Die Crux mit der Exklusivität

Tekken 1 für die Playstation

Vor Jahren waren Exklusivtitel noch gang und gäbe in der Videospielbranche. Dieser Umstand war lediglich der unterschiedlichen Architekturen der einzelnen Konsolen geschuldet. Die meisten Entwickler hatten schlichtweg nicht genügend Ressourcen oder Zeit ihre Spiele für mehr als eine Plattform zu entwickeln. So waren Unternehmen wie Microsoft oder Sony bereit einen nicht gerade kleinen Geldbetrag für ihre Exklusivität zu bezahlen. Wer unbedingt Tekken zocken wollte, der musste sich halt eine Sony Playstation kaufen und Halo war schon immer ein Kind von Microsoft.

Jedoch machen in der heutigen Zeit Exklusivtitel nicht wirklich mehr Sinn. Die Architektur wird sich immer ähnlicher und eine Portierung auf eine andere Plattform verschlingt keine weiteren Millionen des Projektbudgets. Viel wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass sich Multiplattformtitlel wie Call of Duty fast von selbst verkaufen. Diese Spiele machen einfach mehr Profit als jede noch so große Halo-Fanbase, die sich den neusten Master-Chief-Ableger sogar zweimal ins Regal stellen.

 

Kosten-Nutzen-Analyse

Warum gibt es also heutzutage immer noch Exklusivtitel?

Ein nettes Beispiel ist der neueste Tomb-Raider-Teil, Rise of the Tomb Raider von Crystal Dynamics. Microsoft hat hier für seine Zeitexklusivität auf der Xbox One eine nette Summe an den Publisher Square-Enix überwiesen. Man weiß nicht genau, wie hoch diese Summe war, doch einige US-Analysten gehen davon aus, dass der Deal knappe 20 Millionen Dollar gekostet haben wird. Dazu kommen noch weitere nicht unerhebliche Werbekosten, die Microsoft für die Vermarktung des Spiels aufgebracht hat.

Rise of the Tomb Raider

Die Playstation 4 ist momentan mit über 35 Millionen verkauften Einheiten der Marktführer im Kurrent-Gen-Konsolen Segment. Wer sein Spiel nicht für die PS4 herausbringt, verstösst ein ziemlich großes Publikum. David Cole, Gründer und CEO von DFC Intelligence, schätzt dass der Einkommensverlust bei Rise of the Tomb Raider bei knapp 150 Millionen Dollar liegen dürfte. Je mehr, desto länger die Exklusivität dauert. „Das Problem mit Exklusivtiteln im heutigen Markt liegt darin, dass man einen klaren Marktführer hat,“ meint Cole. „Wenn du also nicht auf dieser Plattform bist, verlierst du eine riesige Absatzmöglichkeit und Microsoft oder andere Wettbewerber müssen eine enorme Rückvergütung für deine verlorenen Möglichkeiten zahlen.

Jedoch hat sich Microsoft bei Rise of the Tomb Raider nur eine Exklusivität auf Zeit erkauft. Man geht davon aus, dass eine sechsmonatige Releaseverzögung auf andere Plattformen ungefähr 20% der erwarteten Einnahmen, eine einjährige Verzögerung knapp 40%, kostet. Würde Rise of the Tomb Raider also diesen Sommer erscheinen, lägen die Einnahmen bei 80% der Gesamteinnahmen, wenn man das Spiel von Anfang an auch für die PS4 rausgebracht hätte. Für Square Enix scheint der Deal mit Microsoft also nicht wirklich aufzugehen, denn um die Nachteile dieser Exklusivität zu kompensieren, hätte man laut Cole einen Betrag um die 100 Millionen Dollar aushandeln müssen. Ihr merkt also es geht um jede Menge Geld. Da sind solche 7 Euro ComeOn Gutschein Beträge ja echtes Kleingeld.

Aber warum investiert Microsoft so viel Geld für eine Exklusivität auf Zeit? Und warum läßt sich Square Enix auf ein vermeidbares Verlustgeschäft ein? Square Enix hat sicherlich auf einen besseren Verkauf gesetzt. Schließlich hat sich der Vorgänger aus dem Jahre 2013 knapp sechs Millionen mal verkauft. Bei Microsoft geht es bei solchen Entscheidungen nicht immer nur um den Erlös, sondern vielmehr auch um Publicity und Begeisterung bei den Spielern. Jedoch kann diese erhoffte Begeisterung auch schnell ins Negative driften. Als bekannt wurde, dass Rise of the Tomb Raider erstmal nur für die Xbox One erscheinen wird, erntete Microsoft massenhaft Shitstorms im Netz.

Eine neue Spielergeneration 

Früher galten Exklusivtitel für Konsolen als sogenannte „System-Seller“. Spielerserien wie Final Fantasy oder Metal Gear Solid waren sicherlich maßgeblich an den Verkäufen der Playstation beteiligt. Jedoch werden heute mehr und mehr Serien direkt für alle Plattformen entwickelt. Die Idee hinter der Exklusivität war das Ankurbeln von Hardwareverkäufen. Laut Microsoft klappte dies auch bei Rise of the Tomb Raider – auf den ersten Blick. In der Tat wurden zum Release von Tomb Raider mehr Konsolen verkauft, jedoch kann man nicht genau differenzieren, ob dies nur an der Exklusivität eines Titels lag. Vielmehr pushte Microsoft den Verkauf der Xbox One durch massive Preisreduzierungen und vergünstigte Konsolenbundles. Und nicht zu vergessen, kam Tomb Raider mitten im Weihnachtsgeschäft heraus.

Metal Gear Solid auf der Playstation

Man muss sich also zwangsläufig die Frage stellen, ob eine erkaufte Exklusivität heutzutage noch zeitgemäß ist. Kauft man sich wirklich eine weitere Konsole, nur um ein bestimmtes Game spielen zu können? Oder erntet man eher einen Boykott seitens der Spieler, die sich für eine Plattform entschieden haben und nun bestimmte Spiele einfach nicht spielen können?

 

Wie sieht Eure Meinung zu diesem Thema aus? Würdet Ihr eher ein Spiel boykottieren oder Euch extra eine weitere Konsole kaufen?

Das könnte dir auch gefallen Mehr vom Autor

% S Kommentare

  1. Viktor Zech sagt

    Ich kann mich nicht erinnern das MGS1 so ausgesehen hat. Könnte doch viel eher MGS2 sein.
    MfG Viktor Zech

    1. Marc sagt

      Ehrlich gesagt, bin ich mir da gar nicht mehr so sicher. Müsste MGS1 noch mal in die PS1 schmeissen. Ich habe mal einen anderen Screenshot eingefügt.

      Grüße
      Marc

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.