Devil May Cry HD Collection bei uns im Test

Eine Collection aus der Hölle - Die Devil May Cry HD Collection bei uns im Test

Cool, cooler, Dante aus Devil May Cry. Nie um einen lockeren Spruch verlegen und mit stylishen Combos im Gepäck, heizte der weißhaarige Jungspund schon 2001 Dämonen auf der Playstation 2 ordentlich ein. Völlig überdrehte Action und ein extrem dynamisches Gameplay waren damals das Markenzeichen der Reihe, die bis 2005 mit zwei weiteren Ablegern versorgt wurde.

Das Original spielte sich wie ein actionorientiertes Resident Evil mit komplexem Leveldesign, Backtracking und knackigem Schwierigkeitsgrad, während der Nachfolger, Devil May Cry 2, völlig neue Wege einschlug und unter Fans noch heute als eher unbeliebt gilt. Kurze Spielzeit, viel zu starke Distanzwaffen und fragwürdige Designentscheidungen sind dabei nur ein paar der Gründe, warum Spieler den Titel lieber meiden. Devil May Cry 3 konnte der Serie 2005 aber wieder zu altem Glanz verhelfen. Mit zwei Spielbaren Charakteren und alternativen Modi, sorgte vor allem die Special Edition für Furore und blieb den Fans in wohliger Erinnerung an ein extrem spaßiges Actionspiel voller Inhalte.

Das schreit doch geradezu nach einer Collection, um die Titel auch auf der aktuellen Konsolengeneration zu spielen…oder?

Seitdem ist natürlich viel Zeit vergangen und wir konnten uns, jenseits der ursprünglichen Trilogie, bereits mit dem vierten Teil der Devil May Cry-Reihe und einem umstrittenen Reboot vergnügen. Moderne Konkurrenz findet sich aber nicht nur in den eigenen Reihen, denn stand Dante damals noch ganz allein auf weiter Flur, gibt es heute zuhauf Titel, die die schnelle, kreative Action zelebrieren. Bayonetta aus der gleichnamigen Videospielreihe, schlägt beispielsweise deutlich schneller zu als unser Dämonen-Jüngling im Original und selbst Göttervernichter Kratos übertrumpft Dante mit seiner ruppigen Art um Längen.

So verblasst die einstige Coolness ein wenig und die Zeitreise zurück in Mundus Schloss fällt dementsprechend ernüchternd aus. Damals noch geduldet, heute ein absolutes No-Go, sind uns die fixen Kamerawinkel sofort ein Dorn im Auge – hier darf erst im dritten Ableger eigenhändig nachjustiert werden. Die Kombos gehen Titel-übergreifend immer noch gut von der Hand, wirken aber längst nicht mehr so dynamisch. Dafür überzeugen weiterhin das schaurig-schöne Gegnerdesign und Bosskämpfe, die uns einiges abverlangen.

Apropos abverlangen. Brachte Devil May Cry die Konsole damals noch an ihre technischen Grenzen, entlocken wir der aktuellen Generationen nur ein müdes Lächeln. Das ist auch gar nicht verwunderlich, denn obwohl Capcom in allen drei Titeln für flüssige 60 Bilder pro Sekunde in einer knackigen Auflösung von 1080p sorgt, können vor allem die Texturen nicht mehr ganz mithalten. Beim Blick auf Wände und Mauern, wird uns fast etwas schummerig. Im Vergleich mit den Zwischensequenzen sind das aber Nichtigkeiten, denn die Filmchen sehen immer noch genauso aus, als würden wir sie auf einer Playstation 2 abspielen – inklusive 4:3 Format. Selbst Devil May Cry 3 schafft es in den Sequenzen nicht, dieses Format zu sprengen und sich auf 16:9 auszubreiten, obwohl der Titel bereits damals für Breitbildformate entwickelt wurde. Dazu gesellen sich umständliche, seit dem ursprünglichen Release unveränderte Menüs mit teils kryptischer Übersetzung und eine fehlende Gammakorrektur, die uns manuell an den Werten herumschrauben lässt – zumindest bei Devil May Cry 1 und 2.

Falls euch die Devil May Cry HD Collection irgendwie bekannt vorkommt, ja, die gab es schon mal fast identisch auf Playstation 3 und Xbox 360, nur ohne die Auflösung von 1080p und die 60fps. Bis auf einen kleinen Fehler in der Steuerung und die Tatsache, dass wir nun deutlich besser zwischen den einzelnen Titeln der Sammlung wechseln dürfen, hat sich leider auch nichts geändert, weshalb es extrem fraglich bleibt, ob es sich für Besitzer der Last Gen-Collection überhaupt lohnt, eine erneute Investition zu tätigen.


Der Test, sowie alle Screenshots, basieren auf unserer Testversion der Devil May Cry HD Collection für die Xbox One, die uns freundlicherweise von Capcom zur Verfügung gestellt wurde.

Die Devil May Cry HD Collection ist seit dem 13. März 2018 für Playstation 4, Xbox One und den PC über Steam erhältlich. Ob digital oder als physische Verkaufsversion, der Actiontitel mit verbesserter Technick schlägt mit rund 35 € zu Buche.

70%

Angestaubte Action...

Ja, die Action bringt auch heute noch jede Menge Spaß und während ich mir die Zähne an garstigen Bossen ausbeiße und dabei die rockigen Themes der Serie durch die Lautsprecher dröhnen, fühle ich mich schon an die guten, alten Zeiten erinnert. Aber das ist genau der Punkt. Devil May Cry 1 fühlt sich nach heutigen Standards äußerst undynamisch an, woran nicht nur die sture Kamera Schuld trägt. Dem zweiten Ableger ergeht es ähnlich, wobei der ohnehin unter seinen inhaltlichen Schwächen leidet. Einzig und allein Devil May Cry 3 konnte mich in der mitgelieferten Special Edition nochmal längerfristig ans Gamepad fesseln. Bessere Auflösung und Bildrate reichen eben nicht aus, um über 10 Jahre alte Titel wieder attraktiv zu machen. Die Devil May Cry HD Collection stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass der Reboot der Serie unbedingt notwendig war und dass manche Dinge besser in guter Erinnerung bleiben, als sie zum wiederholten mal auszugraben. Höchstens noch für Hardcore-Fans der Serie zu empfehlen, Neueinsteigern lege ich den Reboot DMC ans Herz.

  • Grafik 60%
  • Sound 70%
  • Umfang 80%
  • Story/Atmosphäre 70%
  • Steuerung 70%

Games-Magger Dennis findet gerne mal die Nadel im Heuhaufen und legt sie dann auf die Goldwaage. Wahre Liebe darf auch kritisieren. Heimisch auf Xbox One und Nintendo 3DS.