Bohn to be Wild im Test

Bohnen, Handeln und der Wilde Westen – alles zusammen in einem einzigen Kartenspiel. Klingt komisch, ist aber so. AMIGO versucht uns wieder einmal mit ihren Neuheiten zu überzeugen. Dieses Mal geht es um die „Fortsetzung“ der Erfolgsspiels „Bohnanza“. Mehr Karten, mehr Bohnen, neues Setting und jede Menge neue Regeln machen aus dem kultigen Bohnenspiel etwas völlig neues. Wir wollen euch einen kurzen Überblick über die „Neuerungen“ geben, euch aber auch das „alte Spiel“ etwas näher bringen – und letztendlich unseren Senf zu dem neuen Spiel abgeben.

Kartenspiel Rezension von Mario von unserem Partner-Online Magazin www.game-kritik.net 
Kapitalismus pur
Das Ziel bei Bohn to be wild ist denkbar einfach: Wir bauen unterschiedliche Bohnen an und verkaufen diese zu möglichst hohen Preisen. Wer die meisten Bohnentaler – die Währung im Spiel – ergattert, gewinnt.
Wir können uns vorstellen, dass wir Bohnenbauern sind. Vor uns befindet sich eine bestimmte Anzahl an Bohnenfeldern – variierend nach der Spieleranzahl. Dort können wir unsere Western-Bohnen anbauen. Das Setting liegt nämlich im wilden Westen. Daher sind auch alle Bohnen an das Thema angelegt. Je mehr Bohnen der gleichen Sorte sich auf einem Feld befinden, wenn wir es abernten, desto höher fällt der Erlös in Form von Bohnentalern aus.
Wer am Ende des Spiels die meisten Taler gesammelt hat, gewinnt das Spiel.
So weit, so gut. Doch satteln wir das Pferd lieber nicht von hinten auf.
Go West – live is peaceful there
Wie bereits gesagt, ist der Wild Wild West das Thema des Spiels. Daher wurden alle elf Bohnensorten, die wir im Spiel finden, sorgsam ausgewählt, damit diese zum Setting passen. Alle im Spiel vorkommenden Bohnen existieren wirklich, selbst wenn man ab und an daran zweifelt. Ich persönlich habe noch nie von „Jamaikabohnen“, „Yin Yang Bohnen“ oder „Fassbohnen“ gehört. Aber meine biologischen Kenntnisse enden letztendlich auch am Ende meines Körpers. Also kein sonderlich guter Maßstab.
Der Autor des Spiels, Uwe Rosenberg, hatte mit seinem bereits 1995 erfundenen „Bohnanza“ seinen ersten großen Erfolg. Sein neuester Titel liegt uns nun vor: Bohn to be wild. Wie schon bei seinem ersten Spiel, unterstützte der Grafiker Björn Pertoft wieder dabei, die Idee witzig umzusetzen. Die Karikaturen der Bohnen sollen sowohl den Originalbohnen möglichst nahe kommen, aber auch passend zum Namen der Bohnen einen bestimmten Witz vermitteln. Dabei kommen Klischees natürlich nicht zu kurz: Die Jamaikabohne trägt lange Dreadlocks, sieht aus wie ein gigantischer Joint, welcher wiederum eine Zigarre (… „Zigarre“… i see what you did there) im Mund trägt. Die Farben Rot, Grün und Gelb dürfen dabei natürlich nicht fehlen. Die Chinesenbohne trägt einen spitzen Hut, einen langen dünnen Schnurrbart und natürlich ist sie mit Schlitzaugen versehen. Die Schwarze Bohne stellt einen afroamerikanischen Trompeter dar, welcher mit einem übergroßen Mund seine weißen Zähne zeigt. Vorurteile sei Dank.
Doch ich möchte diesen Punkt nicht kritisieren. Weder Boshaftigkeit noch stupides Klischeedenken stecken hinter den Designs. Sie erfüllen lediglich unsere Konnotationen, die in unseren Köpfen vorherrschen. Darum ist es witzig, und nicht politisch inkorrekt. Und dass die Gemeine Bohne irgendwie an einen französischen Stereotyp erinnert, liegt vermutlich an meinem eigenen, seltsamen Weltbild.
Wilde Bohnen
Abgesehen von Handelskarten, die ihm Spiel lediglich dazu dienen, sich Tauschversprechen zu merken, besteht das Spiel lediglich aus 154 Bohnenkarten. Diese umfassen elf verschiedene Bohnen mit unterschiedlicher Häufigkeit. Pferdebohnen befinden sich zum Beispiel 19 mal im Spiel, Helmbohnen dagegen nur neun mal. Je seltener eine Bohnensorte ist, desto mehr Bohnentaler bringen diese bei der Ernte ein.
Der größte Unterschied zu Bohnanza sind die sogenannten „wilden Bohnen“. Liegt solch eine Bohne auf einem unserer Bohnenfelder, bringen sie einen besonderen Effekt ein. Manche positiv, manche negativ. Einige bleiben so lange bestehen, bis das gesamte Feld abgeerntet wurde, andere nur so lange, bis eine neue Bohne darauf gelegt wird.
Bohn to be wild kann mit eins bis sieben Spieler gespielt werden. Da sich bei zwei bzw. einem Spieler die Regeln etwas ändern, sehen wir uns zuerst die Regeln für das Spiel in Gesellschaft an – sprich drei bis sieben Spieler. Bei insgesamt drei Spielern, hat jeder vier Bohnenfelder zur Verfügung. Bei vier bis fünf Mitspielern sind es lediglich drei Felder, mit sechs und sieben Spielern sogar nur noch zwei Felder. Das Spiel endet, wenn der Ziehstapel aufgebraucht ist – je nach Spielerzahl wird dieser allerdings mehrmals neu gemischt.
Ein großer Unterschied zu anderen Kartenspielen ist die Funktion der Handkarten. Wir dürfen die Reihenfolge der Karten nicht verändern, sondern müssen die fünf Karten der Reihe nach ausspielen. Lediglich die vorderste Karte kann gespielt werden. Neu gezogene Karten müssen nach Hinten gesteckt werden. Wilde Bohnen können dabei helfen, diese Regel entsprechend zu umgehen.
Der Spieler, der an der Reihe ist, hat nun vier verschiedene Phasen vor sich. In der ersten Phase muss er seine erste Handkarte ausspielen – entweder indem er ein neues Bohnenfeld eröffnet, ein bereits bestehendes Feld erweitert oder ein Bohnenfeld aberntet und ein Neues anlegt. Wenn er möchte, kann er auch die zweite Karte von seiner Hand ausspielen.
In der zweiten Phase deckt er drei Bohnenkarten vom Zugstapel auf. Diejenigen, welche er behalten möchte, darf er nehmen und vor sich hinlegen. Er darf auch die aufgedeckten Bohnen mit anderen Spielern tauchen oder diese verschenken. Bis zu einer Karte darf er auf den Ablagestapel legen. Sollten am Ende der Phase noch „ungewollte“ Bohnenkarten übrig bleiben, muss der aktive Spieler diese vor sich legen. Durch Tausch erhaltene Bohnenkarten liegen ebenfalls vor den jeweiligen Spielern. Natürlich können auch Bohnen von der Hand mit anderen Spielern getauscht werden.
Ist dieser Part ebenfalls beendet, müssen die erhaltenen Bohnen angebaut werden. Zu Letzt ziehen die Spieler der Reihe nach jeweils eine Karte. Anschließend ist der nächste Spieler an der Reihe und beginnt wieder mit der ersten Phase.
Bohnenfelder abernten ist jederzeit erlaubt. Hierfür wird der Stapel an zu erntenden Bohnen genommen und wie auf der Karte angegeben gegen Bohnentaler getauscht. Die Bohnentaler befinden sich auf der Rückseite der Karte und die Karten können entsprechend verwendet werden.
Liegen zum Beispiel fünf Chinabohnen vor einem Spieler und dieser möchte das entsprechende Feld ernten, erhält er dafür zwei Bohnentaler. Er nimmt sich also zwei Chinabohnen, dreht diese um und legt sie neben sich. Die restlichen drei Chinabohnen kommen auf den gemeinsamen Ablagestapel. Bei sechs Chinabohnen erhält er bereits drei Bohnentaler. Bei vier Helmbohnen dagegen erhält der Spieler bereits drei Bohnentaler, bei sechs Helmbohnen sogar fünf Bohnentaler. Hier wird auch schnell ersichtlich, dass seltenere Bohnen natürlich einen deutlich höheren Ertrag bringen.
Für wenig Freunde geeignet
Gesellschaftsspiele haben ja meist den Nachteil, dass eine Gesellschaft für das Spiel benötigt wird. Bohn to be wild bietet aber eine Möglichkeit, auch mit nur zwei Spielern oder sogar alleine den Spaß an den Bohnen zu haben. Hierfür ändern sich die Regeln natürlich – zum Beispiel werden alle Eigenschaften der Wilden Bohnen ignoriert.
Anstatt der Handelsphase, in der normal drei Karten aufgedeckt werden, gibt es bei zwei Spielern fünf Aktionskarten, die vor jedem Spieler liegen. Dazu natürlich wieder die fünf Handkarten – allerdings darf sowohl die erste, als auch die letzte Karte gespielt werden. Das Ziel bleibt allerdings das Gleiche: Gewonnen hat derjenige, der am Ende die meisten Bohnentaler erwirtschaftet hat.
Wer gerade keine Mitspieler finden kann (oder einfach niemanden hat, der Zeit mit ihm verbringen will….) hat ein anderes Ziel: Der Spieler versucht, innerhalb eines Zugstapels insgesamt mindestens 80 Bohnentaler zu erwirtschaften. Eigentlich nicht meine favorisierte Spielvariante – aber es funktioniert.
Fazit:
Bohn to be wild ist ein witziges Spiel, das eigentlich nach einem simplen Prinzip arbeitet. In der richtigen Runde kann es auch einmal lauter werden – zum Beispiel wenn sich zwei Mitspieler um den Handel für eine Bohne streiten. Heimtückische Sabotageaktionen und ungewollte Wilde Bohnen bringen die nötige Spannung ins Spiel. Glück alleine genügt nicht, um das Spiel zu gewinnen – ohne geht es aber natürlich auch nicht. Die Grafiken sind amüsant und sorgen für den nötigen „Western“ Flair im Spiel. Definitiv eine vernünftige Abendbeschäftigung.
Wertung:
Gut
Markus

Markus

Chefredakteur bei Markus Biering Verlag
Chefredakteur, Inhaber MB Verlag, erster Ansprechpartner und Gründer von Games-Mag
Markus

Chefredakteur, Inhaber MB Verlag, erster Ansprechpartner und Gründer von Games-Mag