.