DOOM VFR bei uns im Test

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Mit Skyrim, Fallout 4 und DOOM hat Publisher Bethesda sein bewährtes AAA-Trio Ende des vergangenen Jahres auch auf die gängigen Virtual-Reality-Headsets gebracht. Während die beiden Erstgenannten noch vollwertige Portierungen darstellten, hat man mit DOOM VFR einen vollends eigenständigen Ableger entwickelt, der ganz und gar auf die VR-Technik gemünzt wurde. Ob sich das blutige Actionspektakel auch in der virtuellen Realität bewährt und welche Überraschungen der erneute Ausflug auf die Marsstation für uns bereithält, erfahrt ihr in unserem Test!

Mehr Mensch als Roboter

Als eigenständiges Abenteuer erzählt DOOM VFR eine komplett neue Geschichte, die parallel zum 2016 erschienenen DOOM spielt. Ihr schlüpft in die Rolle von Wissenschaftler Dr. Abraham Peter, der nach einem überraschenden Dämonenangriff nur knapp dem Tod entgangen ist. Um zu überleben wurde sein Bewusstsein an einen Kampfroboter gebunden, den er folglich durch die verlassene Marsstation steuert. Sein Ziel: Den Dämonenausbruch aufzuhalten und das Höllentor ein für alle Mal zu schließen.

Die Geschichte ist serientypisch eher dünn aufgestellt und dient offenkundig nur einem einzigen Zweck: Der nachfolgenden Monsterhatz eine Legitimation zu verschaffen. Die Geschichte wird weitestgehend über träge Monologe des Protagonisten vorangetrieben, opulente Zwischensequenzen oder gar überraschende Plot-Twists sucht man entsprechend vergebens.

Die größte Trumpf von DOOM VFR liegt unverkennbar in seiner verbesserten Immersion und intensivierten Spielerfahrung. Dämonen-Monster wirken deutlich imposanter und angsteinflößender, wenn sie in ihrer zwei Meter-Statur plötzlich vor euch aufblitzen, während eure Geschosse ein virtuelles Blutbad sondergleichen anrichten. DOOM VFR lässt euch das bekannte Spielprinzip aus einem völlig neuen und zugleich spannenden Blickwinkel betrachten, wenn gleich die neue Realitätsebene keinerlei spielerischen Mehrwert bietet.
Das Spielgeschehen besteht grundlegend aus nur einigen wenigen Elementen, die sich in verschiedensten Konstellationen immer wiederholen. So dürft ihr euch wie erwartet in zahlreichen Arena-Kämpfen gegen böswillige Monster beweisen, kleinere Hacking-Rätsel lösen und die Marsstation von A nach B ablaufen um den jeweils nächsten Zielpunkt zu erreichen. Die einzelnen Areale sind dabei nicht allzu weitläufig, große Erkundungsmöglichkeiten gibt es hier folglich nicht.

Mehr als nur eine Schießbudensimulation

Hauptaugenmerk des VR-Ablegers liegt aber serientypisch natürlich auf den actiongeladenen Kämpfen. Diese wurden angesichts der technischen Limitierungen nicht nur beeindruckend umgesetzt, sondern finden sogar eine angenehme Lösung für die auf den VR-Geräten vielfachdiskutierte Steuerungsproblematik. Da die gängige Navigation mittels zweier Controllsticks in der virtuellen Realität schnell Übelkeit herbeiführt, setzt id Software für DOOM VFR auf eine einfache Teleportationsmechanik. Euer Charakter kann so via Knopfdruck zu beliebigen Punkten im Sichtbereich springen, weite Distanzen überbrücken oder gar mehrere Etagen in kurzer Zeit erreichen. So weit, so bekannt.

Nun kombiniert id Software dieses System aber zusätzlich mit der Möglichkeit einen Dash in eine der vier Himmelsrichtungen auszuführen, was dem Spiel trotz der technischen Einschränkungen einiges an Dynamik zurückgibt. Diese simple, aber effektive Kombination bringt zugleich auch einige neue Kampfmanöver mit ins Spiel. Ganz vorn mit dabei ist der sogenannte Telefrag. Damit könnt ihr Gegner nun sogar von innen heraus zerfetzen, indem ihr euch einfach in sie hinein teleportiert. Darüber hinaus wird bei jeder neuen Teleportation automatisch die Zeit verlangsamt, was das Maß an Taktik innerhalb der Kämpfe nochmals steigert.

Insgesamt zeigen sich die Auseinandersetzungen dank der gut umgesetzten Teleport-Steuerung, dem abwechslungsreichen Waffenarsenal und der gewohnt hochwertigen musikalischen Untermalung dynamisch, spannend und nicht zuletzt motivierend. DOOM VFR bricht erfolgreich aus dem Einheitsbrei der VR-Schießbudensimulationen aus und bleibt seinem hoch gelobten Vorgänger treu. Der Umzug in die virtuelle Realität geht selbstverständlich auch immer mit einem Verlust von Spielgeschwindigkeit, Dynamik und Kontrolle einher, den DOOM VFR gekonnt zu kompensieren weiß, auch wenn man im direkten Vergleich natürlich nicht mit dem großen Bruder DOOM mithalten kann.

Bei der Langzeitmotivation sieht es da allerdings schon ganz anders aus. Das Belohnungssystem fällt mit überschaubaren Upgrade-Möglichkeiten, einer geringen Gegnervielfalt und gleichförmigen Umgebungen recht karg aus und sorgt so für einen schwindend geringen Wiederspielwert. Eine fehlende Mehrspielerkomponente und ein ebenso überschaubarer Umfang von gerade mal 3-4 Spielstunden sind weitere kleine Mankos, die das Actionspiel bedauerlicherweise zu einem Einmalausflug verkommen lassen.

Augenschmaus für Dämonentöter

DOOM VFR bietet für alle Hardcore-Dämonentöter ganze fünf Schwierigkeitsgrade, von denen ihr zwei zunächst erst freispielen müsst. Selbst auf der leichtesten Stufe fällt die Ballerei aber schon recht fordernd aus und dürfte auch für geübte Spieler den ein oder anderen Bildschirm-Tod zur Folge haben. Wirklich frustrierend zeigt sich in dieser Kombination der Verzicht auf eine manuelle Speicherfunktion. Die automatischen Rücksetzpunkte sind nämlich mehr als spärlich verteilt und zwingen euch meist längere Abschnitte unfreiwillig zu wiederholen.

Als Eingabegeräte unterstützt DOOM VFR auf der Playstation sowohl das Dualshock-Gamepad als auch die Bewegungssteuerung über die Move-Controller. Letztere steigern die Immersion zwar um ein Vielfaches, sorgen in hektischen Situationen aber auch für eine deutlich reduzierte Präzision. Die Chance im Kampfgetümmel ohne vorhandenes Digipad oder Controlstick ein zielgerichtetes Ausweichmanöver zu starten, ist gleich Null. Darüber hinaus sorgen unschöne Clipping-Fehler für einen faden Beigeschmack im sonst so schönen Grafikgewand.

Und gerade das kann sich wirklich sehen lassen: Die hohe grafische Qualität sowie die schicken Licht- und Partikeleffekte verwandeln das Dauergeballer in eines der schönsten Playstation-VR-Spiele des letzten Jahres. Ein hoher Detailgrad und eine dichte Atmosphäre runden das Bild eines grundsoliden, wenn auch kurzweiligen Shooters ab. Das stellenweise unscheinbare Umgebungsdesign fällt da schon etwas aus dem Rahmen, zumal viele Assets aus dem 2016 erschienenen Vorgänger übernommen wurden, die für Fans der Reihe einen eher verbrauchten Eindruck hinterlassen.

72%

DOOM VFR ist zwar keine vollwertige VR-Variante des vielgelobten Hauptspiels, aber immerhin ein gelungener Versuch dieses mit heutiger VR-Technik umzusetzen. Die gesteigerte Immersion bietet natürlich einen deutlichen Mehrwert für die Atmosphäre, während man spielerisch mehr vom Gleichen präsentiert bekommt. Trotz der Einschränkungen der heutigen VR-Headsets sowie dem damit verbundenen Verlust an Geschwindigkeit und Präzision gegenüber dem Original, schafft es Bethesda eine für VR-Spiele ungewohnte Dynamik zu erzeugen. Der überschaubare Umfang und die sich wiederholenden Elemente bieten VR-Fans einen spaßigen Trip in die virtuelle Realität, der allerdings kaum mehr als einen Ausflug rechtfertigt.

  • Grafik 90%
  • Sound 80%
  • Umfang 50%
  • Story/Atmosphäre 70%
  • Steuerung 70%