Assassins Creed Chronicles: India bei uns im TestAssassins Creed Chronicles: India bei uns im Test
0100

Assassins Creed Chronicles: India bei uns im Test

Das neue Assassins Creed ist da. Naja, zumindest der zweite Teil der spin-off-Ableger mit dem hübschen Beinamen Chronicles. Diesmal verschlägt es uns aber nicht wie im Vorgänger nach China, sondern direkt in das von britischen Streitmächten besetzte Indien, wo uns neben zusätzlichen 0,5 Dimensionen und dem neuen Assassinen Aarbaz Mir allerdings nicht viel neues erwartet. Heilige Kuh, der Test zu Assassins Creed Chronicles: India.

Assassins Creed Chronicles India Thumb

Ich liebe Stealth-Spiele. Für die erste Xbox hatte ich damals meine Seele verkauft, nur um Splinter Cell und seine beiden Sequels zocken zu können. Pandora Tomorrow gehört, trotz mittlerweile veralteter Technik und Spielmechanik, nach wie vor zu einem meiner absoluten Lieblingstitel. Aber auch die Veröffentlichungen auf der Xbox 360 habe ich in sehr guter Erinnerung. Alien: Isolation, Dishonored, Thief? Ich kann schleichen, also bin ich dabei! Ja, selbst die Assassins Creed-Hauptreihe zähle ich seit ihrem ersten Release zum Genre des Stealth und spiele jeden Teil genau so, auch wenn dieses Element von Nachfolger zu Nachfolger immer optionaler wurde.

Was ich aber mindestens genauso gern habe, ist der Prince of Persia, der mich mit seiner Kletter- und Kampfkunst in allen drei Veröffentlichungen für die Playstation 2 regelrecht verzaubert hat. Mit zweidimensionalen, seitlich scrollenden Plattformern habe ich ebenfalls kein Problem, im Gegenteil, eher bin ich ein großer Freund von Castlevania, Ori and the Blind Forest und all diesen wunderbaren Titeln, die nicht zwangsläufig mit lebensechter Optik brillieren wollen.

Die perfekten Voraussetzungen also, möchte man meinen, um Assassins Creed Chronicles: India eine ganze Menge abgewinnen zu können, vereint es doch all diese Elemente in einem Spiel. Aber das ist mir, so sehr ich es auch wollte, einfach nicht gelungen.

Assassins Creed Chronicles India (3)

Fangen wir bei der Optik an. Die ist tatsächlich ganz hübsch geworden und präsentiert sich im schnieken Cel-Shading-Comic-Look, der vorwiegend durch das Indien-Setting mit seinen bunten Farben, Basaren, tierischen Bewohnern und anderen orientalischen Objekten und Bauten profitiert, bleibt aber nach wie vor Geschmackssache. Handgezeichnet ist hier nichts. Die an Öl- und Aquarellmalereien erinnernden Hintergründe sind sichtlich am Computer entstanden, die Zwischensequenzen gewollt simpel und ohne optische Details gehalten. Das kann man jetzt wohlwollend als eigenen Stil bezeichnen, ich nenne es mal Faulheit. Oder eben so ein Zwischending. Die Präsentation ist im Gesamteindruck also gerade noch solide und rettet sich vorwiegend durch gelungene Charakteranimationen und die Tatsache, dass es sich hierbei um einen Arcade-Titel handelt.

Aber die Umgebung ist natürlich nicht nur optisches Beiwerk, sondern auch unmittelbares Spielelement. Wie schon im Vorgänger oder in Ablegern der Hauptableger von Assassins Creed verstecken wir uns vor feindlichen Wachen in Büschen, hinter Statuen oder diesmal sogar in den Dimensionen. Mit seinen angepriesenen 2,5D ist Assassins Creed Chronicles: India kein platter side-scroller. Viel mehr haben wir immer wieder die Möglichkeit in den Vorder- oder Hintergrund zu wechseln. Sei es, um eine der zahlreichen Plattformer-Abschnitte zu meistern, einfach im Gebiet voranzukommen oder den Sichtfeldern der Wachen auszuweichen. Letzteres bildet das zentrale Element von Chronicles: India. Es gibt zwar auch Level, die wir unter Zeitdruck meistern müssen und so eine bestimmte Punktzahl einheimsen, die uns am Ende mit neuen Gadgets versorgt, der Hauptbestandteil besteht aber aus den Abschnitten in denen wir unbemerkt vorgehen sollten.

Assassins Creed Chronicles India (5)

Sollten oder müssen. Diese Frage stellt sich mir immer noch. Denn trotz zahlreicher Fähigkeiten im Nahkampf, ziehen wir während einer direkten Konfrontation mit den Wachen des Maharadscha schneller den Kürzeren, als wir Aarbaz Mir rufen können. Flinker Angriff, schwerer Angriff, Konter, Ausweichen, ja sogar eine Spezialfähigkeit ist mit dabei, um dem Gegner eins überzubraten. Doch selbst auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad gestaltet sich diese Art der Problembewältigung als nicht sonderlich erfolgversprechend, weshalb wir, obwohl es meist optional erscheint, lieber zum leiseren Spielstil greifen sollten. Verstecke suchen, an Feinden vorbei schleichen und sie aus der Deckung heraus abmurksen. Aber auch so verkommen manche Abschnitte zum nervigen Trial and Error, weil ein direkter Lösungsansatz oft nicht sofort ersichtlich ist. Zudem sind die Wachen alles andere als taub oder blind und trotz optisch dargestelltem Sichtkegel, ist der Grad zwischen sich schnell noch irgendwo verstecken und entdeckt werden oft ein sehr schmaler. Ungeduldige Spieler lassen ohnehin die Finger vom Titel. Aber sogar diejenigen, die sich mit dem Genre des Stealth bestens auskennen, werden eine kleine Eingewöhnungsphase bitter nötig haben. Wenigstens sind die Kontrollpunkte fair verteilt und so richtig frustrierend wird es dadurch nie.

Da wir aber nicht nur die Umgebung zu unserem Vorteil nutzen können und einer direkten Konfrontation ohnehin aus dem Weg gegangen werden sollte, bedienen wir uns an einer handvoll wertvoller Gadgets, die Aarbaz das unentdeckte Vorankommen erleichtern. Rauchbomben behindern die Sicht der Gegner und lassen uns unbemerkt an ihnen vorbeiwandern, mit einem Pfeifen locken wir sie an eine andere Position und die Wurfmesser schalten ungünstige Lichtquellen aus, sodass sich der Sichtkegel der Wachen automatisch verringert. Nachschub gibt es in spärlich verteilten Boxen oder beim Gegner selbst. Der lässt sich nämlich bestehlen. Entweder in der gewagten Variante, während er noch quicklebendig durch das Level streift oder etwas unspektakulärer, wenn er bereits unserer Dreizack-Klinge zum Opfer gefallen ist.

Echte Assassinen wählen aber stets den leisen und nicht tödlichen Weg. Denn darauf baut das Spiel eigentlich auch auf. Jeder Abschnitt im Level wird nach Abschluss mit einer Wertung / Punktzahl versehen, die darauf basiert, wie wir uns verhalten haben. Stille und pazifistische Naturen werden am meisten entlohnt, denn am Ende des Levels bekommen wir für das Erreichen einer festgesetzten Punktzahl neue oder verbesserte Ausrüstung.

Assassins Creed Chronicles India (1)

Der Fehler im Animus

Klingt ja alles fabelhaft und funktioniert auch gut. Aber genau das ist wieder einmal das größte Problem. Assassins Creed Chronicles: India funktionert ganz gut, spielt sich ganz gut und sieht ganz gut aus. Es ist eben solide Kost, für die mir nach guten fünf Spielstunden kein besonderer Grund einfällt, euch den Titel dringendst zu empfehlen. Während kleinerer Pausen hatte ich nie das Verlangen danach, das Spiel sofort wieder aufnehmen zu wollen, darüber konnten auch die zusätzlichen Herausforderungs-Räume nicht hinwegtäuschen, die Story und Setting kurzerhand über Bord werfen und die Kernelemente des Titels als alleinstehende Aufgaben in alternativer Umgebung bieten. Metal Gear: VR und Mirrors Edge: Pure Time Trials lassen grüßen.

Wer den Vorgänger mochte, bekommt hier einen wesentlich besseren Nachfolger und sollte schon deswegen zugreifen. Spieler, die einfach jedem Genre-Vertreter des Stealth hinterherjagen und vielleicht ein neues Assassins Creed erwarten, das sich in diesem Fall wesentlich mehr nach einem Prince of Persia anfühlt, dürften dagegen etwas enttäuscht werden.

Assassins Creed Chronicles India (2)Der Art-Style ist definitiv durchwachsen, auf jeden Fall Geschmackssache. Als regelmäßiger Manga-Leser kann ich über den geringen Detailgrad nur den Kopf schütteln, auch wenn es angeblich eine ganz bewusste, stilistische Entscheidung sein soll. Die Story ist, trotz wieder mal realistischer, historischer Bezüge, ziemlich austauschbar und belanglos. Im Grunde genommen sind wir erneut Assassine x in Setting y, der heiliges Artefakt z beschaffen muss, bevor es den bösen Templern in die Hände fällt.

Und auch wenn Steuerung und Gameplay, trotz recht hoher Schwierigkeit, voll in Ordnung sind, fehlt eben das letzte Quäntchen, der dem Titel seine wirkliche Daseinsberechtigung verleiht. Die Schleich-Passagen gestalten sich mitunter beinhart, wirken trotz unterschiedlicher Gegnertypen aber stets gleich und repetitiv. Mit den Plattformer-Einlagen dagegen hatte ich meinen größten Spaß. Aber auch auf diesem Gebiet gibt es besser designete Titel.

Assassins Creed Chronicles: India ist solide Kost für all diejenigen, die vom Franchise nicht genug bekommen können und mal wieder Lust auf einen kleinen, aber feinen Arcade-Titel als Download haben.

Der Test basiert auf unserer Review-Version von Assassins Creed Chronicles: India für die Xbox. Die Screenshots wurden uns freundlicherweise vom Ubisoft-Presseserver zur Verfügung gestellt. 

Dennis

Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren.
Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.
Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.


 
Unsere Wertung
70%


Fazit
Mit Assassins Creed Chronicles: India macht ihr nichts verkehrt, aber auch nicht wirklich etwas richtig. Das Geschehen, egal ob nun Story oder Gameplay, plätschert so vor sich hin und bietet nur wenige Highlights. Großen Spielspaß, der mich den Titel unbedingt hätte weiterspielen lassen wollen, konnte ich ebenfalls nicht entdecken. Der 2,5 dimensionale Ausflug ins historische Indien geht halt in Ordnung und dürfte vor allem für Freunde des Vorgängers und Titel wie Mark of the Ninja interessant sein.