Filmkritik: Der Hobbit – eine unerwartete Reise (Hobbit-Woche)

 
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Vorsicht, dieser Artikel könnte Spoiler enthalten (auch wenn ich mich bemühe nicht zu viel zu verraten) und ich plane nun wirklich nicht, irgendjemandem das Filmerlebnis zu vermiesen.

Ich bin ein kleiner Nerd. Zwar nicht bei vielen Dingen – und ich wage es auch überhaupt nicht, mich mit irgendjemandem zu messen, was nun den Grad meines Nerdtums anbelangt. Aber ich liebe Filme, manche Filme sehr besonders. Und dann gibt es da noch die „Herr der Ringe“ Trilogie. (Ich möchte hiermit festhalten, dass ich nur ‘Die zwei Türme’, das ‘Silmarillion’ und den Hobbit gelesen habe, um festzuhalten, dass es hierbei nur um diesen Grad besagter Nerderei geht, bevor noch Beschwerden aufkommen). Ich kann doch durchwegs behaupten, mit sehr wenigen Ausnahmen – hauptsächlich Star Wars – diese Filme mit Abstand am häufigsten gesehen zu haben. Und ich liebe sie immer noch abgöttisch. Mittelerde ist mein zweites Zuhause, zumindest wenn es darum geht, mitzufiebern, größtenteils Frodo zu hassen und die Team Aragorn Flagge zu schwingen.

Film-Rezension von Laura (von unserem Partner www.game-kritik.net)

Zauberhafte Besetzung

Dementsprechend hocherfreut war ich, als bekannt wurde, dass der kleine Hobbit nicht nur verfilmt werden würde, sondern das auch der schwer geschätzte Oberhobbit Peter Jackson die Regie übernehmen würde. Als sich dann auch noch herauskristallisierte, dass die sowohl im Hobbit als auch in der Ring-Trilogie auftauchenden Personen mit der gleichen Besetzung glänzen würden – allen voran natürlich Ian McKellen als Gandalf der Graue – war mein Glück schon nahe dran, perfekt zu sein. Die Besetzung ist überaus exquisit, um das schon einmal meiner eigentlichen Kritik vorwegzunehmen.

Martin Freeman als kleiner Hobbit ist wunderbar, zumindest meiner Meinung nach. Ich habe ihn schon als Watson in der BBC Adaption von Sherlock Holmes überaus genossen, da er ein durch und durch angenehmer und überzeugender Schauspieler ist. (An dieser Stelle noch ein kleiner Einwurf für all diejenigen,die diese Reihe ebenso gesehen haben: Benedict Cumberbatch, also der Sherlock Holmes Darsteller, dem Freeman als getreuer Watson zur Seite steht spielt ebenso eine Rolle in dem kleinen Hobbit. Ich hoffe allerdings, dass es nicht nur bei diesem einen kurzen Auftritt als Schatten beziehungsweise Necromancer bleiben wird. Dennoch, es hat amüsiert.)

Auch die Zwerge sind gut gecastet. Soweit man das denn festhalten kann. Und ich denke, ich sollte hier einen kurzen Überblick geben um letztendlich mit meiner Kritik tatsächlich beginnen zu können. Mir ist bewusst, dass ich ausführlich schreibe. Aber nun wirklich, wer könnte das nicht tun? Es geht hier um Mittelerde!

Zurück ins Auenland

Hier eine erste Zusammenfassung. Ich versuche sie so kurz wie möglich zu halten. Im ersten Teil des kleinen Hobbits wird Bilbo Beutlin, Onkel von Frodo Beutlin, dem Ringträger im Herrn der Ringe, von Gandalf aufgesucht. Da man über Hobbits eventuell noch aus Bilbos kurzer Charakterisierung im Herrn der Ringe weiß, dass sie eher geruhsame, gemütliche Gesellen sind, die Ärger am liebsten aus dem Weg gehen und sich Bier und Essen zuwenden, ist Bilbos eher abweisende Haltung dem Zauberer gegenüber vorhersehbar, sodass Gandalf zu anderen Mitteln greift, um Bilbo in etwas hineinzuziehen, von dem er noch keinen blassen Schimmer hat. Zwölf Zwerge besuchen den Hobbit in der folgenden Nacht, stellen sein Haus und auch sein Leben auf den Kopf.

Die Zwerge sind, nachdem ihr ehemaliges Königreich Erebor und ihre große Stadt im „Einsamen Berg“ von einem Drachen besetzt und sie vertrieben wurden, heimatlos, was eine große Verbitterung mit sich bringt. Auch gerade gegenüber den Elben, die ihnen nicht zu Hilfe eilten um Erebor zu verteidigen trotz eigentlicher Nachbarschaft. (Thranduil, Legolas’ Vater, entschied sich dazu, darum auch die große Abneigung zwischen Zwergen und Elben, die man ja auch im Herr der Ringe noch erkennen kann.)

Zwölf Zwerge also schließen sich unter Führung von Thorin, dem eigentlich rechtmäßigen König der Zwerge, doch nun einmal ohne Königreich, zusammen, um ihre Heimat zurückzuerobern, da sie glauben, Zeichen erkannt zu haben, dass Smaug, der Drache, besiegt werden könne. Und Bilbo wird in all das verwickelt, da Gandalf das vierzehnte Mitglied dieser Truppe auswählen durfte. (Wie wir alle wissen hat Gandalf gewissermaßen eine kleine Schwäche für Halblinge.) Nach einigem Zögern überwindet Bilbo letztendlich auch sein hobbit’sches Ruhegen und schließt sich der Gemeinschaft an. Natürlich stellen sich ihnen einige Schwierigkeiten in den Weg.

Ein böser Albinoork mit Namen Azog, drei Trolle, Spinnen, Warge, verschiedene Orkgruppierungen. Das alles muss von den Zwergen schon im ersten Teil überwunden werden. Helfend dabei sind gefundene Schwerter – Bilbos Schwert ‘Stich’, das er im Herrn der Ringe Frodo weitergibt – und letztendlich auch unter anderem ein gewisser Zauberring, mit dem Bilbo einer (den meisten natürlich bekannten) Kreatur Gollum entkommen kann.

Kurzum, die Gemeinschaft der Zwerge hat es nicht leicht – wie denn auch, es soll nun einmal für Spannung gesorgt werden. Doch mit Unterstützung von Radagast dem Braunen (mit Sicherheit eine der herausstechendsten Figuren des Films) und anderen, teilweise altbekannten Gesichtern, ziehen sie mutig ins Gefecht. Und mit diesem fulminanten Start entführt uns Peter Jackson in eine weitere Trilogie, denn das war natürlich nur der Anfang, wie auch der leichte Cliffhanger dem letzten verraten wird

Eine Herr der Ringe – Abklatsche?

Großes Kino, bombastische Szenen, Landschaftsaufnahmen zum Träumen (Neuseeland ist schlicht und ergreifend Mittelerde, zumindest für mich, die ich noch nie dort gewesen bin.) Der kleine Hobbit ist durch und durch ein sehr lohnenswerter Film und für jeden, der gerne ein Fantasyspektakel erleben will ohnehin Pflicht. Und nichtsdestotrotz gibt es meinerseits auch Kritikpunkte.

Zum einen eine Warnung an alle diejenigen, die einen neuen „Herr der Ringe“ erwarten. Der kleine Hobbit ist und bleibt ein Kinderbuch. Wenngleich auch eines mit Schlachten, Tod und Verderben, Gruselorks, Riesenspinnen und widerlichen Wargen. Allerdings weiß wohl jeder, der die Märchen von den Gebrüdern Grimm und Christian Andersen gelesen hat, dass das alles auch nur Pustekuchen ist. Beziehungsweise Tod und Verderben schon immer für Kinder zugänglich gewesen ist. Es sind lustige Szenen, teilweise gar Slapstickeinlagen, die den Zuschauer zum Lachen bringen. Und jeden, der nur Schlachten und düstere Stimmung erwartet, hat wohl zu weinen. Es ist nicht mehr derart viel Verzweiflung wie gerade im zweiten Teil von „Herr der Ringe“. Die kleinen Schimmer Hoffnung, umgeben von zehntausend mordlustigen Orks und Uruk-hai. Nein, der kleine Hobbit ist zwar immer noch düster, aber dennoch weitaus mehr durchzogen von lustigen Momenten.

Und auch eine weitere Divergenz zu der Ring-Trilogie lässt wohl so manchen, der sich eine Wiederholung derselbigen erhofft, sauer aufstoßen: Die Hauptcharaktere der Hobbit-Trilogie. Natürlich, Gandalf – gerade auch als einzige Person, die die 1,50m – Marke knackt – und Bilbo stechen durch ihr nicht- Zwergendasein heraus. Und auch Thorin, der eine deutliche Einführung erhält und nun einmal den Anführer der Zwerge darstellt, ist leicht zu identifizieren.

Man kann noch Fili und Kili, die einzigen Zwerge, die nicht vollkommen bebartet sind, und Bombur, der wirklich fette Zwerg, und ganz eventuell noch ein paar andere Zwerge erkennen. (Auf Glóin zum Beispiel sollte geachtet werden, schließlich ist das nun einmal der Vater des allseits beliebten Gimli.) Doch größtenteils bilden sie eine Masse an bärtigen, zumeist festeren und kleinen Zwergen, die munter ihrem Anführer folgen. Auch die Namen sind so gut wie kaum zu unterscheiden. Nur um das Ganze noch einmal zu verdeutlichen, die Zwerge heißen: Thorin (der Zweite, Zuname Eichenschild), Dori, Nori, Ori, Balin, Dwalin, Fíli, Kíli, Óin, Glóin, Bifur, Bofur und Bombur. Natürlich, Peter Jackson kann dafür herzlich wenig und es ist auch eindeutig ihm zu verdanken dass er mit dem unterschiedlichen Aussehen der Zwerge zumindest einen doch sehr akkreditierbaren Versuch unternommen hat, es dem Zuschauer einfacher zu machen. Doch fällt es schwer, sich überhaupt mit den Zwergen genauer auseinanderzusetzen, wenn ihre Namen auch Kindergebrabbel sein könnten und sie alle in den Kämpfen – die sehr zahlreich sind – zu einer großen Masse verschwimmen.

Kurzum, eine Gemeinschaft, wie sie im Herr der Ringe natürlich existierte, deren Geschichten man kennenlernte und über die man auch mehr erfahren wollte, existiert im Hobbit kaum. Mit Ausnahme von Thorin Eichenschild. Und dem Hobbit selbst, natürlich.

Neuer Film – neue Technik

Der Hobbit bleibt trotzdem spannend und mitreißend. Eine Geschichte, der man nur zu gerne folgt und die gerade auch weil Jackson sich entschlossen hat, eine Trilogie aus dem eigentlich einteiligen Buch zu machen, selbigem sehr genau folgt, zumindest soweit ich mich recht entsinne. (Und ich wünsche mir im Nachhinein tatsächlich neun Herr der Ringe Filme, aber das nur am Rande.) Und was die Bilder angeht, nun, er kann eindeutig an die bombastische Bildgewalt anknüpfen, die den „Herr der Ringe“ ausgemacht hat.

Und nicht nur das. Als erster Film überhaupt wird für die Filme nun eine Technik verwendet, die eine Higher Frame Rate besitzt, also eine höhere Anzahl von Bildern pro Sekunde. Kurz wird das ganze HFR genannt und mir als vollkommenem Laien, was Filmtechnik anbelangt, sehr einfach erklärt. Beziehungsweise spricht der Name nun einmal auch schon für sich. Für Interessierte in meinen eigenen Worten und darum hoffentlich nicht falsch also genauer: statt vierundzwanzig Bildern pro Sekunde werden bei dieser Technik achtundvierzig verwendet. Das bedeutet für uns, beziehungsweise unser Auge, wir sehen alles noch schärfer, können noch mehr Details erkennen.

Größer, besser, schneller, toller! Die Technik ist im Vormarsch! Und so weiter und so fort. Ich muss sagen, mich hat die aufkommende Dreidimensionalisierung bisher noch nicht überzeugen können. Ich fand die Filme immer zu dunkel, 3D war nur selten erkennbar und ich bekam Kopfweh. Ja, ich bin auch eine derjenigen, die auf DVDs steht und mit Bluerays nichts anfangen kann. Ich muss sagen, im Hobbit war ich vom Dreidimensionalen das erste Mal überzeugt. Die Effekte waren klar erkennbar, man hatte das Gefühl, ständig mit dabei zu sein. Somit wurde wohl das Ziel erreicht, eine neue Art des Kinos ist geboren. Vermutlich.

Meiner Meinung nach hoffentlich nicht. Ja, HFR ist eine Technik, die beeindruckend ist. Die Bildqualität ist auch für den Laien überwältigend gut, teilweise sogar so gut, dass die Schminke und die Masken der Darsteller erkannt werden konnten, etwas, das im Herrn der Ringe noch vollkommen unmöglich zu sein schien, schließlich gibt es wohl kaum einen Film, der so mit Masken glänzen konnte. Nur macht es das teilweise auch tatsächlich schwer, überhaupt noch dem Verlauf zu folgen. Vor lauter High Definition weiß man überhaupt nicht mehr, wo man hinsehen soll, als Mensch mit Höhenangst sind die Kamerafahrten durch Bergkluften kaum mehr erträglich und das eigentliche Filmerlebnis muss vor lauter grandioser Technik schon fast wieder unter dem Fortschritt leiden.

Also ja, einerseits lohnt sich eine Investition in eine doch sehr teure Karte, um den Hobbit in 3D HFR zu sehen, für das die meisten Kinos schon aufgerüstet wurden, allein schon um sich selbst mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass die Zukunft des Kinos und eventuell auch irgendwann des Fernsehens so aussehen wird und sich ganz eventuell schon einmal ein wenig daran zu gewöhnen. Andererseits ist der Film denke ich auch in der normalen zweidimensionalen Version mit Sicherheit einen Besuch wert und eventuell kann man sich ja ein, zwei Popcörner für die gesparten, sagen wir mal zwei bis fünf Euro, kaufen. Oder einen Lolli. Schließlich wissen wir auch alle wie teuer Schnabulieren in den Kinos sein kann.

Fazit:

Alles in allem ist der Film durchaus gelungen. Spannend, dramatisch, lustig. Also alles das, was ein kurzweiliges Filmvergnügen zu ausmacht. Und jeder, der nicht direkt einen neuen Herr der Ringe Teil erwartet, sondern glücklich ist, Mittelerde noch einmal besuchen zu können, wird ihn mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch mögen. Ich finde ihn sehenswert und werde ihn mir mit Sicherheit noch einmal ansehen. Vielleicht nicht im Kino, dafür bin ich als Studentin dann doch zu arm, aber mit Sicherheit in einer dieser unglaublich grandiosen Special Extended Versions, die hoffentlich auch für diese Trilogie folgen werden. Ich vertraue einfach auf Peter Jackson. Einmal mehr. Dennoch, diese leichten Mängel, was die Geschichte selbst angeht, beziehungsweise viel mehr, die die Geschichte eigentlich unverfilmbar machen und das ‘zu viel’ der Technik geben einen leichten Abzug. Aber auch nur minimal, dafür bin ich viel zu froh über die Rückkehr zu Hobbits, Zwergen, Elben und Co.

Wertung:

Sehr gut



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One comment to Filmkritik: Der Hobbit – eine unerwartete Reise (Hobbit-Woche)

  • Games-Mag.de  says:

    [...] Filmkritik – Der Hobbit [...]

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