Animal Crossing: Happy Home Designer bei uns im TestAnimal Crossing: Happy Home Designer bei uns im Test
0100

Animal Crossing: Happy Home Designer bei uns im Test

Du sitzt gelangweilt auf der Arbeit und um nicht zu tief in den eigenen Gedankenstrudel über die richtige Berufswahl zu geraten, blätterst du verträumt im aktuellen IKEA-Katalog, aus dem du dir mit deiner Gehaltsstufe höchstens den karierten Lampenschirm leisten könntest und sinnierst über ein Leben als übergewichtige Innen-Einrichterin im deutschen Privatfernsehen? Dann solltest du vielleicht nicht gleich den Job wechseln, aber mal über eine Auszeit nachdenken und in der Mittagspause mit Animal Crossing: Happy Home Designer die gestresste Seele baumeln lassen. 

original

Animal Crossing steht seit jeher für die virtuelle Auszeit vor dem Bildschirm, den Urlaub vom stressigen Alltag. Ohne direktes Ziel und sonstige Vorgaben ließ uns die Simulation schon als Kleinstadt-Bewohner oder zuletzt sogar als Bürgermeister einer ganzen Gemeinde fungieren und bot dabei schier unzählige Möglichkeiten der Mitgestaltung. Im aktuellsten Hauptteil der Reihe New Leaf gilt es den Ort nach unseren Wünschen auszubauen, indem wir ordentlich Geld in die lokalen Geschäfte stecken, Blumen und Bäume anpflanzen, mit den Nachbarn interagieren, unser eigenes Haus verschönern, neue Bauprojekte planen und somit die Zufriedenheit der Gemeinde sicherstellen. Was nach harter Arbeit klingt, fühlt sich eher nach Entspannung an. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl unter Druck zu stehen oder etwas wirklich machen zu müssen. Das Spiel lässt einem hier die freie Wahl wie, wann und ob man überhaupt vorgeht. Für die richtige Portion an Wiedererkennungswert sorgt die knuddelige Optik mit ihren tierähnlichen Charakteren und die friedfertige Atmosphäre.

Was den Ablegern der Hauptreihe noch fehlte, war ein zünftiges Feature für das Einrichten von Häusern. Das ging in New Leaf mit dem eigenen Haus schon ganz gut, war aber recht kostspielig und zeitintensiv. Nachbarn hingegen mussten wir in dieser Hinsicht ihrem Schicksal überlassen und eine Tür weiter zu oft mit einem grausigen Geschmack vorlieb nehmen.

Damit nun auch dekorative Naturen auf ihre Kosten kommen, hat Nintendo das Spin-Off Happy Home Designer veröffentlicht, das die gelassene Stimmung und Entscheidungsfreiheit der Serie mitbringt, viele Möglichkeiten allerdings bereits gepfändet zu haben scheint.

Mitarbeiter des Monats

11228524_912131862202039_112390696930090892_n

Zu Beginn entscheiden wir uns für das Aussehen unseres Alter-Egos, das fortan der neue Star am Möblierungs-Himmel sein soll. Dabei gibt es nicht allzu viele Möglichkeiten den Charakter individuell zu gestalten. Lediglich Augenform und Farbe, Gesichtstyp und die Frisur wollen von uns angepasst werden. Somit bleibt der generische Look des Bewohners, der stellvertretend für die Animal Crossing-Reihe steht und unlängst Einzug in die hauseigene Riege des Smash Bros.-Kaders gehalten hat, leider erhalten. Sind wir dennoch zufrieden, geht es auch schon los und wir befinden uns im Verwaltungsbüro von ImmoNook. Der raffgierige Waschbär sieht seinen Hauptverdienst nun nicht mehr in der bloßen Außengestaltung von Häusern, sondern hat sich nun auch dessen Inneneinrichtung verschrieben. Wie jeder gute Chef geht er aber lieber Golf spielen oder hält ein Nickerchen, weshalb wir uns gleich mit dem ersten Auftrag konfrontiert sehen und unser Können unter Beweis stellen müssen. Diese Anfrage versteht sich als Tutorial und erklärt uns alle notwendigen Spielmechaniken. Aus einem unzähligen Angebot von Tapeten, Böden, Möbeln, Sanitäranlagen, Elektrogeräten, Lampen, etc. wählen wir unter Rücksichtnahme der Kundenwünsche bedacht aus und zimmern ein lauschiges Heim. Frei nach dem Prinzip der Reihe gibt es auch hier kaum Vorgaben. Lediglich die Thematik, an der wir uns orientieren sollten, gibt der Klient vor. Möbelstücke und Co. werden übrigens nach und nach passend zum aktuellen Auftrag freigeschaltet. Bevorzugt ein Kunde zum Beispiel Pünktchenmuster, müssen wir uns also nicht fürchten, dass wir noch keine Einrichtungsgegenstände in diesem Stil vorrätig haben. Neben der Leidenschaft für bestimmte Muster oder Farben geht es aber noch kreativer. Das schwarze Schaf Marion liebt Gothic über alles und möchte daher ein entsprechendes Eigenheim im Gotik-Stil. Känguru Carola hingegen benötigt ein kinderfreundliches Grundstück nebst verspielten vier Wänden für ihren Nachwuchs.

11231262_912129612202264_9063785898726074186_n

Da die Kundschaft nicht immer direkt an die Tür des Immobilien-Unternehmens klopft, müssen wir meist selbst Tätig werden und auf dem örtlichen Marktplatz ganz altmodisch für unsere Dienste werben. Potentielle Interessenten sind aber schnell gefunden, denn die stehen schon in Reih und Glied vor dem Büro und verraten uns durch eine Gedankenblase ihre Vorstellung einer perfekten Wohnlandschaft. Gefällt uns eine davon, sprechen wir die Person an und geleiten sie zur weiteren Planung in unsere Geschäftsräume. Dort äußern sie ihre Wünsche nochmal direkt, worauf wir ein vermeintlich passendes Grundstück von einer Karte auswählen. Die einzelnen Gebiete unterscheiden sich dabei thematisch voneinander. Ob einsame Insel, verregnetes Flachland, Gebirgswald oder doch lieber verträumte Frühlingswiese? Das liegt an uns und wirkt sich nicht wirklich auf die Stimmung des Kunden aus.

12140678_912130892202136_3119638720843448843_n

Der ist ohnehin relativ leicht zufriedenzustellen, denn solange wir ein paar seiner Lieblingsobjekte in das Projekt einbauen, ist alles in bester Ordnung. Nichtsdestotrotz geht es nach der bürokratischen Planung an den praktischen Teil unseres Jobs. Auf dem Grundstück angekommen, will zuerst der Außenbereich gestaltet werden. Hier wählen wir aus endlosen Designs für die Außenfassade des Hauses, einem Zaun, der Bepflanzung und so manchen Gartenmöbeln. Drinnen erwartet uns die gleiche Prozedur. Die Auswahl der Objekte erfolgt dabei über ein Menü auf dem unteren Bildschirm des Handhelds, auf dem wir übrigens auch das Grundstück, bzw. den Grundriss der Innenräume im Raster sehen. So können wir jederzeit einschätzen, ob das Sofa auch in die Ecke passt und es über den Touchscreen an den richtigen Ort verfrachten. Das geht ziemlich gut von der Hand, lediglich das navigieren in den Menüs der Möbel fällt teilweise etwas hakelig aus. Ist die Entscheidung auf ein Möbelstück gefallen, klicken wir es an und schon befindet es sich im Raum. Ob der Kunde sich darüber freut oder die Entscheidung nicht ganz in seinem Ermessen liegt, äußert dieser über ein entsprechendes Emoticon. Für Objekte, die der gewünschten Thematik entsprechen, erscheint ein Herz über seinem Kopf. Interieur, das nicht gefällt wird mit einem leichten Verwundern geäußert. Aber wie gesagt, den Auftrag erfolgreich abzuschließen erfordert kein Master-Studium in Gestaltung. Eigentlich reicht es schon völlig aus die zwei oder drei favorisierten Gegenstände, die der Klient selbst mitbringt, irgendwo im Raum zu platzieren.

happy-home-designer-july14-jp-2

Das ist halt typisch Animal Crossing. Das Spiel fordert keine Leistungen von euch, will keine Herausforderung sein und appelliert viel mehr an den eigenen Willen des Spielers. Ihr sollt hier selbst bestimmen und mit dem Ergebnis zufrieden sein. Aus dem Grund spielt auch nur der spätere Look eine Rolle. Auf Funktionalität wird keinerlei Wert gelegt. Eine Badewanne, die mit Pflanzen zugestellt und nicht erreichbar ist? Kein Problem, Hauptsache das Ding steht in der Wohnung. Ein Abschluss der Arbeiten kann jederzeit von uns initiiert werden, woraufhin wir den Bewohner in einer kleinen Sequenz in seinem neu erworbenen Anwesen herumtollen sehen. Nun befindet er sich in unserer Kartei und kann jederzeit besucht werden. Entweder um uns ein paar NPC-Standardsprüche abzuholen oder das gewählte Design zu überdenken und gegebenenfalls noch einmal zu verändern.

Weiterbilden können wir uns über das Studienbuch der schönen Häuser in den Geschäftsräumen von ImmoNook. Gegen Spielmünzen, die wir dank Schrittzähler des Nintendo 3DS verdienen, nehmen wir hier an lehrreichen Lektionen teil, die uns nicht nur mit wertvollen Tipps versorgen, sondern nach erfolgreichem Absolvieren auch mit neuen Gestaltungsmöglichkeiten belohnen. Guter Rat ist hier also nicht teuer, sondern eher athletisch. Wer sich lieber Faul auf dem Sofa wälzt und keine Münzen sein eigen nennt, muss auf das ein oder andere Feature verzichten.

Online Daheim

11214164_912129932202232_1150089427838994733_n

Da wir ja sicher nicht die einzigen sind, die sich in Animal Crossing: Happy Home Designer als Innen- und Außen-Architekten verdingen, bietet das Netzwerk der schönen Häuser einen Einblick in die Kreationen von Spielern auf der ganzen Welt. Sind wir nämlich besonders stolz auf eine Einrichtung, können wir das Werk kurzerhand hochladen und von anderen Spielern begutachten und bewerten lassen. Geben wir uns selbst als Kritiker aus, können wir die Anwesen der Kollegen in verschiedenen Kategorien bewerten und ihnen damit zu einer angemessenen Selbsteinschätzung verhelfen. Gefällt uns der jeweilige Architekt so sehr, dass wir am Liebsten nichts mehr von ihm verpassen wollen, markieren wir ihn einfach als Favorit. Die Häuser und Grundstücke sind dabei mit einem 11-stelligen Projektcode und alternativ auch mit einem QR-Code versehen, sodass einer schnellen Weiterverbreitung unter Freunden nichts im Wege steht.

Über das obere Stockwerk im Büro erreichen wir unseren privaten Bereich, der neben einer Nähmaschine für eigene Designs, einer Umkleidekabine, sowie einem Friseur auch einen weiteren Schreibtisch beherbergt, auf dem ganz unscheinbar ein virtueller Nintendo 3DS liegt, bei genauerer Betrachtung allerdings mit Zusatzaufträgen lockt. Die müssen wir vorher herunterladen und bekommen somit von Zeit zu Zeit besondere Projekte spendiert. Da hat zum Beispiel der Affe Ludwig den Wunsch eine Behausung ganz nach seinem Idol zu kreieren. Dieses Idol trägt, laut dem Primaten, immer eine rote Mütze und feiert zudem bald seinen dreißigsten Geburtstag. Da müssen wir nicht lange überlegen und wissen, dass es im folgenden Auftrag 30th Anniversary-Zimmer um ein Interieur im Super Mario Stil geht. Nehmen wir uns der Herausforderung an und basteln dem Affen eine Räumlichkeit zum Feiern im Klempner-Look, stehen uns fortan spezielle Items zur Verfügung, die wir auch in anderen Häusern verwenden können. Vom Superstern bis zum Koopa-Panzer ist da wirklich alles bei.

630x

Darüber hinaus führt Nintendo amiibo-Karten für den Titel ein, die über das amiibo-Fon verwendet werden. Einlesen könnt ihr sie entweder über die New Nintendo 3DS-Modelle oder das NFC-Lesegerät, das älteren Modellen aushilft und das Lesen der zusätzlichen Karten per Near Field Communication ermöglicht. Die haptischen Sammelkarten gibt es in jedem Elektrofachmarkt zu kaufen. Pro Packung, die drei Karten beinhaltet, wird ein Preis zwischen vier und sechs Euro verlangt. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass das Sortiment auf insgesamt drei Auflagen mit jeweils 100 Karten ausgelegt ist. Doppelte Exemplare inbegriffen. Mit den Bildchen holt ihr euch übrigens neue Bewohner ins Spiel und dürft sie darauf mit einem schicken Eigenheim beglücken. Exklusiv bleiben die Charaktere auf den Karten allerdings nicht, wir können sie auch zufällig im Spiel als Kunde gewinnen. Ein Zwang für den DLC zum Anfassen besteht also nicht. Nintendo hat uns übrigens keinerlei amiibo-Karten zur Verfügung gestellt, weshalb wir uns nicht selbst davon überzeugen konnten. Schade eigentlich.

Und sonst so?

12065744_912129402202285_963686195611548631_n

Das war es eigentlich auch schon. Zwar können wir mit fortgeschrittenem Spielstand auch den Marktplatz vor der Bürotür in Angriff nehmen und die dortigen Gebäude restaurieren, doch ändert das nicht sonderlich viel. Denn auch beim Einrichten einer Schule oder der Gestaltung eines Cafés bleibt das Prinzip immer das Gleiche und Abwechslung sucht man vergeblich. Auch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit schmerzt den geneigten Animal Crossing-Anhänger sehr. Ausschließlich in den Gebäuden und auf dem Marktplatz stolzieren wir frei umher. Alle anderen Wege werden mit dem Auto bewältigt, uns aber nur als Ladebildschirm präsentiert. In Sachen Optik hat sich im Vergleich zu New Leaf ebenfalls nicht viel getan. Die Sounds sind eingängig, aber werden schnell etwas dudelig.

Und auch sonst fühlt sich Happy Home Designer eher so an, als würde es sich als Feature in einem Hauptteil der Reihe besser anstellen, als als alleinstehendes Spin-Off. Denn auch, wenn ansonsten wieder alles stimmt, die knuffigen Charaktere und ihre Reaktionen einem unweigerlich ein Ach, wie süß entlocken und mit dem Einrichten der Häuser wirklich so etwas wie Entspannung statt Spannung aufkommt, so ist die dunkle Wolke der Eintönigkeit doch nicht weit entfernt und legt sich recht schnell über die strahlenden Gesichter der Spieler vor dem Handheld. Man darf dem Titel kein unrecht tun und sollte übrigens auch nicht versuchen alle Inhalte an einem Wochenende abzuarbeiten. Die Serie spielte sich schon immer am besten für eine knappe Stunde am Abend. Der Ableger New Leaf zum Beispiel lässt auch gar nichts anderes zu. Irgendwann sind die täglichen Aufgaben erledigt und wir müssen bis zum nächsten Tag warten bis Händler wieder neue Waren anbieten und Bauprojekte fertiggestellt sind. Was anfangs etwas befremdlich wirkt und den geneigten Dauerzocker vor ungewohnte Barrieren stellt, entpuppt sich schnell als motivierend und für die nächsten Woche oder gar Monate ist ein täglicher Blick in das eigene Domizil garantiert, wenn auch nur für eine halbe Stunde. Doch auch für die kleine tägliche Dosis fehlt es Happy Home Designer einfach an Möglichkeiten und der üblichen Abwechslung. Das Einrichten der Häuser ist liebevoll gestaltet und irgendwie verliert man sich wieder ganz schnell zwischen den knuffigen Charakteren und ihrer originellen Art. Trotzdem kann der Titel nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ihm an Tiefe und dauerhafter Abwechslung fehlt.

7467

Die Idee ist gut, die Umsetzung als Vollpreistitel eher mau. Entweder hätte man hier den Preis senken oder das umfangreiche Einrichten von Häusern in einen der Hauptableger integrieren sollen. Hier muss tatsächlich jeder selbst entscheiden, ob er von den tierischen Bewohnern nicht genug bekommt und dafür knapp 40 Euro ausgibt oder den Nintendo 3DS in diesem Fall links liegen lässt.

Denn letztendlich ist Animal Crossing: Happy Home Designer nichts weiter als das verträumte Blättern im überteuerten Möbelkatalog während der Arbeitszeit oder einer gut genährten Fernsehmoderatorin beim Einrichten der letzten Absteige über die Schulter zu blicken. Kurzzeitig spaßig, aber eben nicht das Wahre.

Dennis

Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren.
Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.
Dennis

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.


 
Unsere Wertung
74%


Fazit
Leider nicht der erhoffte Hit. Wer sich auf das eintönige Spielprinzip einlässt und von Animal Crossing sowieso nicht die Finger lassen kann, wird auch mit Happy Home Designer seinen Spaß haben. Ansonsten stimmt ja wieder alles. Knuddelige Wohlfühl-Atmosphäre und spaßiges Gameplay locken Alt und Jung vor den Handheld. Allerdings kann ich den Gedanken nicht beiseite schieben, dass uns hier ein Feature, das sich besser in einem neuen Ableger der Hauptreihe machen würde, als Vollpreistitel verkauft wird. Von den überteuerten amiibo-Karten will ich ohnehin mal absehen. Nintendos Vermarktungs- und Preispolitik entfernt sich immer weiter vom familienfreundlichen Unternehmen. Ob Happy Home Designer nun als Paradebeispiel dafür dient, sei mal dahingestellt. Jedenfalls bin ich in vielerlei Hinsicht enttäuscht von diesem Spin-Off und kann nur hartgesottenen Fans dazu raten.