Burnout Paradise Remastered bei uns im Test

Rasanter Retro-Racer mit leichten Gebrauchsspuren – Burnout Paradise Remastered bei uns im Test

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Mit Burnout Paradise brachte Criterion Games im Januar 2008 nicht nur den spaßigsten Arcade-Racer aller Zeiten auf den Markt, der englische Entwickler leistete gleichzeitig auch echte Pionierarbeit im Genre. Rennspiele mit Open World-Konzept gab es zwar schon zuvor, doch mit Burnout Paradise hatte man zum ersten mal das Gefühl, sich in einer wirklich lebendigen Spielwelt zu befinden, die mit viel Liebe zum Detail für das Erkunden auf vier Rädern entworfen wurde. Einen nahezu nahtlosen Online-Modus gab es obendrauf, der neben kompetitiven Events, auch kooperative Aufgaben zu bieten hatte und mit netten Gimmicks lockte. So konnten zum Beispiel sogenannte Mugshots über das Playstation Eye gesammelt werden, wenn sich andere Fahrer gegenseitig in einen Unfall verwickelten. Außerdem hagelte es regelmäßig neue Inhalte, die, mitunter kostenlos, einen Tag- und Nachtwechsel, Motorräder und sogar ein völlig neues Gebiet in das Hauptspiel brachten.

Zehn Jahre ist das nun her und die Freude über das just veröffentlichte Burnout Paradise Remastered natürlich groß. Doch nach einer so langen Zeit, stellt sich unweigerlich die Frage, ob der Titel auch heute noch begeistern kann. Dabei fällt die Antwort gar nicht mal so einfach aus, denn während die kompromisslose Action während der Rennen unantastbar bleibt, schaffen es einige Spielelemente nicht mal mehr auf den Gebrauchtteilemarkt.

Krieg auf der Straße

Wer Burnout spielt, sollte wohl alles, nur keinen Realismus erwarten. In den wahnwitzig schnellen Rennen sind atemberaubende Unfälle nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Den nächsten Kontrahenten einfach zu überholen wäre ja auch langweilig, weshalb wir ihn viel lieber mit einem beherzten Schubser in den dichten Gegenverkehr drängen. Das gewagte Manöver wird gleich darauf mit der Crash-Cam zelebriert, die das immer noch eindrucksvolle Schadensmodell von Burnout Paradise in Zeitlupe zeigt.

Das macht schlicht riesigen Spaß und gibt den Events von Burnout Paradise eine ganze persönliche Note. Wobei der Titel weitaus mehr zu bieten hat, als nur herkömmliche Rennen von A nach B. In Takedown-Events wird das Crash-Feature zur Bedingung, indem wir eine gewisse Anzahl von gegnerischen Wagen in Unfälle verwickeln müssen. Die Route bleibt uns dabei selbst überlassen, nur das Zeitlimit und den eigenen, bereits erlittenen Schaden sollten wir im Auge behalten. Crashen wir nämlich selbst zu oft, führt das zum Abbruch des Events. Zum Glück sind aber überall in Paradise City Werkstätten verteilt, die leichte Schäden am Wagen ohne große Unterbrechung des Geschehens reparieren. Zudem schalten wir im Spielverlauf weitere Autos frei, die stabiler und nicht mehr so anfällig gegen gegnerische Rempler sind.

Marked Man spielt sich dagegen wie eine Mischung aus beiden Modi. Die Fahrt zur Ziellinie steht wieder im Vordergrund, allerdings werden wir diesmal von einem Kamikaze-Manöver aus dunkel gefärbten Fahrzeugen verfolgt, die uns unbedingt daran hindern wollen. Als waschechte Herausforderung präsentieren sich dann noch die Stunt-Events. Hierfür entfernen wir uns vom herkömmlichen Renngeschehen und halten, mit ordentlich Zeitdruck im Nacken, nach Sprungschanzen, zerstörbaren Objekten und anderen Methoden Ausschau, die uns tollkühne Tricks, wie etwa doppelte Fassrollen, ermöglichen. Denn nur so gibt es Punkte, die wir zum Abschluss des Events dringend benötigen. Die Stunt-Rennen sind mit Abstand die schwersten Events von Burnout Paradise und sie dürften so manchen Anfänger in den Wahnsinn treiben. Wer aber einmal den Dreh raus hat, lässt schon bald irre Kombos vom Stapel und gilt als angesehenes Mitglied des Millionaire’s Club. Zeitrennen bilden den krönenden Abschluss und wer dem nervigen Treiben auf einer Hauptverkehrsader während der Rush Hour schon immer mal den Mittelfinger zeigen wollte, entlädt seine Aggressionen einfach in einem Fest aus Explosionen und Autowracks und blickt dabei mit einem Lächeln auf den entstandenen Sachschaden.

Unser Fuhrpark teilt sich übrigens in verschiedene Kategorien auf. Für jedes Event und jede Situation finden wir hier den passenden Untersatz, wobei wir Neuzugänge erst buchstäblich von der Straße holen müssen. Nun sind wir aber kein Talentscout, der die Straßen nach flotten Flitzern absucht und sie anwirbt, nein, wir erledigen das in typisch anarchischer Burnout-Manier. Nach dem Erreichen diverser Ziele im Spiel, düsen die Boliden durch Paradise City und sind zum Abschuss freigegeben. Unsere Überredungskünste lassen da natürlich nicht lange auf sich warten und wir freuen uns über hilfreiche Neuzugänge. Die Jagd nach zusätzlichen Wagen motiviert ungemein und wir verspüren fast schon ein leichtes Pokémon-Feeling.

Steht uns der Sinn nach sozialer Interaktion, wechseln wir per Steuerkreuz bequem in den Online-Modus, wo wir nicht nur Rennen gegen bis zu sieben weitere Spieler fahren können. Im Fokus steht hier eindeutig eine Liste von Koop-Aktivitäten, die wir gemeinsam mit den anderen Teilnehmern der Sitzung absolvieren. Manchmal steht ein Treffen an einer bestimmten Location an, mal müssen wir zusammen eine gewisse Anzahl von Sprüngen erreichen. Damals war das ziemlich revolutionär für einen Konsolentitel und sogar heute noch sind die gemeinsamen Aufgaben ein echter Spielspaß-Garant.

Kratzer im Lack

Die Spielwelt von Burnout Paradise wirkt auch für heutige Maßstäbe noch modern und unverbraucht. Wir rasen durch den dichten Verkehr einer Großstadtmetropole, legen ein Hafengebiet in Schutt und Asche oder driften meterweit um die steilen Kurven einer Bergregion. Langweilig wird es nie, denn abgesehen von der optischen Vielfalt, lässt auch das eigentliche Streckendesign nicht zu wünschen übrig. Unser Pfad ist gepflastert von Abkürzungen und Sprungschanzen, die immer wieder zu einer alternativen Strecke einladen. Collectibles sind unweigerlich damit verbunden, denn zerstörbare Werbetafeln, Supersprünge und die sogenannten Smashes finden wir meist nur dann, wenn wir uns abseits der Hauptrouten bewegen.

Und genau hier zeigt sich das hohe Alter von Burnout Paradise. Es gibt kaum eine Möglichkeit, die bereits gesammelten, Pardon, zerstörten Objekte aus der Ferne nachzuvollziehen. Bei 120 Werbetafeln artet die Suche nach den letzten Exemplaren schon mal in echte Arbeit aus, zumal die Leuchtreklame meist gut versteckt oder schwer zu erreichen ist. Irgendwann zieht man dann genervt eine Karte der Spielwelt aus dem Internet zurate und fährt alle Orte nochmal ab.

Apropos, denn eine Schnellreise-Funktion hat der Titel auch im Remaster nicht spendiert bekommen, was uns in vielerlei Hinsicht stört. Mal eben schnell das Auto wechseln? Öffne die Karte, merk dir den Weg zum Schrottplatz und fahr eigenständig dorthin. Zu einem weit entfernten Eventmarker reisen, um das dortige Rennen zu starten? Öffne die Karte, merk dir den Weg und fahr eigenständig dorthin. An einer bestimmten Stelle erneut vorbeischauen, weil dort ein weiterer Sammelgegenstand vermutet wird? Öffne die Karte…lassen wir das, ihr versteht worum es geht.

Besonders frustrierend wird es, wenn wir ein Rennen verlieren. Jedes Event in Burnout Paradise hat einen bestimmten Platz in der Spielwelt, kann also nicht einfach so aus dem Menü gestartet werden. Rasen wir also als Letzter, wobei auch schon der zweite Platz ausreicht, über die Ziellinie oder können die Niederlage schon während des Events prophezeien, gibt es keine Möglichkeit, das Rennen abzubrechen oder neu zu starten. Das hat damals schon genervt, war aber aufgrund der fehlenden Konkurrenz durchaus zu verschmerzen. Heute geht das gar nicht mehr und irgendwie ist das dann auch der Grund, warum wir nicht mehr ganz so motiviert sind, erneut alle der über 120 verschiedenen Events zu fahren, um am Ende die Elite-Lizenz abzustauben.

Update: Es gibt doch eine Möglichkeit, verlorene Events sofort neu zu starten. Wir haben die Funktion schlicht übersehen, weil sie im Remaster kaum vorgestellt wird. Im Original wurde das Feature noch nachträglich per Patch hinzugefügt, weshalb es seinerzeit die entsprechende Aufmerksamkeit erhielt. Drückt einfach Rechts auf dem Steuerkreuz und öffnet so das Kontextmenü, aus dem ihr auch in den Online-Modus wechselt. Hier findet sich, nach einer Niederlage, die Option zum Neustart des letzten Events.

Fahrzeugaufbereitung in 4K

Aber das ist nun mal der gleichzeitige Fluch und Segen eines Remasters. Inhaltlich identisch, dafür im Komplettpaket mit allen zusätzlichen Inhalten, setzt Burnout Paradise Remastered vorwiegend auf optische Verbesserungen. Die passende Technik vorausgesetzt, flimmert der Titel nun in 4K und mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde über den Bildschirm. Vor allem die Crashes werden so zur echten Augenweide und wir schauen genüsslich dabei zu, wie sich die komplette Karosserie der Autos ineinander schiebt oder die Scheiben in tausende Einzelteile zerbersten. Auch die unlizenzierten Fahrzeugmodelle wurden einer kleinen Frischzellenkur unterzogen und bieten so mehr Details, wie etwa einen dreidimensionalen Unterbau. Die normalen Varianten der Playstation 4 und der Xbox One kommen immerhin noch mit einer nativen Darstellung von 1080p aus. Leider fehlt ein HDR-Feature und trotz der feinen Änderungen an der Optik, kann der Titel seinen eigentlichen Ursprung nicht verstecken. Der Gesamtlook erinnert noch stark an die letzte Konsolengeneration, was verwaschene Texturen und altbackene Farbfilter an jeder Ecke im Spiel preisgeben.

Der Soundtrack aus Rock, Heavy Metal und Garage Rock heißt uns dagegen sofort wieder willkommen. Vor allem Veteranen dürften die Ohrwürmer von Killswitch Engage, Avril Lavigne und – nicht zu vergessen – den Titelsong von Guns and Roses noch lauthals mitsingen können. Vom Zahn der Zeit unbeeindruckt, fügt sich die Tracklist passend in das Spielgeschehen ein und hinterlegt Crash- und Motorensounds mit dem richtigen Gefühl.

Die Steuerung geht ebenfalls gut von der Hand und ermöglicht, nach kleiner Eingewöhnungszeit, schon bald tollkühne Tricks und gewagte Manöver. Der einfache Wechsel in den Online-Modus von Burnout Paradise verdient ein ganz besonderes Lob. Hier reichen zwei Eingaben auf dem Digipad und schon landen wir in einer Online-Sitzung.

Alle Inhalte von Burnout Paradise Remastered:

  • Burnout Paradise Grundspiel
  • Big Surf Island Erweiterung
  • Toy Cars Pack
  • Burnout Bikes
  • Cops and Robbers Pack
  • Legendary Cars
  • Boost Special Cars
  • Cagney Update
  • Party Pack

Burnout Paradise Remastered ist seit dem 16. März 2018 für Playstation 4 und Xbox One erhältlich. Für 39,99€ könnt ihr euch die digitale Version aus dem Store herunterladen oder eine physische Version im Handel erwerben.

Der Test und alle Screenshots basieren auf unserer Testversion von Burnout Paradise Remastered für die Xbox One, die uns freundlicherweise von Publisher Electronic Arts zur Verfügung gestellt wurde.

 

83%
Liebhaberstück mit leichten Gebrauchsspuren...

Burnout Paradise Remastered lässt sich wohl am besten mit einem alten Auto vergleichen. Es macht wahnsinnig viel Spaß es nochmal zu fahren, das Radio voll aufzudrehen und dabei in Erinnerungen zu schwelgen, doch irgendwie fehlt der ganze Komfort, an den wir heute so gewöhnt sind. Die Action während der Rennen bleibt kompromisslos und erinnert mich wieder daran, warum ich der Reihe damals mein Herz geschenkt habe, viele Designentscheidungen wirken allerdings überholt und lassen mich frustriert zurück. Schade, dass Criterion Games hier nicht noch mehr Aufwand betrieben hat, um wenigstens so etwas wie eine Schnellreisefunktion ins Spiel zu integrieren. Trotzdem überwiegen am Ende Spielspaß und Vielfalt und auch der Preis fällt, angesichts des Inhalts und einer hohen Spielzeit, äußerst fair aus. Veteranen dürfen gerne nach Paradise City zurückkehren und auch Neulinge sollten mal einen Abstecher wagen.

  • Grafik 75%
  • Sound 80%
  • Umfang 90%
  • Story/Atmosphäre 80%
  • Steuerung 90%