Far Cry Primal bei uns im TestFar Cry Primal bei uns im Test
0100

Far Cry Primal bei uns im Test

Weg vom Shooter, hin zu Stock und (Feuer-)Stein. Ubisoft schürt erneut Reiselust und lässt den Ruf der Ferne diesmal aus längst vergangener Zeit erklingen. Willkommen in der Steinzeit, 10.000 Jahre vor Christus. Doch was macht ein Mammut eigentlich anders, als sein moderner Artgenosse und wo hat das Wollnashorn die Locken? Unser Test zu Far Cry Primal.

Far Cry Primal Thumb

Ein unterdrücktes Volk, das nach Unabhängigkeit strebt. Ein vermeintliches, naturbelassenes Paradies voller Schattenseiten und die totale Herrschaft eines fanatischen Anführers. Mittendrin: Wir. Der Held, der Rebell, die personifizierte Rettung aller Unterjochten. Kommt euch bekannt vor? Dann brechen wir wohl gleich mal mit dem größten Mysterium um Far Cry Primal. Trotz unverbrauchtem Setting, spielt sich der Ausflug in die Steinzeit gar nicht so anders als seine beiden Vorgänger.

Ja, denn auch wenn uns beim Einsammeln der unzähligen natürlichen Ressourcen nun Wollnashörner, Mammuts und anderes urzeitliches Getier begegnet, die Thematik grundsätzlich sogar erstaunlich frisch wirkt, sticht Far Cry Primal zu keiner Zeit besonders hervor. Der graphische Built ist immer noch der selbe wie in Far Cry 3, bzw. 4 und auch im strukturell feststeckenden, nicht evolutionswilligen Game-Design scheint Ubisoft keine allzu großen Experimente gewagt zu haben.

Zwar befinden wir uns ganze 10.000 Jahre vor unserer Zeit, was logischerweise den Einsatz vollautomatischer Schießeisen oder anderem elektronischen Gerät verhindert, so richtig wehrlos sind wir dann dank prähistorischer Bewaffnung doch nicht. Und das drückt ganz nebenbei ordentlich auf den zuvor angepriesenen Kampf ums nackte Überleben. Ein Elefant mit starker Behaarung kann jetzt auch nicht unbedingt mehr, als sein Jahrtausende jüngerer Artgenosse. Zwar sollte der eigentlich sanfte Riese schon mit der gleichen Vorsicht behandelt werden, was im Umkehrschluss nur leider nicht bedeutet, dass wir uns dadurch bedrohter fühlen. Aber fangen wir von vorne an.

Far Cry Primal (8)

Kings of the Stone Age

Wir schlüpfen in die geschundene Haut von Takkar, einem vorzeitlichen Jäger, der dem aussterbendem Stamm der Wenja angehört. Wie es die obligatorischen, im Prolog des Spiels ablaufenden, Schicksalsschläge so wollen, werden wir in einer hübsch inszenierten Jagd auf eine Herde ausgewachsener Mammuts vom ohnehin schon marginalen Rest unserer Gruppe getrennt. Fortan auf uns alleine gestellt, müssen wir nun die wichtigsten Grundlagen des Überlebens erlernen.

Da gilt es Blätter und Gehölz für einen Bogen zu sammeln und natürlich ein schützendes Feuer für die kommende Nacht zu entfachen. Das höchstens noch durch den Mond beleuchtete Dunkel zeigt sich recht lebensfeindlich und wartet mit einer wesentlich größeren Anzahl an Raubtieren auf, weshalb wir uns besser bei Tageslicht zeigen oder in der Nacht ein schützendes Feuer anzünden sollten. Was sich hier vielleicht nach gekonntem Survival-Gameplay anhört, ist leider nicht mehr, als das typische Sammeln natürlicher Ressourcen und dem damit verbundenen craften von Gegenständen, wie wir es bereits zur Genüge aus den beiden Vorgängern der Far Cry-Reihe kennen und größtenteils über simples Tastendrücken abläuft. Schade eigentlich.

So ganz der letzte unserer Art sind wir dann aber doch nicht, denn durch weitere Ereignisse im recht flotten Einstiegs-Kapitel begegnen wir Sayla. Ebenfalls dem Stamm der Wenja angehörig, ist die Dame mit dem feschen Haarschnitt schon länger auf der Suche nach ihresgleichen, hat dafür anscheinend nur noch die richtige Begleitung gesucht.

Abgesehen von den Gefahren der Umwelt, sind nämlich die verfeindeten Stämme, die sich ebenfalls ihren Platz in der Evolution sichern wollen, unser größtes Problem in Far Cry Primal. Um dem Kampf der Kulturen ein wenig charakteristische Tiefe zu verleihen, haben wir es durch Ull erneut mit einem ziemlich charismatischen Ober-Bösewicht zu tun, der den Stamm der Udam anführt und nicht vor ethisch fragwürdigen Aktionen zurückschreckt, wenn es darum geht, seine territoriale Herrschaft über das Land von Oros auszuweiten. Was nun folgt ist klar: Wir machen uns in etlichen Story- und Nebenmissionen daran, unserem Volk Respekt zu verschaffen und bewahren es so vor dem Untergang. Survival of the fittest, einige Dinge ändern sich wohl nie.

Far Cry Primal (2)

Keine Angst vor fremden Kulturen

Mit der Ethik ist es ohnehin so eine Sache in Far Cry Primal. Trotz emotional deutlich ausgereiftem Verhalten, sind die prähistorischen Menschen in ihren Umgangsformen noch nicht ganz so zivilisiert. Da wird der mit Pfeilen durchsiebte Gegner aus spirituellen Gründen gerne mal seines Hörorgans entledigt, eine Leiche unkommentiert verbrannt und ohnehin scheint in dieser rauen Zeit kein Platz für Etikette zu sein. Ähnlich primitiv geht es auch während der Dialoge zu, wenn unsere Stammesgenossen in der eigens für das Spiel entwickelten Sprache miteinander kommunizieren. Das klingt sogar recht stimmig, wäre da bloß nicht die schlecht gewählte Artikulation in den Untertiteln. Hier fehlen Artikel und Begleitwörter, was sich im Endeffekt dann so anhört, wie das schleppende Gespräch mit der Bedienung vom China-Restaurant. Wollen auch Sprossen dazu?

Und das ist keineswegs rassistisch gemeint, im Gegenteil. Die Wenja haben für alles einen Begriff, der klar und deutlich vertont, bzw. untertitelt wird, aber Wörter wie der, die oder das sagen ihnen nichts? Es erscheint leider etwas unglaubwürdig, wenn man den Wortschatz von Ureinwohnern auf die Sprache eines Emigranten herunterbricht, der mit dem landesüblichen Mundwerk noch arge Probleme hat.

Außerdem, wertes Ubisoft. Nice try, aber der weiblichen Heldin den Namen Sayla zu geben, der ja so gar nicht an die bekannte Romanreihe Ayla der Autorin Jean M. Auel erinnert und ganz zufällig die selbe Thematik behandelt (!), zeugt nicht von Kreativität. Der breiten Masse wird es nicht auffallen, aber dennoch schön zu sehen, dass ihr denkt, niemand würde hier so etwas wie ein Buch in die Hand nehmen und diese Tatsache völlig außer Acht lassen.

Davon mal ab, vermögen es die abgebrüht wirkenden Steinzeitmenschen trotzdem, glaubwürdig zu erscheinen und auch ein klein wenig Empathie in uns zu wecken. Zusammen mit den abwechslungsreichen Schauplätzen und kleinen Details dieser geschichtsträchtigen Epoche, schafft Entwickler Ubisoft hier ein atmosphärisches, historisch wohl korrektes Bild erster menschlicher Präsenz auf dieser noch sehr unwirtlichen Erde. Grafisch spielt der Titel aber in einer weitaus moderneren Liga. Hübsche Optik, ein jederzeit flüssiges Geschehen und sogar sich im Wind wiegende Bäume in der ohnehin detailreichen Natur lassen die Spielwelt sehr lebendig erscheinen.

Far Cry Primal (13)

Der Beastmaster

An der Lebhaftigkeit in Flora und Fauna von Far Cry Primal tragen vorrangig die zahlreichen Tiere, die durch dichte Wälder und weite Ebenen streunen eine gehörige Mitschuld. Während Pflanzenfresser noch vorwiegend friedlicher Natur sind und einfach in Ruhe gelassen werden können, sollten wir bei Wölfen, Bären und allem anderen, das über spitze Zähne verfügt, etwas mehr Vorsicht walten lassen.

Lediglich mit hölzernem Bogen und Wurfbeil ausgerüstet, können einem die Viecher schon ganz schön nahe kommen. Sollte es also doch einmal zur unvermeidlichen Konfrontation zwischen Mann und Wildnis kommen, kann Feuer ein hilfreiches Element sein. Tauchen wir Pfeilspitze oder Beil in Tierfett, lassen sich die Argumentationsverstärker entzünden, was vorwiegend die tierischen Widersacher in kleinerem Format auf Distanz hält. Gegen größere Brocken hilft da tatsächlich nur noch die Flucht oder geschickte Angriffe mit Speer und Giftbombe.

Die Natur ist aber nicht nur gegen uns, sie kann genauso zum wertvollen Verbündeten werden. Gewisse Raubtiere lassen sich in Far Cry Primal zähmen und fortan als computergesteuerte Begleiter einsetzen, die wir auf einzelne Gegner hetzen. Wölfe und Löwen sind ziemlich flink, was sie zu lautlosen und schnellen, aber nicht ganz so widerstandsfähigen Killern macht. Bären hingegen sind echte Panzer, mit denen wir auch schon mal ein ganzes gegnerisches Lager plätten, während wir auf ihrem Rücken reiten. Die tierischen Weggefährten sind eine nicht zu unterschätzende Hilfe in den zermürbenden Kämpfen, aber kein absolutes Muss.

Außerdem präsentiert sich das Zähmen viel zu simpel. Wir werfen einfach einen Köder aus und pirschen uns langsam an das fressende Vieh heran. Sind wir nah genug, erscheint ein Tastenbefehl auf dem Bildschirm, dem wir für wenige Sekunden folgsam nachgehen. Das war es auch schon und die vier Pfoten oder Tatzen hören nun auf uns. Hier fehlt leider jeglicher Anspruch und ich muss wehmütig an Red Dead Redemption denken, wo das Bändigen der Pferde noch eine echte Herausforderung, dafür aber umso befriedigender war.

Wer es lieber stiller mag, ruft eine Eule herbei. Auf Tastendruck segeln wir in der Haut des Federviehs durch die Lüfte und können damit feindliche Lager ausspähen, Gegner markieren und sogar angreifen. Das neue Fernglas in Tierform funktioniert jedoch nur in einem begrenzten Rahmen, beziehungsweise mit entsprechender Abklingzeit, die selbstverständlich auch durch das Erlernen neuer Fähigkeiten verringert werden kann.

Far Cry Primal (5)

Home is where the stone is

Wie bereits in seinen beiden Vorgängern, bietet auch der neueste Ableger wieder ein umfangreiches Upgrade-System, das uns durch den individuellen Einsatz von verdienten Erfahrungspunkten neue Fähigkeiten erlernen lässt. Größere Tiere zähmen, Rohstoffe auf der Mini-Karte erscheinen lassen oder den Entdeckungsradius erhöhen, sind nur wenige der schier endlosen Möglichkeiten zur persönlichen Verbesserung. Letztere ersetzt übrigens die Funktürme, mit denen sich bisher die weitläufige Karte aufdecken ließ. Vielmehr sind wir jetzt selbst dafür verantwortlich, Licht ins Dunkel der Spielwelt zu bringen. Mit einem bestimmten, zusätzlichen Radius um uns herum, entdecken wir also nur das, was wir auch tatsächlich erkunden.

Neben den, durch allerlei Tätigkeiten angesammelten Erfahrungspunkten, sollten wir aber genauso regelmäßig Rohstoffe wie Pflanzen oder Tierfell einsacken. Mit den unabdingbaren Ressourcen lassen sich nicht nur Waffen oder Halluzinogene herstellen, die uns nach Einnahme beispielsweise zu aufmerksameren Jägern machen, das nützliche Material sollte auch zum Ausbau unseres Dorfes genutzt werden. Die Wenja sind nämlich klug und wissen, dass Fortschritt nur durch Sesshaftigkeit entstehen kann, sodass das kleine Völkchen ihrem Nomaden-Dasein kurzerhand den Rücken kehrt, um der heutigen Zivilisation ein paar Sonnen und Monde näher zu rücken.

Da wir vor 10.000 Jahren noch keine sozial isolierten Egoisten waren und das zu dieser Zeit wahrscheinlich auch nicht für ein langes Überleben gesprochen hätte, setzt der Stamm der Wenja mit ihrem Rückzugsort auf den WG-Charakter. Viele Köche machen eben eine Menge Brei und selbst wenn der verdorben ist, muss wenigstens niemand einen Hungertod sterben. So liegt es also wieder einmal an uns, dem flexiblen Takkar, weitere Wenja in Oros für einen Standortwechsel zu begeistern.

Far Cry Primal (3)

Im Rahmen der Handlung treffen wir dabei auf wichtige Verbündete, die nicht nur die Population steigern, sondern auch vorteilhafte Verbesserungen für das Inventar oder unsere Fähigkeiten mitbringen. Jeder dieser Charaktere verfügt im Dorf über seine eigene Behausung, die sich durch diverse Rohstoffe in mehreren Stufen ausbauen lässt. Das bringt uns Erfahrung, Items oder gar neue Skills. Außerdem lockt die zusätzliche Bevölkerung mit besonderen Nebenmissionen.

Weitere personelle Unterstützung erhalten wir dann eher weniger spektakulär durch gewöhnliche NPCs. Die streifen einfach so auf der Karte umher und werden zum Beispiel in einem Zufalls-Event von wilden Tieren oder verfeindeten Stämmen angegriffen. Schreiten wir rechtzeitig ein und eskortieren besagte Person zur Gemeinde, ist uns der Zuwachs sicher. Je mehr Ur-Einwohner sich um uns scharen, desto mehr Rohstoffe generiert die Metropole aus Schieferstein. Diese Art der Beschäftigung macht am Rande gesagt den Großteil der Nebenaufgaben aus, was irgendwann etwas eintönig werden kann.

Eine nette Neuerung gegenüber den Vorgängern ist übrigens die Möglichkeit, überschüssiges Sammelgut in eine Objektbox wandern zu lassen, die massig Platz bietet. Das geschieht ganz automatisch und sogar aus der Ferne, was eine schnell überfüllte Beutetasche nun nicht mehr in sinnlosem Verwenden von Items enden lässt.

Far Cry Primal (10)

Schöne neue Welt

Die Karte in Far Cry Primal ist übrigens ungefähr genauso groß wie die aus Far Cry 4. Trotzdem fühlt sich alles viel mächtiger an, woran nicht nur umherstreifende Mammuts schuld sind. Neben einem Multiplayer-Modus fehlen dem Ausflug in die Steinzeit natürlich auch die fahrbaren Untersätze. Vehikel waren bisher eine fast unverzichtbare Hilfe beim Erkunden der vermeintlichen Paradise, müssen nun aber notgedrungen unserem eigenen Fußwerk weichen.

Ist aber halb so schlimm, denn durch die Übernahme feindlicher Außenposten oder dem Entfachen von Leuchtfeuern, schalten wir Schnellreise- und Rücksetzpunkte frei, die uns fix von A nach B befördern.

In Sachen Optik und Atmosphäre dürfen die Screenshots ihre eigene Sprache sprechen. Wenn die uns zur Verfügung gestellten Aufnahmen auch leicht aufgehübscht sein mögen, so geben sie doch ein recht realitätsnahes Abbild der Atmosphäre wieder. Großartige Lichtgestaltung, mit dynamischem Tag- und Nachtwechsel und flüssigen Animationen von Tieren und Gegnern erwecken schon das Gefühl in uns, eine noch fremde, aber sehr lebendige Welt zu erkunden. Besonders lobenswert fällt die Optimierung des Titels auf den Konsolen aus. Denn Far Cry Primal verbraucht erstaunlich wenig Speicherplatz auf euer Festplatte und hatte bis zur Veröffentlichung dieser Review lediglich einen kleinen Day-One-Patch von knapp 500 MB.

Freunde von sammelbaren Gegenständen, erkunden die große Welt von Oros dagegen nicht nur wegen ihrer atmosphärischen Schönheit, sondern vor allem wegen dem starken Angebot an geheimen Orten, Höhlenmalereien und sonstigen Collectibles. Für genügend Motivation ist also weiterhin gesorgt. Wollt ihr wirklich alles sehen, ausbauen und aufwerten, steigt die Spielzeit locker auf bis zu 40 Stunden.

Far Cry Primal (4)

Ich liege grad entspannt in meinem eigenen Alaska, bis ich plötzlich merk‘, ich bin ja voll auf Ayahuasca

Zugegeben, es dauert eine Weile bis man bemerkt, dass der bizarre Priester mit seinen halluzinogenen Trips auf Basis von Naturheilkunde, eigentlich niemand anderen als die modernen Hippies Yogi & Reggie darstellen soll und Ayahuasca nicht sonderlich anders als LSD wirkt. Dass die durchaus gelungene Spielwelt und ihre bedrohliche erscheinende Wildnis gar nicht so einzigartig ist und das Mammut auch nicht mehr auf dem Kasten hat, als der heutige Elefant im Himalaya. Dass ein gezielter Bogenschuss sicher mehr Aufmerksamkeit fordert, als das wilde Streufeuer einer Pump-Gun, uns aber gar nicht so hilflos erscheinen lässt. Dass uns erneut alles ans virtuelle Leder will, das nur annähernd zubeißen kann, auch wenn es jetzt ein paar Haare mehr am Körper hat. Und ich könnte ewig so weitermachen. Wahrscheinlich so lange, bis irgendjemand ein Spiel von dieser Situation entwickelt und es mit der vielversprechenden Aufschrift „…vor tausenden von Jahren…“ unterlegt.

Denn trotz verheißungsvollem Überlebenskampf, den so eine unterentwickelte Epoche ja so mit sich bringen müsste, fehlt es uns in Far Cry Primal grundsätzlich an nichts. Sogar der Greifhaken ist wieder mit dabei. Glaubwürdig gemacht durch seine Herstellung aus Knochen und Gestein. Und genau das ist der springende Punkt. Irgendwie hat man recht schnell das Gefühl, das alles, aber auch wirklich alles, nur in seinem Aussehen verändert und passend in die Steinzeit transportiert wurde. Looten, craften, entdecken, schleichen, töten, Nah- und Fernkampf. Bis auf wenige Ausnahmen und tatsächlich nette Neuerungen, die uns ganz ungekünstelt zu einem Teil dieser Wildnis werden lassen, spielt sich Primal im Vergleich zu seinen Vorgängern fast identisch, läuft zudem noch auf der selben Engine.

Versteht mich nicht falsch. Ich liebe Far Cry und erinnere mich auch nach mehreren Durchgängen und komplettem Gamerscore gerne noch an Teil 3 und 4, weshalb mir sogar Primal auf gewisse Weise zusagt, aber dabei genauso den bitteren Beigeschmack einer erneuten Wiederverwertung hinterlässt, die langsam aber sicher einen der besten Vertreter der Open World-Spiele zerstört. Alles wirkt gelungen, ineinander stimmig und ich kaufe Ubisoft die Rekonstruktion der Steinzeit wirklich ab, muss aber immerzu daran denken, dass hier alles nur ein neues Gewand erhalten hat.

Far Cry Primal (6)

Man geht nicht nur im Zeitgeschehen zurück, man tut es ebenfalls in der Qualität. Erinnert sich noch jemand an die großartige Story, nebst vorbildlicher Charakterentwicklung in Far Cry 3? Im Kampf gegen den charismatischen Vaas, habe ich zum ersten Mal eine richtig mitreißende Geschichte in einem Spiel aus der Ego-Perspektive erlebt, dessen gespürte Euphorie schon stumpfen Völkerkämpfen und verdammt austauschbaren Protagonisten in Far Cry 4 weichen musste. Zum Leidwesen aller, wird dieses Prinzip in Primal stur fortgesetzt. Wieder einmal bin ich dabei, ein ganzes Volk aus ihrer eigenen Asche auferstehen zu lassen und kann damit nur geringes Identifikationspotential verknüpfen.

Weil eben diese Charaktere fehlen. Vaas war als fiktive Figur sehr beliebt, doch spätestens nach Pagan Min hätte Ubisoft bemerken müssen, dass man nicht einfach in jeden Bösewicht diese insanity reinstecken und gleichzeitig Funktionalität im Gesamtgeschehen erwarten kann. Ull aus Primal macht da keinen Unterschied und ist eigentlich nur ein weiterer Oberfiesling, der mit den hauseigenen, hochdosierten Steroiden in Form von Grausamkeit und ich töte alles-Mentalität überzeugen soll, daran aber, für mich persönlich, kläglich scheitert. Gleiches gilt für unser Alter-Ego, dessen Füße ich ja nicht einmal zu Gesicht bekomme. Takkar macht es mir mit seiner Wortkargheit nicht unbedingt leicht, sprichwörtlich in seine Fußstapfen zu treten.

Far Cry Primal ist wie die notorische Postkarte eines alten Bekannten aus dem immer gleichen Urlaubsort. Ein wenig freuen wir uns ja schon, dass man an uns gedacht hat, lesen die lebhaft geschilderten Ereignisse sogar voller Spannung. So langsam könnte der Absender dann aber tatsächlich mal völlig neue Wege einschlagen und nicht ständig nur das Motiv der postalischen Urlaubsgrüße ändern.


Der Test zu Far Cry Primal basiert auf unserem Testexemplar für die Xbox One. Screenshots stammen vom Ubisoft Presskit.

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.


 
Unsere Wertung
80%


Fazit
Generell mag ich es nicht, Spiele mit seinen Vorgängern zu vergleichen. Aber im Fall von Far Cry Primal kann ich gar nicht anders. Ubisoft sorgt mit diesen ständigen Wiederholungen im alternativen Gewand schon ganz allein für die gedankliche Gegenüberstellung. Unterm Strich bleibt jedoch ein solides Far Cry, bei dem man höchstens im Detail und über fehlende Innovationen meckern kann. Wer sich daran nicht stört, also trotz unverbrauchtem Steinzeit-Setting kein komplett neues Spielgefühl erwartet, der darf gerne zugreifen und erneut die spielerisch spaßige Reise ins mutmaßliche Paradies antreten.