Expeditions: Viking bei uns im Test

Logic Artists hat mit seinem rundenbasierten Taktik-RPG Expeditions: Viking einen Geheimtipp erschaffen. Fans von XCOM oder The Banner Saga sollten sich unseren Test aufmerksam durchlesen, sonst könnte euch ein heimlicher Hit entgehen und das wäre sehr Schade.

Auf in den Norden

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger (Conquistador) verlegt Expeditions: Viking sein Setting in den hohen Norden, genauer gesagt nach Dänemark. Als Aufmacher werden die namensgebenden Wikinger verwendet. Dass die nordische Mythologie aktuell einen Nerv trifft merkt man beispielsweise an der enorm erfolgreichen TV-Serie Vikings.

Unser Vater Heinrich, den Namen dürfen wir selbst vergeben, ist nach Großbritannien ausgezogen um seinen Clan Wohlstand und Macht zu bringen. Zurückgekehrt ist er jedoch nie, er starb angeblich einen würdevollen Tod. Durch einen Kampf, in welchem wir unseren Widersacher besiegen, werden wir zum neuen Anführer ernannt. Nun liegt es an uns, unseren Clan in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

Auf dem Schlachtfeld

Die Schlachten in Expeditions: Viking laufen rundenbasiert ab. Grundsätzlich läuft der Kampf wie im Genre eben üblich aber nicht vollkommen gleich. Ihr könnt nicht nur ein einziges mal gehen und dann kämpfen sondern ihr könnt euch so lange umher bewegen bis eure sämtlichen Aktionspunkte verbraucht sind.

Euer Heldentrupp besteht aus maximal fünf Mitgliedern. Wie immer gilt es eine gute Mischung innerhalb des Trupps zu haben. Heißt im Klartext einen Tank, dazu noch ein bis zwei Nahkämpfer, einen Fernkämpfer (Zauberer oder Bogenschütze) und einen Supporter wie beispielsweise einen Heiler. So sind wir grundsätzlich gut aufgestellt und für jeden Kampf perfekt gerüstet.

Auf der Übersichtskarte wählen wir unsere Quests und setzen Wegpunkte zu unseren Zielen. Falls uns längere Reisen bevorstehen, sollten wir unseren Trupp in einem Lager quartieren lassen. Manche Lager sind frei verfügbar, andere wiederum müssen von Gegner befreit werden. In den Lagern heilt unser Trupp und füllt seine Reserven wieder auf. Wir schicken ein Mitglied auf die Jagd, ein anderes erkundet die nähere Umgebung, der nächste braut ein paar Heiltränke … zudem sollten wir wachen postieren und unsere Helden auch schlafen lassen. Halten wir hier eine schöne Balance erwachen am Morgen alle voll fit und sind bereit für den nächsten Kampf.

Vollkommene Freiheit

Habt ihr die erste Kampagne in Dänemark beendet, dauert je nach Spielstiel und Genauigkeit zwischen 7 und 10 Stunden, öffnet sich Expeditions: Viking für uns. Wir reisen nach Großbritannien und starten dort quasi bei null. Jede einzelne Handlung, jedes Gespräch, jeder Kampf zieht Konsequenzen nach sich. Wir sind also selbst unser Schicksals Schmied. Wir können wie ein Berserker versuchen alles zu Erobern oder wir schmieden wertvolle Allianzen oder wir treten als geschickter Händler auf.

Dazu gesellen sich zufällige Events die wir abschließen oder ignorieren können. Auch hier ist Obacht gefordert, nicht jeder will uns gutes. So kann es schon mal vorkommen dass wir in einen Hinterhalt geraten und dafür unsere halbe LE-Leiste einbüßen. Insgesamt seid ihr mit der zweiten Kampagne, wie immer je nach Spielweise, zwischen 25 und 40 Stunden beschäftigt.

Wir züchten uns Spezialisten

Wir haben die komplette Kontrolle über jeden einzelnen Charakter der sich unserer Gruppe anschließen möchte. Selbst Streitereien werden mit ungünstigen Zusammenstellungen heraufbeschworen. Nicht jedes unserer Mitglieder kann mit unseren Entscheidungen leben. Beispielsweise habe ich einen blinden Bauern erschlagen und ihn kurzerhand danach ausgeraubt. Meine Güte gab das herrliche Gespräche innerhalb der Gruppe. Das wieder hinzubiegen hat etwas gedauert.

Durch Kämpfe und abgeschlossene Quests erhalten wir Erfahrungspunkte und unsere tapferen Helden steigen im Level auf. Nun gilt es die einzelnen Charaktere zu kennen und sie immer weiter in unsere gewünschte Richtung zu skillen. Wir wollen einen Meisterdieb im Trupp? Kein Problem, wir skillen seine Grundattribute dementsprechend und erlernen die Fähigkeiten die wir dazu benötigen. Ihr möchtet eine richtige Kampfmaschine heranzüchten auf die selbst Diablo eifersüchtig wäre? Kein Problem, Zweihandwaffe in die Hand, richtig geskillt und schon geht der „Kleine“ ab wie ein Zug der durch Wattebällchen fährt.

Ganz nebenbei bauen wir unser Dorf (Anwesen) immer weiter aus. Wir verstärken die Verteidigung mit Palisaden, ziehen Bauernhöfe hoch oder lassen Trainingsarenen entstehen. So stellen wir unseren Clan zufrieden und werden als der einzig wahre Anführer gefeiert.

Noch ein paar Abschlussgedanken

Man merkt definitiv das sich Logic Artists mit Expeditions: Viking enorm weiterentwickelt hat. Gröbere Bugs konnten wir keine feststellen. Ein paar Dialogzeilen sind vertont aber meist dürfen wir den Text lesen, was mich persönlich nicht stört. Die Grafik und der Sound gehen vollends in Ordnung aber erwartet keinerlei Wunderdinge. Das Kampf- sowie das RPG-System sind zwar vielschichtig aber trotzdem fühlt man sich irgendwie eingeengt. Vielleicht liegt das aber auch nur in der optischen Präsentation, selbst der wuchtigste Angriff sieht nun mal nicht viel anders aus als ein Standardangriff.

Fazit:

Ich hatte mit Expeditions: Viking trotz den kleineren Mängeln verdammt viel Spaß. Vor allem die Freiheit und die dadurch entstandenen Konsequenzen sind eine ganz tolle Motivations- und Atmosphärespirale. Meine Entscheidung, vielleicht war sie dumm aber es war meine, das macht einfach Laune. Klar ist die Optik jetzt nicht Triple-A aber hey, da gibt es ganz viele Games die um etliches schlechter aussehen. Zudem gibt es aktuell im Taktik-RPG-Genre nicht wirklich viel was man sonst zocken könnte. Definitiv Geheimtipp für Genrefans!

Unsere Wertung
77%

mEssE
Rock You

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Mitglied der Chefredaktion, Ansprechpartner Leseranfragen
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