Fe bei uns im Test

Kommunikation ist alles! Fe bei uns im Test

Fe – das klingt für viele sicher erstmal nach dem Symbol eines chemischen Elements, in Wahrheit ist Fe aber einfach nur das schwedische Wort für Fee. Der Apfel fällt dabei nicht weit vom Stamm, denn schließlich zeichnet Zoink, ein schwedischer Indie-Entwickler, verantwortlich für das ambitionierte Projekt.

Für den Inhalt des Spiels hat man sich dann wohl auch nicht allzu weit aus dem heimischen Fenster gelehnt, denn der kreative Plattformer spielt in einem finsteren, nordischen Wald, der zudem einige Tiere der hiesigen Folklore beheimatet.

Mit etlichen Jump’n’Run-Passagen und seiner einzigartigen Präsentation, erinnert Fe stark an Titel wie Ori and the Blind Forest, kann dieses hohe Niveau aber nie erreichen. Doch woran liegt das?

Trügerisches Idyll – noch geht es friedlich zu im nordischen Forst.

Musikalisches Miteinander

Kommunikation spielt in Fe eine zentrale Rolle. Nur wenn wir akustischen Kontakt, in Form von uns unverständlichen Lauten, zu anderen Bewohnern des düsteren Walds aufnehmen, erschließen sich uns neue Wege in der Spielwelt, die frei nach dem Metroidvania-Prinzip aufgebaut ist. So verständigen wir uns beispielsweise mit Zwitscher-Lauten, um die Hilfe eines Vogels in Anspruch zu nehmen oder röhren einem Hirsch was um die Ohren, damit dieser eine Blume in eine Sprungplattform verwandelt.

Ein multilinguales Sprachgenie sind wir aber nicht, weshalb jede der insgesamt sechs Sprachen erst einmal erlernt werden will. Die erwachsenen Tiere des Waldes entpuppen sich dabei als Lehrmeister in schwerer Not. Von den sogenannten Silent Ones gefangen genommen, liegt es ganz an uns, die Fabelwesen zu befreien und so ihren besonderen Gesang zu erlernen.

Im Fall unserer ersten Aufgabe ist das ein riesiger Vogel, der seit dem Auftauchen der Silent Ones vier seiner wertvollen Eier vermisst. Konfrontation entpuppt sich in Fe allerdings als äußerst schwierig, ein direkter Sichtkontakt mit den Roboter-artigen Wesen endet meist mit dem sicheren Tod unseres niedlichen Protagonisten, der durch faire Rücksetzpunkte aber nie frustriert. Schleichen steht also auf der Tagesordnung, wofür wir regelmäßig Büsche als Tarnung nutzen. Besonders anspruchsvoll fallen diese Passagen allerdings nie aus, dafür verzeiht das Spiel einfach zu viel und auch die festgelegten Routen unserer Gegner bleiben überschaubar.

Malerischer Anblick – die Spielwelt von Fe versprüht ihren ganz eigenen Charme.

 

Viel mehr überkommt uns bereits bei dieser Aufgabe das leichte Gefühl von Langeweile. Alle vier Eier wollen auf die gleiche, müßige Art und Weise beschafft werden, Unterschiede gibt es nur im Detail. So wird beispielsweise das zweite Exemplar zwischenzeitlich von einem Bären entwendet, der den ovalen Schatz absolut nicht mehr hergeben will. Die Lösung liegt aber so nah, dass man hier kaum von Vielfalt sprechen kann.

Mit den erbeuteten vier Eiern geht es dann natürlich wieder zurück zur gefiederten Kreatur, die uns das Unterfangen mit dem Erlernen ihrer Sprache dankt. Mit einem beherzten Zwitscher-Laut können wir fortan einen Vogel aus nächster Nähe herbeirufen und mit ihm durch die Lüfte sausen, was uns Zutritt zu neuen Gebieten auf der recht weitläufigen Karte von Fe ermöglicht. Dadurch sammeln wir auch immer mehr Kristalle, die wiederum Fähigkeiten freischalten. Abseits der animalischen Gesänge, kann unser phantastisches Tierwesen nämlich noch so einige andere Tricks erlernen. Das Erklimmen von Bäumen und ein kühner Segelflug durch die Lüfte bilden da nur den Anfang einer vielfältigen Palette. Die Steuerung leistet dabei ganze Arbeit und reagiert äußerst genau. Selten geben wir dem Controller die Schuld für einen verpatzten Sprung.

Der Ton macht die Musik. Mit der richtigen Melodie im Gepäck, können wir schon bald bequem durch die Spielwelt reisen.

Stummer Song

Eine nicht zu unterschätzende Frage in Videospielen, ist ja immer die nach der Motivation. Und die ist in Fe gar nicht mal so leicht zu beantworten. Klar, Tiere aus der Gefangenschaft zu befreien ist sicher ein nobler Akt, doch warum die ominösen Silent Ones überhaupt den Wald überfallen, erschließt sich uns nur bruchstückhaft, vielleicht sogar überhaupt nicht.

Fe gibt sich äußerst wortkarg und Zwischensequenzen, die zumindest den Hauch einer lebhaften Narrative vermitteln, bleiben sogar optional, da sie sich in überall verstreuten Sammelobjekten gut versteckt halten. Es ist also durchaus möglich, die Story-Schnipsel komplett zu übersehen oder sie in einer Reihenfolge zu begutachten, die völlig aus dem Kontext gerissen wirkt. Bei Titeln wie Shadow of the Colossus, Journey oder sogar Unravel funktioniert dieser subtile, minimalistische Erzählstil wunderbar, von Fe fühlen wir uns dagegen ein wenig im Stich gelassen.

Die Verwirrung um geschichtliche Zusammenhänge macht sich auch in der Spielwelt bemerkbar, denn die fällt erschreckend leer, dafür aber umso unübersichtlicher aus. Selten gibt es etwas tolles zu entdecken, den Weg zum nächsten Zielmarker suchen wir dagegen minutenlang. Und das liegt leider nicht an den gelungen, wenn auch viel zu simplen Puzzle-Abschnitten oder den geschmeidigen Plattformer-Einlagen, sondern am verworrenen Design der Spielwelt. Wo geht es lang, wo nicht? Orientierung ist in Fe Mangelware, es fehlt schlicht an einem roten Faden. Statt den richtigen Weg zu erwischen, glitchen wir – mehr oder weniger freiwillig – eine Felsformation entlang, um dann doch wieder den genervten Rückzug anzutreten, weil es hier, an dieser Stelle, anscheinend doch nicht langgeht. Anderswo führen solche Ausflüge gerne mal zu spaßigen Entdeckungen, Fe bleibt auch in diesem Bereich überraschend inhaltslos.

Stillhalten – den direkten Sichtkontakt zu den furchteinflößenden Silent Ones sollten wir dringlichst meiden.

Atmosphärische Arie

Doppelt schade, denn durch sein einzigartiges Art-Design hätte sich Fe schon eine Auszeichnung verdient. Mit extravaganter Farbgebung und fantasievollen Fabelwesen, entführt uns der Titel auf eine atmosphärische Reise durch einen verträumten Wald, der glatt einem modernen Märchen entspringen könnte. Der Sound bildet da selbstverständlich keine Ausnahme und ist der heimliche Star von Fe. Ein eher ruhiger Soundtrack mit tiefen, Cello-lastigen Einspielern unterlegt die charakterliche Prägung der Spielwelt perfekt und auch die zahlreichen Tiergeräusche können sich in ihren unterschiedlichen Frequenzen wirklich hören lassen.


Fe ist seit dem 16. Februar 2018 für Xbox One, Playstation 4, Nintendo Switch und Microsoft Windows erhältlich. Derzeit existiert von Fe noch keine physische Version, ihr müsst den Titel also als digitalen Download erwerben, der mit 19,99 € zu Buche schlägt.

Der Test, sowie alle Screenshots, basieren auf unserer Testversion von Fe für die Xbox One, die uns freundlicherweise von Publisher Electronic Arts zur Verfügung gestellt wurde.

72%

Zum Heulen...

Ich bewundere den Mut, den das schwedische Entwicklerstudio Zoink mit Fe beweist, kann dabei aber auch nicht von den vielen Fehlern absehen, die mir der Titel ständig unter die Nase reibt. Die Spielwelt schaut hübsch aus, wirkt aber genauso leer. Der Story geht es ähnlich, die bleibt schlicht und ergreifend optional und wurde miserabel in den eigentlich recht spaßigen Plattformer integriert. So flimmert nach knapp drei Stunden der Abspann über den Bildschirm und ich nehme nur wenig davon mit, was Fe mir eigentlich alles hätte erzählen können. Das verschwendete Potential schmerzt, unterm Strich bleibt ein durchschnittlicher Plattformer mit toller Präsentation, aber spielerischen und erzählerischen Schwächen.

  • Grafik 80%
  • Sound 80%
  • Umfang 60%
  • Story/Atmosphäre 60%
  • Steuerung 80%

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.