Omerta – City of Gangsters im Test

Amerika! Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Hier fließt das Geld und der Alkohol in Strömen. Mein Name ist Alfonso, Alfonso D’Angelo aus Sizilien und ich betrete amerikanischen Boden, um mein Glück in der Fremde zu suchen. Bereits früh erkenne ich, wie die Dinge hier laufen. Gemeinsam mit meinen Kumpels steige ich in das Alkoholgeschäft ein, produziere in eigenen Brauereien billiges Bier und liefere Schnaps an zwielichtige Flüsterkneipen. Konnten wir zu Beginn noch ungestört unseren Angelegenheiten nachgehen, trafen wir schon bald auf die ersten Störenfriede, die es nicht gern sahen, wie unser Einfluss in Atlantic City weiter wuchs. Uns blieb keine andere Wahl als unsere Waffen zu zücken, nachzuladen und den anderen Gangstern zu zeigen, wer hier der Boss im Distrikt ist. Auf dass niemand mehr wagen würde, Alfonso D’Angelo den Verbrecherthron streitig zu machen.

Welcome in the City

Schon häufig ist das Amerika des 19. Jahrhunderts Schauplatz finsterer Mafia-Adaptionen, sodass auch Kalypso auf die altbewährte Szenerie zurückgreift, um Omerta – City of Gangsters einen gebührenden Hintergrund zu spendieren. Atlantic City ist die Stadt, in die es uns verschlägt und in der wir versuchen Fuß zu fassen. Doch zuvor müssen wir einen entsprechenden Charakter erstellen, mit dem wir unser Verbrecher-Imperium errichten können. Bislang eigentlich nur aus Rollenspielen bekannt, stellt uns das Spiel zu Beginn einige Fragen bezüglich unserer Herkunft und unseren Taten. Je nach Antwort erhalten wir zusätzliche Attributsteigerungen und können so unseren Mafia-Boss individuell ausrichten. Während “Muskeln” unsere Nahkampfstärke beeinflusst, verbessert ein hoher Gewandtheits-Wert unseren Umgang mit Feuerwaffen aller Art. Hinzu kommen Attribute, die zum Beispiel unsere Initiative im Kampf steigern oder uns mehr Gesundheit spendieren. Noch ein Name und ein Portraitbild ausgewählt und wir können mit unserer Gangster-Karriere starten.

Erste Schritte

Eine Karte von Atlantic City informiert uns darüber, in welchen Distrikten wir derzeit neue Missionen absolvieren können. Am Anfang steht uns nur ein Distrikt zur Verfügung, welches auch direkt als Tutorial dient. Wir bekommen erläutert, wie wir neue Ortschaften des Distrikts aufdecken können, wie wir Kneipen plündern oder aufkaufen oder wie wir Geschäftsräume und kleine Läden zu potentiellen Gedlquellen umbauen. Dabei bleibt das Spielprinzip von Mission zu Mission gleich. Ausgangspunkt ist unser Versteck von dem aus wir unsere Aktivitäten planen. Um mehr Möglichkeiten zu erhalten, müssen wir uns mit Informanten auseinandersetzen, die auf der Karte in Form von Fragezeichen dargestellt werden. Wenn wir diesen gesprächseligen Gesellen nun einen kleinen Obolus spendieren und sie mit einer gewissen Menge Bier versorgen, erhalten wir Zugang zu neuen Ortschaften im Distrikt.

Mehr Ortschaften bedeutet auch neue Möglichkeiten, um an mehr Geld zu kommen. Allerdings ist hierbei zwischen dreckigem Geld und sauberem Geld zu unterscheiden. Während wir mit dreckigem Geld so gut wie alle Transaktionen durchführen können, benötigen wir sauberes Geld, um zum Beispiel ganze Grundstücke zu erwerben. Haben wir grad keine sauberen Scheine zur Hand, können wir dreckiges Geld auch waschen lassen. Potentielle Einnahmequellen sind mannigfaltig. So können wir mit Politikern einen Schwindel organisieren, einen Box-Club betreiben, einen Schmugglerring hochziehen oder kleinere Kampfmissionen erledigen. Sofern die Kampfmissionen nicht zur Story gehören, sind diese optional und wir können selbst entscheiden, wie wir das dringend benötige Geld scheffeln. Eine weitere Möglichkeit an Geld zu bekommen, ist das erledigen von Jobs.

Lieblose Jobs

Neben den Tätigkeiten im Distrikt selber, bieten auch viele Personen Jobs an, wobei immer wieder welche verschwinden und dafür neue auftauchen. Freuten wir uns bereits auf abwechslungsreiche Nebenmissionen, mussten wir leider enttäuscht feststellen, dass es sich hier lediglich um lieblos gestaltete Kauf-, Verkauf- und Tausch-Jobs handelt. So bieten zum Beispiel zwielichtige Personen Bier, Schnaps und Waffen oder eine professionelle Geldwäsche an. Natürlich sind die Jobs eine probate Methode, um dreckiges bzw. sauberes Geld zu generieren, allerdings bleibt der Einfallsreichtum bereits nach den ersten drei Jobs auf der Strecke. Gleiche Personen tauchen immer wieder auf und die Jobtexte sind auch immer die selben (so scheint ein Gangster wohl immer wieder die gleichen Typen zu verprügeln – die Armen). Daher ertappen wir uns schnell dabei, wie wir die Jobbeschreibungen schnell wegklicken und lediglich darauf warten, dass wir das Geld erhalten.

Alfonso und seine tollkühne Crew

Alfonso (das ist der Name, den wir für den Test ausgewählt hatten) muss nicht alleine gegen die amerikanische Unterwelt und die das Gesetz vertretende Polizei antreten. Im Laufe der Missionen erhält er Zugriff auf neue Gang-Mitglieder, die jeweils unterschiedliche Fähigkeiten und Talente aufweisen. So sind sie entweder besonder geübt im Umgang mit Feuerwaffen oder sie bevorzugen doch lieber den Nahkampf. Jede Mission bietet verschiedene Belohnungen an, unter anderem die Erweiterung der Ganggröße, einen Stufenanstieg oder den Zugang zu neuen Anwärtern. Bei einem Stufenanstieg können wir jedem Mitglied neue Talente zuweisen, die ihn stärker, ausdauernder oder gewandter machen oder seine kritische Trefferchance erhöhen. Das Rollenspielelemnt ist zwar nicht sonderlich komplex, sorgt jedoch für ein wenig Abwechslung und und ringt vom Spieler eine taktische Planung ab, da die Fähigkeiten der einzelnen Gang-Mitglieder essentiell für den Erolg im Kampf sind.

The good old Fallout

Beim ersten Kampf fühlten wir uns sofort an das Kampfsystem des ersten Fallouts erinnert. Während wir also unsere Mitglieder für den Kampf auswählen, entscheiden Aktions- und Bewegungspunkte darüber, wie wir im Getümmel agieren können. Je nach Charakter und Bewaffnung stehen uns mehrere Fähigkeiten zur Verfügung, die wir im Kampf einsetzen können. So haben wir die Möglichkeit, unseren Feinden blutende Wunden zu bereiten, woraufhin diese in jeder Runde ein wenig Lebensenergie verlieren. Oder wir verkrüppeln sie mit einem Schuss und verringern so die Anzahl ihrer Bewegungspunkte. Jeder Gangster hat zudem eine spezielle Fähigkeit, die nur er einsetzen kann. Alfonso kann zum Beispiel den Zweiten Frühling wirken, woraufhin sich die Hälfte seiner Gesundheitspunkte wiederherstellt, die er in der letzten Runde verloren hat. Squigs kann dagegen die Verteidigungshaltung einnehmen und so den Schaden, den in der aktuellen Runde erleidet, reduzieren. Eine Initiativ-Leiste im oberen Bildschirmbereich zeigt an, wer wann agieren darf und unterstützt damit eine taktische Planung des Kampfes.

Die Areale werden von Mission zu Mission umfangreicher und bergen somit auch neue Deckungsmöglichkeiten für das eigene Team. Denn es ist unseren Gang-Mitgliedern möglich, hinter Kisten und Autos Stellung zu beziehen, um einen Bonus auf ihre Verteidigung zu erhalten. Das können und machen die Feinde natürlich auch. Aufgrund des Stop&Go-Prinzips des Systems kommt nie Hektik auf und wir können jederzeit in Ruhe planen, wie wir weiter vorgehen möchten.

Herr über den Distrikt

Verbrecherboss, das ist unser Ziel. Doch wir fühlen uns nicht so, als würde der Weg auch zum Ziel führen. Jede Mission beginnt in einem neuen Distrikt. In jeder Mission haben wir ein gewisses Startkapital zur Verfügung, um Geschäftsräume und Läden zu kaufen. Jede Mision lässt uns somit wieder bei Null anfangen. Die zuvor erreichten Zielen scheinen negiert und auch die Übersichtskarte lässt nicht vermuten, dass wir uns bereits erfolgreichen in einem Distrikt etablieren konnten. Wir vermissen daher wenigstens eine grafische Darstellung wie zum Beispiel bei Command&Conquer, die uns über unseren derzeitigen Fortschritt aufklärt. So fühlen wir uns jederzeit wie ein kleiner Fisch, wären da nicht die erhöhten Polizeipräsenzen oder die Verbrecherbosse, die sich durch unsere Anwesenheit gestört fühlen.

Zudem wirkt jeder Distrikt wie ein Recycling des vorherigen Gebiets. Die Gebäude scheinen alle vom selben Architekt errichtet worden zu sein. Besonders enttäuscht sind wir vom Design der selbst errichteten Läden, welches eigentlich gar nicht vorhanden ist. Kleines Beispiel gefällig? In der Nähe unseres Verstecks scheint es einen Geschäftsraum zu geben, der zum Verkauf steht. Aktuell ist dort wahrscheinlich ein Mechaniker zu Hause, da regelmäßig private Autos rein und wieder raus fahren. Wir kaufen also das Gebäude und eröffnen eine Brauerei. Nach der Eröffnung staunen wir nicht schlecht, dass sich nichts an dem Gebäude verändert hat, was an eine Brauerei erinnert. Stattdessen fahren weiterhin munter die Wagen rein und raus. Wenigstens gibt es die Leertaste über die wir zwischen unseren Geschäften hin und her wechseln können, sonst würden wir sehr schnell den Überblick verlieren.

Grafisch ist Omerta – City of Gangsters nicht unbedingt ein Augenschmaus, auch wenn der niederprasselnde Regen einen hübschen Effekt darstellt. Menschen, Wagen und Gebäude sehen fast alle gleich und unterscheiden sich nur durch andere Farbpaletten. Lediglich die Kampfmissionen sind von der Umgebung her etwas detaillierter. Man merkt deutlich, dass die Grafk hier wohl Mittel zum Zweck ist.

Fazit

Omerta – City of Gangsters ist beileibe kein schlechtes Spiel, rechtfertigt aber nicht den Kauf zum Vollpreis. Dafür ist das Konzept zu unausgereift. Wir fühlen uns nicht wie ein Gangster, sondern eher wie eine Eintagsfliege, die mal in jedem Distrikt ihre Eier legen möchte. Auch die Story weiß nicht zu überzeugen, da sie ausgelutschter nicht hätte sein können. Ehrlich gesagt nervt uns langsam aber sicher der immer gleiche Schmarn über Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Doch unter den ganzen negativen Aspekten, schimmert leicht ein wenig Hoffnung auf. Denn Omerta – City of Gangsters macht wenigsten ansatzweise Spaß. So beschäftigen wir uns ausgiebig mit den Fähigkeiten und Talenten unserer Gang-Mitglieder, um die passende Kombination für den Kampf auszuwählen. Sollten wir während eines Kampfes trotz sorgfältiger Planung scheitern, macht es Freude, neue Wege und Deckungen zu nutzen, um diesmal erfolgreich aus der Partie zu gehen. Die Ansätze sind da, doch das gesamte Konzept enttäuscht. Da wäre mehr drin gewesen Kalypso, vor allem für einen Vollpreistitel.

Wertung

Ausreichend

Markus

Markus

Chefredakteur bei Markus Biering Verlag
Chefredakteur, Inhaber MB Verlag, erster Ansprechpartner und Gründer von Games-Mag
Markus

Chefredakteur, Inhaber MB Verlag, erster Ansprechpartner und Gründer von Games-Mag

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