Bound by Flame bei uns im TestBound by Flame bei uns im Test
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Bound by Flame bei uns im Test

Mit Bound by Flame haben wir das neueste Rollenspiel aus dem Hause Koch Media genauer unter die Lupe genommen. Wie sich unser vom Dämon besessener Held geschlagen hat und vieles mehr erfahrt ihr in unserem aktuellen Test!

Kein Teufel trägt Prada
In Bound of Flame wird der Spieler tief in eine Fantasy-Welt eintauchen, welche nach einem urtypischen Hollywood Muster strukturiert ist. Kampf zwischen Gut und Böse, in diesem Fall Menschen gegen Untote. Irgendwie klingt alleine dieser Grundgedanke schon merkwürdig vertraut und wir hoffen bereits an dieser frühen Stelle unseres Abenteuers, dass wir uns nicht in einem schnulzigen Twilight-Remake wiederfinden werden!

Kurz gesagt wird man in Bound of Flame in die Rolle eines Söldners namens Vulcan schlüpfen. Dieser kann wahlweise männlich oder weiblich sein, für die eigentliche Grundgeschichte spielt diese Wahl des Geschlechts logischerweise keine großartige Rolle. Damit die Story allerdings ein wenig mehr Pepp bekommt wird man gleich zu Beginn Zeuge eines Vorfalls, wo ein uralter Flammendämon versucht unseren Protagonisten als Wirt zu benutzen. Obwohl ihm dies gelingt und er in unserem Körper eingedrungen ist hat dieser jedoch keine Kontrolle über unsere Handlungen selber. Allerdings versucht sich der Dämon in Form von Gedanken immer wieder zu Wort zu melden. Mit den Stimmen im Kopf versucht der Flammendämon unseren Helden zu beeinflussen und sich seiner dämonischen Seite hinzugeben.

Somit sind wir an dieser Stelle auch schon am Kernstück von Bound of Flame angekommen. Es wird demnach viele Situationen geben, an welchem man sich für eine menschliche oder dämonische Herangehensweise entscheiden muss. Entscheidet man sich für den dämonischen Einfluss, so wird Vulcan sich optisch verändern und ihm/ihr wachsen modische Teufelshörnchen. Selbst den Stimmbruch hat er auf einmal vollständig hinter sich gebracht und seine Stimme wirkt atmosphärisch tief – wie Klischeebehaftet!
Schade ist an dieser Stelle jedoch, dass dieser Gesinnungsweg kaum Einflüsse auf den eigentlichen Spielverlauf haben wird. Man erhält keine großartige Palette an Fähigkeiten, wenn man sich seiner dämonischen Seite hingibt, sondern wird lediglich mit ein paar passiven Boni’s à la „mehr Mana“ und Konsorten besänftigt. Auch die Nachteile werden sich in Waage halten, da durch die unterschiedliche Gesinnung nur ein etwas anderer Weg in der Geschichte eingeschlagen wird. Diese unterschiedlichen Handlungsstränge weichen jedoch nur in begrenztem Rahmen voneinander ab. Dies reicht so weit, dass es sich doch sehr zum Negativen auf den Wiederspielwert auswirkt.
Schade eigentlich, weil man hätte sich sehr gut dämonische Extrakräfte wünschen können und einen weitaus dunkleren Weg in der Geschichte rund um Vulcan.

Die (un)endliche Geschichte
Der eigentliche Handlungsstrang wird sich auf etwa 15 – 20 Stunden belaufen und wirkt leider wenig atmosphärisch. Die Rettung der Welt liegt obligatorisch in unseren Händen und selbst solide wirkende Zwischensequenzen versuchen den funken der Dramatik überspringen zu lassen, jedoch nur vergebens. Zu keiner Zeit des Spieles fühlen wir uns für die noch lebenden Völker verantwortlich und es kommt sprichwörtlich keine Atmosphäre auf. Besonders die deutschen Synchronsprecher lassen die gelegentlichen Unterhaltungen monoton und plastisch wirken. Dies wird in ironischer Weise noch durch die stocksteife Gesichtsmimik verstärkt.

Irgendwie ist nichts los
Da Bound of Flame das Zepter für eine spannende Hintergrundgeschichte aus den Händen gegeben hat haben wir wenigstens gehofft, dass das Drumherum Punkten kann. Da die bisherigen Dialoge nicht gerade überzeugen konnten haben wir uns von kommenden Begleitern nicht all zuviel versprochen. Wir werden zwar auf den ein oder anderen interessanten Charakter stoßen, welche vielleicht für eine kurzweilige Auflockerung mit einem gewissen Unterhaltungswert sorgen können. Doch nach Romanzen oder Verzweigungen zu bisherigen Storyeinschnitten unseres Heldens suchen wir vergebens.
Selbst in der Spielwelt vermissen wir den Detailreichtum. Besonders auffällig ist der Wechsel der Tageszeit, welcher lediglich durch den optischen Wechsel zwischen hell und dunkel dargestellt wird. Daher wird es zur Abendstunde zwar dunkel und im Morgengrauen erscheinen auch wieder die ersten Sonnenstrahlen, doch wirkliche Auswirkungen auf die Umwelt hat dieses optische Phänomen alleine nicht. Der Tag-Nacht-Wechsel hat somit komischerweise keinerlei Einfluss auf irgendwelche Tagesabläufe von NPC’s.

Auch die Spielwelt wird kaum für Abwechslung sorgen. Wir bewegen uns zwar von sumpfigen Landschaften, über zugefrorene Areale bis hin zu üppigen Festungen, aber irgendwie fehlt die abwechslungsreiche Vielfalt. Auch die immer gleich erscheinenden Monsterhorden wirken erschreckend langweilig. Es kommt einem fast so vor, als ob sich die Kämpfe immer nach ein und demselben Muster richten würden. Lediglich die Nebenquests konnten zumindest für die anfängliche Zeit mit Euphorie auftrumpfen. Die Freude währt leider nicht allzu lange, da auch die Nebenaufgaben im Laufe des Abenteuers an Spannung abnehmen werden.

Kampfsystem
Das Kampfsystem in Bound of Flame wird besonders in den höheren Schwierigkeitsgraden für den gewissen Grad an Frustration sorgen. Monster und Zombies werden uns dermaßen beschäftigen, dass wir fast ausschließlich mit dem blockieren oder ausweichen beschäftigt sein werden. Ein Sahnehäubchen wären da noch die magischen Angriffe unserer Kontrahenten. Denn diese werden uns sofort auf den Boden der Tatsachen zurück holen, so dass wir uns wie ein Käfer auf dem Rücken fühlen und kampfunfähig am Boden wiederfinden. Auch die Möglichkeit des Anschleichens, um einen kritischen Treffer auszuführen, wirkt irgendwie nutzlos. In den meisten Fällen des Spieles werden wir lediglich auf ganze Gruppen von Gegnern stoßen. Somit ist diese taktische Möglichkeit kaum anwendbar.

Obwohl die anfänglich gut animierten Gefechte gegen die Untoten recht solide und spaßig wirken, werden diese auf die Dauer zur einseitigen Tortur. Das Problem ist, dass sich die Hand voll unterschiedlicher Angriffsbewegungen recht schnell wiederholen werden. Dies wird zudem noch dadurch unterstützt, dass es nur zwei verschiedene Kampfstile gibt.
Auch seine dämonische Seite kann hier kaum durch Spezialeffekte oder Glanz punkten. Besonders verwunderlich ist auch die geringe Durchschlagskraft eines Feuerballs gegen Ende des Spieles. Man muss an der Stelle anmerken, dass auch die normalen Kampfstile kaum für Schaden im späteren Spielverlauf sorgen werden. Somit wird man sich schnell in einem einseitigen Kampf wiederfinden, wo man einzelne Zombies aus den Horden herausziehen muss, um einen Kampf erfolgreich zu bestehen.

Fraglich ist es zudem auch, warum wir keine detailreichere Interaktion mit unseren Begleitern eingehen können. Zwar können wir diesen eine grobe Vorgehensweise eintrichtern, wer allerdings nach einer Möglichkeit sucht seinen Kumpanen auszurüsten oder gar weiterzuentwickeln, der wird leider enttäuscht werden.

Spezialisierung mit Tücken
Auch Bound of Flame orientiert sich an dem altbewährten System, bei welchem man durch jeden Stufenaufstieg Fertigkeitspunkte verdienen wird. Die verdienten Punkte können bequem in den drei vorhandenen Talentbäumen verteilt werden. Selbst passive Eigenschaften, mehr Mana oder Lebensenergie, können im Laufe der Charakterformung freigeschaltet werden.
Die einzige Problematik an diesem System ist es, dass man erst die gewünschten Spezialattacken am Ende eines Talentbaumes freischalten kann. Sollte man demnach die gesammelten Punkte völlig willkürlich verteilen, so wird man lediglich mit besseren Werten von normalen Attacken und Zaubern rechnen können.
Man sollte sich die Talentbäume also gründlich anschauen und sich für eine Spezialisierung entscheiden. Zudem wird es den Spielern nicht möglich sein die verteilten Fertigkeitspunkte zu resetten. Sind diese also einmal gesetzt, so wird man mit seiner Wahl leben müssen.


 
Unsere Wertung
65%


Fazit
Bound of Flame hat viele gute Ansätze, welche leider nie wirklich zur Geltung kommen. Die wirklich interessante Grundidee eines vom Dämon besessenen Heldens weckt zumindest anfänglich das Interesse. Das die Atmosphäre jedoch durch die monoton vorgetragenen Dialogen diverser NPC's rapide abnehmen wird habe ich mir ehrlich gesagt nicht so vorgestellt. Allein dies sorgt schon dafür, dass kaum Spannung aufgebaut werden kann. Auch während des Abenteuers fühlt man sich nicht verantwortlich für die bedrohten Völker, sondern man schnetzelt sich einfach stupide durch die lieblos wirkenden Areale. Fans von detailreichen Rollenspielen mit einer packenden Hintergrundstory und halbwegs gutem Gameplay werden bei diesem Titel wohl nicht auf ihre Kosten kommen und sollten ihr Geld wohl anderweitig investieren.