Sniper 2: Ghost Warrior im Test

In „Sniper 2: Ghost Warrior“ begeben wir uns abermals als US-Scharfschütze ins Unterholz, um bösen Buben aus weiter Ferne unbemerkt das Licht auszuschalten. In drei Akten führt uns das Spiel durch Sarajevo, die Philippinen sowie Nepal. Simuliert der Nachfolger Sniper-Einsätze wirklich authentisch oder begeht es den Pfad der Call of Duty´s unter den Shootern? Die Antwort findet ihr in den nachfolgenden Zeilen.

Mit dem spärlichen Missionsbriefing vor jeder Mission halten wir uns nicht länger auf, nur so viel: die Geschichte erzählt eine 0815-Kriegsstory wie aus jedem x-beliebigen Shooter bekannt. Da geht es um Geiselnahmen, eine Biowaffe oder grundsätzlich um große Fische im Haifischbecken, welche die US Army natürlich umgehend auf die schwarze Liste setzt. Inszeniert wurde das Ganze Spektakel aber trotz austauschbarer Story durchweg solide und wartet mit einigen netten, aber vorhersehbaren Wendungen auf.

Die meiste Zeit sind wir mit dem sogenannten Spotter unterwegs, der uns netterweise die Umgebung auskundschaftet, uns sogar Ziele vorgibt und uns damit jede Menge Arbeit abnimmt. So gelingt uns ein komfortabler Einstieg in den Sniper-Titel, denn alle paar Meter weist uns der Spotter Aktionen zu. „Ducken!“, „Person X ausschalten!“, „Dort hinten ist ein Scharfschütze auf Position X!“. Dank solcher Ansagen und den klar gekennzeichneten Positionen der Feinde fühlen wir uns wie ein neuer Praktikant, der vom erfahrenen Mitarbeiter eingewiesen wird. Später sind wir zeitweise alleine unterwegs – und das sogar teilweise bei Nacht. Dann nutzen wir nicht nur unser Fernglas für das Auskundschaften von strategischen Punkten in der Umgebung, sondern sind auch auf das Nachtsichtgerät angewiesen, welches nebst Wärmebildkamera eine große Hilfe darstellt. In einigen Missionen in der zweiten Spielhälfte sind wir sogar kurzfristig ohne Scharfschützengewehr und lediglich mit einigen Patronen in unserer Pistole unterwegs. Einen Großteil des Spiels müssen wir möglichst unentdeckt bleiben, also schleichen wir uns um Wachposten statt wie wild darauf zuzustürmen. Da wir nur sehr wenige direkte Treffer vertragen, sollten man sich auch daran halten. Ansonsten gibt man flott den Löffel ab.

Letztendlich geht es in einem Sniper-Shooter natürlich um das genaue Zielen mittels Scharfschützengewehr. Dieses nutzen wir auch fast ausschließlich neben Pistole und Messer für Angriffe auf kurze Distanzen. Kenner schalten alle Zielhilfen ab, was bedeutet, dass man Windverhältnis, Position und richtiges Timing in Einklang bringen sollte, damit ein erfolgreicher Abschuss gelingt. Selbst der Herzschlag des Protagonisten spielt eine Rolle, Atem anhalten ist außerdem zumindest im schwierigsten Modus fast eine Pflichtbedingung. So stellt „Sniper 2“ schnell eine wirkliche Herausforderung dar, was für die Schwierigkeitsgrade mit aktivierten Zielhilfen nicht wirklich der Fall ist. Dann nämlich sehen wir einen roten Punkt durch unser Visier, das uns verrät, wo die Kugel unter aktuellen Wind- und Wetterverhältnissen einschlagen wird. Diese grundlegende Hilfe plus die strikten Vorgaben des Spotters ergeben schnell ein zu einfaches Spielerlebnis, sofern man nicht alle Hilfen deaktiviert.

Trotzdem bringt der Nachfolger durchgehend Spannung ein. Transportiert wird das durch die schicke Cryengine von Crytec, die teils zauberhafte Aussichten und Panoramen auf den Bildschirm wirft. Unterschiedliche Tageszeiten tragen auch einen Teil zum guten optischen Eindruck bei. An Crysis 3 kommt das Spiel optisch aber nicht heran.

„Sniper 2: Ghost Warrior“ hebt sich wohltuend vom sonstigen Shooter-Einerlei ab und bietet nicht nur Dauerfeuer-Schießbuden-Geballer, sondern erfordert leises und taktisches Vorgehen.
Innerhalb der drei Akte dürfen wir an insgesamt 5 Präzisionsgewehre Hand anlegen (XM500, M200 Intervention, M24, MSR und P220). Leider besteht vor der Mission keine Möglichkeit zur Auswahl seiner Wunschwaffe, wir bekommen sie einfach ohne jegliche Einführung oder Beschreibung in die Hand gedrückt. Schade, denn eigentlich liegt doch ein so großes Augenmerk auf den kompromisslosen Schießprügeln und deren Durchschlagskraft. Immerhin belohnt uns der Entwickler mit einer Geschoss-Kamera, die das Projektil in Bullet-Time bis zum meist ahnungslosen Feind verfolgt.

Fazit:

Ein Spiel wie „Sniper 2: Ghost Warrior“ habe ich mir schon länger gewünscht. Endlich wird nicht nur wie in allen Mainstream-Shootern wie wild um sich geballert, sondern taktisch vorgegangen. Ohne Zielhilfen schafft es der Titel seine Faszination zu entfalten. Auf weite Distanzen sein Ziel im Auge haben, Wetterverhältnisse berechnen, Atem anhalten – abdrücken. Spielerisch überzeugt mich der Titel trotz vieler Vorgaben meines Spotters und des Spieldesigns, oft gleichen Abläufen sowie schwächelnder KI. Was allerdings ein Witz ist: die Spielzeit von knapp 5 Stunden. Daher empfehle ich erst einen Kauf bei einem Budget-Preis.

Wertung:

Gut

Freier Redakteur/in

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