Oxenfree (Nintendo Switch) bei uns im Test

Teenies und Geister! Immer eine gute Kombination, auch auf der Nintendo Switch.

Zugegeben, ein paar Jahre hat Oxenfree mittlerweile ja schon auf dem Buckel. Erstmals im Januar 2016 auf Steam veröffentlicht, folgten schon bald entsprechende Portierungen für Xbox One und die Playstation 4. Den goldenen Abschluss bildete dann die Nintendo Switch-Version, die im Oktober 2017 den Sprung auf die portable Konsole schaffte. Nicht mehr taufrisch, aber ziemlich zeitlos: Unser Test zum Indie-Adventure Oxenfree auf der Nintendo Switch.

Malerisches Panorama. An den Umgebungshintergründen können wir uns kaum sattsehen.

Paranormale Party

Als Teenager eine wilde Partynacht auf einer einsamen Insel zu verbringen, ist ja bekanntermaßen nie so ganz einfach. Denn wenn die pubertären Protagonisten in Filmen und Videospielen nicht gerade vor irgendwelchen Serienkillern davonlaufen, dann sind es eben, wie im Fall von Oxenfree, Geister, die der unreinen Haut ans Leder wollen.

So erwischt es auch Heldin Alex und ihre vier Freunde in Feierlaune, die auf Edward Island ein paranormales Phänomen auslösen und statt guter Musik, nun geisterhafte Stimmen hören. Um diesem sich immer weiter zuspitzenden Albtraum zu entkommen, erkunden wir die gesamte Insel und lernen dabei nicht nur mehr über die mysteriösen Geschehnisse, sondern auch die junge Truppe besser kennen.

Abseits vom perfekt inszenierten Grusel, spielen soziale Interaktionen nämlich eine enorm wichtige Rolle. In jedem der zahlreichen Dialoge haben wir die Möglichkeit, entweder mit einer freundlichen, sarkastischen oder gar patzigen Antwort zu reagieren. So vertiefen wir Freundschaften oder beenden den Bund für immer, was zum Teil großen Einfluss auf den weiteren Spielverlauf und die alternativen Enden nimmt. Aber auch das Thema Liebe kommt nicht zu kurz, denn obwohl Oxenfree einen starken Fokus auf das Erzählen einer gruseligen Geschichte legt, schleichen sich auch immer wieder ein paar interessante Coming-of-Age Aspekte in die Unterhaltungen.

Verständnisvoll oder offensiv? Die Wahl unserer Worte beeinflusst das Geschehen zu jeder Zeit.

Schauriger Sound

Damit die Mischung aus Teeny-Drama und Geisterstory besonders glaubhaft klingt, hat Entwickler Night School Studio extra einige Sprecher aus bekannten Telltale Games-Spielen engagiert, die allesamt wirklich gute Arbeit leisten. Englischkenntnisse vorausgesetzt, denn auch auf der Nintendo Switch erscheint Oxenfree nicht in deutscher Sprachausgabe oder mit deutschen Texten.

Und während die Unterhaltungen zwischen den Teenagern gerne mal für ein Schmunzeln sorgen, aber mindestens genauso oft zum Nachdenken anregen, schafft der Sound des Spiels das genaue Gegenteil und jagt uns regelmäßig einen richtigen Schrecken ein. Dafür braucht es keine billigen Jumpscares oder ähnliches, Oxenfree schleicht sich viel lieber langsam in unseren Kopf und setzt sich dort mit schaurigem Sounddesign und verstörend-verzerrten Stimmen fest.

Fans von Geister-Horror Filmen der 80er-Jahre werden sich sofort heimisch fühlen und übrigens auch den VHS-Stil zu schätzen wissen, der sich während der obskuren Begegnungen immer wieder bedrohlich über den Bildschirm legt und damit einen perfekten Kontrast zum sonst eher friedlichen Aquarell-Look bildet.

Statt eine der drei Antwortmöglichkeiten zu wählen, können wir uns auch einfach enthalten und schweigen.

 

Erzählerisch und optisch spielt Oxenfree ganz oben in der Adventure-Liga, spielerisch sieht es dagegen, Genre-bedingt, etwas mau aus. Mehr als herumlaufen, Dialoge führen und an einem kleinen Taschenradio drehen, um Türen zu öffnen oder Geister zu kontaktieren, machen wir eigentlich nicht. Dazu kommt nerviges Backtracking, indem wir bestimmte Gebiete immer wieder bereisen. Die relativ kurze Spielzeit von knapp vier Stunden schreckt ebenfalls erstmal ab, doch um all die Fragen, die sich im Laufe der Story häufen, zu beantworten, braucht es mindestens drei Durchgänge. Zum Glück fühlt sich das auch überhaupt nicht repetitiv an, denn aufgrund der cleveren Multiple-Choice-Dialoge eröffnen sich jedes mal neue Pfade, die uns zuvor verschlossen blieben – im übertragenen Sinne und wortwörtlich. Sammelobjekte sind zwar optional, sollten aber dennoch nicht übersehen werden. Ob Fotos oder kleine Notizen, alles gehört zum großen Puzzle, das Oxenfree uns nur langsam, aber dafür umso ambitionierter zusammensetzen lässt.


Oxenfree ist seit dem 6. Oktober 2017 für die Nintendo Switch erhältlich. Ihr könnt den Titel für 19,99 € ausschließlich digital erwerben.

Der Test basiert auf unserer Testversion von Oxenfree, die uns freundlicherweise von Entwickler Night School Studio zur Verfügung gestellt wurde. Screenshots stammen von Nintendo.de.

 

88%

Gruseln im Garten...

Auch auf der Nintendo Switch überzeugt uns Oxenfree voll und ganz. Mit spannender Story, sympathischen Charakteren und ausgeklügeltem Dialogsystem, reicht das Adventure von Night School Studio Genre-Kollegen locker das Wasser, sticht dabei aber auch mit eigenen Ideen und unverwechselbarer Präsentation hervor. Systembedingte Vorteile bleiben zwar minimal, den Titel jetzt aber auch im Garten oder mit Grusel-Garantie unter der eigenen Bettdecke zocken zu dürfen, ist schon ein echter Kaufgrund.

  • Grafik 90%
  • Sound 100%
  • Umfang 80%
  • Story/Atmosphäre 90%
  • Steuerung 80%

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.