Playerunknown’s Battlegrounds (Xbox One) bei uns im Preview

Unser Preview zum Battle Royale-Shooter mit Nervenkitzel-Garantie

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Playerunknown’s Battlegrounds erzählt die besten Geschichten

Mein Teamkamerad und ich sitzen geduckt unter dem schützenden Schatten eines Baumes. Die blaue Wand hinter uns kommt immer näher, doch das freie Feld vor unseren Augen bietet ebenfalls genügend Gefahren, die den sicheren Tod bedeuten. Unter Zeitdruck diskutieren wir angeregt unser weiteres Vorgehen, bis wir plötzlich verstummen. Ein Motorengeräusch kommt aus der Ferne immer weiter auf uns zu. Ehrfürchtig senken wir die Köpfe noch ein kleines bisschen weiter und fangen an zu flüstern. Wie aus dem Nichts hält der Jeep nur ein paar Meter von unserer Position entfernt an. Die Insassen stürmen heraus und eröffnen das Feuer auf eine Gruppe, die wir bisher gar nicht bemerkt hatten. Das ist unsere Chance! Todesmutig stürmen wir nach vorne, aus unserem Versteck heraus. Völlig unbemerkt gelangen wir zum Fahrzeug, steigen hastig ein und düsen davon, während die vermeintlichen Besitzer verdutzt zurück bleiben und wegen ihrer Unachtsamkeit nun selbst zu Opfern ihres stürmischen Angriffs werden.

Wir lachen laut auf. Freuen uns wie Kinder, die dem Oberfiesling der Schule sein teuerstes Spielzeug klauen, ohne dabei von ihm erwischt und wahrscheinlich verprügelt zu werden. Euphorisch setzen wir unsere Reise fort und halten bei einem scheinbar verlassenen Haus, um die Vorräte aufzustocken. Gemeinsam gehen wir beide Stockwerke ab und teilen dabei brüderlich. Bevor ich nochmal kichernd an den Autodiebstahl erinnern kann, durchdringt das Geräusch eines startenden Motors unsere Ohren. Wir eilen zu den Fenstern und erblicken den Jeep nur noch in Modellautogröße am Horizont. Verdammt! Zwietracht macht sich breit – wolltest du nicht auf das Fahrzeug aufpassen, wenn ich oben nach Waffen suche? Zu Fuß geht es deprimiert weiter. Im schnellen Schritt, die blaue Wand stets im Nacken.

Schon wieder dieses Motorenbrummen. Blitzartig drehen wir uns um und erblicken den Jeep. Viel zu schnell, viel zu nah. Noch bevor wir reagieren können, erwischt es meinen Teamkameraden. Das sind die Typen von vorhin, denke ich, und renne einfach los. Alleine und auf der Flucht. Vom Jäger zum Gejagten. Das Klacken von sich schließenden Autotüren verrät mir, dass die anderen ihre Verfolgung wieder aufnehmen und kein Erbarmen zeigen werden. Völlig durch den Wind erreiche ich das nächste Haus, stürme hinein und wäge mich in Sicherheit. Die Panik vernebelt meinen Blick und ich sehe die schwarzen Fußabdrücke auf dem Boden nicht, höre nicht das Trappeln fest geschnürter Stiefel im oberen Stock. Das Auto scheint nun nicht mehr weit entfernt. Unbewaffnet, aber mit dem festen Willen zu überleben, renne ich die Treppe hoch. Oben angekommen stoße ich die Tür zum Badezimmer auf, für einen klaren Gedanken ist einfach kein Platz. Da schaue ich ihm direkt in die Augen. Ich weiß nicht, wer diese Person ist. Aber sie entscheidet im nächsten Sekundenbruchteil über mein Ableben. Erschrocken, ohnmächtig zu handeln und mit schweren Gedanken an all den Aufwand der letzten Minuten blicke ich in den Lauf einer Shotgun. Kein Wort dieser Welt passt in diesen kurzen Augenblick, aber tausend Gedanken. Game Over. Willkommen bei Playerunknown’s Battlegrounds!

Mehr als 2, 5 Millionen gleichzeitig aktive Spieler pro Tag sprechen eine deutliche Sprache. Seit Release im Frühjahr 2017 für den PC, konnte der Multiplayer-Überraschungshit Playerunknown’s Battlegrounds – kurz PUBG – so einige Erfolge verbuchen und sich auf Platz 1 der Steam-Verkaufscharts einnisten. Kein Wunder also, dass Entwickler Bluehole nun auch eine Konsolenversion in Angriff nimmt. Während die Playstation 4 noch geduldig auf eine Portierung warten muss, dürfen sich Besitzer einer Xbox One im Rahmen der Xbox Game Preview bereits in die nervenaufreibenden Schlachten stürzen.

Doch seid gewarnt, in der aktuellen Version 0.5.24 ist PUBG alles andere als ein fertiges Spiel. Dementsprechend bezieht sich dieser Test auch rein auf die Preview-Version des Titels. Sobald Playerunknown’s Battlegrounds ein Upgrade zur fertigen, hoffentlich fehlerfreien Vollversion erhält, reichen wir einen gesonderten Test nach.

Mein Freund, der Zufall

Playerunknown’s Battlegrounds versteht sich als reiner Multiplayer-Shooter im Battle Royale-Stil. Ohne geschichtlichen Hintergrund oder lange Erklärungen, landen wir auf einer weitläufigen Insel und kämpfen dort als einer von 100 Spielern ums nackte Überleben. Wer am Ende nicht erschossen, erschlagen oder gar überfahren wurde, gilt als alleiniger Sieger. Doch bis dahin ist es ein langer, meist sehr mühevoller Weg, der nicht selten abrupt endet.

Nach dem gewagten Absprung aus einem Flugzeug ist also erstmal hektisches Absuchen der Umgebung angesagt, denn Waffen und andere Ausrüstung müssen wir zum Start jeder Runde neu aufspüren. Permanentes Equipment gibt es in PUBG nicht und alle Gegenstände werden mit jedem Match unterschiedlich auf der Karte verteilt – so erhalten alle Spieler stets die gleichen Chancen.

Außerdem gibt uns das Spiel jederzeit ein bestimmtes Gebiet vor, in dem wir uns aufhalten müssen. Zu Beginn einer Runde ist dieser durch einen Kreis begrenzte Bereich noch relativ groß, mit der Zeit wird er aber immer kleiner. Einfach irgendwo verschanzen und auf den faulen Sieg hoffen ist also keine Option, denn dann erwischt uns irgendwann ein blaues Kraftfeld, wodurch wir zunehmend Schaden erleiden. Daraus entsteht eine tolle Dynamik, die alle Spieler zur Bewegung zwingt. Wo sich dieser Kreis befindet und wohin es uns letztlich verschlägt, wird komplett dem Zufall überlassen. Ebenso ist die Route des Flugzeugs, aus dem wir zu Beginn einer Runde abspringen, jedes mal eine andere. So werden die Karten immer wieder neu gemischt, kein Match gleicht dem anderen.

Alle haben Angst

Diese Abwechslung verdanken wir aber nicht nur der zufallsgenerierten Loot-Mechanik oder den alternativen Spawnpunkten, natürlich sind auch unsere Gegenspieler schuld an dieser Dynamik. Selbst die beste Ausrüstung, in Form von Helmen, Schutzwesten, Sturmgewehren und etlichen Waffenaufsätzen, gibt uns keine Garantie auf den Sieg. Jede Situation spielt sich komplett unterschiedlich und ein vermeintlich gut geplanter Angriff gegen andere Spieler, kann schnell in eine Niederlage umschlagen. Man weiß einfach nie, was als nächstes passieren wird, wo der nächste Spieler steckt. Werde ich vielleicht schon längst beobachtet und buchstäblich ins Fadenkreuz genommen? Aus welcher Richtung kommen diese Laufgeräusche?

PUBG lebt von dieser Ungewissheit und verwandelt sie gekonnt in ein zentrales Spielelement. Es ist interessant zu sehen, was diese Paranoia mit uns anstellt, denn der Grad zwischen Jäger und Gejagtem, Freude und Frustration ist hier nur ein sehr schmaler.

Zumindest müssen wir nicht unbedingt alleine losziehen. Wahlweise lässt sich nämlich auch ein Duo oder Squad erstellen, für das wir Freunde und sogar fremde Spieler rekrutieren dürfen. Auch in diesem Bereich hat Playerunknown’s Battlegrounds seine Mehrspieler-Hausaufgaben gemacht, denn das Matchmaking fällt immer so aus, dass absolute Chancengleichheit besteht. Ein Squad tritt also immer nur gegen andere Squads an und sind wir doch mal wieder alleine unterwegs, treffen wir dabei ausschließlich auf Solokrieger. Wer mitten im Spiel rausfliegt, kann übrigens relativ schnell wieder nachjoinen. Das ist auch bitter nötig, denn PUBG läuft momentan noch nicht wirklich rund.

Ein technisches Debakel

Jetzt mal ganz im Ernst. Playerunknown’s Battlegrounds sieht auf der Xbox One S teilweise aus, wie GTA: San Andreas auf der Playstation 2. Daran ist nur leider nicht Microsofts Konsole, sondern die verdammt schlechte Portierung des Spiels schuld. Zweckmäßige Grafik für einen Multiplayer-Shooter hin oder her, was Playerunknown’s Battlegrounds hier abliefert, ist nur schwer zu verdauen. Verwaschene Texturen, Kantenflimmern und die grausame Weitsicht trüben den Spielspaß doch ungemein. Dazu ruckelt es gerne mal und die Framerate wandert regelmäßig in die dunkelsten Kellerecken.

Vor allem nach unserer Landung auf der Insel dauert es oft einige Sekunden, bis die begehbaren Häuser überhaupt geladen werden. Vorher blicken wir auf klumpige Matschberge und verlieren dadurch wertvolle Zeit, in der wir eigentlich schon die ein oder andere Waffe hätten einheimsen können. Ansonsten gibt es die üblichen Lags und Serverprobleme. Wie bereits weiter oben erwähnt, dürfen wir relativ schnell wieder in die Schlacht zurückkehren, nervig bleiben die ständigen Abstürze aber trotzdem. Während unserer mehrstündigen Testphase kam es beim Fahren von Vehikeln auffällig oft zu Abbrüchen oder Freezes.

Die Xbox One X bekommt diese Probleme auch nicht unbedingt besser in den Griff. Stabile 30 Frames pro Sekunde werden nur selten erreicht, in einigen Situationen fällt die Bildrate auch schon mal unter 15 FPS. Zwar zaubert die X deutlich mehr Details auf den Bildschirm und die Weitsicht fällt etwas besser aus, wirklich würdig scheint PUBG dem Xbox One X Enhanced-Zusatz aber nicht zu sein.

Dafür gelingt es dem Sound aber wieder, den Titel auf ein gewisses Niveau zu heben. Selbstverständlich haben sich auch hier ein paar Fehler und Bugs eingeschlichen, ansonsten klingt der Shooter aber bereits ganz gut. Wie bei Rainbow Six Siege, empfehlen wir zum Spielen von Playerunknown’s Battlegrounds den Einsatz von Kopfhörern. So nehmen wir das Geschehen auch in einer akustischen 360 Grad-Perspektive wahr und können uns dadurch viele taktische Vorteile verschaffen.

Controller-Krampf

Wer hätte es gedacht, mit dem Controller spielt sich PUBG ziemlich gewöhnungsbedürftig. Die Belegung der Tasten wirkt nicht immer ganz nachvollziehbar und die Steuerung braucht einiges an Zeit, bis sie wirklich in Fleisch und Blut übergeht – zum Zielen durch Visiere oder über Iron Sights müssen wir beispielsweise zwei mal schnell hintereinander den linken Trigger betätigen, was sich äußerst umständlich anfühlt. Davon ist natürlich auch maßgeblich das Gunplay betroffen, das sich dadurch ebenfalls etwas schwammig anfühlt. Übung macht wie immer den Meister, doch Playerunknown’s Battlegrounds bietet kein Tutorial oder ähnliche Vorbereitungen. Do or die, lautet die Devise und das führt anfangs häufig zu Frust.

Wie nicht anders zu erwarten, ist davon auch das Menü betroffen. Während PC-Spieler in Sekundenschnelle Aufsätze per Drag & Drop an ihren Waffen montieren, nimmt die Bastelei auf der Xbox One wesentlich mehr Zeit in Anspruch. Das Aufsammeln von Loot klappt hier schon ganz gut, die manuelle Anordnung im Inventar dauert aber viel zu lange und macht uns so zur leichten Beute für andere Spieler.

Fans der Ego-Ansicht und der Third-Person-Perspektive kommen übrigens gleichermaßen auf ihre Kosten. Wir dürfen nämlich jederzeit zwischen den beiden Ansichten wechseln. Dass das den ein oder anderen Vor-, bzw. Nachteil mit sich bringt, hat man für die Konsolenversion von PUBG anscheinend noch nicht bedacht. Auf dem PC hingegen, finden bereits getrennte Partien zwischen Egoshootern und Third-Person-Söldnern statt.

In developement we trust!

Auch wenn die letzten Absätze nicht gerade für den Kauf von Playerunknown’s Battlegrounds in seinem derzeitigen Zustand sprechen, dürfen wir doch weiterhin auf ständige Verbesserungen des Titels vertrauen. Schließlich hat die PC-Version schon unter Beweis gestellt, was dem Spiel noch alles für Möglichkeiten offen stehen. Wenn Entwickler Bluehole hier genauso auf die Community hört und ihren eigenen Ansprüchen treu bleibt, steht uns mit PUBG auch auf der Xbox One ein hervorragender Multiplayer-Shooter bevor, der trotz vermeintlich geringem Umfang so schnell nicht langweilig wird. Trotzdem bleibt der fade Beigeschmack, dass Microsoft den Titel etwas zu eilig auf den Markt bringen wollte, um damit die eigenen Defizite im aktuellen Weihnachtsgeschäft zu überdecken.

Von Mikrotransaktionen bleibt PUBG übrigens weitestgehend verschont. Neben dem unbezahlbaren Glücksgefühl, gibt es zwar auch eine Ingamewährung, die uns für Kills und möglichst langes Überleben belohnt, kaufen lassen sich damit aber nur kosmetische Items. Die Kosten der Lootboxen erhöhen sich nach jedem Kauf, werden aber jede Woche zurückgesetzt, um dem umstrittenen Handel von T-Shirts, Mützen und Co. zu horrenden Preisen im Netz einen Riegel vorzuschieben.

Fazit

Technisch macht PUBG derzeit keinen besonders hochwertigen Eindruck und es bleibt das bittere Gefühl, dass der Titel noch ein klein wenig mehr Zeit gebraucht hätte, um das Licht der Konsolenwelt zu erblicken. Denn selbst als Game-Preview fühlt sich Playerunknown’s Battlegrounds stellenweise noch viel zu unausgegoren an. Was letztlich aber wirklich überzeugt, ist das geniale Spielprinzip. Besser als im Einleitungstext kann ich dieses Gefühl der Spannung sicher nicht mehr beschreiben, selten haben sich die Emotionen so schnell abgewechselt. Wer 30 Euro in einen Multiplayer-Shooter mit Nervenkitzel-Garantie investieren möchte, der noch mitten in der Entwicklung steckt, aber schon jede Menge Spaß verspricht, darf bei PUBG gerne zugreifen.

Playerunknown’s Battlegrounds ist seit dem 12. Dezember 2017 als Preview-Version für die Xbox One erhältlich. Für ca. 30 Euro dürft ihr den Titel aus dem Store herunterladen oder eine Box im Laden kaufen, die allerdings nur einen Code für das Spiel und keine Disk enthält.

Der Test und alle Screenshots basieren auf unserer Xbox One-Testversion von Playerunknown’s Battlegrounds, die uns freundlicherweise von Microsoft zur Verfügung gestellt wurde.