Dragon Quest Builders bei uns im Test

2009 tauchte der Überraschungs-Hit Minecraft erstmals auf der Bildfläche vieler Videospieler auf und überzeugte mit dem etablierten aber simplen Lego-Prinzip und einer weitreichend, lebendigen Spielwelt. Kein Wunder also das auch andere Franchises den digitalen Klötzchen-Spaß kopierten und kreative Freiheiten mit einem simplen Baukasten-Prinzip verbanden. Terraria, Lego Worlds oder Harvest Moon: Light of Hope machten es bereits vor, vor knapp zwei Jahren schickte Square Enix dann auch die Rollenspiel-Reihe Dragon Quest in den Ring um das kreativste Baukastensystem. Mit Dragon Quest Builders dürfen wir seit Anfang Februar nun ebenfalls auf Nintendos Hybrid-Konsole, der Nintendo Switch, in die bunte Klötzchen-Welt eintauchen. Ob sich der Kauf des zwei Jahre alten Minecraftt-Klons lohnt und was Dragon Quest Builders zu einem wirklich gelungener Alternative zum Mojang-Spielehit macht, klären wir im folgenden:

Die Welt baut auf dich!

Dragon Quest Builders bietet euch einen wechslenden Tag- und Nachtzyklus.

Ihr seid zurück in Alefgard: einem Ort, der vor allem Fans der ersten drei Rollenspiel-Ableger ein von Nostalgie-geprägter Begriff sein dürfte, alle anderen werden das begrünte Areal vor allem als schweraussprechliches 08-15 Startgebiet abtun. Seinen Zweck erfüllt das erste Kapitel aber allemal und so werdet ihr recht behutsam in eurer Abenteuer eingeführt. Eure Aufgabe: die verlassene Welt von Dragon Quest Builders vor den hinterhältigen Machenschaften des Drachenfürsten zu schützen. Dieser hat zuvor alle Bewohner ins Unglück gestürzt, in dem er Ihnen die Fähigkeit geraubt hat Materialien zu kombinieren und gänzlich neue Gegenstände zu erschaffen. Mit dem göttlichen Segen ausgestattet, startet ihr nun als Auserwählter und letzte Rettung von Alefgard in eurer größtes Abenteuer.

Das Ganze gestaltet sich zwar wenig innovativ, der Zweck heiligt dennoch die Mittel und hält das Abenteuer wenigstens in einem logischen Rahmen zusammen. Insgesamt wird die Geschichte in vier einzelnen Kapiteln wiedergeben, die mit vier verschiedenen Siedlungen aufwarten. Hier trefft ihr auf zahlreiche Charaktere samt ihrer eigenen Wünsche, Ziele und Vergangenheiten, die man emotional zwar hätte etwas weiter ausbauen können, aber zumindest teilweise nicht an Humor vermissen lassen. Die Kommunikation selbst findet dabei in unspektakulären Textboxen statt, die durch den gemächlichen Beginn und der ausgebauten Erzählstruktur dem Abenteuer eine langatmige Note verleihen.

Das LEGO-Prinzip

Auf ins Gefecht! Ihr dürft eure Siedlungen des Öfteren gegen zahlreiche Feinde verteidigen.

Dragon Quest Builders kombiniert Elemente des Baukasten-Spiels Minecraft und einem recht simplen Action-Rollenspiel miteinander und erschafft dabei ein kreatives Abenteuer, dass im Gegensatz zum etablierten Genre-König den Spieler wenig überfordert. So überzeugt der Standalone-Inhalt zwar mit immensem Umfang, führt dem Spieler diesen allerdings in mundgerechten Happen zu Gemüte. Die zugrundeliegende Story schafft es so den Spieler fortlaufend zu führen und in neue Spielelemente vorsichtig einzuweisen anstatt diesen mit einer ungefilterten Masse an Freiheiten zu konfrontieren. Ein Vorteil, den vor allem alle diejenigen zu schätzen wissen werden, den die notwendige Eigenmotivation in Mojangs Meisterwerk bislang fehlte.

Die Simplizität spiegelt sich vor allem im Kampfsystem des Kreativ-Titels wieder. So steht euch zwar eine ausreichende Auswahl an Nahkampfwaffen sowie diverser Rüstungen zur Verfügung, in den Kämpfen selbst könnt ihr allerdings nur auf eine einfache Tastenbelegung zurückgreifen. So bietet das Kampfsystem leider etwas zu wenig Tiefgang um die Gefechte in den Fokus eures Spieldurchgangs zu setzen. Das Ganze ist vor allem in den imposant inszenierten Bosskämpfen bedauerlich und wirkt mit Hinblick auf die tiefgreifenden Vorlage umso deplorabeler.

Neben dem heruntergebrochenen Kampfsystem teilt Dragon Quest Builders noch weitere Gemeinsamkeiten mit Mojangs Klötzchenspiel. So nutzen sich Gegenstände kontinuierlich ab, Gegner werden über Nacht stärker und gefährlicher, während die stetig wachsende Spielewelt nicht an geheimnisvollen Verstecken und neuen Materialien vermissen lässt. Nicht nur euer eigener Erkundungsdrang wird euch in die weitläufigen Areale hinaustreiben, auch die abwechslungsreichen Haupt- und Sidequests von Dragon Quest Builders wissen zu überzeugen. Auch diese sind zwar durch eine gewisse Simplizität geprägt bieten euch jedoch ein hohes Maß an Selbstständigkeit und zwingen euch zu keiner Zeit ein gewisses Spielerverhalten auf.

Baustein auf Baustein

Baut eure eigene Siedlungs auf! Dank des Stufensystems habt ihr den Fortschritt eures Unterschlupfs immer im Blick.

Das Sammeln und Bauen erfüllt im Kreativ-Spiel ebenfalls einen gewissen Zweck und so bleibt es euer übergeordnetes Ziel ein Zufluchtsort für die verlorenen Seelen dieses Landes zu erschaffen. Durch das Erbauen neuer Zimmer und das Dekorieren eurer Siedlung erhaltet ihr Erfahrungspunkte, die in einem simplen Levelsystem wiedergegeben werden. Je höher der Rang umso attraktiver ist eure Basis für die Einwohner. Ein interessantes Spielkonzept, dass eure Kreativität fokussiert sowie gezielt auf ein Projekt richtet und dabei beim Spieler längerfristig ein Erfolgsgefühl auslösen kann.

Um etwas Abwechslung ins Leben eures Bauleiters zu bringen, zwingt euch das Kreativ-Spiel in regelmäßigen Abständen Nahrung zu euch zu nehmen. Ein “Feature”, dem ihr schon kurz nach Spielstart – dank seiner penetranten Regelmäßigkeit – überdrüssig seit. Switch-Käufer dürfen sich natürlich auch über kleinere exklusive Extras freuen. So steht euch beispielsweise ein spezielles Reittier zur Verfügung, dass sich im späteren Spielverlauf nutzen lässt. Leider ist das Inventarsystem von Dragon Quest Builders auch zwei Jahre nach Release noch recht hakelig und umständlich konstruiert. Warum man für die Nintendo Switch hier nicht auf eine Touch-Bedienung zurückgegriffen hat, bleibt mir recht unverständlich.

Technisch begeistert die Nintendo-Fassung lediglich mit 720p sowohl mobil als auch im Dock, während die Playstation 4 Portierung gut 1080p aufs Parkett legt. Treppeneffekte liefern einen weiteren Makel am sonst so stabilen Grundgerüst.

73%
Awesome

Dragon Quest Builders hält sich zwar krampfhaft an seiner Inspirationsquelle Minecraft fest, schafft es aber dank seines zugrundeliegenden Questsystems den Spieler permanent an die Hand zu nehmen und die größte Hürde von Mojangs Kult-Hit auszuräumen: die Notwendigkeit eines immens hohen Maßes an Eigenmotivation. Auch wenn die Hintergrundgeschichte mehr als Mittel zum Zweck dient und das Tutorial etwas langatmig wirkt, überfordert das Kreativ-Spiel niemals mit seiner immensen Freiheit, die gleichzeitig aber keine Einschränkung findet. Dem Kampfsystem fehlt es zwar an Tiefgang dennoch oder gerade dadurch ist das Konzept einsteigerfreundlich. Etwas bedauerlich bleibt, dass die Switch-Version kaum Anpassungen spendiert bekommen hat. Eine ausgefeilte Touch-Steuerung hätte zumindest das Inventar-Wirrwarr der zwei Jahre alten Vorlage enorm entschärft.
Wem Minecraft durch seine immense Freiheit frustrierte und wer nicht allzu stark an der bekannten Rollenspiel-Reihe Dragon Quest festhält, sollte einen Blick auf den Klötzchen-Ableger für die Nintendo Switch werfen. Alle anderen greifen am besten direkt zu den Plastikklötzchen aus dem Hause LEGO.

  • Grafik 80%
  • Sound 70%
  • Story 65%
  • Steuerung 75%