Far Cry 4 bei uns im TestFar Cry 4 bei uns im Test
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Far Cry 4 bei uns im Test

Far Cry 4 schickt uns in den fiktiven Kleinstaat Kyrat nahe Nepal.
Dort regiert ein exzentrischer und völlig durchgeknallter Diktator, der sich kurzerhand als alleiniger Herrscher gewählt hat und mit Folter, Verschleppung und Tod das ansässige Volk unterjocht.
Wir haben uns der Rebellion angeschlossen und verraten Euch, ob wir Kyrat vom Joch der Tyrannei befreien konnten.

Willkommen in Kyrat

Ajay Ghale kehrt nicht ganz freiwillig in sein Geburtsland zurück. Aufgewachsen in den USA, reist er zurück zu seinen Wurzeln, um die Asche seiner verstorbenen Mutter an einen heiligen Ort in Kyrat zu verstreuen. Das die Reise kein entspannter Kurztrip werden wird, war ihm schon vorher bewusst. In Kyrat herrscht Bürgerkrieg. Ein völlig verrückter Despot hat die Macht an sich gerissen und unterjocht das ansässige Volk. Eine kleine Rebellengruppe namens Der goldene Pfad stellt sich ihm den Weg. Wir schlüpfen in die Rolle von Ajay Ghale und werden kurzerhand als Held gehandelt, denn seine Eltern haben genau diese Rebellengruppe gegründet. Nun liegt es an uns die Rebellion zu unterstützen und die Geheimnisse von Ajays Eltern zu lüften.

„Man simst nicht nach Hilfe, man schreit nach Hilfe.“

Kaum in Kyrat angekommen, stecken wir auch schon Mitten im Bürgerkrieg. Unser Bus wird angehalten. Soldaten von Pagen Min filzen die Mitreisenden. Schüsse fallen und die Lage eskaliert. Bevor wir überhaupt realisieren was da gerade passiert ist, erblicken wir einen näher kommenden Helikopter. Aus diesem steigt kein geringerer als Pagen Min und begrüßt uns, als ob wir sein bester Freund wären. Er hat uns schon erwartet und will eine kleine Willkommens-Party für uns schmeißen. Scheinbar sind wir kein Unbekannter für ihn. In diesen paar Minuten ist uns klar, dass Pagan Min vollkommen durchgeknallt ist. Leider ist er nicht nur völlig verrückt, er ist auch noch ein schlechter Gastgeber. Gefesselt und mit einem Jutesack auf dem Kopf bringt man uns in seinen Palast. Nachdem unser Begleiter kurzerhand getötet wird, gelingt uns die Flucht und wir rennen in die Arme der Rebellenallianz des Goldenen Pfads, der wir uns anschließen.

„Wir haben keine Zeit für Touristen.“

Ist der Kampf der Rebellen gegen den selbsternannten König von Kyrat nicht schon schwer genug, verfolgen die beiden Anführer der Rebellengruppe auch noch unterschiedliche Ziele. Sabal will die alten Traditionen seines Volkes aufrechterhalten und Amita setzt sich für den Fortschritt und Wohlstand ein. Beide Pläne klingen gut. Aber wie so oft gibt es immer zwei Seiten einer Medaille. Wir stehen zwischen den Fronten und müssen uns öfters entscheiden, welche Aufgabe wir übernehmen und damit das Machtverhältnis verändern. Besorgen wir für Amita Informationen aus einem Lager, wissentlich, dass an anderer Stelle ein Lager eventuell angegriffen wird? Oder hören wir lieber auf Sabal und eilen zur Verteidigung, verpassen aber die Chance die wichtigen Informationen zu sichern? Allzu gravierende Veränderungen auf unseren weiteren Spielverlauf haben diese Entscheidungen aber kaum.

„Welche Waffe würde Jesus wählen?“

Das ist die erste Frage, die uns der Waffenhändler und ehemaliger Warlord Longinus stellt. Als Waffenlager hat er einen Ort gewählt, den man so gar nicht mit illegalen Waffen in Verbindung bringen würde. Sein Lager befindet sich in einer alten Kirche. Für ihn scheint dies aber kein Problem zu sein. Er ist der Meinung, dass Waffen und die Bibel eine Einheit bilden. Schüsse sind nichts anderes als Gebete. Nur halt tödlich. Longinus ist ein weiterer Auftraggeber für uns in Kyrat. Er verspricht uns kostenlose Waffen, wenn wir Glockentürme befreien, die zu Propagandazwecken missbraucht wurden. Im späteren Spielverlauf erledigen wir für ihn Aufträge, die uns eine Menge Geld und Erfahrungspunkte bringen. Neben Longinus gibt es noch eine Reihe weiterer verrückter Nebencharaktere, die uns mit frischen Missionen auf Trab halten. So treffen wir unter anderem auf einen alten Bekannten aus Teil 3 und zwei Kiffer namens Reggie und Yogi, die ein paar ganz besondere Aufgaben für uns parat hat. Unter Drogeneinfluss gelangen wir in eine Parallelwelt, in der wir Dämonen töten und einen weißen Tiger als Kampfgefährten erhalten. Neben all den durchgeknallten Charakteren in Far Cry 4, ist Pagan Min der eigentliche Star des Spiels. Ein selbsternannter König mit blondierten Spitzen, violettem Anzug und einer Vorliebe für Selfies. Seine Auftritte schwanken zwischen Wahnsinn und Slapstick. Leider sind Pagan Mins Auftritte nach dem Prolog doch recht rar.

Löwe oder Elefant?

Mit den erhaltenen Erfahrungspunkten für das Absolvieren von Haupt- und Nebenmissionen, das Erkunden von verschollenen Orten oder das Sammeln von Gegenständen verbessern wir Ajays Talente. Im Gegensatz zu Far Cry 3 gibt es nur noch zwei Entwicklungsbäume – der Löwe und der Elefant. Ersterer ist eher kampforientiert, der zweite auf Heilung spezialisiert. So bietet der Löwe unter anderem Takedown-Modifizierungen oder eine verbesserte Panzerung und der Elefant schnellere Heilung oder verbesserte Spritzen. Für besonders starke Fähigkeiten benötigen wir nicht nur Erfahrungspunkte, sondern müssen auch bestimmte Haupt- oder Nebenmissionen absolvieren.

Überlebenskampf im Paradies

Das eigentliche Highlight von Far Cry 4 ist die offene Spielwelt. Schon nach den ersten Stunden der 32 Kampagnen-Missionen verlassen wir mehr und mehr den Pfad der Hauptkampagne und erkunden die wundervolle Welt von Kyrat. Wie im Vorgänger infiltrieren wir gegnerische Außenposten, nehmen kleinere Nebenmissionen an, sammeln Geld für neue Waffen und Munition aus Schatzkisten, gehen auf die Jagd oder befreien Funktürme. Neu hinzugekommen sind riesige Festungen mit einer gefühlten Armee als Bewacher, die wir erobern müssen, damit dieses Gebiet dauerhaft von Pagan Mins Schergen befreit wird. Diese Belagerungen können gemeinsam mit einem Freund über den neuen Online-Koop-Modus oder mit einem KI-Begleiter absolviert werden.

Sind wir mal nicht mit Kämpfen beschäftigt, gehen wir auf die Jagd, um uns dem Fell erlegter Tiere größere Beutetaschen, Munitionsgürtel oder Brieftaschen zu basteln. Die Fauna von Kyrat bietet die unterschiedlichsten Tierarten von Wildschweinen über Affen bis Nashörnern. Während die meisten Tiere die Flucht ergreifen, wenn sie Gefahr lauern, gehen einige von ihnen direkt auf Konfrontation. Und so ein wildgewordenes Nashorn kann ganz schön gefährlich sein. Als Fortbewegungsmittel dienen uns allerhand unterschiedlicher Fahrzeuge wie Geländewagen, Boote, Quads und ein Mini-Ein-Mann-Helikopter. Für kleinerer Klettereinlagen besitzen wir nun einen Wurfhaken, der an vorgegebenen Stellen an die Felswand geworfen werden kann.

Auf dem Rücken der Pferde, äh… Elefanten

An der KI der Gegner wurde an einigen Stellen kräftig geschraubt. So nehmen uns größere Gegnergruppen gerne mal in die Zange oder stürmen direkt auf uns zu. Richtig schwere Brocken sind die Jäger-Einheiten. Sie verständigen sich untereinander mit Pfiffen, spüren uns auch auf, wenn wir gut getarnt im Buschwerk hocken, benutzen Tiere als Kampfpartner oder verschießen Brandpfeile, mit denen sie die Gegend um uns herum in ein Flammenmeer verwandeln, um uns den Rückzug zu erschweren. Aber auch wir verfügen über neue Kampftaktiken und Waffen. Mit Fleischködern locken wir Raubtiere an, die für uns die erste Drecksarbeit erledigen. Rebellen unterstützen uns beim Angriff auf feindliche Außenposten, wenn wir vorher genügend Karma-Punkte gesammelt haben. Diese erhalten wir, wenn wir den Mitgliedern des goldenen Pfades bei bestimmten Missionen helfen oder ihnen bei einem Scharmützel gegen Pagan Mins Soldaten zur Seite stehen. Wer aber die Außenposten lieber leise und unentdeckt infiltrieren möchte, sollte auf die Hilfe der Rebellen verzichten. Sie stürzen sich gerne mit Gebrüll und Gewehrsalven direkt ins Getümmel. Eine der witzigsten Neuerungen ist das Reiten auf Elefanten. Mit einem beherzten Sprung sitzen wir auf dem Rücken des Dickhäuters und preschen drauf los. Egal was sich uns in den Weg stellt, wird mit dem Rüssel zur Seite katapultiert. Bei Schießereien aus Fahrzeugen heraus werden wir durch eine Art Autopilot unterstützt, der die Spur hält während wir aus dem Seitenfenster ballern.

Oh, wie schön ist Kyrat

Wir hatten zu Testzwecken die PS4-Version und hier macht Far Cry 4 einen erstklassigen Eindruck. Die Landschaft der Spielwelt mit ihren Bergen, Tälern, Reisfeldern, Seen und Wäldern sieht einfach fantastisch aus und wirkt unglaublich natürlich. Eine tolle Weitsicht und perfekt abgestimmte Licht-, Schatten- und Windeffekte runden die hervorgagende Atmosphäre ab. Leider erinnert die Szenerie nicht immer an das, was man sich unter einer Region am Rande es Himalayas vorstellt. Streift man durch das Dickicht des Waldes, könnte man sich auch im asiatischen Dschungel des Vorgängers oder auf der Karibikinsel des ersten Teils befinden. Viele Szenarien wirken austauschbar. Wer auf die schneebedeckten Bergketten des Himalayas krakseln möchte, kann dies nur in bestimmten Missionen erleben.

Sind wir mit dem Gyrocopter unterwegs, ploppen gelegentlich Gebäude und Bäume aus dem Nichts heraus auf. Gerade bei Reisen mit dem kleinen Helikopter merkt man, dass die offene Welt doch nicht ganz so offen ist. Berge wirken wie eine imaginäre Grenze, die nicht überwunden werden kann. Versuchen wir doch einmal höher hinauf zu steigen, quittiert der Gyrocopter mit einem Piepton den Dienst und bringt uns wieder auf eine reisefähige Höhe. Trotzallem läuft das Spiel flüssig mit durchgehend 30 fps bei einer Auflösung 1080p.
Obwohl es in einigen Zwischensequenzen teilweise zu einer Verzögerung der Lippensynchronität kommt, schmiegt sich die Musik- und Sounduntermalung perfekt in die Gesamtatmosphäre des Spiels ein.

 

Marc

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Mitglied der Chefredaktion, Ansprechpartner Publisher
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Unsere Wertung
90%


Fazit
Fans von Open-World-Spielen kommen bei Far Cry 4 vollends auf ihre Kosten. Eine riesige Spielwelt, viele Missionen, viel zu entdecken und massig Action. Wie schon im Vorgänger laufen viele Missionen leider immer nach dem selben Schema ab. Hier einen Außenposten infiltieren, da einen ranghohen Offizier heimlich töten und dort eine Basis verteidigen. An manchen Stellen fehlt es an Komplexität. Trotzdem hat Ubisoft einiges aus dem Vorgänger gelernt. Viele kleine Verbesserungen erleichtern uns das Rebellenleben. Heilspritzen werden automatisch hergestellt, so bald man genügend Pflanzen gesammelt hat. Mit Hilfe des Gyrocopters reisen wir schneller als mit dem Auto von A nach B. Wegpunkte können auf der Karte gesetzt werden, die von Fahrzeugen automatisch angefahren werden. Eine weitere nette Neuerung ist der optionale Koop-Modus. Mit Ausnahme der Kampagne lässt sich alles zusammen online mit einem Freund spielen. Kurzum ist Far Cry 4 zwar kein perfektes, aber ein sehr unterhaltsames Action-Spiel.