Enemy Front bei uns im TestEnemy Front bei uns im Test
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Enemy Front bei uns im Test

Die Prämisse von Enemy Front kann sich sehen lassen. Als amerikanischer Kriegsberichterstatter verschlägt es uns in bisher von der Shooter-Konkurrenz vernachlässigte Schlachten des zweiten Weltkriegs. Wir erleben etwa den Warschauer Aufstand mit oder kämpfen in der Wolfsschanze gegen Nazis. Wie wir vorgehen liegt an uns, denn Entwickler City Interactive tut alles, um nicht den x-ten Call of Dut-Klon im neuen Deckmantel zu präsentieren. Leider hat das Spiel mit einigen Krankheiten zu kämpfen, die wir im folgenden Test genauso wie die Stärken für euch aufdröseln.

Unser steuerbarer Held hört auf den Namen Robert Hawkings, der so zackig vom Kriegsberichterstatter zum Widerstandskämpfer wird, dass wir erstmal nur wenig von seinen Beweggründen verstehen. In den darauffolgenden Spielstunden erzählt Hawkings aber seine Geschichte, welche grundlegend spannend, aber zuweilen zu unausgereift ausgefallen ist. Er schließt sich dem polnischen Widerstand an und unterstützt die Gegenseite der Nazis in Frankreich, Deutschland (Berlin) sowie in Norwegen.

In den ersten Spielminuten überrascht Enemy Front mit seinem offenen Leveldesign. Wahrscheinlich sind wir es mittlerweile vom Genre gewöhnt, dass es nur eine Route zum Zielpunkt gibt, hier allerdings konfrontiert uns das Spiel mit jeder Menge Freiheit. Oft führt ein Weg durch die Mitte direkt zum Ziel, jedoch ist dies auch stets der kniffligste. Viele Treffer hält der Hauptprotagonist nicht aus, was uns flott dazu bewegt hat, andere Taktiken auszuprobieren. So entdecken wir schnell Geheimwege durch brüchige Mauern oder Tunnel, die von links oder rechts zum Missionsziel führen. Die Umwege bedeuten aber auch weniger Gefahr, zumal wir Feinde so flankieren und von der Seite beziehungsweise von hinten überrumpeln können.

Diese Entscheidungsfreiheit geht noch einen Schritt weiter: neben dem Schleichen sowie dem primitiven Weg durch die Mitte steht uns noch das Snipen zur Auswahl. Dabei dürfen wir auf eine Mechanik zurückgreifen, welche uns aus „Sniper: Ghost Warrior“ bekannt ist: die Kugelphysik. Schlicht aus 500 Metern alle Feinde auszuknipsen misslingt anfangs, erst wenn wir die Flugbahn ausgetüftelt haben schießen wir die Widersacher nach und nach zielgenau aus den Latschen. Kombiniert ergeben die drei Spielmöglichkeiten (Schleichen, Rambo, Snipen) eine freieres Gameplay-Gefühl. Zwischen den Missionen dürfen wir teilweise sogar entscheiden, welche Mission wir zuerst angehen und vor allem wie wir sie angehen wollen. Schleichen oder direkt einen Sprengsatz legen? Unsere Entscheidung. Die Unterschiede unserer Wahl sind aber längst nicht immer spürbar groß, sondern wirken manchmal aufgesetzt und unnötig.

Erwähnen wir jetzt noch den schönen Soundtrack haben wir bereits alles Positive abgehakt. Wenden wir uns also den Kritikpunkten des Ego Shooters zu. Da wäre zum einen die grausam schlechte KI zu nennen, die dumm wie Brot vorgeht, dafür zum Ausgleich aber wie ein Meisterschütze treffen kann. In den Schleichpassagen entdecken uns die Feinde bei unvorsichtigem Vorgehen selbstsicher, in Gefechten verhalten sie sich allerdings vollkommen daneben. Sie rennen blindlings auf uns, ignorieren uns oder bleiben einfach ungedeckt stehen. Wenn dann noch die schwache Framerate ihr Übriges tut und das Geschehen merklich zu ruckeln anfängt, bringt das Spiel einfach keinen Spaß mehr. Dabei sieht das Ganze trotz Cry Engine 3 nicht mal schön, sondern vielmehr veraltet aus.

Freier Redakteur/in


 
Unsere Wertung
64%


Fazit
Schade. Im Ansatz macht Enemy Front einiges richtig: es lässt uns im Vergleich zu anderen Shootern jede Menge Freiheiten, bietet eine eigentlich solide Storygrundlage und auch das Setting wirkt stimmig. Im selben Atemzug strapaziert der Shooter allerdings unsere Nerven durch strunzdumme KI-Mechaniken und Performanceprobleme. Da bleiben wir lieber bei den alten Call of Duty-Teilen, die uns ebenfalls in die Zeit des 2. Weltkriegs verfrachten, aber schon zu ihren Zeiten deutlich besser waren.