Cities: Skylines bei uns im TestCities: Skylines bei uns im Test
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Cities: Skylines bei uns im Test

Nach dem schlechten Auftritt von SimCity haben wir schon fast die Hoffnung in eine geniale Städtebau-Simulation aufgegeben. Doch mit dem Eintreffen von Cities: Skylines in unserer Redaktion erscheint urplötzlich ein neuer Titel am Simulations-Himmel. Wie uns der Städtebau in diesem Ableger gefallen hat und ob endlich wieder ein Fokus auf die Simulation selber gesetzt wurde erfahrt ihr in unserem aktuellen Testbericht!

Eine neue Stadt wird gegründet!
In Cities: Skylines werden wir in die Rolle eines Bürgermeisters schlüpfen. Diese Rolle dürfte wohl einigen Spielern aus der SimCity Reihe wohl bekannt vorkommen. Aber handelt es sich hierbei nur um eine noch schlechtere Kopie, oder steckt wirklich mehr dahinter? Dazu später mehr!

Obwohl kein Einführungstutorial zur Verfügung gestellt wird finden wir uns sehr schnell in der Thematik zurecht. Straßen werden schon intuitiv gezogen und Gebiete erschlossen, denn all das kennen wir bereits aus der SimCity-Reihe unserer Städtebau Vergangenheit. Durch auftauchende Smileys über den Wohnsiedlungen erfahren wir auch spielerisch, dass wir bislang alles richtig gemacht haben. Sollten dennoch zu irgendeiner Zeit Fragen aufkommen, können wir auf kleine Hilfstexte zurückgreifen. Diese sind auch teilweise nötig, da manch etwas eben doch ein wenig anders ist, als beim direkten Konkurrenten. Aber das spielerfreundliche Handling macht uns den Einstieg auch wirklich einfach, so dass wir recht schnell Zuwachs in unserem kleinen Städtchen bekommen werden.

Alles nur geklaut?
Der erste Anblick erinnert zugegebenermaßen doch schon sehr stark an die etwas missratene Städtebau-Simulation aus dem Hause Electronic Arts. Mit einer Autobahn werden wir unser kleines Städtchen mit der Außenwelt anknüpfen müssen und auch die Gebietsbegrenzung lässt wieder einen faden Beigeschmack aufkommen. Aber dieser Schein trügt! Im Gegensatz zu SimCity wird man anfänglich nicht auf jegliche Bauten zurückgreifen können, sondern muss zunächst kleine Meilensteine mit der neuen Siedlung erreichen. Desto mehr Leute in eure Stadt einziehen werden, desto mehr wichtige Kerngebäude können errichtet werden. So wird uns ein Arzt, eine Feuerwehr oder eine Polizeistation erst nach einer gewissen Bevölkerungszahl zur Verfügung stehen. Dadurch kommt man zu Beginn nicht gleich in die Versuchung sein gesamtes Erspartes für jegliche Gebäude auszugeben, welche einem als sinnvoll erscheinen dürften. Nach und nach werden wir somit unserem kleinen Städtchen einen Charakter verleihen und werden auf individuelle Wünsche der Bewohner eingehen können.

Auch die soeben angesprochene Gebietsbegrenzung wirkt nur anfänglich abschreckend. Wir werden nämlich nicht nur auf dieses kleine Gebiet beschränkt sein, sondern wir werden im Laufe des Spieles weitere Gebiete dazu kaufen können. Endlich ein wirklich sinnvoll umgesetztes Feature, was einige Simulationsfans wohl mit Freude lesen werden.

Was im neuesten SimCity schon gar keine Beachtung mehr gefunden hat wurde in Cities: Skylines direkt wieder aufgegriffen. Die Rede ist von Wasser- und Abwasserrohren, sowie von Strommasten. Diese werden nicht automatisch durch das Straßennetz in der kompletten Stadt verteilt, sondern müssen erst einmal errichtet werden. Endlich wird den Simulationsfreunden wieder mehr Arbeit zugetraut und es verläuft nicht alles so automatisiert ab. Allerdings werden die Strommasten die schöne Umgebung nicht verunstalten, da man lediglich vom Kraftwerk aus eine Leitung zum angrenzenden Gebiet verlegen muss. Ist der Strom dort erst einmal angekommen, so wird dieser im Einzugs-, Gewerbe- und Industriegebiet automatisch verteilt. Aber sind wir mal ehrlich, eine Stadt ohne Strommasten und Wasserrohren ist auch keine wirkliche Stadt. Und das Vorteilhafte daran: Die Kacke wird nicht mehr im Stau stehen müssen! Das Problem tauchte mitunter beim direkten Konkurrenten öfter auf, als uns lieb war, wenn das Straßennetz überlastet war. Diese Verbindung haben wir sowieso noch nie wirklich verstanden.

Cities Skylines Screen 1
Aber auch bei der Verlegung der Abwasserversorgung muss man taktisch vorgehen, denn die Gülle sollte stets Flussabwärts entsorgt werden. Geschieht dies nicht, kann die Verschmutzung durch die Wasserversorgung direkt wieder ins Versorgungsnetzwerk der Stadt zurückgelangen. Was dann folgt ist ein wahrlicher Teufelskreis, denn die Menschen werden quasi mit ihren eigenen Exkrementen in Kontakt kommen. Das wiederum führt zu einer höheren Krankheitsrate, was wiederum die örtlichen Krankenhäuser zum überquellen bringen wird. Das wird dann früher oder später zu einer hohen Sterblichkeitsrate führen, was schon fast mit einem Bankrott der eigenen Stadt enden muss. Demnach sollten Städtebauer stets auf eine sinnvolle Bauweise achten!

Der wohl nächste sehr bekannte Punkt dürften die Nachfragebalken der Bevölkerung sein. Diese zeigen grafisch an, wonach es den Bewohnern der eigenen Stadt zur Zeit mangelt. Ob Wohn-, Gewerbe- oder Industriegebiet, alles ist miteinander verknüpft. Nur mit dem Unterschied, dass man sich auf diese Balken ausnahmsweise wirklich verlassen kann.

Eine lebendige Stadt
Die Stadt in Cities: Skylines ist lebendiger, als man es sich vielleicht anfänglich vorgestellt hat. Neue Gebäude werden durch Kräne aufgebaut und die Stadt wird durch volle Straßen und Bürgersteige einen eigenen Charme bekommen. Was bei SimCity nicht funktioniert hat, wurde in Cities: Skylines sehr gut integriert. Die Rede ist von der Individualität der Bewohner. Die Cims, so nennen sich die Bewohner hierzulande, besitzen alle eine eigene Identität und einen Lebenszyklus. Wir können nach Lust und Laune sogar das komplette Leben von Kindesbeinen an verfolgen. Seine Zeit in der Grundschule, später in der Oberschule, der Gang zur Universität und der Weg zu einem höher qualifizierten Beruf bis alles in einem Leichenwagen enden wird. Cities: Skylines versucht demnach so viele kleine Elemente in das Spiel einzubauen, wie nur möglich ist, um gerade jede Stadt einzigartig wirken zu lassen. Und dies geschieht nun einmal am besten mit einer richtigen Bevölkerung. Es ist wundervoll zu sehen, wie die eigenen Cims ihren Weg zur Arbeit antreten und sich durch den Stau einer Großstadt wühlen müssen.

Irrungen, Wirrungen
Obwohl die Stadt schön wuselig erscheint findet man an manch einer Stelle noch kleinere Patzer. Manch ein Cim wird beispielsweise auf mysteriöse Weise einfach in die eigenen vier Wände zurück teleportiert und tritt ausnahmsweise nicht den herkömmlichen Heimweg an. Andere wiederum werden urplötzlich an einem anderen Ort der Stadt auftauchen. Wenigstens gibt das Infofenster über den jeweiligen Bewohnern eine plausible Erklärung für diesen Vorfall an: Eine Verwirrung der Person ist wohl Grund für diese Ursache. Mit einem gewissen Hauch an Humor versucht man diese kleinen Patzer auszukurieren – Mit Erfolg wohlbemerkt! Demnach können wir über diesen kleinen Fauxpas mit einem lachenden Auge hinweg blicken. Denn keine Simulation ist perfekt. Aber dennoch ist es bemerkenswert, wie viel Detailliebe das Entwicklerstudio in Cities: Skylines integriert hat.

Cities Skylines Screen 2

Auch die Kranken- und Polizeiwägen agieren nicht immer sinnvoll. So kann es schon einmal vorkommen, dass ein Krankenwagen vom einen Ende der Stadt zu einem Einsatz ausgesandt wird, obwohl ein näher gelegenes Krankenhaus viel eher am Unfallort eintreffen würde.

Des weiteren gibt es auch des Öfteren ein wenig Chaos auf den Straßen, welche unter anderem umher irrende Servicewägen und Transportlaster auslösen. Warum also ein Lastwagen mitten auf der Straße umdrehen und ein kleines Päuschen einlegen muss bleibt uns noch immer ein Rätsel. Das ist zwar lustig anzuschauen, doch damit wird immer ein kleiner Rückstau die logische Konsequenz sein. Doch mitten im Berufsverkehr kann dies schon einmal für ein größeres Gewusel sorgen, als einem lieb ist.

Aber die Simulation verzeiht auch kleine Fehler des Bürgermeisters nicht so schnell. Bauen wir beispielsweise zu viele Wasserpumpen an eine Stelle des Flusses, so wird dieser buchstäblich leer gepumpt. Auch das mag zwar lustig aussehen, aber die Bürger werden sich über die Folgen der Wasserknappheit mit Sicherheit nicht freuen! Aber worüber wir uns freuen ist, dass sich das Entwicklerstudio auch an dieser Stelle seine Gedanken gemacht hat. Die Simulation greift somit noch tiefer, als wir es jemals erwartet hätten. Eine ausbeuterische Bauweise wird somit sehr schnell bestraft werden! Und das ist auch gut so!

Der Verkehr muss laufen!
Das größte Problem vom neuesten SimCity war mitunter der Verkehr. Ab einer gewissen Stadtgröße wuchs der Verkehr auf den Straßen dermaßen an, dass wir der Situation nicht mehr Herr werden konnten. Selbst mit mehrspurigen Straßen und sinnvollen Umleitungen konnten wir nie den gewünschten Erfolg erzielen.

Wir hatten demnach bei Cities: Skylines das schlimmste erwartet, wurden aber mit einem positiven Ergebnis überrascht. Denn die Grundlagen des Verkehrs wurden wirklich sinnvoll umgesetzt. Es ist nun an uns, welche Straßengrößen wir errichten wollen. Somit wird eine sechsspurige Straße zwar eine gewisse Menge an Autos problemlos beherbergen können, dass Stauproblem wird auf diese Art allerdings nicht wirklich gelöst werden. Denn Ampeln und Kreuzungen werden den Verkehr trotzdem zum erliegen bringen können. Um dieses Problem lösen zu können wird man auf Autobahnen, Kreisverkehre und Einbahnstraßen zurückgreifen können. Und siehe da, es funktioniert wirklich!

Cities Skylines Screen 3

So können wir bequem eine Autobahn über die Stadt errichten, welche das Verkehrsaufkommen entsprechend entlasten kann. Es ist schön zu sehen, dass man durch eine sinnvolle Strukturierung des Straßensystems doch noch die Lorbeeren ernten kann.

Besonders schön ist es auch, dass man die Straßen nicht nur auf einer Ebene bauen muss. Wir können endlich auch Straßen auf höheren Ebenen errichten. Somit werden wir nicht Wohnsiedlungen oder Gewerbegebiete abreißen müssen, nur weil wir den Verkehr umleiten müssen. Und ein weiterer netter Nebeneffekt dieser Hochstraßen ist auch noch der schöne abwechslungsreiche Anblick. Es wurden buchstäblich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen!

Damit der Frust nicht einkehrt, wenn man einmal in einem Wohngebiet zu kleine Straßen errichtet hat, wird man diese auch bequem aufwerten können. Somit wird verhindert, dass wir Straßen und Wohnungen erst abreißen müssen, bevor wir eine größere Straße ziehen können. Zwar werden die angrenzenden Wohnungen trotzdem erst einmal dem Erdboden gleich gemacht, da diese dementsprechend mehr Platz benötigen werden. Aber die fehlenden Wohnungen werden auch genauso schnell wieder aufgebaut.

Aber nicht nur die Erweiterung des Straßennetzes ist eine sinnvolle Möglichkeit, um die Straßen zu entlasten. Wir müssen immer bedenken, dass unsere Cims zur Arbeit müssen. Und um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen müssen diese eben auf Kraftfahrzeuge setzen. Somit ist der Ausbau von Buslinien oder U-Bahnen eine weitere Möglichkeit, um dem wachsenden Verkehr Einhalt gebieten zu können. Bei SimCity konnte man zwar auch auf eine solche Alternative zurückgreifen. Allerdings brachte uns das dort nicht weiter, sondern verschlimmerte dies die Situation meistens noch. Denn das hohe Verkehrsaufkommen wurde dadurch nicht reduziert, sondern durch eine Masse an Bussen noch weiter verschlimmert. Bei Cities: Skylines hingegen wird man den erhofften Erfolg allerdings bekommen. Die Bürger nutzen lieber den Bus, als ihr eigenes Fahrzeug. Folgerichtig werden die Straßen dadurch tatsächlich leerer. Bei größeren Städten wird ein stark ausgebautes Busnetzwerk zwar schnell unübersichtlich, da wir auf keine wirkliche Linienübersicht verfügen werden. Aber zur Ernüchterung können wir diese wenigstens farblich markieren. Das sorgt wenigstens für ein wenig Übersicht im Getümmel der aufkommenden Großstadt.

Stadtviertel sorgen für Ordnung!
Bislang überzeugt die Simulation auf ganzer Ebene, aber es gibt doch noch etwas mehr, worüber sich das Simulationsherz freuen kann. Es ist bekannt, dass jede Großstadt der heutigen Zeit in Stadtviertel aufgeteilt ist, welche allesamt einen eigenen Namen innerhalb der Stadt tragen. Bislang fehlte diese Zuweisung allerdings in sämtlichen Städtebau-Simulationen. Zumindest bis Cities: Skylines das Licht der Welt erblickte. Denn wir haben nun die Möglichkeit in unserer Stadt diverse Stadtviertel zu erstellen und sogar namentlich zu brandmarken! Und dies funktioniert sogar zu allem erstaunen noch sehr einfach. Mit einem Pinsel können wir nun über das gewünschte Fleckchen Erde wischen und erstellen auf diese Weise so viele Stadtviertel, wie wir für nötig halten. Diese werden allerdings nicht nur einen optischen Nutzen haben, sondern wir werden auch direkten politischen Einfluss auf die einzelnen Bezirke nehmen können. Durch so genannte Richtlinien werden wir demnach einige Regeln festlegen können, an die sich die Anwohner halten müssen. Beispielsweise wird man durch eine Verteilung von kostenlosen Brandmeldern den Ausbruch von Bränden möglichst gering halten können. Aber wir können auch die Zufahrt von Lastwagen für gewisse Bezirke verbieten. Somit werden Anwohner einer idyllischen Wohnsiedlung dadurch verschont bleiben. Das verhindert nicht nur einen möglichen Stau durch eine mehrfache Nutzung dieser Fahrzeuge, sondern wird die Bewohner gleichzeitig auch glücklich stimmen. Denn die Cims fühlen sich einfach wohler, wenn man sich um das Gemeinwohl durch solche Richtlinien kümmert.

Aber nicht über alle Richtlinien werden sich die Cims freuen. Wenn wir diesen Beispielsweise das Rauchen in gewissen Bezirken verbieten kann dies auch zu einer angespannten Stimmung führen. Aber wer lässt sich auch gerne alles vorschreiben?

Cities Skylines Screen 4

Das Auge wird sich kaum sattsehen können
Neben den großartigen Simulationsmöglichkeiten wird dem Spieler auch einiges für das Auge geboten! Denn die Grafikdetails erstrecken sich wirklich in jede Ecke der Stadt. So werden Gebäude mit dekorativen Balkonen, spiegelnden Fenstern oder lesbaren Plakaten für einen schönen Anblick der Umgebung sorgen. Selbst einzelne Parkbänke sind nicht nur lieblos in die Umgebung integriert worden, sondern diese werden auch aktiv von Parkbesuchern genutzt. Denn die Cims werden nicht nur durch die Städte spazieren, sondern genießen auch ein kleines Päuschen an diesen beschaulichen Plätzen. Es macht sogar Spaß den Bestattern bei der Arbeit zuzuschauen, denn diese werden aus diversen Häusern zunächst Särge verladen müssen, bevor diese dann abtransportiert werden. Aber nicht nur die Cims sind wirklich detailreich gestaltet worden, sondern wir können selbst das Treiben von Kühen oder Schweinen auf den einzelnen Feldern bewundern können.

Die wunderschöne Kulisse kann nur noch durch scharfe Texturen und von realistisch geschalteten Ampeln getoppt werden. Denn für solche Feinheiten hat sich der Entwickler auch stark gemacht. Einzig und allein ein Tag- und Nachwechsel wird uns bislang noch fehlen. Aber was noch nicht ist, kann mit Sicherheit noch in ferner Zukunft nachgereicht werden.

Cities Skylines Screen 5

Fazit:
Ich hatte nach dem schlechten Aufritt von SimCity schon fast die Hoffnung aufgegeben, eine wirklich gute Städtebau-Simulation auf dem heimischen Rechner erleben zu dürfen. Aber bereits nach einer kurzen Spielzeit konnte mich Cities: Skylines schon komplett in seinen Bann ziehen. Nicht nur grafisch, sondern auch vom kompletten Umfang her konnte dieser Titel fast alle meine Wünsche auf Anhieb erfüllen. Endlich konnte man durch einen sinnvollen Straßenbau wirklich einen Stau umgehen. Das hätte ich mir schon fast gar nicht mehr vorstellen können! Die Stadtviertel und die dadurch einhergehenden Richtlinien runden das ganze Sinnvoll ab und es macht wirklich Spaß seine Stadt beim wachsen zuschauen zu dürfen!
Wer gerne Städte aus dem nichts erschaffen möchte und zudem noch Interesse an der Optimierung seines Straßennetzes mit politischer Entscheidungsfreiheit hat, der dürfte wohl bei Cites: Skylines endlich sein Zuhause gefunden haben!

Mitglied der Chefredaktion, Ansprechpartner Publisher


 
Unsere Wertung
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